Geschichte Kroatiens
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Einordnung: Kroatische Geschichte
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| Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie Geschichte Kroatiens |
| Frühe Geschichte |
| Kroatien im Mittelalter |
| Die Union mit Ungarn |
| Im Reich der Habsburger |
| Das erste Jugoslawien |
| Der Zweite Weltkrieg |
| Das zweite Jugoslawien |
| Kroatiens seit 1990 |
Kroatien setzt sich größtenteils aus historischen Teilen der Habsburger Donaumonarchie zusammen. Trotz relativer Autonomie bestimmte jahrhundertelange Fremdherrschaft der seinerzeit mächtigen Nachbarstaaten – Venedig, Donaumonarchie und das Osmanische Reich – die wechselvolle Geschichte des Landes.
| Inhaltsverzeichnis |
Vorgeschichte und slawische Besiedlung
- siehe Hauptartikel Frühe Geschichte Kroatiens
Die ältesten archäologischen Fundstücke in Kroatien stammen aus der Altsteinzeit und der Jungsteinzeit.
Die ersten namentlich bekannten Siedler im Gebiet des heutigen Kroatien waren Kelten und Illyrer. An der Adriaküste entstanden griechische Kolonien, zum Beispiel Pharos auf Hvar) und Issa. Im 3. Jh. v. Chr. gründeten die Illyrer unter König Agron ein eigenes Staatswesen. Illyrien wurde im Jahre 168 v. Chr. von den Römern unterworfen. Zahlreiche Illyrer traten in römische Dienste, Diokletian brachte es sogar bis zum römischen Kaiser.
Später zogen im Laufe der Völkerwanderung unter anderem Sarmaten, Goten, Alanen, Vandalen und Gepiden durch das Gebiet und ließen sich hier teilweise auch nieder. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches fielen Istrien und Dalmatien an Ostrom.
Im 6. und 7. Jahrhundert nach Christus siedelten sich slawische Stämme in den ehemals römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien an. Dem legendenhaften Bericht zufolge, wurden die Kroaten im 7. Jahrhundert von dem byzantinischen Kaiser Herakleios aus ihrer Heimat im heutigen Galizien als Schutz gegen die Awaren ins Land gerufen. Nach heutigem Forschungsstand vollzog sich die Ethnogenese der Kroaten jedoch erst nach der slawischen Besiedlung des Landes.
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Pannonien nach dem Sieg Karl des Großen über die Awaren Teil des Frankenreiches, Dalmatien Teil des Byzantinischen Reich.
Während die Vorbevölkerung, so sie nicht geflohen war, im Landesinneren schnell slawisiert wurde, konnte sich besonders auf den Inseln und in den Küstenstädten die romanische Bevölkerung halten.
Aus dem 8. Jahrhundert stammen die ersten sicheren Nachrichten über ein kroatisches Fürstentum im Bereich des heutigen Norddalmatien. Der erste von einem Papst anerkannte Kroatische Herrscher war Fürst Branimir, den Papst Johannes VIII. im Jahr 879 mit "dux Croatorum" ansprach. Die Christianisierung der Kroaten erfolgte wahrscheinlich schon im 7. Jahrhundert.
Kroatisches Königreich (923–1102)
- siehe Hauptartikel Kroatien im Mittelalter
Trpimir (845–864) war ein kroatischer Fürst. Sein Enkel, Tomislav, sollte 924 zum ersten kroatischen König werden. Während seiner Regierungszeit fielen die Magyaren im pannonischen Becken ein. König Tomislav konnte sein Land – bestehend aus Zentralkroatien, Slawonien und Teilen Dalmatiens sowie Bosniens – erfolgreich gegen die Ungarn verteidigen. Durch ein Bündnis mit Byzanz bekam Kroatien auch die Adriainseln und die Städte Spalato/Split, Traù/Trogir und Zara/Zadar zugesprochen, welche bis dahin formell unter byzantinischer Herrschaft gestanden hatten. Dieser Staat umfasste somit bis auf Istrien alle heutigen kroatischen Gebiete. 928 verschwand König Tomislav spurlos.
