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Architektur

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Architektur steht im allgemeinen für die Auseinandersetzung mit Mensch und gebauten Raum und für die Kunst oder Wissenschaft des planvollen Entwurfs der gebauten menschlichen Umwelt. Darüber hinaus wird der Begriff Architektur in sehr unterschiedlichen Bedeutungsnuancen benutzt.

Die Bedeutungen des klassichen Architekturbegriffes sind

  1. Synonym für die Baukunst, also die ästhetische Gestaltung von Bauwerken aller Art
  2. als Synonym fuer bestimmte historische oder zeitgenössische Baustile
  3. als Titel einer Bau-Typologie (hier auch mit Pluralbildung)
  4. als Bezeichnung für das Berufsfeld des Architekten
  5. als Oberbegriff für die Werke der Architekten
  6. als Bezeichnung für die Wissenschaft vom Bauen.

Im übertragenen Sinne wird der Begriff verwendet für den strukturellen Aufbau einer Sache, wie zum Beispiel

  1. eines Textes oder eines Vertragswerkes (im Sinn von Strukturierung, Gliederung)
  2. eines Unternehmens oder einer Organisation, siehe zum Beispiel Politische Architektur Europas
  3. komplexer Maschinen, siehe zum Beispiel Rechnerarchitektur oder Prozessor-Architektur
  4. eines Computerprogramms, siehe Softwarearchitektur und Architektur (Informatik).

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Architektur im klassischen Sinne. Einen weiterführenden Einstieg in die Thematik des Bauens bietet das Portal Architektur und Bauwesen.


Inhaltsverzeichnis

Begriff

Etymologie

Das Wort Architektur ist zusammengesetzt aus griech.: αÏ?χη [arché] = Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste und griech.: τεχνη [techné] = Kunst, Handwerk und ließe sich wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen. Die Verwendung des Wortes Architektur bezieht sich ursprünglich auf die Tätigkeit und das Wissen des Architekten (altgriechisch: architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister). Die Definition dessen, was „Architektur“ ist, steht demnach in Abhängigkeit zur Beschreibung des Berufsfeldes des Architekten. Diese Beschreibung hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und ist in ihrer ganzen Tiefe nur historisch fassbar.

Die Vieldeutigkeit des Wortes Architektur ist u.a geprägt durch den zweiten Wortteil [techné] und die architekturtheoretischen Interpretationen darüber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermassen und in jeder Hinsicht umfasst und als Begriff mitbeschreibt und steht in deutlicher Unterscheidung zur Bautechnik. Zur Unterscheidung der Definition von Architektur in qualitativer Hinsicht siehe den Absatz Erweiterte Definition und Theoriebildung.

Die übertragenen Bedeutungen des Wortes Architektur können aus der „tektonischen“ Interpretation abgeleitet werden. Mit Architektur kann die strukturell organisierte Beziehung von materiellen wie ideellen Teilen oder Modulen beschrieben werden(z.B. in einer Wand (Organisation/Struktur) bestehend aus Mauersteinen (Modul) nach dem Prinzip von Tragen und Lasten (Beziehung)). Dabei wird allerdings das gestaltprägende Element, das in der Regel durch das Wort Architektur mitgemeint ist, vernachlässigt.


Definition und Theoriebildung

Während Architektur im allerweitesten Sinne als Bauen jeglicher Art verstanden wird, ist die genauere Definition von Architektur insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstritten. Entsprechend können die meisten Definitionsversuche nur im Kontext bestimmter Debatten um Inhalt, Aufgabe und Bedeutung von Architektur verständlich werden, wobei auch das jeweilige zeitgenössische Bauen mit seinen ästhetischen, technischen, ökonomischen und politischen Implikationen in Betracht zu ziehen ist. So scheint es - etwa ähnlich wie beim Begriff des Kunstwerkes - nicht möglich, sich beim Architekturbegriff auf die bloße Beschreibung eines Wortes oder einer Sache zu beschränken. Jede differenziertere Begriffsbestimmung erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Ringen um Definitionshoheit und Geltungsmacht (siehe hierzu die Schriften des französischen Philosophen Michel Foucault). In diesem Fall darüber, wie Etwas beschaffen sein soll, damit es als „Architektur“ bezeichnet werden darf oder kann, insbesondere soweit es sich hier durch zu bestimmende Codierungen um Dinge von „erhöhtem“ Wert und „erhöhter“ Bedeutung handeln soll. Aufgrund des so implizierten normativen Aspektes bleibt jede inhaltliche Bestimmung von Architektur kontrovers und ist im Kern ideologisch geprägt. Jeder (inhaltliche) Definitionsversuch - soweit er eine Reflexion enthält - ist bereits Architekturtheorie.

