Alexander Selkirk
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Einordnung: Mann | Schotte | Seefahrer
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Alexander Selkirk (oder Selcraig) (* 1676 in Lower Largo, Fife, Schottland; †1723), ein schottischer Seefahrer und Abenteurer gilt gemeinhin als Vorbild für Daniel Defoes Figur Robinson Crusoe aus dem gleichnamigen Roman.
| Inhaltsverzeichnis |
Jugend
Selkirk wächst als jüngster Sohn eines schottischen Schuhmachers und Gerberei-Besitzers auf. In seiner Jugend zeigte er eine streitsüchtige und ungehorsame Veranlagung. Am 27. August 1695 wurde er vor die Kirchenversammlung wegen ungebührlichen Verhaltens in der Kirche geladen. Sonst ist über seine Kindheit und Jugend wenig bekannt.
Seemann
Seit 1695 fuhr er zur See und hatte früh Kontakte zu Bukanieren. Da er wegen seiner Neigung zu Alkohol und Schlägereien häufig mit dem Gesetz in Konflikt kommt, heuerte er 1703 auf dem englischen Kaperschiff St. George unter Kapitän William Dampier als Segelmeister an, um der britischen Gerichtsbarkeit zu entgehen. Die St. George wurde von der kleineren Cinque Ports unter Kapitän Stradling begleitet. Ausgestattet mit einem Kaperbrief der Britischen Krone, sollte vor der Küste Südamerikas Jagd auf französische und spanische Schiffe gemacht werden.
Als der Beutezug erfolglos blieb, geriet Selkirk mit Dampier in Streit und wechselte auf die Cinque Ports. Im Oktober 1704 erreichten die Schiffe den heutigen Juan Fernandez-Archipel. Sie benötigten neue Vorräte und Süßwasser.
Als man auf der unbewohnten Isla Mas a Tierra landet, stellt sich heraus, dass der Rumpf des Schiffes sehr stark durch Bohrmuscheln beschädigt ist. Selkirk versucht, Schiffskameraden zum Verbleib auf der Insel zu überreden, da er befürchtet, das Schiff könnte sinken. Als er erkennt, das er mit seiner Meinung allein bleiben würde, soll er einer Anekdote nach ausgerufen haben "Ich habe es mir anders überlegt". "Ich aber nicht" erwiderte kühl der Kapitän und ließ sich zum Schiff zurückrudern. Wie sich herausstellte, hatte Selkirk die richtige Wahl getroffen, da das Schiff wenig später sinkt und fast die gesamte Mannschaft ertrinkt.
Robinsonade
Da die Insel ausreichend Trinkwasser, Früchte, Fisch und Robben bot und Selkirk entsprechendes Geschick in der Ausnutzung dieser Ressourcen beweist, gelang es ihm, vier Jahre und vier Monate auf der Insel zu überleben. Verschiedenen Quellen zufolge soll Selkirk etwa über folgende Ausrüstungsgegenstände verfügt haben: Eine Muskete mit Schießpulver und Kugeln, Tabak, Feuerstein, Zusatzkleidung, ein Beil, ein Messer, einen Kochkessel und eine Bibel.
Zunächst blieb Selkirk in Strandnähe, weil er fremdartige Geräusche auf der Insel vernahm, die er gefährlichen Tieren zuschrieb. In dieser Zeit kampierte er in einer kleinen Höhle und ernährte sich von Schalentieren. Jeden Tag observierte er den Ozean nach möglicher Rettung und litt unter Einsamkeit, Depressionen und Reue. Möglicherweise waren am Strand sich paarende Horden von Seelöwen für ihn der Antrieb, sich ins Innere der Insel zu begeben.
Dort wurde sein Leben bedeutend besser. Eine Menge neuer Nahrungsquellen war erhältlich: wilde Ziegen, eingeführt von früheren Seeleuten, lieferten Fleisch und Milch; unkultivierte Rüben, Kohl und Pfefferbeeren boten Abwechslung. Ursprünglich ebenfalls auf der Insel nicht heimische Raten waren ein Problem. Sie nagten gewöhnlich an Selkirk in der Nacht. Als er aber wilde Katzen domestizierte und in ihrer Nähe lebte, konnte er ruhig schlafen.
