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Germanen

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Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit Ă€hnlicher Sprache, Kultur und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Jahrtausend vor Christus bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich wĂ€hrend der lĂ€ngsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl. Mit und nach der Völkerwanderung entwickelten sich aus den germanischen StĂ€mmen die skandinavischen Völker, sowie das englische, friesische und deutsche Volk, spĂ€ter dann außerdem die niederlĂ€ndische, schweizerische, österreichische, (anglo-)kanadische, (anglo-)amerikanische, australische und die (burisch-)sĂŒdafrikanische Nation.

Inhaltsverzeichnis

UrsprĂŒnge

zu Rom.]]

Die historischen Überlieferungen ĂŒber die Germanen beginnen mit den Berichten antiker Schriftsteller im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus. Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den Ă€ltesten frĂŒhnordischen Runeninschriften ein. FĂŒr die Zeit davor geben nur ArchĂ€ologie und Linguistik, genauer: die vergleichende Sprachwissenschaft, Auskunft ĂŒber die germanischen Völker.

Die Linguistik konnte durch sorgfÀltigen Vergleich der germanischen Einzelsprachen (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) und deren Vergleich mit anderen indoeuropÀischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend rekonstruieren. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:

- Das Germanische gehört zur Familie der indogermanischen (indoeuropÀischen) Sprachen und innerhalb dieser zum westlichen Zweig, den so genannten Kentum-Sprachen.

- Das Germanische ist innerhalb der indogermanischen Sprachen am nĂ€chsten mit dem Keltischen und Italischen verwandt. Die drei Sprachgruppen Germanisch, Keltisch und Italisch werden auch als alteuropĂ€ische Sprachen (oder kurz AlteuropĂ€isch) bezeichnet. AlteuropĂ€isch wurde um die Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend vor Christus, also zu Beginn der frĂŒhen Bronzezeit, in Mitteleuropa gesprochen, genauere Zeit- und Ortsangaben sind (bisher?) nicht möglich oder aber umstritten.

- Die große Ähnlichkeit der germanischen Sprachen untereinander im Vergleich zu anderen indoeuropĂ€ischen Sprachen macht eine lange Phase der gemeinsamen Entwicklung dieser Sprache sehr wahrscheinlich. Die meisten Linguisten setzen heute als Zeitraum der Aufgliederung des AlteuropĂ€ischen in das (Proto-)Germanische einerseits das Italisch-Keltische andererseits die erste HĂ€lfte des 2. Jahrtausends vor Christus an.

- Auch nach der Herausbildung der germanischen Sprache bestanden Beziehungen insbesondere mit den keltischen Sprachen, was Lehnworte belegen. Auch das Finnische hat bereits frĂŒh mehrere germanische Worte entlehnt und in nahezu unverĂ€nderter Form bis heute bewahrt, so die Worte kuningas = König (germanisch: kunningaz) und ringas = Ring (germanisch: ringaz; in beiden Worten steht z fĂŒr stimmhaftes s).

Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmals vom griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios um das Jahr 80 v. Chr. ĂŒberliefert. Bei seinem Treffen mit den Völkern Mitteleuropas hat er diesen Namen hörend vermutlich von einem einzelnen, nicht nĂ€her bekannten Stamm der Germanen abgeleitet. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie ĂŒbertragen worden sein.

Die Bedeutung des Wortes "Germane(n)" ist seit langem umstritten.

Dokumentarisch gesichert und verbreitet hat den Namen jedoch Gaius Iulius Caesar in seinem Buch De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.), der den Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker ĂŒbertrug. Bis dahin wurden die Völker in Kelten (Westeuropa), und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um Kelten handelte, sondern um eine eigene Völkerfamilie.

Der römischen Historiker Tacitus hingegen schreibt in seinem Buch De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunĂ€chst fĂŒr die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen StĂ€mme ĂŒbertragen; Tacitus zufolge seien als Germanen im umfassenden Sinn alle rechtsrheinischen StĂ€mme zuerst von den Galliern bezeichnet worden. Diesen Namen hĂ€tten dann die VolksstĂ€mme auch fĂŒr sich selber verwendet.

In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Beschreibung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen StĂ€mme und Völker zwischen Rhein und Weichsel sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgefĂŒhrt sind.

