Geschichte Großbritanniens/Prähistorische Zeit
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Einordnung: Großbritannien | Britische Geschichte
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Dieser Artikel behandelt die Geschichte Britanniens von der ersten Besiedlung in prähistorischer Zeit über die Einwanderung der Kelten bis hin zur Invasion der Römer im Jahre 43 n.Chr.
| Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Großbritannien wurde schon vor Zehntausenden von Jahren von Menschen besiedelt. Keines dieser vorrömischen Völker hatte eine Schrift entwickelt, so dass ihre Geschichte, Kultur und Lebensweise nur durch archäologische Funde rekonstruiert werden können.
Da Großbritannien am Rande Europas liegt, wurden fremde Technologien und kulturelle Errungenschaften üblicherweise später als auf dem Kontinent eingeführt. Die Geschichte Großbritanniens wurde früher als eine Abfolge von Einwanderungswellen betrachtet. Neuere archäologische Theorien hinterfragen diese Interpretation und gehen von einer viel komplexeren Beziehung zwischen der Insel und dem Kontinent aus. Viele der Änderungen in der britannischen Gesellschaft gelten nun als selbständige Übernahme neuer Technologien durch die einheimischen Völker. Vorher ging man davon aus, dass neue Technologien stets von Invasoren aufgedrängt worden waren.
Die erste schriftliche Erwähnung von Großbritannien und dessen Bewohner erfolgte durch den griechischen Seefahrer Pytheas, der um 325 v. Chr. die Küsten Großbritanniens erkundete. Handels- und kulturelle Beziehungen mit Europa bestanden jedoch bereits seit der Jungsteinzeit, vor allem das reichlich vorhandene Zinn wurde exportiert.
Altsteinzeit
Die Altsteinzeit umfasst die Periode zwischen 750.000 bis 10.000 Jahren vor unserer Zeit. Während dieser langen Zeitspanne geschahen viele Veränderungen der Umwelt, darunter mehrere Eis- und Warmzeiten, die das Leben der Menschen beeinflussten. Genaue Daten aus diesem Zeitalter zu finden, gestaltet sich als schwierig. Die Menschen jener Zeit waren Jäger und Sammler, die stets den Herden wilder Tiere folgten.
Mit Funden von Knochen und Werkzeugen aus Feuerstein, die bei Happisburgh in Norfolk gefunden wurden, geht hervor, dass der Homo erectus vor 700.000 Jahren in Großbritannien lebte. Zu dieser Zeit bestand eine Landbrücke zum europäischen Festland, die ungehinderte Wanderungen ermöglichte. Der Ärmelkanal war zu jener Zeit ein breiter Fluss. Aus dessen Nebenflüssen sollten sich später die Themse und die Seine bilden. Großbritannien war damals also eine vorgelagerte Halbinsel.
Verschiedene Funde, z.B. bei Boxgrove in Sussex beweisen die Einwanderung des Homo heidelbergensis vor 500.000 Jahren. Diese Angehörigen der Acheuléen-Kultur stellten Werkzeug aus Sandstein her und jagten die damals einheimischen Säugetiere. Sie trieben Elefanten, Nilpferde und Nashörner über Klippen oder in Moore, um sie einfacher erlegen zu können.
Die extreme Kälte der nachfolgenden Elster-Eiszeit trieb sämtliche Bewohner Großbritanniens in wärmere Gebiete. Erst in der nachfolgenden Warmzeit kehrten die Menschen wieder zurück. Diese Periode war vor 420.000 bis 360.000 Jahren. Bei Barnfield Hill in Kent wurden Werkzeuge aus dieser Zeit gefunden.
Während der Saale-Eiszeit, die vor 240.000 bis 180.000 Jahren stattfand, wurden verbesserte Sandstein-Werkzeuge der Levallois-Kultur eingeführt, wahrscheinlich von Einwanderern aus Afrika. Diese neuen Werkzeuge ermöglichten effizienteres Jagen und erlaubten auch während der Eiszeit eine Besiedlung. Aus der nächsten Warmzeit (vor 180.000 bis 70.000 Jahren) sind allerdings nur wenige Spuren gefunden worden. Zum ersten Mal war Großbritannien vom Kontinent getrennt, was eine Erklärung für die fehlende Besiedlungsaktivität sein dürfte.
Vor rund 60.000 Jahren besiedelten die Neandertaler den südlichen, unvergletscherten Teil von Großbritannien. Funde lassen darauf schließen, dass sich diese Gruppe selbständig entwickelt hatte und nicht eingewandert war. Die bedeutendsten Funde dieser Epoche wurden bei Oldbury in Kent und bei Kent's Cavern in Devon gemacht.