Eine der einflussreichsten (und stark ideologisch geprägten) Diskurse darüber, was Architektur eigentlich sei, mithin was Aufgabe des Architekten zu sein habe, ist die Unterscheidung von „Architektur“ und „bloßen Bauen“. Mit dieser Gegenüberstellung soll Architektur anhand einer besonderen gestalterischen Qualität vom einfach nur Nützlichen oder Notdürftigen unterschieden werden und führt zu der Frage, ob und wodurch Architektur sich auszeichne oder gar zur Baukunst werde (siehe dazu auch Ästhetik). Dabei hat sich die herrschende Auffassung dessen, was bei Entwurf und Herstellung eines Bauwerkes die konstitutiv architektonische Leistung sei und damit das Bauwerk über das rein Zweckhafte hinaus zu einem ein Werk der Architektur erhebe, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts erheblich gewandelt: War es bis Ende des 19. Jahrhundert vor allem die Verwendung bestimmter überlieferter Bauformen - der sog. Stil - mit meist reichen ornamentalen Ausschmückungen, in denen sich der künstlerische Rang als Mehrwert und Schönheit eines Bauwerkes in bewusster Opposition zu einer Sphäre purer Pragmatik manifestierte, so gelangte mit dem sog. Funktionalismus des 20. Jahrhunderts ein Begriff von Architektur zur Herrschaft, der auf den ersten Blick nur zweckhaft bedingte Gebäude (auch Ingenieurkonstruktionen) als Architektur verstanden wissen wollte. Dabei wurden insbesondere die konstruktiven, proportionsgebenden und raumbildenden Aspekte des Bauens zum eigentlichen gestalterischen Thema von Architektur erklärt. Mitunter hat man auch die geringfügigsten ordnungsgebenden gestalterischen Minimalinterventionen im Rahmen funktionalistischer Planungen in den Rang einer (bau-)künstlerischen Leistung erhoben. Zugleich wurde dabei mit zahlreichen Proklamationen zur „Modernität“, „Fortschrittlichkeit“ und dem „Ausdruck unserer Zeit“ eine große symbolische Überhöhung oder Verklärung der funktionalistischen Architektur angestrebt.

Nach einer Reihe von Revisionsversuchen dieser Architekturauffassung in der sog. Postmoderne und dem sog. Dekonstruktivismus erlangte im Rahmen eines wiederauflebenden funktionalistischen Architekturverständnisses die Frage nach dem Vorrang und der Bedeutung der Konstruktion in der Architektur im Verhältnis zu ihren formalkünstlerischen Aspekten inzwischen wieder erneute Aktualität. (Siehe dazu: Technizismus, Architektur ohne Architekten)

Zitate zum Thema Architektur

Die nachstehend beispielhaft aufgeführten Definitionsversuche illustrieren die Kontroverse um die Bestimmung von Inhalt und Aufgabe der Architektur und zeigen zugleich wie aktuell die Frage bleibt, unter welchen Voraussetzungen Bauen überhaupt als „Architektur“ anzusehen sei und was in Abgrenzung vom bloß Nützlichen und bloß Künstlerischem als die eigentliche Qualität von Architektur zu bewerten sei:

Es bleibt festzustellen, daß die Aufgabe und Verantwortung des Architekten auch ist, eine Haltung und ein Wertesystem zu entwickeln (oder zu übernehmen), welche er heranzieht und als Maßstab nutzt, um die von ihm angestrebten Qualitäten durch seine Profession zu verwirklichen. - Dass die Bewertungen der jeweiligen Werke der Architekten in der Regel kontrovers ausfallen, bleibt dabei nicht aus, da es sich nicht nur um einen Wettbewerb von Talent und Kompetenz sondern auch der Gültigkeit der individuellen Wertesysteme, die architektonische Qualität gewährleisten sollen, handelt. Allerdings bleibt durch die Varianz der Architekturauffassungen auch der Formenreichtum in der Architektur gegeben.