Unter seinen Nachfolgern wurde Kroatiens Machtstellung geschwächt. Durch innere Streitigkeiten begünstigt, machten sich die durch die Völkerwanderungszeit hindurch romanisch gebliebenen Küstenstädte selbstständig und suchten Kontakt zu Venedig, einzig Ragusa (Dubrovnik) blieb unabhängig und konnte durch geschicktes Tarieren bis in die napoleonische Zeit als Stadtrepublik bestehenbleiben. Unter König Stefan Držislav (969–997) sprach Byzanz Kroatien die Hoheit über Dalmatien wieder zu.
In der folgenden Zeit geriet Kroatien durch Venedig und Ungarn in Bedrängnis. Im Mai 1000 besiegte eine venezianische Kriegsflotte Kroatien; Zadar, Trogir und Split wurden vorübergehend unter venezianische Verwaltung gestellt, und mit Dubrovnik ein Vertrag geschlossen. König Krešimir III. hob die ohnehin nur noch formell bestehende Tributpflicht Venedigs auf und erkannte den venezianischen Dogen Peter Orseolo als Fürsten von Dalmatien an.
Nachdem König Zvonimir I. (1075–1089), der mit einer ungarischen Prinzessin verheiratet war, kinderlos starb, stellte Ungarn Erbansprüche auf Kroatien, die in der "pacta conventa" statt als eine Personalunion besiegelt wurde. Die Verwaltung übernahm der Ban, ein kroatischer Vertreter.
Siehe auch: Liste der kroatischen Könige
Personalunion mit Ungarn
- siehe Hauptartikel Kroatien in Personalunion mit Ungarn
Die Vereinigung mit Ungarn blieb, mit Ausnahme der Türkenkriege im 16, 17 und früheren 18. Jh. und einiger anderer Unterbrechungen, in verschiedener Form bis zum Jahre 1918 bestehen. In dieser Zeit war Kroatien aber nie wirklich ein gleichgestellter Verbündeter, es war immer von Ungarn abhängig.
Bis zum Ende des 15 Jahrhunderts hatten die Osmanen ganz Serbien, Bosnien, die Herzegowina, Zeta, Morea und Albanien erobert. Das in Eile aufgestellte Kreuzzugsheer des ungarischen Königs Sigismund wurde 1396 in der Schlacht von Nikopolis von der Türken vernichtend geschlagen. Zwischen den Osmanen und dem christlichen Abendland lag als einziger Puffer nur noch das kaum verteidigte kroatische Territorium. Bosnien geriet 1463 unter osmanische Herrschaft und auf dem Krbavsko Polje 1493 brach der Widerstand des kroatischen Adels. Die Türken eroberten die Gebiete südlich von Gvozd sowie das östliche Slawonien. Kroatien schrumpfte auf einen engen Streifen zwischen der Donau und der Adria zusammen.
Die Türkischen Einheiten stießen bis kurz vor Karlovac vor, und nachdem das christliche Heer von den Türken auf dem Mohacs im Jahre 1526 gänzlich aufgerieben worden war, spitzte sich die Lage auch für das übrige Europa zu. Das Ergebnis der Verteidigungsbemühungen im 15 Jh. waren 30 Kriegszüge und siebzig zerstörte Städte. Auch fast das ganze 16. Jahrhundert kennzeichneten die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Türken
Im Laufe des 17 Jahrhunderts steckten die Türken Niederlagen ein, so daß der Frieden von Karlovitz 1699 für Ungarn und Westslawonien die Freiheit von den Türken brachte. Die Niederlage der Tüken 1683 vor Wien und die darauf einsetzende Befreiung der kroatischen Gebiete aus der türkischen Gewalt brachte Kroatien schließlich Frieden nach dem endlosen, jahrhundertelang fast ununterbrochen geführten Türkenkriegen.
