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Deutsche Sprache

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Deutsch
Gesprochen in: Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Italien (Südtirol), Belgien (Eupen), Frankreich (Elsass / Lothringen),

Weitere (>100.000 Sprecher):
Brasilien, Argentinien, Australien, Kasachstan, Polen, Ungarn
Muttersprachler: 101 Millionen
Zweitsprachler: etwa 20 Millionen
Rang: 9
Linguistische
Klassifikation:
Indogermanisch
Germanisch
West-Germanisch
Hochdeutsch
Offizieller Status
Amtssprache in: Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Belgien, Italien, Namibia
Reguliert durch: -
Sprachcode
ISO 639-1: de
ISO 639-2 (B): ger
ISO 639-2 (T): deu
SIL: GER

Die deutsche Sprache (Deutsch) zählt zur Familie der indogermanischen (indoeuropäischen) Sprachen, spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprache = Niederdeutsch.

Das Wort "teutsch" (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für "Volk" (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung "fränkisch" für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und anderseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern und die Sachsen umfasste.

Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.

Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits darf aber der Einfluss der Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war, nicht überschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit gesehen werden.


Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art "Kompromiss" zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.

In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation und durch das Sprachgesetz Bismarcks als Amts- und Schulsprache gegen und das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederdeutsche Sprache.

Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.

Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte unterteilt:

Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.

Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen "Einheitsschreibung" gelang mit dem "Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache" von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.

In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:

In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) die deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.

Länder, in denen Deutsch gesprochen wird:

als offizielle Hauptsprache

als Amtssprache (neben anderen Sprachen)

Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht (Mühlenberg-Legende).

als Minderheitensprache

Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten

als Fremdsprache

Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelernt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Ungarn, Montenegro und Mazedonien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch.

In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).

Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u.a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:

Aussprache

Nachdem sich die neuhochdeutsche Schriftsprache herausgebildet hatte, setzte sich in gebildeten Kreisen die Idealvorstellung der Schreiblautung durch. Damit ist eine Aussprache gemeint, die sich möglichst stark am Geschriebenen orientiert. Im 19. Jahrhundert kam die Vorstellung auf, dass das beste Deutsch auf der Theaterbühne gesprochen werde. Auch die Aussprache in Norddeutschland wurde als vorbildlich eingestuft, da sich das Niederdeutsche zu stark von der Standardsprache unterscheidet und diese deshalb nicht so leicht beeinflussen kann. Deswegen orientiert sich die dortige Aussprache der im Zeitalter der Reformation übernommenen hochdeutschen Schriftsprache an der Schreibung, so dass man das Ideal der Schreiblautung in dieser Region am ehesten als verwirklicht betrachten kann.

Die Aussprache des Deutschen wurde erstmals 1898 in der "Deutschen Bühnensprache" von Theodor Siebs für den Gebrauch im Theater kodifiziert. Heute existieren verschiedene Aussprachewörterbücher, die in einigen Punkten von einander abweichen.

Die Aussprache des Deutschen in den verschiedenen Sprachgebieten weicht unterschiedlich stark voneinander ab (siehe dazu z.B. den Artikel Helvetismus). Wenn sogar die Aussprache der Schriftsprache markante regionale Unterschiede aufweist, dann gilt das erst recht für die regionalen Dialekte. Die nachfolgenden Abschnitte beschreiben die Aussprache der Standardsprache. Vieles davon trifft auf einzelne oder mehrere Dialekte nicht zu. Insbesondere das phonetische Inventar der Dialekte weicht oft beträchtlich von der Standardsprache ab.

Eine große Wirkung geht heutzutage von den deutschen Fernseh- und Rundfunkprogrammen aus, bei denen überwiegend auf eine Aussprache geachtet wird, die sich stark an der hochdeutschen Schriftsprache orientiert.

Akzentuierung von Wörtern und Sätzen

In deutschen Wörtern wird meistens die Stammsilbe betont ('le-sen, 'Spra-che, ver'steh-en, ent-'füh-ren), aber auch einige Präfixe ('Aus-spra-che, 'vorlesen) und Suffixe (z. B. -ei wie in Bä-cke-'rei) können den Akzent tragen. Das bedeutet, dass der Akzent im Deutschen beweglich ist, da er innerhalb einer Wortfamilie variieren kann (Vergleiche z.B. 'Aussprache, 'Sprache und be'sprechen).

