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Dorf

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Dieser Artikel behandelt die Siedlungsform Dorf. FĂŒr andere Bedeutungen des Wortes Dorf siehe Dorf (BegriffsklĂ€rung).


Der Begriff Dorf (n.) bezeichnet eine Landgemeinde, die ursprĂŒnglich durch eine landwirtschaftlich geprĂ€gte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur gekennzeichnet ist. Charakterisierendes Kennzeichen ist nach wie vor die Landwirtschaft; doch sind auch Fischerdörfer, sogar WanderhĂ€ndler- oder FlĂ¶ĂŸerdorfer bezeugt. Siedlungen, in denen heute (2004) kein Bauer mehr ansĂ€ssig ist, sind streng genommen keine Dörfer, werden aber hier mit behandelt.

Dabei sind die Form und der Aufbau der siedelnden Gemeinschaft abhÀngig von der Bodenart und deren Fruchtbarkeit, von der Wirtschaftsform und von den traditionellen Gewohnheiten und Eigenheiten der siedelnden Ethnie. Im Gegensatz zur Einzelsiedlung, eines Wohnplatzes, Haubargs, Einzelgehöftes oder einer Honschaft (vgl. auch die Eschflur) ist das Dorf eine Gruppensiedlung.

Inhaltsverzeichnis

Historisch gewachsene Dorfformen

Nach Grundriss, Lage, sozialökonomischer Funktion und Wirtschaftsweise werden Dörfer klassifiziert. Auf eine allzu einengende Einteilung in Haupt- und Nebenformen soll hier jedoch verzichtet werden, da die reine Dorfform kaum noch anzutreffen ist. Auf Besonderheiten, Parallelen soll in den einzelnen Hauptartikeln eingegangen werden. SpĂ€testens im 20. Jahrhundert traten in den Dörfern Zersiedelungsprozesse ein, wurden Flure bereinigt, Felder zu großen SchlĂ€gen zusammengelegt ("Verkoppelung").

Eng im Zusammenhang mit den Dorfformen stehen die Flurformen. Zu den hĂ€ufigsten Dorfformen der Erde gehören die Haufen-, die Reihen- und die Straßendörfer.

In manchen Teilen Amerikas, Australiens und Afrikas ĂŒberwiegen Einzelsiedlungen. Die Dorfbildung in Mitteleuropa begann in der Jungsteinzeit mit den ersten Ackerbauern. Die Dörfer entstanden zunĂ€chst, wenn selbststĂ€ndige, aber gewöhnlich untereinander verwandte Familien ohne gemeinsames Oberhaupt beieinander siedelten.

Grob unterscheidet man nach ungeregelten und geregelten Dorfanlagen, wobei letztere nur bei gelenkter, planmĂ€ĂŸiger Kolonisation vorkommen.

Reihendorf

Zeilendorf

Ein Zeilendorf besteht aus einer HĂ€user- bzw. Hofzeile, die regelmĂ€ĂŸig und linear aneinander gereiht ist.

Moorhufendorf

Beim Moorhufendorf handelt es sich um eine planmĂ€ĂŸig angelegte Reihensiedlung des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Moorhufendorf hat in der Regel eine Breitstreifenflur (Flurformtyp, bei dem Streifen von ca. 50-800 m Breite dominieren). Die Grenzen der Breitstreifen bilden EntwĂ€sserungsgrĂ€ben.

Marschhufendorf

Ein Marschhufendorf ist ein Reihendorf in Marschgebieten lĂ€ngs eines EntwĂ€sserungskanals. Der Landbesitz schließt in gereihten LĂ€ngsstreifen an die Hofanlagen an. Marschhufendörfer gibt es besonders in den Niederlanden und etwa seit dem 10. Jahrhundert in Norddeutschland in den Gebieten, in denen die NiederlĂ€nder an der EntwĂ€sserung mitwirkten.

Waldhufendorf

Als Waldhufendorf bezeichnet werden planmĂ€ĂŸig angelegte Siedlungen des Mittelalters, die durch Rodung angelegt wurden und die, ausgehend von den badischen, schwĂ€bischen und frĂ€nkischen Gebieten in SĂŒddeutschland, bei der Kolonisierung in ThĂŒringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schlesien sowie teilweise auch Brandenburg eine wichtige Rolle spielten.