Von Germanen kann erst zu der Zeit ganz sicher gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen. Ein "RĂŒckrechnen" und die Suche nach frĂŒhgeschichtlichen Ur-Germanen der Stein- und Bronzezeit war in der archĂ€ologischen Forschung frĂŒher zeitweilig ĂŒblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweilig ganz verworfen.

Heute wird mit der gebotenen wissenschaftlichen ZurĂŒckhaltung wieder versucht, archĂ€ologische und linguistische Befunde der prĂ€historischen Zeit zu einem widerspruchslosen Gesamtbild zusammenzufĂŒhren. Demnach gilt die Zugehörigkeit der bronzezeitlichen Kultur des Nordischen Kreises zu den Germanen als nahezu sicher, wĂ€hrend eine IdentitĂ€t der so genannten Streitaxtleute (ca. 2800 bis 2200 v. Chr.; auch Schnurkeramiker genannt) mit den frĂŒhen Germanen bzw. ihren alteuropĂ€ischen Vorfahren umstritten ist. Eine germanische EthnizitĂ€t noch frĂŒherer Kulturen wie der bereits Ackerbau betreibenden Trichterbecherkultur ( ca. 3500 bis 2800 v. Chr.), einer Megalithkultur, gilt hingegen heute als nahezu ausgeschlossen.

Neueste Theorien vermuten aufgrund der Namensgebung von FlĂŒssen und Ortschaften, dass der Entstehungsort der germanischen Kultur im Raum nördlich der deutschen Mittelgebirge gelegen haben könnte. Die Mehrheit der Wissenschaftler teilt diese Theorie jedoch nicht.

Jahrzehntelang wurde angenommen, die germanische Sprache, aus der spĂ€ter die germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Dialekt gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich beispielsweise anlautendes "k" ĂŒber "ch" (wie im Wort ach) zu "h", ebenso "p" zu "f" und "t" zu "th".

In der neueren und neuesten Forschung wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich spĂ€ter angesetzt, nĂ€mlich im ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafĂŒr ist der Stammesnamen der Kimbern, die im spĂ€ten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Beide Völker stammen aus dem Gebiet des heutigen DĂ€nemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Texten durchgehend "cimbri" geschrieben wird, nie "chimbri" oder gar "himbri", wĂ€hrend in spĂ€teren lateinischen Texten sonst ebenso konsequent beispielsweise "chatti" (Chatten, daraus Hessen), "chauci", "cherusci" usw. geschrieben wird, wird heute mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im spĂ€ten 2. Jahrhundert vor Christus noch nicht stattgefunden hat, zumindest aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige frĂŒh ĂŒberlieferte Ortsnamen gestĂŒtzt.

Diese EinschĂ€tzung hat fĂŒr die germanische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa fĂŒr die Datierung des Vener'schen Gesetzes. Die bislang in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit bereits durchgefĂŒhrter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zĂŒgigem Umbruch befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um bzw. kurz vor der Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den frĂŒheren Germanen dagegen ein dem IndoeuropĂ€ischen weit Ă€hnlicheres Idiom gesprochen, das nicht ĂŒberliefert ist, aber in seinen GrundzĂŒgen ebenfalls erschlossen werden kann.

Geschichte

Älteste historische Berichte ĂŒber die Germanen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich.

Bereits der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. ĂŒber die LĂ€nder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach SĂŒdosten in das heutige OstrumĂ€nien vor und wurden ab 179 v. Chr. in KĂ€mpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.

Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen

Um 120 v. Chr. brechen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Richtung SĂŒden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklĂ€rt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in JĂŒtland, aufgrund derer die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer VerĂ€nderungen dafĂŒr verantwortlich waren.

Um 113 v. Chr. treffen die GermanenstÀmme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgehen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretieren.

Es kommt um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. noch weitere Male zu KÀmpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erleiden. Erst als sich die StÀmme in zwei Gruppen aufteilen, gelingt es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.

AusfĂŒhrlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern


Ariovist und Caesar

Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch die damals noch keltischen Mittelgebirge fĂŒhrt zur ErschĂŒtterung der keltischen Macht in Mittel- und SĂŒddeutschland, so dass spĂ€ter auch andere Germanen, insbesondere Suebische StĂ€mme, in Hessen und das Maingebiet eindringen können. Unter ihrem FĂŒhrer Ariovist dringen sie auch in Gallien ein, werden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurĂŒckgeworfen.

