Frederick Kanfer
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Einordnung: Psychotherapeut | Ă–sterreicher | US-Amerikaner | Mann | Geboren 1925 | Gestorben 2002
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Frederick H. Kanfer (* 1925 in Wien; †18. Oktober 2002 in Champaign, Illinois) war ein österreichisch-amerikanischer Psychologe und Verhaltenstherapeut.
Kanfer war einer der herausragenden Vertreter der modernen Verhaltenstherapie und er war der Begründer der Selbstmanagement-Therapie. Die heutige klinische Psychologie im deutschen Sprachraum wurde durch seine Schriften und Seminare in ganz entscheidender Weise geprägt. In der Geschichte der Klinischen Psychologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nimmt Frederick H. Kanfer einen ganz besonderen Platz ein. Er war ein innovativer Theoretiker, ein exzellenter Kliniker, ein begeisterter Lehrer, er war Humanist und Wissenschaftler in dem Beruf.
Frederick H. Kanfer wurde 1925 in Wien geboren. Er verließ Österreich 1938 und erreichte die USA im Jahre 1941. Sein Interesse galt zunächst den Ingenieurwissenschaften, dann der Biologie und er wandte sich dann der Psychologie zu. Nach dem Militärdienst erwarb F.H. Kanfer den PH.D. 1953 an der Indiana University, Bloomington. Dort pflegte er seine Interessen in Philosophie und den wissenschaftlichen Prinzipien menschlichen Lernens und Verhaltens. Sie wurde eine Grundlage für seine lebenslange Beschäftigung mit der Frage der Entstehung und Veränderung psychischer Probleme. Besonders kennzeichnend für F.H. Kanfer ist seine Verbundenheit mit der europäischen Tradition einerseits und einer wissenschaftlich-pragmatischen Haltung andererseits. F.H. Kanfer war zunächst Assistant-Professor am Department of Psychology at Washington University, St. Louis, dann Professor an der Purdue University, am Department of Psychiatry, an der University of Oregon Medical School of Medicine und an der University of Cincinnati. Ab 1973 war F.H. Kanfer als Professor und Director of Clinical Training an der University of Illinois, Urbana-Champaign tätig, ab 1995 war er Professor Emeritus.
Erste Arbeiten von F.H. Kanfer aus den 50er und 60er Jahren zeigen eine enge Verbindung mit der Tradition klassischer Lerntheorien. FĂĽr F.H. Kanfer spielten in der Regulation menschlichen Verhaltens immer unterschiedliche Determinanten eine Rolle, deshalb machte es auch nach seiner Auffassung keinen Sinn, von einer Kognitiven Wende zu sprechen. A. Bandura, J.B. Rotter und F.H. Kanfer hatten von Beginn an eine entsprechend moderne und wissenschaftlich fundierte Position eingenommen.
Höchst einflussreich wurden Kanfer’s Arbeiten für die moderne Verhaltenstheorie und Verhaltenstherapie durch seine Abhandlungen zur Verhaltensanalyse: Gemeinsam mit G.A. Saslow publizierte F.H. Kanfer 1965 den Beitrag Behavioral Analysis, in dem er die Grundlage für eine funktionale Betrachtungsweise normalen ebenso wie pathologischen Verhaltens vorlegte. Im deutschen Sprachraum wird für die Analyse häufig von einer „Verhaltensgleichung“ gesprochen, für Kanfer waren die Buchstaben S – O – R – KV – K lediglich ein Schema zur detaillierten Analyse eines Kriteriumsverhaltens und seiner Bedingungen auf unterschiedlichen Ebenen.
Die Arbeiten zur Selbstregulation, zur Selbstkontrolle und zum Selbstmanagement gelten heute als Meilensteine fĂĽr die moderne Verhaltenstherapie. FĂĽr F.H. Kanfer sind sie eine konsequente Weiterentwicklung seiner wissenschaftlichen Analyse menschlichen Verhaltens und seiner Determinanten: Als Determinanten hatte Kanfer die Ebenen _ (externe EinflĂĽsse), _ (Selbstregulationssystem) und _ (biologische Determinanten) differenziert. Es war ihm immer wichtig zu betonen, dass alle menschlichen Verhaltensweisen unter multipler Kontrolle der einzelnen Determinanten stehen und dass wir entsprechende Feedforwardschleifen und Feedbackschleifen zu berĂĽcksichtigen haben. Ein biologischer Reduktionismus hat in dieser wissenschaftlichen Betrachtungsweise ebenso wenig Raum wie eine rein psychologische oder sozial-kulturelle Betrachtungsweise.