Ladislaus von Anjou verkaufte im Jahr 1409 Dalmatien an Venedig für 100.000 Dukaten. Die Venezianer konnten darauf hin ihr Einflussgebiet noch weiter ausdehnen und herrschten neben Dalmatien auch noch über den größten Teil Istriens bis zum Jahr 1797. Die Venezianer überließen in den besetzten kroatischen Städten zwar eine gewisse Autonomie, jedoch dürften Oberhäupter der Städte nur venezianische Adelige stellen. Die Oligarchiesche und kolonialistische Politik Venedigs führte zu Widerstand und Aufständen.
Allein Dubrovnik (Ragusa) hat im Verlauf der Jahrhunderte dank seiner unangetasteten Autonomie, seiner Politik und Diplomatie, seinem Handel, seiner Seefahrt und seiner Kultur nichts von seinem Glanz eingebüßt. Im 16. Jahrhundert war die Handelsflotte Dubrovniks die drittgrößte im Mittelmeer und bestand aus über 300 Schiffen. Erst die Truppen von Napoleon Bonaparte beendeten während seiner kurzen Regierungszeit die Herrschaft Venedigs über den Großteil des Kroatischen Küstenlandes.
Kroatien im 17. - 19. Jahrhundert
- siehe Hauptartikel Kroatien im K.u.K.
Im 18. Jahrhundert wurden keine größeren Kriege gegen die Osmanen geführt, jedoch gehörten ständige Grenzüberfälle in das Erscheinungsbild jener Epoche. Durch die „pragmatische kroatische Sanktion“ des Kroatischen Sabor im Jahre 1712 wurde von Kroatien ebenfalls das Erbrecht der weiblichen Linie der Habsburger anerkannt. Doch mit Rücksicht auf den ungarischen Adel wurde dieser Beschluss von Wien nie bestätigt, sondern 1723 eigenwillig Kroatien zu einem unauflösbaren Bestandteil der ungarischen Stephanskrone erklärt.
Ab 1756 stieg Varaždin, eine Stadt nördlich von Zagreb, zur faktischen Hauptstadt des Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien auf. 1776 wurden große Teile der Stadt durch einen Brand Zerstört und der kroatische königliche Rat zog nach Zagreb.
Kaiser Joseph II. hob die Konstitution Ungarns auf und führte eine Zentralisierung in seinem Reich durch. Als Joseph II. unter dem Druck der inländischen Opposition die konstitutionellen Rechte an Ungarn und Kroatien zurückgeben musste, fällte der kroatische Landtag 1790 in Zagreb den Beschluss, dass die kroatischen Gespannschaften sich so lange unter die Gewalt der ungarischen Regierung begeben würden, bis das kroatische Territorium auch jene Teile miteinschliesst, die sich in Osmanischer und in Venezianischer Gewalt befinden.
Noch in der franzisko- josephinische Epoche erlebte die kroatische Historiographie ihre Grundlegung als wissenschaftliche Disziplin. Die vielbändigen Quelleneditionen und Gesamtdarstellung vollbrachten eine umfassende Aufarbeitung der nationalen Vergangenheit und fanden zunehmend breite Resonanz in der Öffentlichkeit. Damit wurde ein Mobilisierungsmittel für die künftigen nationalen Auseinandersetzungen geliefert, dessen unmittelbare Folge die Forderung einer politischen Aktion für ein freies politisches Leben der Kroaten war.
Den Namen Illyrien für die südslawischen Gebiete holte Napoleon I in den Jahren von 1805 beziehungsweise 1809 bis 1813 aus der Vergessenheit zurück, indem er seine „Provinces Illyriennes“ errichtete. Nach seinem Dekret von 1811 standen zum ersten Mal slowenische und kroatische Gebiete: Krain, Kärnten, Istrien, Zivilkroatien, Dalmatien, Dubrovnik und Militärgrenze unter einer Verwaltung. Der Gouverneurmarschall Marmont setzte sich für die Einführung der Volkssprache, die er illyrisch nannte, im öffentlichen Dienst und anderen Domänen ein.
