Bundeskriminalamt
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Einordnung: Polizei | Behörde (Deutschland) | Wiesbaden
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Das Bundeskriminalamt (BKA) ist eine Bundesoberbehörde der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptsitz in Wiesbaden. Es hat die Aufgabe, die nationale Verbrechensbekämpfung in Deutschland zu koordinieren und Ermittlungen in bestimmten schwerwiegenden Kriminalitätsfeldern mit Auslandsbezug durchzuführen. Darüber hinaus schützt das BKA die Verfassungsorgane des Bundes. Das BKA ist nationale Zentralstelle für die Zusammenarbeit von Interpol.
Das BKA ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. 2004 hat das BKA fast 5.000 Mitarbeiter.
| Inhaltsverzeichnis |
Abteilungen und Aufgaben
- Abteilung ST - Polizeilicher Staatsschutz
- Finanzwesen
- Gefährdungssachbearbeitung
- internationaler Terrorismus, Spionage
- Lage- und Berichtwesen
- politisch motivierte Ausländerkriminalität
- politisch motivierte Kriminalität (Extremismus und Terrorismus)
- politisch motivierte Waffenkriminalität, ABC-Waffenkriminalität
- Proliferation
- Abteilung OA - Organisierte und Allgemeine Kriminalität
- Eigentumsdelikte
- Fälschungsdelikte
- Kapitaldelikte
- Organisierte Kriminalität (OK)
- Rauschgiftkriminalität
- Schleusungskriminalität
- Umweltkriminalität
- Waffenkriminalität
- Abteilung SG - Sicherheitsgruppe
- Schutz der Mitglieder der Verfassungsorgane des Bundes
- Abteilung ZD - Zentrale kriminalpolizeiliche Dienste
- Berater- und Verhandlungsgruppen für Geiselnahmen und Entführungen
- Festnahmen
- Informationsverarbeitung und -weiterleitung (sowohl BKA-intern als auch zwischen den LKA der Länder, dem ZKA und ausländischen Behörden)
- internationale polizeiliche Zusammenarbeit einschließlich der internationalen Rechtshilfe und Personenfahndung (Interpol, Europol, SIRENE Deutschland)
- Observationen
- Öffentlichkeitsfahndung, Fahndungsgrundsatz, Koordinierung von Fahndungsmaßnahmen, Zielfahndung
- Personenerkennung, Datenbankverwaltung von z.B. dem automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS) oder den DNA-Analyse-Dateien
- Phantombilderstellung
- Spreng- und Branddelikte, Entschärfung
- Telekommunikationsüberwachung
- zentrale und operative Serviceeinheiten wie z.B. das Mobile Einsatzkommando (MEK) des BKA
- zentraler Sprachdienst
- Zeugenschutz
- Abteilung KT -Kriminalitechnisches Institut
- anwendungsbezogene Forschung zur Verbesserung und Etablierung von Untersuchungsverfahren
- Bereitstellung von Gerät und Daten aus Straftaten
- technische und naturwissenschaftliche Einrichtungen zur Erstellung von Gutachten für Polizeidienststellen, Staatsanwaltschaften und Gerichte: Ballistik, DNA-Analytik, Handschriftenuntersuchung, Physikalisches und chemisches Zentrallabor, Sicherungstechnik, Spracherkennung, Urkundenprüfung
- Abteilung KI - Kriminalistisches Institut
- Analyse von Technologien (Prüfung auf Polizeieinsatztauglichkeit sowie auf Missbrauchspotential)
- Aus- und Fortbildung für Polizeien des Bundes und der Länder
- Bürger-Polizei-Verhältnis
- kriminalistisch-kriminologische Polizeiforschung
- Kriminalitätsprävention durch z.B. Infopool, einer Sammlung effektiver in- und ausländischer Präventionsprojekte
- Kriminalstrategie
- Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)
- Polizeiorganisation
- Abteilung IT - Informationstechnik
- Informations- und Kommunikationsmanagement (Interpol, Europol, SIRENE)
- Abteilung ZV - Zentral- und Verwaltungsaufgaben
- allgemeine Personalangelegenheiten
- Haus-, Liegenschafts- und Bauverwaltung, einschließlich zentraler Service-Tagungslogistik
- Haushalt, Beschaffung und Anlagenwirtschaft
- innere Organisation
- innerer Dienst
- Justitariat
- Personalausgaben, Personalfürsorge
- Personalplanung, -einsatz und -gewinnung
- personelle und materielle Sicherheit
Geschichte
Nachdem am 15. März 1951 das "Gesetz über die Einrichtung eines Bundeskriminalpolizeiamtes (Bundeskriminalamtes)" (BKAG) in Kraft tritt, wird Wiesbaden im April/Mai des selben Jahres als Sitz des BKA von der damaligen Bundesregierung ausgewählt. Das Institut wird zu dieser Zeit unter der Leitung von Paul Dickopf aufgebaut - teilweise auf Basis ehemalig nationalsozialistischer Einrichtungen und Führungspersönlichkeiten. Eine bundesweite Einrichtung zur Verbrechensbekämpfung war zu dieser Zeit sehr umstritten, sowohl aus Sicht der Länder, die ihre Selbstständigkeit beibehalten wollten, als auch aus der der drei westlichen Besatzungstruppen, die forderten in Erwägung der jüngeren deutschen Vergangenheit die Polizei möglichst dezentral zu organisieren. Das BKA erhält anfangs überwiegend Aufgaben der Koordination ohne so genannte Exukutivbefugnisse.