Selkirk machte außergewöhnlich guten Gebrauch von dem, was er vom Schiff mitgenommen hatte und dem Material, das ihm später die Insel lieferte. Er zimmerte zwei Hütten aus Pimentbäumen und verwendete Muskete und Messer zum Jagen und Ausweiden der Ziegen. Als ihm das Schießpulver ausging, war er gezwungen, seine Opfer zu Fuß zu jagen. Dies führte zu einer großen Verletzung, als er von einer Klippe stolperte und zwei Tage bewusstlos blieb (glücklicherweise war sein Opfer beim Sturz dazwischengeraten, was ihm einen gebrochenen Rücken ersparte).
Er las häufig in der Bibel, was Selkirk vorteilhaft für seinen emotionalen Zustand und zum besseren Verständnis des Englischen fand. Als seine Kleider verschlissen waren, fertigte er neues Gewand aus Ziegenleder an, indem er einen Nagel zum Nähen verwendete. Als er seine Schuhe nicht länger nutzen konnte, waren seine Füße abgehärtet und gefühllos geworden, so dass er neue Schuhe als unnötig empfand. Er schmiedete auch ein neues Messer aus eisernen Fassringen, die am Strand zurückgeblieben waren.
Zwei Schiffe kamen auf der Insel an und fuhren wieder ab vor seiner Rettung. 1707 sichtete er erstmals ein Schiff vor der Küste. Es handelte sich jedoch um einen feindlichen Spanier. Sie entdeckten Selkirk und verfolgten ihn bis in den Insel-Urwald, wo sie seine Spur verloren. Als Engländer und Kaperfahrer sah er sich einem Schicksal schlimmer als der Tod gegenüber, wenn er gefangen würde. Selkirk verbarg sich beide Male.
Rettung und späteres Leben
Die lang erwartete Rettung geschah am 2. Februar 1709. Der britische Segler Duke, ein Kaperschiff unter Kapitän Woodes Rogers und seinem (oben schon erwähnten) Navigator William Dampier, ging vor der Insel vor Anker und brachte ihn in die Zivilisation zurück. Rogers machte Selkirk möglicherweise zu seinem Gehilfen und übertrug ihm das Kommando über eine seiner Prisen.
1712 wurde das Buch Cruising Voyage von Woodes Rogers veröffentlicht, das einen Bericht über Selkirks Torturen enthielt. Wieder in der Heimat, setzte Selkirk seinen ursprünglichen Lebenswandel fort, fuhr auch wieder zur See. Zwischenzeitlich wurde er des Heiratsschwindels bezichtigt. Denn 1717 war er nach Lower Largo zurückgekehrt, blieb aber nur einige Monate. Er traf dabei das 16jährige Milchmädchen Sophia Bruce und entlief mit seiner Geliebten nach London. Doch binnen eines Jahres war er wieder auf See. Bei einem Besuch in Plymouth heiratete er eine verwitwete Gastwirtin.
Selkirk starb 1723 als Leutnant an Bord des königlichen Schiffes Weymouth vermutlich an Gelbfieber. Er erhielt ein Seemannsgrab vor der afrikanischen Westküste.
Insel-Ehren
1966 wurde die Insel, auf der er lebte, zur Isla Robinson Crusoe umbenannt. Ein Gedenkstein erinnert heute an Selkirks Schicksal. Eine andere der Juan-Fernandez-Inseln wurde nach Alejandro Selkirk benannt.
Literatur
- Diana Souhami: Selkirks Insel, Goldmann Verlag, München
zeitgenössisch:
- William Funnell: A Voyage Round the World London: W. Botham for J. Knapton, 1707
- Edward Cooke: A Voyage to the South Sea, and Round the World London: B. Lintot and R. Gosling, 1712
- Woodes Rogers: Cruising Voyage round the World: First to the South Seas, thence to the East-Indies, and homewards by the Cape of Good Hope London Andrew Bell 1718
- Richard Steele: The Englishman Heft 26 London 1713 - Diese Ausgabe der Zeitschrift enthält Steeles Artikel über Selkirk, der Defoe den Hauptanstoß gegeben haben dürfte
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