Im 1. vorchristlichen Jahrhundert macht die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt fĂŒhrte in der darauffolgenden Zeit zu stĂ€ndigen Konflikten: Immer wieder kommt es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug fĂŒhrt Caesar im Jahr 55 sowie 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkennt Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.

Vorstoß des Augustus bis zur Elbe

Doch auch in der Folgezeit kommt die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschließt deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren. Die Rheingrenze bleibt dennoch unsicher.

Augustus Ă€ndert deshalb seine Taktik: Er beabsichtigt, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. fĂŒhrt Drusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere FeldzĂŒge gegen die Germanen durch und unterwirft die Friesen, Chauken, Brukterer, Marsen und Chatten. Trotz der FeldzĂŒge des Drusus gerieten aber die wenigsten GermanenstĂ€mme wirklich in dauerhafte römische AbhĂ€ngigkeit. Nachdem Drusus beim RĂŒckzug bei einem Sturz von seinem Pferd stirbt, setzt sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die FeldzĂŒge fort. Im Jahre 4 n. Chr. gelingt es ihm, die bis dahin aufstĂ€ndischen Cherusker zu unterwerfen.

Die Varusschlacht

Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, römisches Recht einzufĂŒhren und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er dort gleichzeitig Oberbefehlshaber ĂŒber die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte bald die Germanen gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller HĂ€rte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingefĂŒhrten Steuern wurden von den Germanen zudem als zutiefst ungerecht empfunden, die eine solche Abgabe nur fĂŒr Unfreie kannten.

Unter diesen UmstĂ€nden gelang es dem CheruskerfĂŒrst Arminius, der die römischen BĂŒrgerrechte und RitterwĂŒrden besaß, mehrere germanische StĂ€mme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Schlacht (auch "Varusschlacht" oder "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) verloren die Römer drei Legionen (etwa 25.000 Soldaten). Laut den Überlieferungen des Sueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: "Quinctili Varus, legiones redde!" ("Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurĂŒck!"). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9 n. Chr.

Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen Kultur wenig beeinflusst.

Die Römisch - Germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht

Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere VorstĂ¶ĂŸe ĂŒber die Rheingrenze hinweg. Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen ExpansionsplĂ€ne handelte ist umstritten.

In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichen Friesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien fĂŒr VerstĂ€rkung sorgen, um die Revolte der Bataven unter FĂŒhrung des Iulius Civilis niederzuschlagen.

Im Jahre 83 entschloss sich Kaiser Domitian , die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des Limes die Grenzen zwischen Germanien und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Germania Inferior (Untergermanien).

Neueste Forschungen (ab etwa 1995) deuten allerdings darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, sondern erst um das Jahr 98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Vor allem fehlt bis heute auch nach ĂŒber hundertjĂ€hriger systematischer Forschung ein zuverlĂ€ssig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein MilitĂ€diplom oder ein dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militĂ€rtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, wĂ€hrend fĂŒr die Zeit Domitians Ă€hnlich enge Parallelen fehlen.

Die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes (der im SĂŒden durch die so genannte Sybillenspur, den Lautertal-Limes, mit dem Alblimes verbunden war) um rund 25 Kilometer nach Osten unter Kaiser Antoninus Pius ist inzwischen recht sicher auf das Jahr 159 datierbar.

Die Markomannenkriege

Im 2. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende VerĂ€nderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen sich die zerstrittenen germanischen StĂ€mme zu GroßstĂ€mmen zusammen, zum anderen drĂŒckten die Germanen immer stĂ€rker gegen die römischen Grenzen.

167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden, Vandalen, Jazygen und weitere StĂ€mme in die römische Provinz Pannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier FeldzĂŒgen schlug der römische Kaiser Marc Aurel die Germanen vernichtend. Man vermutet, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten. Nach dem Tod Marc Aurels 180 kehrte sein Sohn Commodus jedoch wieder zur Defensivpolitik zurĂŒck und schloss FriedensvertrĂ€ge mit den Germanen.

Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen durch die Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Richtung Donau. Die Ursachen fĂŒr diese aufkommende Wanderbewegung germanischer StĂ€mme konnten bisher nicht geklĂ€rt werden, denkbar wĂ€ren z.B. Hungersnöte.

Die germanischen StÀmme

Versuche, die GermanenstĂ€mme, die zu dieser Zeit in Norddeutschland und SĂŒdskandinavien lebten, zu klassifizieren, fĂŒhrten zu Einteilungen in Nord-, West- und Ostgermanen oder auch Elb-, Wesergermanen.