Gerade aus seiner Verknüpfung von wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeit heraus betonte Frederick H. Kanfer, dass Verhaltenstherapie nicht einfach die Anwendung von wissenschaftlich fundierten Methoden beinhaltet, sondern dass sich die Interaktion von Patient und Therapeut nur vor dem Hintergrund eines dynamischen und rekursiven therapeutischen Prozesses verstehen lässt. Kanfer betonte in besonderer Weise die Relevanz der ersten Stufen der therapeutischen Interaktion, Fragen der Erwartungen, des Setting, der Rolle von Klient und Therapeut. Aspekte der Motivation, der präzisen Analyse des Verhaltens und der Zielklärung und der Zielvereinbarung sind grundlegende Voraussetzungen therapeutischer Intervention, die den Klienten in die Lage versetzen sollte, sein Leben möglichst bald in selbständiger Form zu führen. Wichtige Stichworte aus den Schriften ebenso wie aus den Seminaren von Fred Kanfer sind das „principle of minimal intervention“ bzw. die Idee von „maximizing treatment gaines“.
Viele andere Arbeiten von Frederick H. Kanfer zeigen das breite und fundierte Spektrum seiner Interessen: Untersuchungen zum verbalen Konditionieren ebenso wie zum Thema Motivation, zum Problemlösen, zu einzelnen klinischen Störungsbildern (Angststörungen, Depression, Abhängigkeiten etc.) zur Forschungsmethodik, zur Selbstregulation und zur Verhaltensmedizin.
Der Einfluss von Frederick H. Kanfer auf die Entwicklung der deutschsprachigen klinischen Psychologie ist nicht hoch genug einzuschätzen: Am Beginn stand eine Einladung von Fred Kanfer als Fulbright-Professor an die Universität Bochum. Fred Kanfer war daraufhin jedes Jahr zum Teil mehrmals mehrere Wochen lang in Europa, neben Gastprofessuren in Bern und Freiburg im Breisgau sind unzählige Vorträge und Workshops zu nennen, bei denen die heutige Generation von Forschern und Praktikern der Klinischen Psychologie und Verhaltenstherapie entscheidende Schritte ihrer eigenen Qualifikation machen konnte. In vielen dieser Workshops hat er uns durch sein enzyklopädisches Wissen ebenso begeistert wie durch eine strenge wissenschaftliche Haltung in der Analyse menschlicher Probleme und seinen engagierten und warmen Stil als Psychotherapeut. Es war immer erstaunlich, mit welcher Ruhe und Ausdauer er sein anstrengendes Reise- und Lehrprogramm bewältigen konnte. Über Jahrzehnte hinweg war Fred Kanfer einflussreicher Berater am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, er leistete Pionierarbeit bei der Gründung der verhaltensmedizinischen Kliniken in Deutschland beginnend 1976 in Windach.
In seinem arbeitsreichen und ausgefüllten Leben hat Fred Kanfer viele Ehrungen erfahren: Er war Fulbright-Professor in Bochum, er erhielt den Alexander-von-Humboldt-Senior Scientist Award und die Gold Medal of Honour seiner Geburtsstadt Wien für Verdienste um die Entwicklung der Klinischen Psychologie in Europa und zuletzt die Ehrung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie für sein Lebenswerk. Darüber hinaus war er Ehrenmitglied vieler Verhaltensgesellschaften in Deutschland, in Italien und in Uruguay. Fred Kanfer war Mitglied im Editiorial Board von ca. 12 wissenschaftlichen Zeitschriften, er ist Autor bzw. Koautor von mehr als 150 wissenschaftlichen Beiträgen und von mehr als 10 einflussreichen Buchpublikationen.
Am 18. Oktober 2002 verstarb Frederick H. Kanfer nach kurzer Krankheit in Champaign, Illinois.
Literatur (Auswahl)
- Wegweiser Verhaltenstherapie: Psychotherapie als Chance, Springer, 2001, ISBN 3540413588
- Selbstmanagement-Therapie, Ein Lehrbuch fĂĽr die klinische Praxis, Springer, 2000, ISBN 3540664467
- Learning Foundations of Behavior Therapy, Wiley, 1970
Weblinks
- weitere Weblinks
www.cip-medien.com/nachruf.htm Nachruf auf Frederick H. Kanfer (dort falsche Schreibweise des Vornamens)
Siehe auch Portal Psychotherapie
- Suche nach Frederick Kanfer Infos mit: Yahoo
