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Aggregatzustand

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Als Aggregatzustände bezeichnet man qualitativ verschiedene, temperatur- und druckabhängige physikalische Zustände von Stoffen.

Die Abhängigkeit des Aggregatszustandes von diesen Größen wird üblicherweise in einem so genannten Phasendiagramm dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Die Aggregatzustände

Es gibt drei klassische Aggregatzustände:

Einen Stoff im festen Aggregatzustand nennt man Festkörper, einen Stoff im flüssigen Aggregatzustand nennt man Flüssigkeit und einen Stoff im gasförmigen Aggregatzustand nennt man Gas.

Nach neueren Ăśberlegungen unterscheidet man:

Phasendiagramme


Das Phasendiagramm beschreibt den Aggregatzustand in Abhängigkeit von Druck und Temperatur. Anhand der Linien kann man erkennen, bei welchem Druck die Stoffe ihren Aggregatzustand verändern. Man kann sagen, auf den Linien findet der Übergang zwischen den Aggregatzuständen statt; hier sind die beiden Aggregatzuständen gleichzeitig vorhanden.

Aus einem Phasendiagramm kann man auĂźerdem folgendes erkennen:

Änderung des Aggregatzustands

Die Übergänge zwischen den verschiedenen Aggregatzuständen haben spezielle Namen:

Das Schmelzen und Erstarren findet nur bei einer spezifischen, druckabhängigen Temperatur statt, der Schmelz- beziehungsweise Erstarrungstemperatur.

Dagegen kommt die Sublimation und das Verdampfen auch unterhalb der Sublimations- beziehungsweise Siedetemperatur vor. Man spricht hier von der so genannten Verdunstung.

Beispiel für die Übergänge

Man kann alle Übergänge im Alltag beobachten, zum Beispiel am Wasser:

Anwendung von Schmelz- und Siedetemperatur

Stoff Schmelztemperatur Siedetemperatur Aggregatzustand bei Raumtemperatur (25 °C)1 Aggregatzustand im Gefrierschrank (-10 °C)1
Eisen 1535 °C 2750 °C fest fest
Helium -272 °C -269 °C gasförmig gasförmig
Brom -7 °C 59 °C flüssig fest
Chlor -101 °C -35 °C gasförmig gasförmig


1 bei Normaldruck

Nicht-klassische Aggregatzustände

Neben den drei klassischen Aggregatzuständen gibt es weitere, die nur unter extremen Bedinungen auftreten (nach Temperatur, von niedrigen zu hohen, sortiert):

Zu beachten ist, dass Plasma und Vakuum keine eigentlichen Aggregatzustände sind. Grund dafür ist, dass es keine Phasenübergänge gibt, die diese Zustände abgrenzen.

Teilchenmodell

Die Eigenschaften der klassischen Aggregatzustände lassen sich mit einem Teilchenmodell erklären. Dabei nimmt man an, dass ein Stoff aus so genannten kleinsten Teilchen besteht. In der Wirklichkeit sind zwar diese kleinsten Teilchen von anderer Form (Atome, Moleküle oder Ionen), aber für die Erklärung der Aggregatzustände reicht es aus, die Teilchen als kleine, runde Kugeln anzusehen.

Zustände

fest/kristallin

Bewegung: Die kleinsten Teilchen sind bei einem Feststoff nur wenig in Bewegung. Sie schwingen (bei Temperaturen über 0 K) um eine feste Position, ihren Gitterplatz. Bei 0 K sind die Teilchen nicht mehr in Bewegung. Je höher die Temperatur wird, desto heftiger schwingen sie und der Abstand zwischen den Teilchen nimmt (meist) zu. Ausnahme: Dichteanomalie des Wassers.

→ Die Form des Feststoffes bleibt unverändert.

Das Mittel der so genannten brownschen Molekularbewegung, das heiĂźt die mittlere kinetische Energie aller Teilchen, ist ein MaĂź fĂĽr die Temperatur.

Hinweis: Betrachtet man die Teilchen mit quantenmechanischen Grundsätzen, so dürfen aufgrund der Heisenbergsche Unschärferelation eigentlich Teilchen nie ruhig stehen. Sie haben kleine Schwingungen, die man auch als Nullpunktsfluktuationen bezeichnet. Das entspricht dem Grundzustand des Harmonischen Oszillators.

Anziehung: Zwischen den kleinsten Teilchen wirken verschiedene Kräfte, das sind die Van-der-Waals-Kraft, die elektrostatische Kraft zwischen Ionen, Wasserstoffbrücken oder atomaren Bindungen. Die Art der Kraft ist durch den atomaren Aufbau der Teilchen (Ionen, Moleküle, Dipole, ...) bestimmt. Bei Stoffen, die auch bei hohen Temperaturen fest sind, ist die Anziehung besonders stark.

→ Stoffe im festen Aggregatzustand lassen sich nur schwer aufteilen.
→ Sie lassen sich nur schwer verformen.