Bei zusammengesetzten Wörtern (Komposita) wird immer das erste Wort (Bestimmungswort) betont.

Für Fremdwörter im Deutschen lassen sich keine Regeln angeben, da die Betonung häufig zusammen mit dem Wort übernommen wird.

Die betonte Silbe wird im Vergleich zu den unbetonten stärker, und damit lauter gesprochen (dynamischer Akzent). Silben mit langem Vokal können zusätzlich gedehnt werden, um dem betreffenden Wort mehr Gewicht zu verleihen (temporaler Akzent).

Der Hauptakzent liegt im Satz auf dem Rhema, meistens gegen Ende des Satzes.

Intonation

Deutsch kennt drei verschiedene Melodieverläufe, nämlich fallende, steigende und schwebende (progrediente) Intonation. Die fallende Intonation kennzeichnet den Satzschluss bei Aussagesätzen und Wortfragen wie zum Beispiel bei den Sätzen: Wann kommst du? - Ich komme jetzt. Die schwebende Intonation wird bei Pausen wie zum Beispiel zwischen Haupt- und Nebensatz verwendet. Die steigende Intonation ist typisch für Satzfragen (auch Entscheidungsfragen) wie zum Beispiel: "Isst du gerne Schokolade?". Auch Wortfragen können mit steigender Intonation gesprochen werden, wenn man ihnen einen freundlichen Ton verleihen will.

Die Hebung oder Senkung der Stimme erfolgt ausgehend von der letzten betonten Silbe im Satz. Bei fallender Intonation wird diese Silbe etwas höher gesprochen als die vorangehenden. Die nachfolgenden Silben fallen dann bis unter das Niveau des Satzes. Ist die letzte betonte Silbe ein einziges Wort, findet diese Melodiebewegung innerhalb dieses Wortes statt. Bei steigender Intonation wird die letzte betonte Silbe analog etwas tiefer gesprochen.

Konsonanten

noch auszuführen vgl. auch Auslautverhärtung

Vokalsystem


Vokale, auch Selbstlaute genannt, sind Klang- und Öffnungslaute. Als solche sind sie Silbenträger. Die deutsche Hochlautung umfasst 17 monophthongische Vokalphoneme und 3 Diphthonge, eine ziemlich hohe Anzahl. (Spanisch zum Beispiel kennt nur 7).


Die deutschen Monophtonge
Laut Beschreibung
i˿ geschlossener, palataler, langer Monophthong mit Lippenspreizung wie in Familie.
ɪ halbgeschlossener, palatal bis zentraler, kurzer Monophthong mit leichter Lippenspreizung wie in billig.
e˿ halbgeschlossener, palataler, langer Monophthong mit Lippenspreizung wie in gehen.
e halbgeschlossener bis halboffener, palatal bis zentraler kurzer Monophthong mit leichter Lippenspreizung wie in Telefon.
ɛ˿ fast halboffener, palataler, langer Monophthong mit leichter Lippenspreizung wie in Käse.
É› fast halboffener, palatal bis zentraler, kurzer Monophthong mit leichter Lippenspreizung wie in Hecke.
É™ fast halbgeschlossener, zentraler, kurzer Monophthong mit neutraler Lippenspreizung wie in bitte.
a˿ offener, velarer, langer Monophthong mit offener Lippenrundung wie in Schwan.
a offener, zentraler, kurzer Monophthong mit neutraler Lippenstellung wie in Schwamm.
o˿ halbgeschlossener, velarer, langer Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in Not.
É” halboffener, velarer, kurzer Monophthong mit leicht offener Lippenrundung wie in Otter)
u˿ geschlossener, velarer, langer Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in Mut.
ʊ fast halbgeschlossener, velar bis zentraler, kurzer Monophthong mit geschlossener, aber nicht vorgestülpter Lippenrundung wie in Mutter.
ø˿ halbgeschlossener, palatal bis zentraler, langer Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in Höhle.
œ halboffener, palatal bis zentraler, kurzer Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in Hölle.
y˿ fast geschlossener, palataler, langer Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in müßig.
ʿ fast halbgeschlossener, palatal bis zentraler Monophthong mit vorgestülpter Lippenrundung wie in müssen.


