Blut (Kulturgeschichte)
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Das Blut hat in der Kulturgeschichte des Menschen verschiedene Bedeutungen.
Religionsgeschichtlich werden die Ursachen für die magische Aufladung des Blutes vor allem an zwei biologischen Erfahrungen festgemacht: Der weiblichen Menstruation und der damit zusammenhängenden Gebärfähigkeit als positive Erfahrung (Leben bringend) und der Erfahrung des Verblutens als negative Erfahrung (Leben vernichtend).
Im Alten Testament findet sich die Vorstellung, die Blut mit Leben oder Seele gleichsetzt. Levitikus 17,11-14). Das Blut von geschlachteten Tieren darf nicht verzehrt werden (Deuteronomium 12,23f; 1.Sam 14,31f; Ezechiel 33,25). Aber auch im weiteren Sinne wird Blut eine magische Bedeutung beigemessen. Das Blut von Opfertieren hat sühnende Kraft. (Lev 3; 16; 17). An den Türpfosten gestrichenes Blut wehrt böse Geister ab. (Exodus 12). Auch übertragene Bedeutungen wie Blut gleich Mensch finden sich. (Genesis 4,10; 9,5).
Im Neuen Testament hat Blut vor allem als Sühneblut Jesu Bedeutung (Römer 3,25, Hebräer 9,7; 13,11). Durch Christi Blut wird der Bund Gottes mit den Menschen (Jesaja 53,12) erneuert. (Lukas 22,20). Gott bietet dem Menschen die Vergebung seiner Sünden an. (Matthäus 26,28 und Markus 14,24). Gerade in dieser Bedeutung wird das Blut Christi während des Abendmahles getrunken als Zeichen der Erneuerung des Bundes und der Vergebung der Sünden. (auch Johannes 6,53f; 1. Korintherbrief 10,16). Und gerade hierin, in Christi Tod das letzte (einmalige) Opfer zu sehen (Röm 6,10; Hebr 7,27; 9,12; 10,10), liegt auch die Ablehnung anderer, weiterer Opfer begründet (Trillhaas). Zudem handelt es sich bei diesem (je nach christlichem Verständnis) um ein Selbstopfer oder ein Opfer Gottes (der seinen Sohn opfert).
Allerdings fanden sich in der Alten Kirche durchaus Analogien, die im Tod des Gerechten Sühne sahen. (4. Makkabäer 6,28ff; 17,22). Nicht zuletzt hierin begründete sich das Märtyrertum, das auch »Bluttaufe« genannt wird. (Unter Bezug auf Lk 12,50; Joh 19,32; 1. Johannes 5,6 beschrieben in: Tertullian, de bapt.16; Cyprian, Ep.73,22). Die Vorstellung von der Opferung Christi zur Vergebung und Rechtfertigung des Menschen ist heute theologisch nicht unumstritten. Sowohl die »Lamm Gottes« (Joh 1,29) Vorstellung (Gott opfert seinen Sohn), als auch die vor allem im Calvinismus ausgeprägte Vorstellung von der Selbstopferung Christi werfen theologische Probleme auf.
Vom Altertum ausgehend galt im europäischem Mittelalter das Blut als einer der vier Säfte des Lebens. Mit Aderlass wurde versucht Heilung zu bewirken. Erst Forschung und Kontakt zu anderen Kulturen (der hoch entwickelten muslimischen Kultur) sorgten für differenzierte und anwendungerechtere Behandlungen. Die vielen Fehler bei Behandlungen trugen zu einem schlechten Ruf von Ärzten bei, die als Quacksalber verschrien waren. Die besondere Bedeutung des Blutes zeigt auch der Begriff des blauen Blutes.
In der Ideologie des Nationalsozialismus von Blut und Boden wurde Blut mit Rasse in Verbindung gebracht. Im Staatsangehörigkeitsrecht gab es bis vor kurzem noch Diskussionen zu einem Ius Sanguis, dem Blutrecht der Abstammung.
Siehe auch
- Abstammung, Blutbad, Blutrache, Blutsbruder, Blutschande, Blutsverwandtschaft, Nationalität, Drachenblut, Herzblut, Halbblut, Heiligenblut, Menschenblut, Rasse, Theaterblut, Vollblut, Wolfsblut,
- Blut und Boden, Blut und Eisen, Blut und Tränen
Literatur
- Friedhelm Schneidewind, Das Lexikon rund ums Blut - Der rote Lebenssaft in Mystik und Mythologie, Magie und Medizin, Religion und Volksglaube, Legende und Literatur; Berlin 1999
- Suche nach Blut (Kulturgeschichte) Infos mit: Yahoo
