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Geschichte Großbritanniens/Römische Zeit

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Es ist nur wenig über die Zeit des vorrömischen keltischen Britanniens bekannt. Römische Geschichtsschreiber berichten, dass vor Caesars (mehr oder weniger gescheiterten) Feldzügen nach Britannien nur wenige Kaufleute die Überfahrt von Gallien nach Britannien über den Ärmelkanal wagten. In Tacitus' Werk Agricola werden die römischen Eroberungsfeldzüge in Britannien zum Teil scharf kritisiert.

Bereits vor den Kelten gab es in Britannien fortgeschrittene Kulturen, die Steinmonumente errichteten, zum Beispiel in Wiltshire. Siehe auch Geschichte Großbritanniens/Prähistorische Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Daten der britannischen Geschichte

Erster Feldzug Cäsars 55 v. Chr.

Im Jahr 55 v. Chr. landeten Gaius Iulius Caesar und seine Legionen an der britischen Küste, vermutlich lediglich in der Absicht, eine Erkundung vorzunehmen. Während des Feldzugs in Gallien (Gallischer Krieg) war deutlich geworden, dass die Gallier Unterstützung aus Britannien erhielten. Gegen Ende des Sommers kam Cäsar zur Auffassung, dass es sinnvoll wäre, zuverlässige Informationen über Land und Leute auf der Insel zu bekommen, zumal die Gallier (aber auch die reisenden Händler) diesbezüglich wenig hilfreich waren. Anfangs sandte er Gaius Volusenus mit einem Kriegsschiff aus, um die Küste zu erforschen, während er gleichzeitig eine Flotte zusammenstellte (und den Aufstand der gallischen Moriner unterdrückte). Innerhalb weniger Tage wurden britische Gesandte bei ihm vorstellig, die versprachen, Geiseln zu stellen und die Römer zu unterstützen. Er empfing sie wohlwollend und sandte sie zurück mit dem Atrebaten Commius, dem er einen gewissen Einfluss in Britannien zutraute.

Caesars Flotte bestand aus rund 80 Truppentransportern, 18 Transportschiffen für die Kavallerie, aber auch Kriegsschiffen. Die Flotte segelte nach Britannien, landete aber nicht sofort, da britische Streitkräfte von den Hügeln an der Küste aus die Strände kontrollierten und die Ankunft seiner Kavallerie sich verzögert hatte. Nachdem die Römer einige Stunde vor Anker gewartet hatte, segelten sie sieben Meilen weiter zu einem offenen Landeplatz.

Die Briten unter der Führung von Cassivelaunus waren mit ihren Reitern und Streitwagen in der Lage, der Flotte zu folgen, so dass sie beim Landungsversuch sofort angreifen konnten. Trotz der nachteiligen Situation gelang es den Römern, die Briten mit Hilfe von brennenden Pfeilen, die von den Kriegsschiffen abgeschossen wurden, zurückzudrängen. Die Römer richteten ein Feldlager ein, empfingen erneut Gesandte, von denen Caesar die Überstellung von Geiseln forderte, und trafen auch wieder auf Commius, der bei seiner Ankunft in Britannien festgesetzt worden war. Caesar forderte die Briten auf, Geiseln zu stellen, obwohl seine Kavallerie wegen eines Sturms nach Gallien zurückkehren musste und viele seiner Schiffe bei der Landung beschädigt worden waren.

Die Briten hingegen vermuteten bei den Römern Verzagtheit und Lebensmittelknappheit, und sahen eine gute Gelegenheit, die Angriffe zu erneuern. Sie überfielen eine der Legionen, als die in der Nähe des Lagers Nahrungsmittel beschaffte, indem sie eine Forme von Reiterattacke unternahmen, die den Römern neu war. Die Legion wurde jedoch von den übrigen römischen Kräften entsetzt, die Briten erneut vertrieben. Nach einige Tagen ohne Kampf aufgrund eines Sturms gruppierten sich die Briten mit weiteren Kräften erneut, wurden aber beim Angriff auf die Römer ein weiteres Mal geschlagen, wobei sie auf dem Rückzug eine große Zahle von Kriegern verloren. Erneut schickten die Briten Botschafter aus, Caesar verdoppelte die Zahl der geforderten Geiseln, die mit nach Gallien genommen werden sollten, worauf aber wohl nur zwei Stämme eingingen. Kurz vor der Tagundnachtgleiche kehrten die Römer nach Gallien zurück.