Nord-Germanen:

Zu den Nordgermanen zÀhlen die skandinavischen StÀmme. Aus ihnen gingen spÀter die DÀnen, die Schweden, die Norweger und die IslÀnder hervor (siehe auch: Skandinavier). ArchÀologisch werden die Nordgermanen in die Ost- und Westnordische Gruppe aufgeteilt.

West-Germanen:

Zu den West-Germanen zÀhlen die:

Ost-Germanen:

Zu den Ost-Germanen sĂŒdlich der Ostsee zĂ€hlen ursprĂŒnglich die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden und andere. ArchĂ€ologisch werden die Ostgermanen in die folgenden Kulturgruppen eingeteilt: Przeworskkultur (im sĂŒdlichen Polen), Wielbarkkultur (Willenbergkultur) oder Weichsel(mĂŒndungs)germanen(WeichselmĂŒndung) und die OdermĂŒndungsgruppe. Durch den Einfall der Hunnen aus den Steppen Asiens und die verstĂ€rkte Ausbreitung der slawischen Völker aus der osteuropĂ€ischen Tiefebene wurden die Ostgermanen zunehmend gen SĂŒden und Westen gedrĂ€ngt, wo sie in Konflikt mit den dort ansĂ€ssigen StĂ€mmen gerieten.

Wirtschaft

Die Germanen waren hauptsĂ€chlich sesshafte Bauern und gingen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie lebten hauptsĂ€chlich von der Eigenproduktion, aber neben der Landwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer und Tischler. Das Rad war bereits seit indoeuropĂ€ischer Zeit bekannt, es gab im Germanischen sogar zwei Worte dafĂŒr. Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschrĂ€nkte sich auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis heute die Bedeutung des englischen Wortes fee = GebĂŒhr (ursprĂŒnglich eben: Vieh!).

GezĂŒchtet wurden hauptsĂ€chlich Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Pferde. Außerdem war den Germanen die Bienenzucht ebenso wie die Webkunst bekannt. Ebenfalls wussten die Germanen wie KĂ€se zubereitet wird, dessen Herstellungsverfahren sie selbst entdeckten. Die germanĂ­sche Sprache kannte ein eigenes Wort fĂŒr WeichkĂ€se, das in den skandinavischen Sprachen im Wort "Ust" bzw. "Ost" (= KĂ€se) fortlebt. FĂŒr HartkĂ€se entlehnten sie das lateinische Wort caseus (= KĂ€se).

Obwohl der Pflug bereits seit etwa Christi Geburt bekannt war, setze er sich bei den Germanen nur langsam durch. FĂŒr die ErnĂ€hrung war besonders die Gerste von großer Bedeutung. Die Äcker ließen sie regelmĂ€ĂŸig brach liegen und sie wussten um den Nutzen der DĂŒngung. Getreide wurde hauptsĂ€chlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten.

Die ProduktivitĂ€t war wesentlich geringer als bei den Römern. Tacitus etwa berichtet: "Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Stirnschmuck" (Kapitel 5). Deshalb kam es oft zu Hungersnöten und viele Germanen litten an UnternĂ€hrung, was zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung fĂŒhrte. Es wird vermutet, dass dies eine der Hauptursachen der germanischen Wanderbewegungen ist (wie etwa der Zug der Kimbern und Teutonen), die schließlich mit der großen Völkerwanderung ihren Höhepunkt erreichte.

Lebensweise der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den BestattungsplĂ€tzen der Germanen schließen ArchĂ€ologen, dass die GrĂ¶ĂŸe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmĂ€ĂŸig: Dort wo bereits ein Germane siedelte, kamen bald weitere hinzu. Ein Erbe dieser Siedlungsweise sind bis heute die so genannten Haufendörfer in Deutschland und anderen LĂ€ndern der germanischen Kulturkreises.

Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in HolzhĂ€usern in Skelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu SteinhĂ€usern das Holz mit der Zeit verrottet, geben lediglich die archĂ€ologisch nachweisbaren Pfostenlöcher einen Aufschluss ĂŒber den genauen Aufbau der HĂ€user. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das Aufgrund seines VerhĂ€ltnisses von LĂ€nge und Breite so bezeichnet wird. Unter seinem Dach beherbergte es sowohl Menschen, als auch Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Der Wohnraum besaß keine weiteren TrennwĂ€nde, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte ĂŒber eine Öffnung im Dach abziehen, Fenster besaßen die germanischen HĂ€user nicht.