Geschichte

Die Geschichte der Architektur ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und mit dieser als kulturelles Element eng verwoben. Einen Überblick der einzelnen Entwicklungsschritte findet man unter dem Stichworten Architekturgeschichte beziehungsweise Baustil.

Bedeutung

Der moderne Mensch ist ununterbrochen von Gebäuden und Architektur umgeben. Sie kann Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei. Die Qualität des Lebensumfeldes sollte der Gesellschaft daher ein wichtiges Anliegen sein.

Nur ein Teil aller Bauwerke und Gebäude ist von Architekten geplant. In wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten wird der überwiegende Teil in Eigenbauweise oder durch Handwerker ohne viel Planung errichtet. In den Industrienationen herrscht die standardisierte Produktion von Gebäuden vor. Architekten spielen im gesamten Bauwesen oft nur eine Nebenrolle und werden vor Allem bei komplexen Planungen oder repräsentativen Bauwerken hinzugezogen. Daraus resultiert auch die weit verbreitete Meinung, Architektur bezöge sich nur auf besondere Gebäude und sei vom "profanen" Bauen zu differenzieren. Die negativen Folgen dieser Abgrenzung zwischen Architektur und Bauen sind in allen modernen Städten sichtbar.

In Deutschland versucht die Initiative Architektur und Baukultur, das Bewußtsein für die hohe Bedeutung der Architektur zu stärken. In Deutschland ist die gute Architektur bisher nicht gesetzlich als Staatsziel oder Kulturgut anerkannt, während zum Beispiel Frankreich schon seit 1977 und Finnland seit 1998 eine dementsprechende Gesetzgebung haben.

Einflüsse

Architektur manifestiert sich immer in einem einzelnen Gebäude. Dessen Gestalt wird beeinflusst durch klimatische, technische, topologische und wirtschaftliche Randparameter. Daneben haben aber auch rechtliche, religiöse und politische Gegebenheiten massiven Einfluss auf die Architektur. Vor allem die repräsentative Architektur ist daher der sichtbare Ausdruck einer Gesellschaftform. (Bsp.: Schloß Versailles als Ausdruck des Absolutismus. Die Architektur ist somit ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität einer Gesellschaft.

Wichtige Themen

Bestimmte Themen beschäftigen die Architekten immer wieder, unabhängig von Stil und Epoche. Diese Themen sind bei jedem Entwurf, der ja immer ein Unikat ist, neu zu bedenken. Da Architektur die einzige praktische Kunst ist, die neben dem ästhetischen Wert auch einen Gebrauchswert hat, steht sie immer im Spannungsfeld von Kunst und Funktion.

Raum

Die Definition, Fügung und Gestaltung von Räumen ist die wichtigste Aufgabe der Architektur. Das bezieht sich sowohl auf den Außenraum (Stadtraum, Platzraum, öffentlicher Raum, privater Raum), als auch auf den Innenraum.

Funktion

Das gute Funktionieren eines Gebäudes ist oberstes Ziel eines Entwurfes. Das betrifft sowohl die Funktionsabläufe als auch das technische Funktionieren der Gebäudehülle.

Gestaltung

Die Gestalt des Gebäudes, also sein Grundriss, seine Form und Kubatur, das alles sind Aspekte, die sich nicht allein von der Funktion ableiten lassen. Ein Entwurf laesst sich nicht anhand aller Randparameter "generieren". Dazu kommt immer die Komponente der ästhetischen und formalen Gestaltung. Wie soll die Fassade aussehen? Welche Farben und Materialien werden verwendet. Das alles liegt im Ermessensspielraum der Gestalter (und damit sowohl des Architekten aber auch des Bauherren).