Hagenhufendorf

Straßendorf

Ein Straßendorf ist ein lineares, doppelzeiliges Dorf, dessen HĂ€user bzw. Gehöfte eine Straße in dichter Anordnung sĂ€umen.


Angerdorf

Ein Angerdorf ist ein Dorf, dessen hervorstechendes Merkmal der Anger, ein im Gemeindebesitz befindlicher Platz, ist. Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf GrundmorĂ€nenplatten und in LĂ¶ĂŸgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.

Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler

Ein Rundling ist eine lĂ€ndliche Siedlung in Rundform, deren Verbreitungsgebiet sich auf den einstigen deutsch-slawischen Grenzraum beschrĂ€nkt: westlich und östlich der Saale und Elbe, z.B. im Hannoverischen Wendland. In den dauerhaft nur von Slawen bewohnten Gebieten kommen Rundlinge nicht vor. Rundlinge liegen hĂ€ufig auf Spornen, die in die Niederungen der UrstromtĂ€ler hineinragen. Der rundliche Platz in der Mitte ist nur ĂŒber einen Weg an das Verkehrsnetz angeschlossen. Um den Platz sind wenige Bauernhöfe angeordnet. Daran schließt sich eine Streifengemengeflur an. Ob die Rundform sich erst allmĂ€hlich aus zwei bis drei Höfen durch Teilung und Erweiterung entwickelte oder ob sie von vornherein angestrebt wurde, ist ungeklĂ€rt, ebenso ob sie aus SicherheitsgrĂŒnden oder in Anpassung an die vorwiegende Viehwirtschaft gewĂ€hlt wurde.


Ein typisches Beispiel ist Bugk (slaw. "bug" oder "buk", dt. "Eiche") im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Aus einem Wegestern entstanden, auf einer kaum wahrnehmbaren Anhöhe in feuchtem, sumpfigen GelÀnde gelegen, stellt der Ort im Ortskern ein slawisches Rundplatzdorf dar.

Eine Besonderheit stellt dabei das Wurtendorf dar. Es gehört zu den Siedlungen, deren Gehöfte auf einen zentralen (Dorf-)Platz ausgerichtet sind. Das Wurtendorf entstand in der Regel auf einem kĂŒnstlich vom Menschen aufgeschĂŒtteten ErdhĂŒgel, der als Siedlungsplatz fĂŒr eine Einzel- oder Gruppensiedlung dient. Der HĂŒgel sollte das Dorf schĂŒtzen (vor Sturmfluten/Hochwasser etc.). Dieser Siedlungstyp kommt vor allem an MarschenkĂŒsten vor, mitunter auch an FlusslĂ€ufen. Wurtendörfer entstanden vor allem im 7. und 8. Jahrhundert.

Haufendorf

Ein Haufendorf ist ein geschlossen bebautes Dorf mit unregelmĂ€ĂŸigem Grundriss und hĂ€ufig unterschiedlich großen Höfen. Haufendörfer entstanden in Mitteleuropa durch Zusammenwachsen benachbarter Weiler oder Gehöfte in Verbindung mit Bevölkerungswachstum und Siedlungskonzentration bereits im Mittelalter. NatĂŒrlich unterscheiden sich auf Haufendörfer. Je nach Erbschaftsformen in der Region sind sie locker gestaltet (bei Anerbenrecht) bzw. nach und nach dicht verbaut (bei Realteilung). Sie haben dabei meist einen unregelmĂ€ĂŸigem Grundriss um einen zentralen Teich oder Platz. Gliederbar in Dorfkern, Ackerflur und Allmende.

Kolonistendörfer in Brandenburg

Die Brandenburger Kolonistendörfer entstanden nach 1157 im Zuge der von Albrecht dem BĂ€ren und seinem Sohn Otto I. betriebenen Ansiedlungspolitik. Die beiden ersten brandenburgischen Markgrafen versuchten mit dieser Politik erfolgreich, die 1157 eroberte und gegrĂŒndete Mark Brandenburg, die noch in weiten Teilen von slawischen StĂ€mmen bewohnt war, zu christianisieren und endgĂŒltig zu stabilisieren. Die Kolonisten kamen ĂŒberwiegend aus der Altmark und aus Flandern. Die Dörfer wurden in der Regel als Reihendorf oder Rundling mit Wald-, Wiesen- und Ackerhufen angelegt, vereinzelt gab es dreieckige Sackgassendörfer wie Gröben bei Ludwigsfelde.

