Ökologische Landwirtschaft auf Mallorca
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| Inhaltsverzeichnis |
Ökologische Agrarprodukte (Mallorca)
Begriffserklärung
Lebensmittel, zu deren Herstellung in der Landwirtschaft und Viehzucht auf die Verwendung von chemischen Synthese-Produkten (Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Wachstumsförderungsmittel) verzichtet wird, um die Umwelt zu schützen, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, und damit Lebensmittel anzubieten, die alle ihre natürlichen Eigenschaften behalten haben.
Die ökologische Landwirtschaft definiert sich als ein landwirtschaftliches Produktionssystem, das darum bemüht ist, die Umwelt zu schützen und gesunde Nahrungsmittel in ausreichender Menge zu erzeugen, indem sie natürliche Hilfsmittel in der Landwirtschaft, also bei der Düngung des Bodens, der Bekämpfung von Schädlingsplagen, der Viehzucht, etc. einsetzt.
Ausgeschlossen ist die Verwendung bestimmter chemischer Syntheseprodukte (Dünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Antibiotika, Zusatzstoffe, etc.) desweiteren genetisch veränderter Mittel und Produkte.
Der ökologische Anbau beruht auf den folgenden Prinzipien und Vorgehensweisen, die den Schutz der Umwelt, die Gesundheit des Verbrauchers und die Qualität des Produktes sichern sollen:
Anbauflächen
Zugelassen sind manuell ausgeführte bzw. in begrenztem Umfang auch mechanisch ausgeführte Bearbeitungsprozesse, die zur Förderung der Wurzelbildung, der Regenwürmer und sonstiger nützlicher Mikroorganismen dienen, um die Struktur, die Belüftung und die Speicherung des Wassers in den Böden zu verbessern.
Die Anzahl an Arbeitsgängen soll hierbei auf ein Mindestmass beschränkt werden, was insbesondere für Eingriffe in die tieferen Schichten gilt, die nur nach und nach und zum richtigen Zeitpunkt ausgeführt werden sollen, um die Bodenstruktur zu erhalten und einer Veränderung des Bodenprofils vorzubeugen.
Rotationspflanzungen und Kombination verschiedener Anbaukulturen
Einander ablösende Anpflanzungen müssen unterschiedliche Bodenbeanspruchungen aufweisen und sich ergänzen. Sie dürfen nicht miteinander konkurrieren oder pflanzliche Unverträglichkeiten aufweisen und werden so ausgewählt, dass sie ihr gegenseitiges Wachstum bestmöglich fördern, wie z.B. Getreide und Hülsenfrüchte.
Grüngürtel
An den Grenzen der Anbauflächen wird die Anlage und Pflege von Grüngürteln wegen ihrer günstigen Eigenschaften für die Kulturpflanzen empfohlen: Sie ziehen Insekten an, die die Pflanzen bestäuben sowie sonstige, nutzbringende Insekten, die dazu beitragen, dass Schädlinge auf natürliche Weise bekämpft werden, verschönern die Landschaft und fördern die Erhaltung biologischer Vielfalt.
Zu diesem Zweck wird empfohlen, als Bewuchs sowohl lebende Pflanzen anzusiedeln (gezüchteter Pflanzenbewuchs), als auch tote organische Materie (Überreste anderer Pflanzen, Forstschnitt, etc.) aufzubringen, die der Bodenerosion vorbeugen, Nährstoffe recyceln, die Aktivität von Mikroben fördern, die Anzahl unerwünschter Kräuter verringern und die Wurzeln schützen.
Düngung und Ertragssteigerung
Die für die ökologische Landwirtschaft gültigen Bestimmungen sehen vor, dass die Düngung und Förderung der biologischen Ertragssteigerung nach folgenden Gesichtspunkten erfolgen müssen:
- Nutzung natürlicher Mittel zur Ertragssteigerung: Anbau von Hülsenfrüchten, Gründünger, Pflanzen mit tiefreichenden Wurzeln, Rotationsverfahren und Kombination von Anbauflächen.
- Aufbringung von organischen Düngern tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, die den Vorschriften gemäß hergestellt und auf natürlichem Wege erzeugt wurden: pflanzliche Überreste vorhergegangener Ernten, Stroh, Dung, Seealgen, organische Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelindustrie, Humus von Regenwürmern, Pflanzenrinde, etc.