Die deutschen Diphtonge
Laut Beschreibung
aʊ der zentrierende Diphthong setzt mit einem [a] wie in Schwamm ein, und gleitet in Richtung auf das deutsche [ ʊ ], wobei die Lippen von neutraler zu leichter Rundung übergehen. Beispiel: Haus.
aɪ der zentrierende Diphthong setzt mit einem [a] wie in Schwamm ein, und gleitet in Richtung auf das deutsche [ɪ], das jedoch selten erreicht wird. Beispiel: Heim.
ɔʿ der zentrierende Diphthong setzt mit einem halboffenen [ɔ] wie in Gott ein, und gleitet in Richtung [ʿ], das selten erreicht wird. Beispiel: Eule.


Die Vokalphoneme werden durch die acht Vokalbuchstaben a, e, i, o, u, ä, ö und ü dargestellt, sowie in manchen Fremdwörtern durch "y" (z. B. Rhythmus), welches allerdings auch als Konsonant verwendet wird (z. B.: Yacht).

Die Vokalphoneme können in ähnliche Paare (lang – kurz) eingeteilt werden. Dabei unterscheiden sich die Paare nicht nur in ihrer Länge (Quantität) voneinander sondern auch in ihrer Qualität, wie es die folgende Tabelle deutlich macht:


Vokal-Paare
langer Vokal Bemerkung kurzer Vokal Bemerkung
a˿ langes, velares a (Schwan) a kurzes, zentrales a (Schwamm)
i˿ langes, geschlossenes i (Familie) ɪ kurzes, halbgeschlossenes i (billig)
e˿ langes, geschlossenes e (ewig) e kurzes, halbgeschlossenes e (Telefon)
ɛ˿ langes, halbgeschlossenes bis halboffenes e (Käse) ɛ kurzes, fast halboffenes e (Hecke, Ächtung)
o˿ langes, halbgeschlossenes o (Not) ɔ kurzes, halboffenes o (Otter)
u˿ langes, geschlossenes u (Mut) ʊ kurzes, fast halbgeschlossenes u (Mutter)
ø˿ langes, halbgeschlossenes ö (Höhle) œ kurzes, halboffenes ö (Hölle)
y˿ langes, fast geschlossenes ü (müßig) ʿ kurzes, fast halbgeschlossenes ü (müssen)


Die Aussprache der Wörter Höhle und Hölle (['hø˿lə] bzw. ['hœlə]) unterscheidet sich also nicht nur durch die Länge des Vokals sondern zusätzlich durch dessen Qualität: [ø] - [œ].


Anhand der Tabelle erkennt man das Prinzip der hochdeutschen Vokal-Lautung: die langen Vokale werden geschlossener ausgesprochen als ihre kurzen Nachbarvokale. Ähnlich wie im Deutschen verhält es sich in allen germanischen Sprachen.

Vollkommen aus diesem System fällt der im Englischen so genannte Schwa-Laut: [ə] wie in "bitte", "greifen". Dieser Mittelzungenvokal kommt im Deutschen im Gegensatz zum Englischen normalerweise nur in seiner Variante als Kurzvokal vor. Als Langvokal erscheint er lediglich als rhetorisches Füllwort, z. B. "Was ich, eh, sagen wollte...".



Die Quantität und damit auch die Qualität der Vokale kann meistens aus der Schreibung abgeleitet werden.

Länge kann durch doppelten Vokalbuchstaben (z. B. ee wie in Tee), Vokal plus h (z. B. ah wie in Zahl) oder für i durch die Buchstabenkombination ie oder ieh (wie in Liebe oder ziehen) gekennzeichnet werden.

Ebenfalls lang sind Vokale in offenen Silben wie das e in Leben oder das a in Tage. Ebenfalls lang sind Vokale, die zwar in geschlossenen Silben stehen, welche aber so erweitert werden können, dass eine offene Silbe entsteht. Bei "hörst" handelt es sich um eine geschlossene Silbe, "hö" in hören ist offen, deshalb wird auch das ö in "hörst" lang gesprochen.

Zwei gleiche Konsonanten nach einem Vokalbuchstaben signalisieren dessen Kürze (zum Beispiel in "Sonne", "bellen", "Ratte"). Das Eszett als Einzelbuchstabe signalisiert dementsprechend Länge des vorangehenden Vokals an. Da in der Schweiz das Eszett nicht in Gebrauch ist, fehlt dort die Kennzeichnung des vorangehenden Vokals als langer oder kurzer Vokal. Allerdings wird auch in Deutschland und in Österreich diese Regel, besonders in den Fernsehmedien, nicht immer konsequent angewandt.