Die Zeit der Neandertaler endete vor rund 30.000 Jahren mit der Einwanderung des modernen Homo sapiens. Der besterhaltene Fund aus dieser Zeit ist die Red Lady of Paviland aus Wales, ein mit rotem Ocker bemaltes Skelett. Die Würmeiszeit vertrieb die Menschen erneut und Großbritannien war vor 18.000 bis 13.000 Jahren unbewohnt. Die Landschaft während der letzten Eiszeit war eine baumlose Tundra. Vor rund 10.000 Jahren kehrten die Menschen über eine Landbrücke wieder zurück.
Mittelsteinzeit
Vor rund 8500 Jahren stieg der Meeresspiegel durch die letzte Periode der Eisschmelze an und Großbritannien wurde wieder zu einer Insel. Das zunehmend wärmere Klima begünstigte das Wachstum von Kiefern-, Birken- und Erlenwäldern. Die großen Rentier- und Pferdeherden wurden durch Elche, Hirsche und Auerochsen verdrängt. Die Bewohner Großbritanniens mussten ihre Jagdmethoden ändern und neue Werkzeuge entwickeln. Gleichzeitig wurden auch erstmals Widerhaken beim Fischfang verwendet. Die Menschen wanderten in dieser Zeitepoche bis in den Norden Schottlands. Aus dieser Zeit stammen auch Funde, die in Star Carr in Yorkshire und in Oronsay auf den Orkneyinseln gemacht wurden. In Howick in Northumberland wurden 9600 Jahre alte Überreste eines großen runden Gebäudes gefunden. Früher dachte man, die Bewohner Großbritanniens während der späten Altsteinzeit seien Nomaden gewesen. Heute geht man davon aus, dass sie sich saisonal niederließen oder sogar ständige Behausungen errichteten, wenn die Bedingungen günstig waren.
Die vermehrte Jagd führte zum Aussterben zahlreicher Tierarten. Bei Poulton-le-Fylde in Lancashire wurde in einem Moor ein altsteinzeitlicher Elch gefunden, der von Jägern verwundet wurde und dreimal entkommen war. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Bestände zurückgingen und die Menschen bei der Nahrungssuche immer rücksichtsloser vorgingen. Die Landwirtschaft und die Nutztierzucht hielten um das Jahr 4500 v. Chr. Einzug, vor allem auch deshalb, weil die Jagd nicht mehr alle Menschen ernähren konnte. Etwa zur selben Zeit wurden wegen des erneut wärmeren Klimas die Kiefernwälder durch Laubwälder ersetzt.
Jungsteinzeit
Früher nahm man an, der Übergang zur Jungsteinzeit habe zu jenem Zeitpunkt stattgefunden, als eine Welle von Einwanderern die ansässigen Jäger und Sammler vertrieb. Neuere archäologische Forschungen haben jedoch ergeben, dass Landwirtschaft, Töpferei und die Errichtung von festen Siedlungen von den Einheimischen selbst eingeführt wurden. Diese Kenntnisse wurden wahrscheinlich durch gegenseitige Heirat, Handel und andere kulturelle Verbindungen erworben. Diese Theorie wird durch Funde von Äxten aus Jade untermauert, die aus Europa stammten und wohl durch Handel erworben worden waren.
1997 wurde am Skelett eines altsteinzeitlichen Mannes, das bei Cheddar Grove gefunden worden war, eine DNA-Analyse durchgeführt. Als man die die Resultate mit der DNA der Einheimischen verglich, fand man heraus, dass einer der Einwohner von Cheddar Grove ein direkter Nachkomme des 9000 Jahre alten Mannes war! Diese Erkenntnis erschütterte die traditionelle Ansicht, dass nacheinander mehrere Masseneinwanderungen stattgefunden hatten, die die jeweils ansässigen Völker auslöschte.
In der Jungsteinzeit begannen die Menschen, große Gräben auszuheben, Wälle zu graben und befestigte Wege zu bauen. Ein hölzerner Steg über ein Moor in Somerset datiert aus dem Jahre 3807 v. Chr. Die so genannte neolithische Revolution führte zur Bildung von komplexeren Gesellschaftsstrukturen mit unterschiedlichen Berufszweigen wie Bauer, Künstler oder Anführer. Um Platz für Landwirtschaft und Viehherden zu schaffen, wurden erstmals Wälder gerodet.
Die gesicherte Nahrungsmittelzufuhr führte zu einem Bevölkerungswachstum. Es gab nun genug Zeit und Arbeitskräfte, um Monumente wie Steinkreise und Grabhügel zu errichten. Es wurden auch Langhäuser aus Holz errichtet und in Minen Sandstein abgebaut, so z.B. in Cissbury und Grimes Graves.