Streusiedlung

Eisenbahnsiedlung

Diese entstanden vor allem in der 2. HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Voraussetzung war das Vorhandensein der Eisenbahn und ihr netzmĂ€ĂŸiger Ausbau als Komponente der Infrastruktur.

Neuere Dorfformen

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich wegen des Anwachsens des Tourismus als Wirtschaftszweig, wegen des Absterbens klassischer Handwerkszweige, wegen der grĂ¶ĂŸer gewordenen MobilitĂ€t und wegen der grĂ¶ĂŸer gewordenen SensibilitĂ€t der Menschen gegenĂŒber der Umwelt und einzelner sozialer Gruppen und sogar einzelner Tiere eine ganze Reihe verschiedenartiger "Dörfer", die nicht mehr der klassischen Siedlungspolitik zu zuordnen sind. Der Begriff Dorf wird in diesem Zusammenhang herausgestellt, um die Interaktion des Menschen mit seinen Mitmenschen, mit der Umwelt, um die menschlichen Traditionen und Gewohnheiten zu verdeutlichen.

Es sind dies in einer unvollstÀndigen AufzÀhlung:

In der ehemaligen DDR gab es ein Dorf der Jugend.

Soziale Strukturen, Soziologisches

In der dörflichen sozialen Hierarchie standen die wohlhabendsten Bauern an der Spitze. Der Besitz von Pferden stellte den höchsten Reichtum dar (fast Luxus: Das Perd frisst, was es einbringt), so dass man die Gespannbesitzer von den Kuhbauern unterschied. Pferde konnten sich meist nur die sogenannten Vollbauern (Hufner) leisten. Daneben gab es die landwirtschaftliche Kleinbetriebe (HĂ€usler, Kötter, Seldner...), die ĂŒber die Nutzung des eigenen Landes hinaus freie Arbeitskraft fĂŒr die Vollbauern bereitstellten, sowie bis in die 1970er Jahre die traditionellen dörflichen Handwerks- und Dienstleistungsberufe (MĂŒller, Grobschmied, Stellmacher (Wagner), Gastwirt (KrĂŒger) ...), aber eben auch BĂ€cker, Fleischer, Tischler, Zimmermann, Dachdecker u.v.a. 2004 sind in der Bundesrepublik Deutschland diese Berufe aus dem Dorf praktisch verschwunden, zusammen mit dem EinzelhandelsgeschĂ€ft (Gemischtwarenladen), der Post usw. Dies ebenso wie das lĂ€ndliche Hofgesinde (Knecht und Magd), und zuunterst in der Rangordnung die Dorfarmen und -irren. Der Großteil der BeschĂ€ftigten ist hauptberuflich außerhalb der Landwirtschaft tĂ€tig und meist in den nĂ€chstgelegenen StĂ€dten oder zentralen Orten. Außerdem entstanden in den Dörfern einige neue Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe (Elektriker- und ReparaturwerkstĂ€tten, Fuhrbetriebe, Tankstellen etc.).
Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich aus durch soziale Beziehungen (Nachbarschaftsbeziehungen, soziale Kontrolle), feste Strukturen und Normen (Sitten, Brauchtum, Feste, Vereinswesen, etc.) bis hin zur lĂ€ndlichen Architektur, Bekleidung, Nahrung usw. Auch die Entwicklung der Bevölkerung blieb an die verfĂŒgbare NutzflĂ€che gebunden. Das Gleichgewicht wurde dadurch aufrecht erhalten, dass ein Teil der Bevölkerung keine Familien grĂŒndete oder auswanderte. Mit beginnender Industrialisierung fand der nichtbĂ€uerliche Teil der dörflichen Bevölkerung durch Heimarbeit eine zusĂ€tzliche Einnahmequelle. In SĂŒdwestdeutschland wurde durch eine breitgestreute Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe relativ frĂŒh eine grĂ¶ĂŸere Zahl außerlandwirtschaftlicher DauerarbeitsplĂ€tze geschaffen. Heute bildet das ĂŒberwiegend landwirtschaftlich bestimmte Bauerndorf die Ausnahme.
Soziologisch wird das Dorf empirisch vor allem in der Gemeinde- und Agrarsoziologie untersucht (tlw. auch in der Entwicklungssoziologie), konzeptionell ist dafĂŒr besonders auf den Begriff "Gemeinschaft" zu verweisen.


Siehe auch







Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Dorf aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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