Vokale in geschlossenen Silben, die nicht erweitert werden können, wie zum Beispiel bei mit, werden ebenfalls kurz gesprochen.

Grammatik

Die deutsche Sprache ist eine flektierende Sprache, d. h. die grammatischen Beziehungen zwischen den Wörtern werden mit Hilfe von Affixen und teilweise durch Wurzelflexion ausgedrückt.


Numerus

Die deutsche Sprache unterscheidet Singular und Plural in den Formen der Substantive, Adjektive, Pronomina und Verben.

Beim Nomen kann der Plural durch Anhängen eines Suffixes und/oder durch die Variation eines Vokals (Umlaut) angezeigt werden (s. unten: Deklination)

Genera

Das Deutsche kennt drei Genera:

Substantivierte Adjektive und Verben sind grundsätzlich neutral. Substantive, die mit den Silben -keit und -heit enden, sind grundsätzlich Femina. Die Endsilbe -chen lässt jedes Substantiv zum Neutrum werden; auffallend in diesem Zusammenhang ist, dass sich natürliches Geschlecht und grammatisches Genus unterscheiden können: z. B. das Mädchen.

Deklination

Zu unterscheiden sind vier Kasusformen: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ. Einige Kasusendungen sind in der Sprachgeschichte verloren gegangen, so dass der Artikel als zusätzlicher Kasusanzeiger dienen kann. Gut markiert sind im Singular der Genitiv, im Plural der Dativ.

Singular

Plural

Grundregeln (gültig für ca. 70% der Substantive):


Zusatzregeln:

Fremd- und Fachwörter, die aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen, bilden den Plural manchmal in Anlehnung an die Ursprungssprache:

Es gibt auch Wörter, bei denen zwei Pluralbildungen vorkommen, wobei die Bedeutung der beiden Plurale sich unterscheidet:

Kasus

Im Deutschen existieren vier grammatikalische Fälle:

Der Genitiv wird heute zunehmend durch Konstruktionen mit Präposition und Dativ ersetzt (was jedoch als Fehler gilt!):

Nach wegen steht immer der Genitiv (wegen des Regens), im Plural wird der Dativ verwendet, wenn der Genitiv nicht erkennbar ist (wegen manchem).

Verben

Wie in allen germanischen Sprachen ist der Unterschied zwischen starken Verben und schwachen Verben bedeutsam.

Tempusformen

Das Deutsche kennt folgende Zeiten oder Tempusformen:

Zeitachse der Gegenwart

Zeitachse der Vergangenheit

Anwendungsbereiche der Tempusformen

Die wichtigste Form ist das Präsens. Es kann als historisches Präsens Präteritum bzw. Perfekt ersetzen und steht vor allem in der Umgangssprache vielfach für das Futur I. In diesen Fällen stehen ergänzend Adverbiale des Ortes oder der Zeit.

Bildung der Tempusformen

Die Formen der Vergangenheitstempora Plusquamperfekt und Perfekt werden gebildet mit den Hilfsverben haben oder sein und dem Partizip II (oder Partizip Perfekt). Das Präteritum verwendet den Stamm des Infinitivs.

Die Futurformen werden mit dem Verb werden bzw. (Futur II) werden und haben bzw. sein gebildet.

Plusquamperfekt, Futur II und auch Futur I werden eher selten in der gesprochenen Sprache verwendet. Manche Dialekte kennen diese Tempora nicht. Einige Dialekte kennen dafür das Plusplusquamperfekt, in dem das Hilfsverb selbst das Perfekt verwendet. Süddeutsche Dialekte haben kein Präteritum mit Ausnahme der Modal- und Hilfsverben. Das Plattdeutsche kennt dagegen alle sechs Zeitformen, wobei die Futurformen mit sollen (auf Platt: süllen, sküllen oder schallen) gebildet werden.

