Agentenaustausch
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Unter einem Agentenaustausch versteht man, wenn zwei Geheimdienste gefangene Agenten der Gegenseite freilassen und im Austausch eigene Agenten von ihr erhalten.
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Austauschgründe
Für den Tausch von Agenten können folgende Gründe vorliegen:
- Eigene, vom Gegner gefasste Agenten, zu erhalten, um
- zu verhindern, dass noch unentdeckte Strukturen des eigenen Agentennetzes beim Gegner aufgedeckt werden (Verrat).
- bislang unbekannte Informationen abzuschöpfen, die nach der Verhaftung nicht übermittelt werden konnten und auch nicht nach der Festnahme preisgegeben wurden.
- Erfahrungen des Agenten zu Ausbildungszwecken zu nutzen.
- den gefassten Agenten zu bestrafen.
- die Leistungen des Agenten im eigenen Land propagandistisch zu verwerten.
- Feindliche Aktionen zur Befreiung des gefassten Agenten zu verhindern.
Humanitäre Gründe (Befreiung, Rückkehr in die Heimat, Familienzusammenführung) spielen in der Regel keine Rolle. Sie werden jedoch gegenüber der Öffentlichkeit meist vorgegeben, wenn der Fall bekannt wird.
Austauschpraxis
In der Regel findet ein Tausch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Kein Land will zugeben, dass es Spionage betreibt. So einigt man sich meist auf eine stille Aktion. Nur in wenigen Fällen wird die Öffentlichkeit unbeabsichtigt oder gezielt einbezogen. Für den Tausch Abel gegen Powers hatte man bewusst die Glienicker Brücke gewählt, weil sie zwischen beiden Lagern, abseits der Öffentlichkeit lag. Kein anderer Grenzort als Berlin wäre von den beteiligten Mächten USA und UdSSR besser erreichbar gewesen. An jedem anderen Grenzübergang war weitaus mehr unerwünschter Publikumsverkehr. Außerdem stand im Raum Berlin beiden Seiten eine perfekte Logistik für die Sicherung, den An- und den Abtransport zur Verfügung. Beim ersten Agententausch auf der Glienicker Brücke war es mindestens von einer Seite nicht beabsichtigt Öffentlichkeit herzustellen. Dennoch sorgte der Austausch für Schlagzeilen.
Auf der Glienicker Brücke an der Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam-Babelsberg(damals DDR wurden an 3 Terminen insgesamt 38 Personen ausgetauscht, die z.T. Agenten waren. Über diese Ereignisse wurde in den Medien seinerzeit auch zeitnah, teilweise mit detaillierten Informationen, berichtet.
Agententausch auf der Glienicker Brücke
Später ging sie auch unter dem Namen "Agentenbrücke" durch die Medien. Der englische Nickname der Brücke ist "Brigde of Spies". Tatsächlich wurden hier an 3 Terminen Agenten der USA und der UdSSR ausgetauscht. Fälschlicherweise erwecken manche Veröffentlichungen den Eindruck, dass der Austausch von Agenten oft stattfand. Eine maßgebliche Vermittlerrolle bei all diesen Aktionen spielte der Ostberliner Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Vogel.
Austausch 1
- 11. Februar 1962 zwischen
- Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel, Spitzenspion der Sowjets in den USA und
- Francis Gary Powers, dem amerikanischen Piloten, der bei einem "Aufklärungsflug" mit der U 2 über der Sowjetunion abgeschossen wurde.
Austausch 2
Austausch 3
Anatoli (Nathan) Scharanski, heute Minister für Jerusalem in Israel
- 11. Februar 1986 Austausch 4(Ost) ./. 5(West) von
- 1. Anatoli (Nathan) Scharanski (Schreibweise auch Anatolij Schtscharanski (UdSSR, Kybernetiker; Dissident, Regimekritiker, Oppositioneller, aus Sicht der UdSSR ein Agent, verurteilt wegen Verrats und antisowjetischer Agitation)
- 2. Wolf-Georg Frohn, DDR
- 3. Jaroslav Javorsky, CSSR
- 4. Dietrich Nistroy, BRD
gegen
- 1. Hanna Köcher
- 2. Karl Köcher
- 3. Semjiakow, Computerspezialist der UdSSR
- 4. Jerzy Kaczmarek, Geheimdienstler der VR Polen
- 5. Detlef Scharfenorth
Die Amerikaner wählten gezielt diesen Tag aus, da am 11. Februar 1962 der Austausch zwischen Oberst Abel und Pilot Powers erfolgte. Lange gab es Streit, ob Anatoli Scharanski als Freiheitskämpfer (Sicht der USA) oder Agent (Sowjetische Auffassung) zu behandeln sei. Die Amerikaner setzten sich mit ihrer Auffassung durch und erwirkten, dass Scharanski vor den drei Anderen zur Grenzlinie gefahren wurde. Scharanski ist jetzt Minister für Jerusalem in Israel.
Während von westlicher Seite ein spektakulärer Medienrummel inszeniert wurde, berichtete im Osten lediglich das Staatsorgan der DDR "Neues Deutschland" in der Ausgabe vom 12. Februar 1986:
- Austausch auf der Glienicker Brücke Auf Grund von Vereinbarungen zwischen den USA und der BRD sowie der UdSSR, der CSSR, der VRP und der DDR fand am Dienstag, den 11. Februar 1986 ein Austausch von Personen statt, die durch die jeweiligen Länder inhaftiert worden waren. Darunter befanden sich mehrere Kundschafter.
Agententausch (sonstige)
Das Beispiel Glienicker Brücke war keine einmalige Aktion dieser Art. Allerdings haben die Medien dafür gesorgt, dass diese Aktionen weltweit bekannt wurden. Oft sind Regierungen und Geheimdienste bestrebt, im Ausland verhaftete Agenten gegen Agenten der Gegenseite, die im eigenen Interessengebiet festgenommen wurden, auszutauschen. In der Regel findet ein Austausch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da keine Seite zugeben will, dass sie im Ausland spioniert.
Weblinks
- weitere Weblinks
- KartenausschnittBericht in der FAZAgententausch auf der Glienicker Brücke Über den 11.Juni 1985[Kategorie:Nachrichtendienstlicher Begriff]]
- Suche nach Agentenaustausch Infos mit: Yahoo