1952 erfolgt die Aufnahme des BKA in die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation IKPO (Interpol). Das BKA ist sowohl Zentralstelle für die deutsche Polizei als auch für eigene Ermittlungen in festgelegten Deliktsfeldern zuständig. 1973 wird das BKA-Gesetz so geändert, dass das Bundeskriminalamt neue Zuständigkeiten in der Bekämpfung bestimmter schwerwiegender organisierter Delikte mit internationalem Bezug erhält, sofern Ermittlungen im Ausland erforderlich sind.
Das Bundeskriminalamt erfährt Anfang der 1970-er Jahre einen starken personellen und materiellen Ausbau. Wegen der Aktivitäten der Rote Armee Fraktion (RAF) gründet man 1975 am damaligen Standort Bonn-Bad Godesberg die Abteilung zur Bekämpfung des Terrorismus (TE).
Das Bundeskriminalamt ist heute für die Schengenfahndung in Deutschland zuständig, die nach dem Abbau der Grenzkontrollen in der Europäischen Union als Ausgleichsinstrument der "Schengen-Mitgliedsstaaten" gegründet wurde.
Die DNA-Analysedatei ist im BKA zentralisiert. Sie ist eine Verbunddatei, die vom BKA für alle Polizeien betrieben wird. Hier werden sowohl die DNA-Daten von Straftätern gespeichert als auch Spuren von Tatorten registriert und abgeglichen. Der DNA-Beweis ist heute das erfolgreichste kriminalistische Instrument bei der Identifizierung von Tätern und der Zuordnung von Tatspuren.
1981 wird der Standort der für präventiven und repressiven Statsschutz zuständigen Abteilungen von Bonn-Bad Godesberg nach Meckenheim (in der Nähe von Bonn) verlagert. Hier residiert jetzt die nur noch die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz, während 1999 die für den Schutz der Mitglieder der Verfassungsorgane des Bundes zuständige Abteilung Sicherungsgruppe (Personenschutz) im Zusammenhang mit dem Umzug der Regierung nach Berlin verlagert wurde.
2004 gibt es im Bundesinnenministerium Überlegungen, große Teile und den Hauptsitz des BKA nach Berlin zu verlagern, um dort "sicherheitspolitische Aufgaben zu bündeln". Hierauf kommt es mit Unterstützung regionaler und lokaler Politiker im Raum Wiesbaden und Meckenheim zu massiven Protesten der Mitarbeiter des BKA, die schließlich dazu führen, dass Präsident Hans Ulrich Kersten von Bundesinnenminister Otto Schily in den einstweiligen Ruhestand versetzt wird und sein für Verwaltung zuständiger Vizepräsident das BKA verlassen muss. Schließlich wird noch im Frühjahr 2004 entschieden, dass rund 500 Mitarbeiter aus den Standorten Wiesbaden und Meckenheim zum Ausbau des BKA Berlin nach dort verlagert werden. In Berlin werden ab 2005 eine Einheit zur Bekämpfung des islamistischen Extremismus mit einer Einheit für strategische Analysen und eine Abteilung für internationale Koordination angesiedelt werden. Der Sitz der Amtsleitung des BKA soll nach Berlin verlagert werden. Der Aufbau der neuen Berliner Einheiten des BKA und der Umzug der entsprechende Mitarbeiter sollen 2008 abgeschlossen sein.
BKA-Präsidenten
- Dr. Max Hagemann - 1951 bis 1952
- Dr. Hanns Jess - 1952 bis 1955
- Reinhard Dullien - 1955 bis 1964
- Paul Dickopf - 1965 bis 1971
- Horst Herold - 1971 bis März 1981
- Heinrich Boge - März 1981 bis 1990
- Hans-Ludwig Zachert - 1990 bis April 1996
- Klaus Ulrich Kersten - April 1996 bis Februar 2004
- Jörg Ziercke - amtierender Präsident
Literatur
- Schenk, Dieter: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA, Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2001 ISBN 3462030345
- Schenk, Dieter: Der Chef. Horst Herold und das BKA: Hamburg, Spiegel-Buchverlag, 1998 ISBN 3455150225
Weblink
Website des Bundeskriminalamts
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