Darstellende Kunst

Schrift

Die Schrift wurde den Germanen erst relativ spĂ€t bekannt. Das einzig zusammenhĂ€ngende schriftlich erhaltene Werk vor dem Ende der Völkerwanderung ist die Wulfilabibel aus dem 4. Jahrhundert. Da die Goten keine eigene Schrift besaßen, entwickelte Wulfila ein Alphabet, das sich auf griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetze.

Die Runen, die ab dem 2. Jahrhundert aufkamen, wurden hauptsÀchlich als magische Zeichen benutzt. LÀngere Schriften sind selten, meistens wurden mit dem Runen nur wertvolle GegenstÀnde bezeichnet.

Die einzigen schriftlichen Quellen ĂŒber die Germanen gehen hauptsĂ€chlich auf römischen und griechischen Ursprungs zurĂŒck, insbesondere auf Tacitus.

Mythen und Wahrheit

mit FlĂŒgelmĂŒtze]]

Im 19. und der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts wurden die Germanen im deutschsprachigen Raum immer wieder als Übermenschen dargestellt und zu nationalistischen Zwecken missbraucht. Insbesondere der Nationalsozialismus bediente sich dieses Klischees ĂŒber die Germanen in extremer Weise und erhob ihre Nachkommen, die sie als "Arier" bezeichneten, zur "Herrenrasse".

Die Darstellung der Germanen geht hauptsĂ€chlich auf antike Autoren wie Tacitus und Caesar zurĂŒck. Sie beschrieben die Germanen als blonde, blauĂ€ugige Riesen, die ĂŒber fast ĂŒbermenschliche KrĂ€fte verfĂŒgen wĂŒrden.

Durch Skelett- und Moorfunde lĂ€sst sich belegen, dass die Germanen tatsĂ€chlich grĂ¶ĂŸer als die Römer waren. Die Funde bestĂ€tigen außerdem die große körperliche Kraft sowie die ĂŒberwiegend blonde Haarfarbe der Germanen.

Allerdings ĂŒbertreiben die antiken Quelle teilweise: So zeigen die gefundenen Skelette, dass die Germanen zwar grĂ¶ĂŸer als die Römer waren, diese aber durchschnittlich nur um ungefĂ€hr einen Kopf ĂŒberragten. Auch krĂ€ftemĂ€ĂŸig waren sie den Römern offenbar ĂŒberlegen. Sehr gut erhaltene Moorleichen bestĂ€tigen aber auch eine Vermutung des Tacitus: Ihr Durchhaltevermögen war geringer, bei lĂ€ngeren KĂ€mpfen siegte manchmal die Erschöpfung ĂŒber den Kampfeswillen.

Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht: MangelernÀhrung, Gelenkerkrankungen und BandscheibenschÀden waren bei den Germanen sehr verbreitet. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung betrug daher, aber auch wegen der generell höheren Kindersterblichkeit, nur 35 Jahre.

Die antiken Autoren sind sich einig, dass sich die Germanen hĂ€ufig dem Alkoholgenuss hingaben. Die verbreitetsten GetrĂ€nke waren Met und Bier. Hohe Festtage begingen die Germanen hĂ€ufig mit einem Gelage. Selbst die Götter, so glaubten sie, wĂŒrden sich dem Alkoholgenuss hingeben. So bemerkt schon Tacitus in seiner Germania: "Als GetrĂ€nk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch GĂ€rung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhĂ€lt..." und bezogen auf den hohen Alkoholkonsum: "Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgehend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen."

ReichsgrĂŒndungen

In der Zeit der Völkerwanderung grĂŒndeten unterschiedliche GermanenstĂ€mme Reiche in Frankreich, Italien und Spanien, und wanderten auch nach Britannien. Auf dem europĂ€ischen Festland ging aus diesen Reichen spĂ€ter das Frankenreich hervor. Hieraus entstand dann das erste Deutsche Reich, das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation), dessen ostwĂ€rtige Expansion die Westbewegung der Völkerwanderungszeit umkehrte. Das im 19. Jahrhundert entstandene Deutsche Reich umfasste dagegen nicht den gesamten deutschsprachigen Raum und wurde daher auch kleindeutsches Reich genannt.

Siehe auch

Literatur





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