Beziehung zur Umgebung

Das idealisierte Leitbild der Architektur ist der Entwurf eines Bauwerks, das mit der Umgebung in vielschichtiger Art und Weise in Verbindung steht. Die Beziehung wird zum Beispiel durch Formgebung, Farbgestaltung und Materialauswahl hergestellt.

Ideelle Bedeutung

Jedes Gebäude macht durch seine Gestalt eine Aussage zu seiner Funktion oder Bestimmung. Die Französische Nationalbibliothek zum Beispiel hat die Form von vier aufgeklappten Büchern und signalisiert somit ihre Funktion nach aussen.

Im äußersten Fall erreicht der Architekt durch sein Werk eine Akzeptanz bei der Bevölkerung, das in diesem ein Symbol seiner Werte und Lebenseinstellung sieht. Beispiele sind der Eiffelturm in Paris (als Sinnbild für die Stadt) oder die Twintowers in New York, die als Symbol des Kapitalismus und der westlichen Kultur zerstoert wurden.

Architektur in der Praxis

Neben der Architektur, die sich mit einzelnen Gebäuden beschaeftigt sind weitere Bereiche, die heute unter architektonischen Gesichtspunkten betrachtet werden Innenarchitektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur.

Fachgebiete

Berührungspunkte

"Laien"

Das Thema Architektur wird in Deutschland nur selten in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Während andere Künste wie zum Beispiel Musik, Design und Mode für viele Menschen durchaus ein Gesprächsthema sind, wird die Debatte über zeitgenössische Architektur oft den Fachleuten überlassen.

Die Verantwortung für die gebaute Umwelt liegt aber nicht allein in der Verantwortung der Architekten. Ihr Einfluss wird oft überschätzt. Im Wesentlichen ist es der jeweilige Bauherr, der die Richtung vorgibt. Er wählt den Architekten, der natürlich seine eigenen Ideen und Standpunkte hat (denn sonst wäre er handlungsunfähig), aus und macht die Vorgaben. Es ist daher äußerst wichtig, dass Architektur als gesamtgesellschaftliches Thema wieder wichtiger wird.

Musik

Musik und Architektur gehören seit langer Zeit zum menschlichen Kulturgut. In der griechischen und römischen Antike waren sie viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Die Proportionslehre in der Architektur (vor allem der Renaissance) bezieht sich auf die Harmonielehre in der Musik.

Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik.

Neben den Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten auf der geistigen Ebene gibt es auch pragmatische Berührungspunkte der beiden Künste. Musiker waren zu jeder Zeit abhängig von den Räumen, die ihnen zur Verfügung standen. Die Eigenschaften eines Aufführungsraumes sind wichtig für die klangliche "Gestalt" der Musik.

Beispiele für die starke Wechselbeziehung:

Weblinks:

Psychologie

Seltsamerweise gibt es nur wenige psychologische Untersuchungen, die sich mit Architektur beschäftigen. An der Uni Münster hat sich der Lehrstuhl von Prof. Dr. R. Bromme einige Zeit dem Thema Experten-Laienkommunikation in der Architektur gewidmet. Die Studien zeigen, dass Architekten und Laien eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung von Architektur haben. Das beruht auf dem unterschiedlichen Wissenstand und der daraus resultierenden unterschiedlichen Sichtweise. (siehe: hier)

Soziologie

Architektur kann in Anlehnung an den Soziologen Niklas Luhmann als ein System beschrieben werden. Luhmann behandelt die Funktionsweise des Architektursystems (teilweise) innerhalb seiner Untersuchung des Kunstsystems (Die Kunst der Gesellschaft). Die genaue Beschreibung und systemtheoretische Untersuchung des Architektursystems steht noch aus.

siehe auch Architektursoziologie.

Weiterführende Informationen

Siehe auch

= Weblinks


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Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Architektur aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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