Bad Doberan
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Einordnung: Ort in Mecklenburg-Vorpommern
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| Wappen | Karte | ||
|---|---|---|---|
| Hilfe zu Wappen | |||
| Basisdaten | |||
| Bundesland: | Mecklenburg-Vorpommern | ||
| Landkreis: | Bad Doberan | ||
| Fläche: | 32,73 km² | ||
| Einwohner: | 11.504 (31.Dezember 2003) | ||
| Bevölkerungsdichte: | 351 Einwohner je km² | ||
| Höhe: | 16 m ü. NN | ||
| Postleitzahl: | 18209 | ||
| Vorwahl: | 038203 | ||
| Geografische Lage: | 54° 06' n. Br. 11° 54' ö. L. | ||
| Kfz-Kennzeichen: | DBR | ||
| Gemeindeschlüssel: | 13 0 51 004 | ||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Mollistr. 10 18209 Bad Doberan | ||
| Offizielle Website: | www.bad-doberan.de- bgcolor="#FFFFFF" | E-Mail-Adresse: | doberan@info-mv.de<!-- |
| Politik | |||
| Bürgermeister: | Hartmut Polzin | ||
Bad Doberan ist eine Kreisstadt in Mecklenburg-Vorpommern, 15 km westlich von Rostock. Sie ist auch Sitz des Amtes Bad Doberan-Land, dem neun Gemeinden angehören.
Eine bekannte Sehenswürdigkeit ist das Münster und die Ortsdurchfahrt der Schmalspurbahn. Zwischen Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn fährt die Dampf-Schmalspurbahn "Bäderbahn Molli", die in Bad Doberan zur "Straßenbahn" wird.
| Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Bad Doberan liegt zwischen Rostock und Wismar (41 km) am Nordostrand der Kühlung, einer Stauchmoräne mit größeren Wäldern. Im knapp 6 km entfernten Ortsteil Heiligendamm verfügt die Stadt über einen etwa 1 km langen Seestrand, im Westen am Kleinen Wohld ("Gespensterwald") mit Steilküste, im Osten mit Flachküste, die in den Heiligen Damm übergeht. Im Stadtgebiet wie in Stadtnähe befinden sich größere Waldungen, u. a. Großer und Kleiner Wohld, Kellerswald, Doberaner Holz.
Neben Heiligendamm gehören die Ortsteile Althof und Vorder Bollhagen zu Bad Doberan.
Stadtgeschichte
Bad Doberan wurde 1177 urkundlich als „villa Slavica Doberan" erwähnt, doch bereits 6 Jahre früher hatten die Zisterzienser in dem 3 km südöstlich gelegenen Althof (Ortsteil von Bad Doberan) ein Kloster als Nebenstelle des Klosters Amelungsborn an der Weser gegründet. Im Slawenaufstand von 1179 wurden die ersten Klosterbauten zerstört, aber 7 Jahre später gründete der Fürst Heinrich Borwin I. diese neu. Die 1232 geweihte romanische Klosterkirche wurde nach dem Brand 1291 durch eine hochgotische Kirche ersetzt, deren Baubeginn man mit 1295 annehmen kann, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. Die Einweihung der Klosterkirche, eines reifen gotischen Kathedralbaus, fand 1368 statt. Das Doberaner Kloster war sehr reich, verfügte über umfangreichen Grundbesitz und führte nach außen ein hartes Regiment. Die Mönche, einst streng und asketisch, strebten nach Wohlleben und waren gewinnsüchtig. Der Abt selbst hatte seine Macht so gefestigt, daß er sich - von geringen Ausnahmen abgesehen - der bischöflichen Insignien bedienen durfte und den bischöflichen Segen erteilte, was dazu führte, dass man bis heute von einem Münster in Bad Doberan spricht. Bis zur Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation im Jahr 1552 bestimmte das Kloster die Entwicklung des Ortes Doberan, dessen Name von dem slawischen dobr (= gut) abzuleiten ist. Neben dem Kloster gab es eine Handwerkersiedlung, den Kammerhof (ehem. Bauhof des Klosters), zwei Gastwirtschaften, eine Ziegelei, eine Schmiede und einige Kötter. Daran änderte sich wenig, nachdem das Kloster 1552 an den Landesherrn übergegangen war. Im Kloster wurde ein herzogliches Amt eingerichtet, eine Mühle und ein Jägerhaus entstanden. Der Dreißigjährige Krieg hatte nachhaltige