Anordnung: Durch die schwache Bewegung und den festen Zusammenhalt sind die Teilchen regelmäßig angeordnet.

→ Die meisten festen Reinstoffe haben deshalb eine regelmäßige Struktur (Kristall).

Abstand: Durch die starke Anziehung sind die Teilchen eng beieinander (dicht gepackt)

→ Das Volumen eines Feststoffes lässt sich nicht verringern.

flĂĽssig/amorph

Bewegung: Wegen der Erhöhung der Temperatur werden die Teilchen immer schneller.

Anziehung: Durch die Erwärmung ist die Bewegung der Teilchen so stark, dass die Wechselwirkungskräfte nicht mehr ausreichend sind, um die Teilchen an ihrem Platz zu halten. Die Teilchen können sich nun frei bewegen.

→ Ein flüssiger Stoff verteilt sich von alleine, wenn er nicht in einem Gefäß festgehalten wird.
→ Ein Farbstoff verteilt sich von alleine in einer Flüssigkeit (Diffusion).

Abstand: Wenn der Abstand der Teilchen durch die schnellere Bewegung ein wenig größer wird (die meisten festen Stoffe nehmen beim Schmelzen einen größeren Raum ein), so hängen die Teilchen aber weiter aneinander.

→ Das Volumen einer Flüssigkeit lässt sich nicht so gut wie gar nicht verringern.

Anordnung: Obwohl die Teilchen sich ständig neu anordnen und Zitterbewegungen durchführen, kann eine Anordnung festgestellt werden.

gasförmig

Bewegung: Bei Stoffen im gasförmigem Zustand sind die Teilchen schnell in Bewegung.

→ Ein Gas oder gasförmiger Stoff verteilt sich schnell in einem Raum.
→ In einem geschlossenen Raum führt das Stoßen der kleinsten Teilchen gegen die Wände zum Druck des Gases.

Anziehung: Beim gasförmigen Zustand unterliegt die Kohäsionskraft der Bewegungsenergie der kleinsten Teilchen. Durch die hohe Geschwindigkeit halten sie nicht mehr zusammen.

→ Die kleinsten Teilchen des gasförmigen Stoffes verteilen sich gleichmäßig im gesamten, zur Verfügung stehenden, Raum.

Abstand: Durch die schnelle Bewegung der Teilchen in einem Gas sind sie weit voneinander entfernt. Sie stoĂźen nur hin und wieder einander an, bleiben aber im Vergleich zur flĂĽssigen Phase auf groĂźer Distanz.

→ Ein gasförmiger Stoff lässt sich komprimieren, d.h. das Volumen lässt sich verringern.

Anordnung: Aufgrund der Bewegung sind die Teilchen ungeordnet

In der physikalischen Chemie unterscheidet man zwischen einem so genannten Dampf und einem so genannten Gas.

Beide sind physikalisch gesehen nichts anderes als der gasförmige Aggregatzustand; die Begriffe haben auch nicht direkt mit realem Gas und idealem Gas zu tun. Was umgangssprachlich als "Dampf" bezeichnet wird, ist physikalisch gesehen ein Aerosol aus flüssigen und gasförmigen Bestandteilen.

Dampf

Bei einem Dampf im engeren Sinn handelt es sich um einen Gleichgewichtszustand zwischen flüssiger und gasförmiger Phase. Er kann ohne Arbeit verrichten zu müssen verflüssigt werden, d. h. beim Verflüssigen erfolgt kein Druckanstieg. Ein solcher Dampf wird in der Technik als Naßdampf bezeichnet im Gegensatz zum sogenannten Heißdampf oder überhitzten Dampf, der im eigentlichen Sinn ein reales Gas aus Wassermolekülen darstellt und dessen Temperatur oberhalb der Kondensationstemperatur der flüssigen Phase beim jeweiligen Druck liegt.

Gas

Ab einer bestimmten Temperatur ist die Energie der kleinsten Teilchen viel zu groß, um sie durch Erhöhen des Drucks wieder flüssig zu bekommen.

In Sonnen beispielsweise sind sich die kleinsten Teilchen näher als in einer Flüssigkeit, aber die Anziehungskraft ist nicht groß genug, damit sie kondensieren könnten. Man hat es in der Sonne mit einem Plasmagas zu tun.

Plasma

Einen gasförmigen Zustand in dem freie Elektronen und ionisierte Atome vorkommen, bezeichnet man als Plasma.

Dieser Zustand kann bei hohen Temperaturen (thermischer Zerfall) erreicht werden, aber zum Beispiel auch durch starke elektrische Felder (Blitz, Halogenlampe). Bei hohen Temperaturen (~ 5000 K) zerfallen Gase nahezu komplett in ein Plasma, aber auch bei niederen Temperaturen kommen freie Elektronen und ionisierte Atome (auch in Festkörpern oder Flüssigkeiten) nachweislich vor.

Es gibt daher keinen PhasenĂĽbergang zum Plasma. Daher ist auch umstritten ob ein Plasma ĂĽberhaupt ein eigentlicher Aggregatzustand ist.