Den Konjunktiv II bildet man aus der Präteritumform des Verbs, starke Verben bekommen einen Umlaut (ich tue etwas - ich tat etwas - ich täte etwas). Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen die Präteritumform und die Konjunktivformen identisch sind (ich sage etwas - ich sagte etwas - ich sagte etwas). Hier verwendet man meist den Konjunktiv III mit "würde" und Infinitiv (ich würde sagen). Den Konjunktiv I leitet man vom Infinitiv ab, der Wortstamm ändert sich nicht, spezielle Endungen kennzeichnen den Konjunktiv (er sieht etwas - er sehe etwas). Der Konjunktiv I gleicht in vielen Fällen dem Indikativ. Deshalb benutzt man dann den Konjunktiv II oder den Konjunktiv III (Indikativ: ich sehe - Konjunktiv I: ich sehe => Konjunktiv III: ich würde sehen).

Modus

Im Deutschen gibt es die folgenden Modi:

Genera verbi

Insbesondere im formalen Deutsch ist das Passiv wichtig. Es wird aus dem Hilfsverb werden und dem Partizip Perfekt gebildet und verkehrt die Perspektive des Aktivsatzes. Das 'Opfer', der 'Betroffene' wird Ausgangspunkt, der 'Täter' verliert die Subjektrolle und kann auch wegfallen. "Paula schlägt Egon - Egon wird (von Paula) geschlagen"

Syntax

Satzklammer

Charakteristisch für den Satzbau des Deutschen ist die Satzklammer. Im Aussagesatz und im W-Fragesatz treten flektierte und unflektierte Verbform auseinander und bilden eine Klammer. Die flektierte Verbform steht stets an zweiter Stelle und ist ein Hilfsverb ("sein", "haben", "werden") oder ein Modalverb, die unflektierte ist ein Vollverb ("sehen", bitten") oder eine Verbpartikel ("trennte...ab", "machte...blau", "machte...Männchen") und steht am Ende der Sinneinheit. Zwischen den Klammerelementen eröffnet sich das "Mittelfeld", dort stehen erst die thematischen, dann die gewichtigen Ergänzungen des Verbs. Vor der Klammer ist das "Vorfeld", in dem nur ein Wort oder eine Wortgruppe oder ein Nebensatz stehen kann. Auf die Klammer folgt das "Nachfeld" für Nebensätze, Ausklammerungen etc.

Im Nebensatz wird der ganze Verbalkomplex am Ende realisiert, den ersten Klammerteil bildet ein Subjunktor ("dass", "als", "weil", "wenn") oder ein Relativum

Im Jiddischen, das dem Deutschen als Sprache am nächsten ist, wird die Satzklammer meist nicht realisiert. Die niederländische Syntax dagegen entspricht in dieser Hinsicht weitestgehend der deutschen. Im Englischen dagegen stehen die Verbteile stets zusammen und an zweiter Position, direkt vor dem Objekt/der Verbergänzung: "She has sent a letter to Germany".

Literatur zur deutschen Grammatik

Weblinks



(Grammis: grammatisches Lernsystem)

pls/grammis/grammis_bib.ansicht (Bibliographische Datenbank zur deutschen Grammatik)

Orthographie

Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.

Textsammlungen

Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren.

Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Dialekte der hochdeutschen Sprache

Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.

Niederdeutsch - Sprache oder Dialekt?

Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen/ besitzen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede zu den übrigen deutschen Mundarten und werden daher von manchen Leuten als Teil einer niederdeutschen Sprache aufgefasst. Dies ist sowohl in der Fachwelt als auch unter Laien umstritten. Fakt ist, dass Niederdeutsch im Aussterben begriffen ist.

Einflüsse fremder Sprachen auf die deutsche Sprache

Schon während früherer Jahrhunderte wurde die deutsche Sprache im Wortschatz durch verschiedene andere Sprachen, zum Beispiel Französisch, beeinflusst.

Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann besonders in Deutschland infolge der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung unter Führung der USA ein wachsender Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache, indem deutschsprachige Wörter durch Anglizismen ersetzt werden sowie teilweise die interne Konzernsprache in manchen deutschen Konzernen und die in manchen Bereichen wie Fitnesscenter, Tourismus oder Freizeitgestaltung sowie in der Werbung benützte Sprache von Deutsch auf Englisch umgestellt wird. Diese Entwicklung ist umstritten, da nach wie vor ein großer Teil der Bevölkerung Deutschlands – insbesondere der älteren Generation, in den neuen Ländern und eingewanderte Personen – die englische Sprache nicht beherrscht.

Siehe auch





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