Zweiter Feldzug Caesars 54 v. Chr.

Im Jahr 54 v. Chr. kehrte Caesar mit einer größeren Armee zurück. Einigen Historikern zufolge soll die Flotte diesmal aus rund 800 Schiffen bestanden haben, Männer aus allen sozialen Schichten aus dem gesamten Römischen Reich beteiligten sich an der Expedition. Diese Invasion wurde ein größerer Erfolg als die vorangegangene Feldzug, da neue Schiffe mit flacheren Rümpfen gebaut worden waren, um die Landung zu erleichtern. Die Vertrautheit, die die Römer mittlerweile mit dem Terrain und der Taktik der Briten hatten, tat ein Übriges. Da dies aber auch kein Eroberungsfeldzug war, zogen sich die Römer mit dem Ende es Sommers wieder auf den Kontinent zurück. Tribut und Geiseln wurden Caesar angeboten, und die Invasion der britischen Insel durch Römer fast ein Jahrhundert hinausgeschoben – zumal Caesar sich jetzt auf den sich abzeichnenden Konflikt innerhalb des Ersten Triumvirats vorbereiten und die Eroberung und Unterwerfung Galliens zuvor abgeschlossen werden musste.

Aulus Plautius: 43

Die Eroberung Britanniens geschah dann zur Zeit des Kaisers Claudius. Im Jahr 43 wurde Aulus Plautius als kommandierender General von vier Legionen mit der Invasion beauftragt; die vier Legionen waren:

also rund 20.000 Soldaten, dazu etwa die gleiche Anzahl von Hilfstruppen.

Als Ort der Landung wird Richborough im heutigen Kent im Südosten Englands vermutet; einige Archäologen haben dies in Frage gestellt und glauben, dass zumindest ein Teil der Kräfte über eine andere Route, zum Beispiel den Solent, gekommen sei. Die Hinweise auf Richborough sind dennoch überzeugend, und das große Feldlager aus der Zeit des Claudius, das dort gefunden wurde, deutet zumindest auf den Brückenkopf hin. Cassius Dios Beschreibung der Landschaft passt auch gut auf das östliche Kent. Eine zweite Armee landete vermutlich in Hampshire, um Verica zu unterstützen.

Der britische Widerstand wurde von den Söhnen des Königs Cunobelin (Cymbeline in William Shakespeares Schauspiel), Togodumnus und Caratacus angeführt. Eine größere britische Einheit traf auf die Römer an einer Furt, die im Medway in der Nähe von Rochester vermutet wird. Eine zweitägige Schlacht (Schlacht von Medway) tobte, in der die Briten schließlich bis zur Themse zurückgedrängt wurden. Die Römer verfolgten sie über den Fluss, wodurch die Briten weitere Männer in den Marschen von Essex verloren. Ob die Römer dabei eine bestehende Brücke nutzten, oder selbst eine Hilfsbrücke bauten, ist unsicher. Mindestens eine Division von batavischen Hilfstruppen schwamm als getrennte Einheit durch den Fluss.

Bei diesem Treffen starb Togodumnus, was die Briten genügend aufgestachelt zu haben scheint, um sich den Römern weiterhin entgegen zu stellen, was wiederum Aulus Plautius so verstörte, dass er nach dem Kaiser rief. Nach einem unentschiedenen Kriegsverlauf über rund zwei Monate traf Claudius zu einem kurzen Aufenthalt in Britannien ein, um sich persönlich um die Armee zu kümmern. Claudius attackierte und eroberte Cunobelinus’ Hauptstadt Camulodunum (Colchester), obwohl für Plautius seine strategischen Fähigkeiten gegenüber seinem moralischen Wert nachrangig war. Es wird gesagt, er habe Kriegselefanten und schwere Waffen mitgebracht, die jeden Widerstand der Briten im Keim erstickt hätten. Nach seiner Niederlage floh Caratacus in die walisischen Berge, um den Kampf von dort aus fortzusetzen. Elf südöstliche Britenstämme unterwarfen sich Claudius und die Römer bereiten sich darauf vor, weiter nach Westen und Norden zu ziehen. Sie richteten ihre Hauptstadt in Camulodunum ein und Claudius kehrte nach Rom zurück, um seinen Sieg zu feiern.