Folgen. Die Kaiserlichen hausten, „daß es einem Stein in der Erde hätte erbarmen mögen", wie der Chronist berichtet. Eine grundlegende Änderung trat erst ein, als der Mecklenburger Herzog Friedrich Franz I. Doberan zum Erholungs- und Vergnügungsort der herzoglichen Familie, des mecklenburgischen Adels und später auch des wohlhabenden Bürgertums bestimmte. Aus England war bekannt geworden, dass Baden in der See besonders gesundheitsfördernd sein solle. Im Jahr 1793 badete Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin deshalb auf Anraten seines Rostocker Leibarztes Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel am "Heiligen Damm" in der Ostsee und markierte damit die Geburt des ersten deutschen Seebades: Heiligendamm. In Doberan wohnten die Badegäste und vergnügten sich mit Geldspiel (die herzogliche Badekasse kassierte jährlich 30.000 Taler Abgaben von den Doberaner Spielbanken), Tanz und Pferderennen (die ersten Pferderennen auf dem europäischen Kontinent). Namhafte Baumeister wie Carl Theodor Severin, Schüler der zwei Altmeister klassizistischer Baukunst, Carl Langhans und Friedrich Gilly, und auch J. C. H von Seydewitz bauten in rascher Folge im rein klassizistischen Stil das Logierhaus, das Salongebäude mit dem repräsentativen Festsaal im Empirestil, das Palais des Fürsten , das Prinzenpalais , das Stahlbad, mehrere Bürgerhäuser und die vielgerühmten Pavillons im chinesischen Stil einschließlich des Kleinods der Gartenbauarchitektur, des sogenannten Kamps. Des Fürsten Dank für den Baumeister, der das Gesicht Doberans wesentlich prägte, war sehr gering; Severin starb in Armut und Vergessenheit irgendwo auf einer Reise. Die Blütezeit (1793: 900, 1840: 3000, 1870: 4000 Einwohner) hielt nur wenige Jahrzehnte vor, denn allmählich entwickelte sich Heiligendamm, das einstige Anhängsel Doberans, zu einem eigenständigen Seebad, und um Doberan wurde es wieder still. Daran änderte auch nichts das 1879 dem Ort verliehene Staatrecht (Wappenspruch: Hirsch, Krummstab und Schwan / sind das Wappen von Doberan), der Bau der Eisenbahnlinie Rostock - Bad Doberan - Wismar 1883/84 und von 1886 bis 1910 die Einrichtung einer Dampf-Schmalspurbahn, im Volksmund „Molli" genannt, über Heiligendamm nach Kühlungsborn, die noch heute durch die Straßen der Stadt rumpelt.
Heiligendamm ist das älteste deutsche Seebad, eingerichtet 1793 im Auftrage des damaligen mecklenburgischen Herzogs Friedrich Franz I., ist Ortsteil von Bad Doberan und von diesem 5,5 km entfernt. Der große Findling neben dem klassizistischen Kurhaus, der aus der Umgebung von Elmenhorst hierhergebracht worden ist, weist auf dieses Ereignis hin. Die Bauten am Strand mit ihrer einheitlichen architektonischen Linie schuf der herzogliche Landbaumeister Carl Theodor Severin, der auch in Bad Doberan wesentlichen Einfluß auf das Baugeschehen hatte. Die Wandlung Heiligendamms zum Kurort (ganzjährig belegte Kurhäuser) vollzog sich vor allem nach 1945. Die Anlagen wurden bis 1989 hauptsächlich für Ferien-und Kuraufenthalte der DDR-Bürger nach strengen Platzvergaberichtlinien genutzt. Individualtourismus war, wie in den meisten Ostseebädern in der DDR nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich (durch Nutzung von Privatwohnungen oder Camping). Eine grundglegende Rekonstruktion der zunehmend baufälligen Gebäude fand bis 1989 nicht statt. 1996 erwarb die in Köln ansässige Fundus-Gruppe die historischen Gebäude Heiligendamms zusammen mit 500 Hektar Land. Nach drei Jahren sorgfältiger Rekonstruktion wurde am 1. Juni 2003 das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm eröffnet und damit die Wiedergeburt von Deutschlands ältestem Seebad eingeläutet.