Integrierung von Agrar- und Viehwirtschaft
Die Verbindung von Agrarwirtschaft mit Viehwirtschaft ist eine höchst empfehlenswerte Methode, die zur Selbstversorgung beiträgt:
- Sie fördert die Fruchtbarkeit der Böden und schließt die natürlichen Zyklen mit Nahrungsmitteln.
- Es werden auch Gebiete genutzt, die sich nicht als Anbauflächen eignen.
- Rotation von Anbauflächen wird begünstigt.
- Produktive und wirtschaftliche Rentabilität wird gesteigert.
Vorbeugung und Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten
Der Einsatz von synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln ist durch die Bestimmungen zur ökologischen Bewirtschaftung ausdrücklich verboten worden, was dazu führt, dass Alternativen zur Schädlingsbekämpfung nach folgenden Kriterien gefunden werden müssen:
Angemessener Umgang mit der nicht kultivierten Vegetation.
Externe Grüngürtel und Anpflanzungen zwischen Bäumen oder zwischen den Anbauflächen, in denen sich die natürlichen Feinde der zu bekämpfenden Schädlinge wohlfühlen..
Einsatz heimischer Arten, die sich der Umgebung gut angepasst haben.
Ausgewogene Düngung, damit die Pflanzen widerstandsfähiger werden.
Beschnitt und manuelle Entfernung der befallenen Pflanzenteile.
Licht- oder Farbfallen bzw. Luftstromverwirbelungen; Barrieren und Netze für Insekten und Vögel; Asche oder mit Öl bestrichene Bänder gegen Insekten, etc.
Pflanzen, die abstossende Wirkungen auf unerwünschte Eindringlinge haben oder Köderpflanzen, die sie fangen.
Eine biologische Kontrolle, die das Ökosystem stabil hält und Schädlingspopulationen auf natürliche Weise reguliert bzw. auf einem Stand erhält, die die Ertragsausbeute der Anpflanzungen nicht beeinträchtigt.
Pflanzenschutzmittel in begrenzter Anwendung und in Übereinstimmung mit den Vorschriften der ökologischen Landwirtschaft, wie Konzentrate aus Pflanzen, Schwefel, Natriumkarbonat, Pheromone und mineralische, pflanzliche oder tierische Öle.
Ökologische Viehzucht
Es ist nur logisch, dass die ökologischen Erwägungen bei der Landwirtschaft begonnen haben und nicht bei der Viehzucht, denn die Ernährung der Tiere hängt direkt von der Ladwirtschaft ab. Nach und nach ist man in der Viehzucht aber den Vorgaben aus der Landwirtschaft gefolgt und hat diese auch in die ökologische Produktion miteinbezogen.
Erst etwa 8 Jahre nach der Einführung der Bestimmungen zur landwirtschaftlichen Produktion wurde die Verordnung CE 1804/1999 genehmigt, worin die Prinzipien und spezifischen Kontrollmaßnahmen zur ökologischen Erzeugung von Fleisch und weiterverarbeiteten Tierprodukten festgehalten werden. Der Prozess zur Einbeziehung der Viehzucht wurde durch den Druck der Verbraucher begünstigt, die ihrerseits durch die vielen alarmierenden Meldungen über Krankheiten und sonstige gesundheitsschädliche Vorgänge in der Nahrungsmittelindustrie aufgeschreckt wurden.
Die ökologische Viehwirtschaft basiert auf der Bevorzugung ökologischer Vielfalt, der Bevorzugung von Rassen, die sich ihrem Umfeld am besten angepasst haben und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten; zudem ist den einheimischen Rassen – bei gleichen Voraussetzungen - Vorrang einzuräumen.
Gentechnisch manipulierte Tiere und von ihnen erzeugte Produkte vertragen sich nicht mit den Prinzipien ökologischer Viehwirtschaft.
Tierschutz
Die Bestimmungen schreiben Unterkünfte in genügender Größe, ausreichende Belüftug und Helligkeit vor. Die ökologische Viehzucht lehnt Massenzuchtmethoden zur Ertragssteigerung, wie die Aufzucht von Tieren auf kleinstem Raum, ständige, künstliche Beleuchtung, etc. ausdrücklich ab.