Der Abschluss der Eroberung

Vespasian zog mit einer Armee nach Westen, unterwarf die Stämme und eroberte die Orte auf seinem Weg, wobei er mindestens bis Exeter und vermutlich sogar bis Bodmin gelangte. Die Legio IX wurde nach Norden Richtung Lincoln gesandt. Es ist wahrscheinlich, dass innerhalb von vier Jahren das gesamte Gebiet südlich einer Linie vom Humber bis zum Severn unter römischer Kontrolle stand. Die Tatsache, dass die Römerstraße Fosse Way dieser Linie entspricht, hat manche Historiker zu der Vermutung gebracht, dass sie als Grenzweg in den ersten Jahren des Besetzung diente. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Grenze zwischen dem römischen und dem eisenzeitlichen Britannien in dieser Zeit wesentlich stärkeren Schwankungen unterworfen war.

Spät im Jahre 47 begann der neue Statthalter Britanniens, Quintus Ostorius Scapula einen Feldzug gegen die Stämme in Kambrien (heute Wales) und dem Cheshire Gap. Die Silurer im südöstlichen Wales bereiteten Ostorius Probleme und verteidigten das walisische Grenzland erbittert. Caratacus selbst wurde in einer Schlacht erneut geschlagen und floh in die Pennines zu den Briganten, die bereits römische Klientel waren. Ihre Königin Cartimandua war nicht in der Lage (oder nicht willens), ihn in Anbetracht des Waffenstillstands mit den Römern zu beschützen, und lieferte ihn an die Invasoren aus. Ostorius starb und wurde durch Aulus Didius Gallus ersetzt, der die walisische Grenze unter Kontrolle brachte, aber nicht weiter nach Westen oder Norden vordrang, vielleicht weil Claudius einen sich lang hinziehenden Krieg für wenig Gewinn im gebirgigen britischen Hochland scheute.

Nero, der 54 Kaiser wurde, schien die Invasion weiterführen zu wollen. Er ernannte Quintus Veranius zum Statthalter, einen Mann, der in Asia Erfahrungen im Umgang mit widerspenstigen Bergstämmen gesammelt hatte. Veranius und sein Nachfolger Gaius Suetonius Paulinus starteten einen erfolgreichen Feldzug in Wales, bei dem im Jahr 60 das Zentrum der Druiden in Mona oder Anglesey zerstört wurde. Die endgültige Besetzung von Wales wurde zurückgestellt, als der Aufstand der Iceni unter Königin Boudicca die Römer zwang, sich dem Südosten Englands zu widmen. Sie Silurer wurden endgültiug erst 76 unterworfen, als Sextus Julius Frontinus' langer Feldzug gegen sie erfolgreich wurde.

Nach der Niederschlagung Boudiccas wurde die Eroberung des Landes im Norden fortgesetzt. Cartimandua sah sich gezwungen, römische Hilfe anzufordern, um einer Rebellion ihres Ehemanns Venutius zu begegnen. Quintus Petilius Cerialis führte seine Legionen von Lincoln bis nach York und schlug um 70 Venutius bei Stanwick, was die bereits romanisierten Stämme der Briganten und Parisier noch näher an das Imperium band. Der neue Statthalter im Jahr 77 war der berühmte Gnaeus Iulius Agricola. Er vollendete die Unterwerfung der Ordoviker in Wales und führte seine Truppen dann die Penninen entlang nach Norden. Er nutzte die Gelegenheit, den Geländegewinn durch den Bau von Straßen zu sichern. Er ließ eine Festung in Chester bauen und wandte die Taktik an, lokale Stämme zu terrorisieren, bevor er ihnen Verhandlungen anbot. Im Jahr 80 hatte er den Fluss Tay erreicht, wo er die Festung Inchtuthil bauen ließ. Von hier aus stieß er nach Moray vor, wo er einen vernichtenden Sieg über die Kaledonische Konföderation in der Schlacht am Mons Graupius errang. Er befahl seiner Flotte, die Nordspitze Schottlands zu umsegeln, um zu beweisen, dass Britannien eine Insel ist, und um die Unterwerfung der Orkadier zu erreichen.

