Dorfchronik
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Dorfchroniken sind Teil der Lokal- und Regionalgeschichte. Die ältesten Formen waren die Schul- und Kirchenchroniken. Hierbei handelte es sich um kontinuierlich chronologisch geführte Aufzeichnungen, die den Namen Chronik wirklich verdienen. Diese Chroniken wurden vom Lehrer oder Küster geführt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das Führen von Schulchroniken zu den Pflichten der Dorflehrer.
Nach dem 2. Weltkrieg war Heimatgeschichte in Deutschland verpönt, weil sie durch den Nationalsozialismus in Verruf geraten war. Im Zuge dieser Entwicklung wurden viele Chroniken nicht mehr weitergeführt.
Eine Renaissance erlebte Heimatgeschichte im Zuge der 68er Bewegung. Zunächst ging es nur um die verschwiegenen und vertuschten Verbrechen der Väter und Großvätergeneration im Nationalsozialismus. Bald danach wurden die ersten Geschichtswerkstätten gegründet. In ihnen wurde oft unter fachkundlicher Anleitung von Laien Material gesammelt und archiviert. Ergebnisse dieser Sammlarbeit wurden publiziert. Das waren aber noch keine Dorfchroniken.
Dorfchroniken werden heute noch oft von pensionierten Lehrern oder Bürgermeistern geschrieben. Sie sind aber eigentlich keine Chroniken mehr, sondern eher Dorfgeschichten.
Das Thema Nationalsozialismus wird in Dorfchroniken häufig als Tabuthema behandelt. Das liegt vermutlich an der Tatsache, dass die Autoren in das Sozialgefüge eines Dorfes fest eingebunden sind und sich deshalb scheuen Ross und Reiter, sprich die Namen der Aktivisten zu nennen. Das liegt aber auch vielleicht an der teilweise schlechten Quellenlage. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Archivrecht. Noch heute sind nicht alle Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus in den staatlichen Archiven frei zugänglich, weil das Persönlichkeitsrecht über das Informationsrecht gestellt wird. So gibt es z.B. in Niedersachsen erst seit 1993 ein Archivgesetz. Danach dürfen personenbezogene Daten erst 10 Jahre nach dem Tod der Person, oder, wenn das Datum nicht leicht feststellbar ist, 100 Jahre nach der Geburt zugänglich gemacht werden. Vor 1993 waren Archivnutzer mehr oder weniger vom guten Willen der Archivare abhängig.
Tipps und Arbeitshinweise
Vorschlag für die Gliederung einer Dorfchronik
Vorbemerkungen
Der Ortsname
Geografie (dabei auch Auflistung von Flur- und Straßennamen und Versuch der
Deutung)
Geschichte
Dorfentwicklung / Bauentwicklung seit einem markanten Datums bis heute
Bevölkerungsentwicklung (seit vorliegen gesicherter Zahlen, wahrscheinlich
erst seit dem 18. Jahrhundert)
Öffentliche Institutionen und Infrastruktur
Kommunale Selbstverwaltung
Kirche
Schule
Kindergarten
Feuerwehr
Wasserversorgung
Abwasser
Müllabfuhr
Verkehrswege
Post und Fernmeldewesen
Eisenbahn
Wirtschaft
Landwirtschaft
Handel und Gewerbe
Portraits ortsansässiger Firmen
Dorfleben (Clubs und Vereine, Traditionen)
Luftaufnahmen
Anhang
Sozialstatistik
Ratsmitglieder, Bürgermeister, Pastoren , Lehrer….
Hausbesitzerlisten
Höferückschreibung
Chronologie
Begriffserklärungen
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Formalien
Ein Bild sagt oft mehr als tausen Worte, deshalb: Bilder, Bilder, Bilder, Häuser, Feste und Feiern, Schulklassen und Kirchenchor, denn das sind die potentiellen Käufer. Bei formalen Gruppenbildern, z. B. Schulfotos, schreiben Sie die Namen der Personen zu dem Bild. Beginnen Sie also rechtzeitig mit der Sammlung der Fotos, scannen Sie sie und notieren Sie dazu: Wer ist der Eigentümer, wo liegt das Original; wann wurde das Bild aufgenommen; wo wurde es aufgenommen; wer oder was ist zu sehen.
Wichtig ist das formale Äußere. Versehen Sie ihre Texte sofort mit Quellenhinweisen. Das hilft nicht nur dem leser, sondern auch Ihnen beim Wiederauffinden von Quellen. Benutzen Sie dabei den formalen Apparat der gelernten Historiker.
Bei alledem sollte aber auch nicht der gute Schreibstil vergessen werden. Versichern Sie sich deshalb rechtzeitig der Mitarbeit eines "Lektors" und von Korrektoren.
Diese Hinweise beruhen auf eigenen Erfahrungen.
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