Die Bewegungsfreiheit der Tiere muss in jedem Falle gewährleistet sein und die natürlichen Aktiv- und Ruhephasen müssen respektiert werden.
Die richtige Ernährung der Tiere basiert auf aus ökologischem Anbau stammenden Produkten. Tierproteine dürfe weder direkt, noch als Beimischung im Futter gefüttert werden. Bei Säugetieren ist die Einhaltung einer bestimmten Stillzeit vorgeschrieben.
Um die Tiere gesund zu erhalten, muss Infektionen und Krankheiten auf bestmögliche Weise vorgebeugt werden: Es werden widerstandsfähige Rassen ausgesucht und für eine ausgewogene Ernährung mit ausgewähltem Futter ebenso gesorgt, wie für die richtige Menge an Viehbestand, etc.
Sollten sich trotz vorbeugender Maßnahmen Gesundheitsprobleme ergeben, werden umgehend Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die die Anforderungen für Ökobetriebe erfüllen. Hierbei werden vorzugsweise pflanzliche oder homöopathische Mittel bzw. Spurenelemente als Medikamente eingesetzt und der Gebrauch von synthetischen Chemieprodukten oder Antibiotika weitestgehend eingeschränkt. Letztgenannte Mittel dürfen in keinem Fall zu Vorbeugungszwecken eingesetzt werden. Ausdrücklich verboten ist jedwede Form von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln. Außerdem werden Techniken abgelehnt, die der Synchronisierung der Fruchtbarkeitszyklen auf nicht natürlichem Wege dienen, sowie die Übertragung von Embryos und genetische Manipulationen.
Zudem gibt es Vorschriften über den richtigen Transport der Tiere: der Stress für die Tiere muss auf ein Minimum reduziert werden; Beruhigungsmittel für die Transportdauer sind verboten.
Kontrolle und Kennzeichnung ökologischer Produkte
Im Jahr 1994 wurde der Rat der Balearen für die ökologische Agrarproduktion (CBPAE) gegründet, dem die Kontrolle und die Kennzeichnung ökologischer Produkte der Balearen obliegt.
Registrierte Produkte müssen so gekennzeichnet werden, dass alle Praktiken, Tätigkeiten und Vorkommnisse vermerkt sind und in regelmäßigen Abständen müssen Bodenproben sowie Muster der erzeugten Produkte entnommen werden.
Für den Verbraucher ist diese Art der Produkte anhand von Etiketten oder nummerierten Gütesiegeln sichtbar, die das Emblem und den Titel des "Rates der Balearen für ökologische Agrarproduktion" tragen.
Statistik
Produktionsangaben: (Stand: 2002)
- Nutzfläche: 10.200 Hektar.
- Ökobetriebe: 222
- Viehzuchtbetriebe: 28
- Verarbeitungsbetriebe: 26
Preise und Absatz
Der Absatz von Erzeugnissen der ökologischen Landwirtschaft hat in der Vergangenheit auf Mallorca langsam zugenommen, wobei tendenziell eine positive Entwicklung deutlich zu erkennen ist. Ein großer Teil der Verbraucher reagiert jedoch auf Grund der höheren Preise noch zurückhaltend. Der Umsatz im Jahre 2002 wurde mit rund 600.000 Euro angegeben.
Die Preise für Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft sind im Vergleich mit den Erzeugnissen der konventionellen Landwirtschaft aus mehreren Gründen deutlich höher. Zum einen liegt der Ertrag durchschnittlich bei weniger als 50% und ist wesentlich größeren Schwankungen (Risiko) bis hin zum Totalausfall unterworfen. Gleichzeitig muss der Landwirt auf Skalenerträge verzichten, da durch den Verzicht auf Monokulturen bzw. eine intensive Viehwirtschaft ein Ersatz von Human- durch Maschinenkapital nur begrenzt möglich ist.
Literatur
- Dirección General de Agricultura, Palma, Datenblatt Ausgabe 2003
- Erlaß 131/2001 vom 30. November zur Gründung des Instituts für Qualität in der Herstellung von Lebensmitteln aus Agrarproduktion der Balearen, dem IQUA, (BOIB Nr. 147 vom 8. Dezember 2001.
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