Agricola wurde von Domitian nach Rom zurückbeordert und scheint durch eine Serie von untauglichen Nachfolgern ersetzt worden zu sein, die nicht in der Lage oder nicht willens waren, die Unterwerfung des Nordens voranzutreiben. Es ist unerheblich, ob die Kosten eines langwierigen Kriegs die ökonomischen oder politischen Vorteile aufwog, oder ob es einträglicher war, die Kaledonier mit einer de-jure-Unterwerfung in Ruhe zu lassen.

Die Römer zogen sich 142 hinter die Flüsse Clyde und Forth zurück, als der Antoninuswall gebaut wurde, bevor sie sich wieder hinter den älteren und stärkeren Hadrianswall an der Linie Tyne-Solway Firth zurückzogen, der bereits 122 gebaut worden war. Römische Truppen drangen dennoch mehrfach in den Norden des heutigen Schottland vor, darunter im Jahr 209, als Kaiser Septimius Severus die Kaledonische Konföderation schlug und ihre Unterwerfung annahm. Der Grad, in dem die Römer mit der Insel Hibernia zu tun hatten, ist weiterhin nicht geklärt.

Der Abzug der Römer

Historisch nachweisbar ist, dass der Abzug der Römer aus Britannien um 400 fast abgeschlossen war. Die archäologischen Belege aus den letzten Jahrzehnten römischer Regierung zeigen unzweideutige Zeichen des Niedergangs. Das Leben in den Städten und Villen entwickelte sich im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts weniger stark, Tonscherben aus der Zeit nach 400 gibt es nicht, Münzen aus der Zeit nach 402 sind selten. Als Konstantin III. 407 sich zum Kaiser aufwarf und den Ärmelkanal mit den Resten der römischen Garnison überquerte, hatte das römische Britannien faktisch sein Ende gefunden. Die Einwohner waren gezwungen, sich um ihre Sicherheit und Regierung selbst zu kümmern, was auch durch ein Schreiben des Kaisers Flavius Augustus Honorius aus de Jahr 410 deutlich wird.

Geoffrey von Monmouth beschreibt in seiner Historia Regum Britanniae den Abzug der Römer detaillierter, wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass seine Schilderung nur teilweise belegt werden kann.

Durch den Feldzug des Magnus Maximus nach Germanien und Rom (383 – 388) hatten alle wehrfähigen Männer die Insel verlassen. Räuberbanden aus Irland unter dem Kommando von Wanius und Melga, den Königen der Pikten und Hunnen, unterstützt von Skoten, Norwegern und Dänen überfielen nun die Insel. Die Römer antworteten mit einer Legion, die die Invasoren erneut schnell in die Flucht schlug.

Einmal mehr von dieser Bedrohung befreit, ließ Rom ein letztes Mal einen Wall errichten, jetzt zwischen Alba und Deira, baten aber die Briten nicht nur um Hilfe dabei, sondern gaben ihnen auch den Auftrag, ihn instand zu halten. Nach der Fertigstellung der Walls kündigten die Römer ihren endgültigen Abzug an. Alle britischen Männer wurden nach Londinium geschickt, um dort militärische Übungen zu absolvieren, mit dem Ziel, ihre Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen.

Unmittelbar nachdem Roms Abzug bekannt geworden war, griffen die Könige ein weiteres Mal an und besetzten das Land bis hinunter an den neu errichteten Wall. Später zerstörten sie den Wall und schlugen die Briten in die Flucht. Städte wurden geplündert, die Bevölkerung ganzer Ortschaften ermordet. Die Briten riefen die Römer um Hilfe, aber diese hatten Britannien den Invasoren zur Verwüstung überlassen. Sie baten Guithelinus, den Erzbischof von London, Hilfe aus der Bretagne zu holen. Guithelinus ging nach Gallien, sprach den Kaiser an, der seinen Bruder Konstantin mit tausend Soldaten schickte, um Britannien vor den Invasoren zu retten. Konstantin sammelte die Briten hinter sich, bekämpfte und besiegte die Plünderer, und wurde zum König (Konstantin III.) gekrönt.

Das Eingreifen Konstantins in die Kriege um den römischen Kaisertitel im Jahr 407 war dann das Ende der römischen Besetzung Britanniens, Honorius' Schreiben drei Jahre später die schriftliche Bestätigung.

Quellen

Literatur

Siehe auch









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