Bronzezeit
Um etwa 2500 v. Chr. hielt die so genannte Beaker-Kultur in Großbritannien Einzug. Die Beaker, die vermutlich aus Spanien und Portugal stammten, waren die ersten Bewohner der Insel, die Metall verarbeiten konnten. Zuerst stellten sie Werkzeuge aus Kupfer her, doch um ca. 2150 v. Chr. ging man zur Herstellung von Bronze über. Durch die Beigabe von etwas Zinn wurde das Kupfer viel härter. So begann die Bronzezeit in Großbritannien. Im Laufe der nächsten tausend Jahre wurden die Steinwerkzeuge und Waffen nach und nach durch solche aus Bronze ersetzt.
Großbritannien hatte reiche Zinnvorkommen, vor allem in Cornwall und Devon wurde das Zinn in Minen ausgebeutet. Um 1600 v. Chr. war britischer Zinn durch Handel in ganz Europa verbreitet. Die Beaker waren auch geschickte Goldschmiede, Beispiele ihrer Kunstfertigkeit wurden in Gräbern der Wessex-Kultur in Südengland entdeckt.
Die Briten der frühen Bronzezeit bestatteten ihre Toten in Grabhügeln, oft mit Grabbeigaben der Beaker-Kultur. Später ging man dazu über, die Toten zu kremieren und die Asche in Urnen aufzubewahren. Die Menschen jener Zeit errichteten berühmte Bauwerke wie Stonehenge.
Es wurde nachgewiesen, dass im 12. Jahrhundert v. Chr. eine Invasion oder eine Masseneinwanderung in Südengland stattgefunden haben muss. Die Auswirkungen waren weit über Großbritannien hinaus zu spüren. Das Ausbleiben des britischen Zinns führte sogar im Nahen Osten zum Zusammenbruch mehrerer Reiche.
Eisenzeit
Um 750 v. Chr. erreichte die Eisenverarbeitung von Südeuropa aus Großbritannien. Eisen war stärker und häufiger vorhanden als Bronze und dessen Einführung bildet den Beginn der Eisenzeit. Die Eisenverarbeitung revolutionierte zahlreiche Lebensbereiche, am meisten wohl in der Landwirtschaft. Pflüge aus Eisen konnten das Land viel besser umgraben als solche aus Holz oder Bronze und Eisenäxte konnten Bäume viel effizienter fäller.
Um 900 v. Chr. begann die Einwanderung keltischer Stämme. Bis 500 v. Chr. hatten sie sich über die gesamten Britischen Inseln verbreitet. Die Kelten waren geschickte Handwerker und Schmiede. Sie fertigten kunstvoll verzierten Goldschmuck und Waffen aus Bronze und Eisen. Die Kelten lebten in organisierten Stämmen, die von einem Häuptling angeführt wurden.
Als die Bevölkerung immer mehr zunahm, fingen die Stämme an, sich gegenseitig zu bekämpfen. Dies führte zum Bau von Hügelfestungen. Große Bauernhöfe produzierten Nahrungsmittel in schon fast industriellem Ausmaß. Römische Quellen berichten, dass die Kelten Jagdhunde, Tierhäute und Sklaven exportierten. Um 175 v. Chr. zogen viele Menschen aus Gallien und Belgien (Belgae) nach Großbritannien und ließen sich in Kent, Hertfordshire und Essex nieder. Deren Töpferkünste waren weiter fortgeschritten als alles, was die Bewohner Großbritanniens bisher kannten.
Um 100 v. Chr. wurden Eisenbarren als Währung verwendet, der Handel mit Europa florierte (vor allem dank des Exports von Metallen). Bald darauf wurden die ersten Münzen geprägt. Diese basierten auf jenen vom Kontinent, trugen aber die Namen lokaler Herrscher. Als das Römische Reich sich nach Norden ausdehnte, begannen sich die Römer für Großbritannien zu interessieren. Vor allem die reichen Metallvorkommen versprachen reiche Beute.
Keltische Stämme auf den Britischen Inseln
Vor der Eroberung von England und Wales durch die Römer lebten folgende Stämme in Großbritannien und Irland:
- die Dumnonii in Devon, Cornwall und Somerset
- die Iceni in East Anglia, die sich später unter Boudicca gegen die römische Herrschaft erheben sollten
- die Trinovanten und die Catuvellaunen waren Nachbarstämme der Iceni und schlossen sich dem Aufstand an
- die Ordovices in Nordwales
- die Silurer in Südwales
- die Briganten in Nordengland
- die Dobunni in den Cotswolds-Hügeln und am Fluss Severn
- die Pikten und Skoten in Schottland
- die Ulidia, Airgialla und Ailech in Irland
Siehe auch
Literatur
- British History Encyclopedia, Paragon, 1999, ISBN 1405416327
- Illustrated History Of Great Britain, Octopus Books Limited, 1982
Weblinks
- weitere Weblinks
- Frühe Besiedlung von Britannien700.000 Jahre alte Funde in NorfolkDas Boxgrove-Projekt
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