Sehenswürdigkeiten
Das Doberaner Münster, eine Zisterzienser-Klosterkirche, gehört zu den schönsten hochgotischen Backsteinbauten Mecklenburgs. Die Vorbilder dieses Bauwerkes - die Lübecker Marienkirche, die Nikolaikirche in Stralsund und die Marienkirche in Rostock – erreichen nicht die geschlossene Einheit im Verhältnis von Baukörper zum Innenraum, wie sie das Doberaner Münster in seiner klaren Wirkung zeigt. Das gewölbte Mittelschiff hat mit 26 m Höhe und 11 m Breite (Gesamtinnenlänge = 76 m) einen intimeren Charakter als andere vergleichbare Kirchen, die im Innenraum wesentlich höher aufstreben. Mit den beiden halb so hohen Seitenschiffen, dem kreuzförmigen Querschiff und dem polygonen Chorabschluß, an den sich nach außen 5 Kapellen anschließen, ist das Münster ein Beispiel für kaum zu übertreffenden Formensinn und für gründliche technische Überlegung bei aller Harmonie und Würde des Ganzen. Entsprechend den Ordensregeln der Zisterzienser hat das Münster keine Westtürme und kein großes Glockengeläut, sondern lediglich einen Dachreiter, dessen heutige Form bei der Wiederherstellung des Münsters 1881 bis 1894 durch Ludwig Möckel gegeben wurde.Man betritt das Münster von der Stelle aus, an der sich der Kapitelsaal der Mönche befand. Eine romanische Bogenwand (1220) ist erhalten geblieben. Hier hindurch gelangt man zur Westfront des Mittelschiffes, die mit ihrem prächtigen Ziergiebel und einem Treppenturm von den Seitenschiffen flankiert wird. Der heutige Zustand entspricht dem von 1350. Rechts vom Treppenturm Reste der ersten romanischen Kirche mit Rundbogenportal, Kreuzbogenfries und halbem Treppengiebel. Die Giebelrosette und die nicht glücklichen Größenverhältnisse des Dachreiters zum Gesamtbau sind eine Veränderung bei der Wiederherstellung durch Möckel. Das Nordportal (um 1300) führte einst zum Mönchsfriedhof. Wenige Schritte nördlich das überaus anmutige, schmuckhafte Beinhaus (1250, frühgotisch mit romanischen Nachklängen), das die Gräberreste des Mönchsfriedhofs aufnahm. Die Laterne, ein durchbrochener, türmchenartiger Aufsatz über der Kuppel, ist eine Zugabe der Restaurierung von 1883. Die Kirche betritt man durch das heutige Hauptportal (1884/91). Der Hochaltar (um 1310) ist ein frühes Beispiel eines Flügelaltars; man ahnt sozusagen seine kunstgeschichtliche Herkunft aus der steinernen Retabelwand einerseits und den Reliquienschreinen andererseits. Er ist ohne Fialentürme 4 m hoch und wurde Ende des 19. Jh. restauriert. Im Mittelteil werden hochgotische Architekturformen in einer siebenachsigen Arkadenreihe mit Wimpergen wiedergegeben, die einst wohl Reliquiare enthielten. Über dem Mittelteil erheben sich drei zierlich durchbrochene Fialentürme, von denen der mittlere (6 m hoch) wohl das Tabernakel enthielt. Auf den Flügeln wurden in den beiden oberen Figurenreihen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament in typologischer Entsprechung wiedergegeben. Diese Figuren ähneln in der grazilen Körperhaltung und der Gewandung französischen Kathedralplastiken, ihre Herkunft (lübisch oder westfälisch-magdeburgisch) ist umstritten. Die unterste Figurenreihe ist jüngeren Datums (1370) und unterscheidet sich stilistisch wie inhaltlich (es werden einzelne Heilige und eine Marienkrönung dargestellt) vom übrigen Figurenschmuck. Links (nördlich) neben dem Hochaltar der älteste Sakramentshausturm Deutschlands (1370), in Eichenholz geschnitzt, 11,60 m hoch. Der Stil der Figuren (von unten nach oben: Gestalten des Alten Testaments, des Neuen Testaments und Heilige) entspricht denen des Kreuzaltars. Der Kreuzaltar, vermutlich seit der Reformation im Westteil des Mittelschiffes aufgestellt, vereinigt einen Flügelaltar mit einem 15 m hohen monumentalen Kreuz. Von links nach rechts ist, wie beim Hochaltar, Alttestamentliches Neutestamentlichem gegenübergestellt. Christus am Ölberg, Daniel oder Elia betend (?), Christus vor Pilatus, Sündenfall (die paradiesische Nacktheit wird durch zwei Türchen aus dem Jahre 1845 verdeckt), Kreuztragung, Verspottung Ijobs und Dornenkrönung. Gleiches gilt für die Marienseite des Altars