Bei immer höheren Temperaturen können sogar die Atomkerne gänzlich freigelegt werden, was für die Kernfusion interessant ist.

Grundsätzlich verhält sich ein Plasma aber wie ein Gas, nur mit Elektronen und Kationen oder Atomkernen als kleinsten Teilchen. Dadurch ist das Plasma ein guter elektrischer Leiter.

Vakuum

Ein Vakuum gilt dann als erreicht, wenn die Teilchen des Gases eine mittlere freie Weglänge aufweisen welche größer ist als die Abmessungen des zur Verfügung stehenden Raumes.

Dadurch, dass die Teilchen nur noch sehr selten durch Stöße miteinander wechselwirken unterscheidet sich das Vakuum in Folgendem von einem Gas:

Es ist außerdem umstritten, ob makroskopische Größen wie Druck und Temperatur zur Beschreibung eines Vakuums sinnvoll sind.

Phasenübergänge

Schmelzen

Durch Erhöhen der Temperatur bewegen sich die kleinsten Teilchen immer heftiger, und ihr Abstand voneinander wird (normalerweise) immer größer.

Die Van-Der-Waalschen Kräfte halten sie aber noch in ihrer Position, ihrem Gitterplatz.

Erst ab der so genannten Schmelztemperatur wird der Abstand so groĂź, dass die kleinsten Teilchen aneinander vorbeikommen, und dadurch verliert der Feststoff seine Form.

Erstarren

Mit sinkender Temperatur nimmt die Bewegung der kleinsten Teilchen ab und ihr Abstand zueinander wird immer geringer.

Bei der so genannten Erstarrungstemperatur wird der Abstand so klein, dass sich die kleinsten Teilchen gegenseitig blockieren und miteinander verstärkt anziehend wechselwirken - sie nehmen eine feste Position in einem dreidimensionalen Gitter ein.

Verdampfen & Sublimation

Die Geschwindigkeit der kleinsten Teilchen ist nicht gleich. Ein Teil ist schneller, ein Teil ist langsamer als der Durchschnitt. Dabei ändern die Teilchen durch Kollisionen ständig ihre aktuelle Geschwindigkeit.

An der Grenze eines Festkörpers oder einer Flüssigkeit, dem Übergang einer Phase in eine gasförmige, kann es mitunter vorkommen, dass ein Teilchen von seinen Nachbarn zufällig einen so starken Impuls bekommt, dass er aus dem Einflussbereich der Kohäsionskraft entweicht.

Dieses Teilchen tritt dann in den gasförmigen Zustand über, und nimmt etwas Wärmeenergie in Form der Bewegungsenergie mit, das heißt die feste oder flüssige Phase kühlt ein wenig ab.

Ist die Sublimations- oder Siedetemperatur erreicht, geschieht dieser Vorgang kontinuierlich, bis alle kleinsten Teilchen in die gasförmige Phase übergetreten sind.

In diesem Fall bleibt die Temperatur in der verdampfenden Phase in der Regel unverändert, weil alle Teilchen mit einer höheren Temperatur aus dem System verschwinden. Die Wärmezufuhr wird somit in eine Erhöhung der Entropie umgesetzt.

Wenn Teilchen von einem Aggregatzustand in einen anderen übergehen, nehmen sie mehr Energie auf, als beim normalen Erhöhen der Temperatur (siehe Verdampfen). Daher wird zwischen Verdunstung und Sieden unterschieden.

Wenn die Kohäsionskräfte sehr stark sind, beziehungsweise es sich eigentlich um eine viel stärkere Metall- oder Ionenbindung handelt, dann kommt es nicht zur Verdampfung.

Kondensation & Resublimation

Der umgekehrte Vorgang ist die Kondensation beziehungsweise Resublimation. Ein kleinstes Teilchen trifft zufällig auf einen festen oder flüssigen Stoff, überträgt seinen Impuls und wird von den Kohäsionskräften festgehalten.

Dadurch erwärmt sich der Körper um die Energie, die das kleinste Teilchen mehr trug, als der Durchschnitt der kleinsten Teilchen in der festen beziehungsweise flüssigen Phase.

Stammt das Teilchen allerdings von einem Stoff, der bei dieser Temperatur gasförmig ist, sind die Kohäsionskräfte zu schwach, es festzuhalten. Selbst wenn es zufällig so viel Energie verloren hat, dass es gebunden wird, schleudert es die nächste Kollision mit benachbarten kleinsten Teilchen wieder in die Gasphase.

Durch Absenken der Temperatur kann man den kleinsten Teilchen ihre Energie entziehen.

Dadurch ballen sie sich beim Unterschreiten der Sublimations- oder Erstarrungstemperatur durch die Wechselwirkungskräfte mit anderen Teilchen zusammen und bilden wieder einen Feststoff oder eine Flüssigkeit.

Siehe auch: Teilchenmodell, Phase (Chemie), Suprafluidität, Flüssigkristall, Leidenfrost-Effekt














Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Aggregatzustand aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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