wie auch für das Monumentalkreuz.Dieses einmalige Kunstwerk (Laienaltar und Triumphkreuz als Einheit) wird als lübische Arbeit angesprochen, aber auch mit Meister Bertram (etwa 1335-1415) in Verbindung gebracht. Von den zahlreichen bedeutenden Kunstwerken der reichen mittelalterlichen Ausstattung seien hier der Kelchschrank in der jetzigen Sakristei, das Mönchsgestühl und die Marienleuchte genannt. Von den 16 Relieffiguren des Kelchschranks (1270/80), ursprünglich Reliquienschrank, sind nur vier erhalten. Der "Kelchschrank" ist das älteste gottesdienstliche Ausstattungsstück der Kirche. Die sechzehn Fächer in seinem Innern enthielten einst Reliquien, später gottesdienstliche Geräte. Der Kelchschrank erfreute sich stets besonderer Wertschätzung, stand er doch immer in Altarnähe. Als einst der neue Hochaltar aufgestellt wurde, erhielt der romanische "Kelchschrank" einen zum Hochaltar passenden gotischen Aufsatz. Die fast lebensgroßen Malereien der Innenseiten der Türen (sie stellen Melchisedek und Abel dar) entstanden um 1310 von dem gleichen Meister, der den Hochaltar schuf. Der Kelchschrank, stilistisch dem Hochaltar nahestehend, ist sicher keine einheimische Arbeit, sondern verrät Einflüsse französischer Gotik und des niedersächsischen Kunstkreises. Das Mönchgestühl (1.Hälfte 14. Jh.) ist in ursprünglicher Vollständigkeit erhalten und zeigt in Verbindung mit köstlichen Pflanzenornamenten verschiedene Tierfiguren mit großem Symbolgehalt. Die teilweise naiven Darstellungen sind besonders reizvoll und beachtenswert. Die Marienleuchte, eine der frühesten norddeutschen Standmadonnen, ist um 1290 entstanden. Baldachin, Strahlenkranz, Krone und Mondsichel sind spätere Zutaten. Aus der Fülle der Grabstätten und Grabdenkmäler im Doberaner Münster seien besonders genannt:Grabdenkmal der Margaretha von Dänemark (gest. 1282 in Rostock), künstlerisch der Marienleuchte verwandt; Bülowsche Kapelle (1372); Doppelsrabmal Albrechts HI. von Schweden (gest. 1412) und seiner ersten Gemahlin Richardis von Schwerin (gest. 1377); das "Oktogon" (1422) mit Darstellungen mehrerer mecklenburgischer Herzöge sowie Albrechts von Schweden; das Grabmonument Samuel von Behrs (gest. 1621); die überlebensgroßen Statuen des Herzogpaares Adolf Friedrich I. und Anna Maria und zahlreiche Grabplatten von teils guter Qualität.
Zisterzienserkloster: Erhalten sind die Ringmauer (1283/90 erbaut und 1963/65 restauriert), ein Torhaus, das Brauhaus (1290), das Kornhaus (1270/80) und Reste des Klausurgebäudes (1230).
Der Kamp, eine Parkanlage im englischen Stil mit prachtvollen Eichen, Linden, Kastanien- und Rüstern, und die mit ihm eine künstlerische Einheit bildenden Gebäude im reinsten klassizistischen
Stile: Kurhaus, einstiges Logierhaus (1793 von v. Seydewitz erbaut); Salongebäude, 1802 von Severin erbaut, sein Festsaal gilt als der besterhaltene klassizistische Innenraum Bad Doberans; Großes Palais 1806/09 von Severin erbaut, birgt als besondere Kostbarkeit im ovalen Gartensaal eine bemalte Decke und Tapeten mit Darstellung zur Amor-und-Psyche-Sage des Apuleius (nach Entwürfen von Lois Lafitte und Mary Blonder 1820 in Paris gedruckt). In der sich anschließenden Severinstraße ist das Haus des herzoglichen Leibkochs Medini (Nr. 5), von Severin 1825 erbaut, besonders durch seine überaus lebendig gegliederte Fassade beachtenswert. Am anderen Ende des Kamps sind es das kleine Palais und das gegenüberliegende Haus „Gottesfrieden", die sich Baumeister Severin nacheinander als Wohnhäuser schuf; das erste mußte er an den Landesherrn abtreten. Die chinesischen Pavillons (1808/09 und 1810 bis 1813) inmitten des Grüns des Kamps sind die einzige und dazu verspätete Chinoiserie in Mecklenburg und enthielten damals zunächst einen Musikpavillon und Kaufmannsboutiquen.
Weblinks
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Literatur
- [susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/meyers/servlet/showSeite?SeiteNr=0016&BandNr=5&textmode=true Doberan], in: Meyers Konversationslexikon, 4.Aufl. 1888/89, Bd.5, S.16.
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