Nach der großen, wenn auch nur vorübergehenden Veränderungen der napoleonischer Zeit waren die kroatisch-magyarischen Beziehungen durch einen ständig wachsendem Konflikt gekennzeichnet. Die Kroaten ließen sich gegen durch "nationalen Egoismus" geprägte ungarische Nationalitätenpolitik und gegen das "chauvinistische Großmachstreben" Ungarns vom Kaiser 1848 leicht gewinnen, da sie eben in diesem Kampf einen Kampf gegen die Magyarisierungspolitik sahen.
Der Kroatische Banus Joseph JelaÄ?ić von Bužim kämpfte geleitet von der Idee eines Kaiserreiches, in dem alle Völker gleichberechtigt leben sollten, und erklärte am 19. April 1848 alle Beziehungen zu Ungarn für beendet.
Nach der Niederschlagung der Revolution wurde Kroatien allerdings weiterhin als ungarisches Nebenland behandelt. Beim Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 gab es einen ungarisch-kroatischen Sub-Ausgleich, der den Kroaten innerhalb der Länder der Heiligen Stephanskrone eine beschränkte Autonomie zugestand. Dalmatien allerdings gehörte zur österreichischen Reichshälfte
Das erste Jugoslawien
- siehe Hauptartikel Kroatien im ersten Jugoslawien
Bereits 1917 vereinbarten das von aus Österreich-Ungarn emigrierten südlawischen Politikern gegründete Südslawische Komitee und die Exilregierung des Königreiches Serbien in der Erklärung von Korfu die Errichtung eines gemeinsamen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen.
Nach der Niederlage der Mittelmächte erklärte der neugebildete Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben Österreich-Ungarns, dem auch der letzte kroatische Sabor seine Befugnisse übertragen hatte, am 29. Oktober 1918 in Zagreb die Loslösung der südslawischen Länder der Monarchie. Dem Nationalrat gelang es jedoch nicht, seine Autorität durchzusetzen. Im Vorgriff auf die Italien im Londoner Vertrag von 1915 von den Alliierten zugesagte Annexion großer Teile Dalmatiens begannen zudem italienische Truppen mit der Besetzung von Gebieten längs der Ostküste der Adria. Angesichts dessen beschloss der Nationalrat Ende November 1918 die sofortige Vereinigung mit dem Königreich Serbien[de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg#Serbien].
Aleksandar I. Karađorđević, Thronfolger und Prinzregent von Serbien, proklamierte daraufhin am 1. Dezember 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca, abgekürzt auch SHS-Staat).
In den Friedenverhandlungen gelang es einen Anschluss Dalmatiens an Italien zu verhindern. Lediglich die Stadt Zadar und das ehemaligen österreichischen Küstenland (das auch Istrien umfasste) kamen zu Italien. Rijeka wurde zunächst zur Freistadt erklärt, dann jedoch von irregulären italienischen Truppen besetzt.
In den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung gewann in Kroatien-Slawonien die 1904 gegründete Kroatische Bauernpartei unter Stjepan Radić die absolute Mehrheit der Stimmen. Viele Kroaten lehnten die Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen ab. Die Kroatische Bauernpartei beispielsweise verlangte unter Berufung auf das von Woodrow Wilson proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker die Anerkennung eines Selbstbestimmungsrechtes für Kroatien und die anderen südslawischen Völker. Zudem lehnte sie die Monarchie ab und verlangte die Gründung einer Republik, was jedoch folgenlos blieb. Stattdessen wurde eine zentralistische Monarchie konstituiert.
Die Kroatische Bauernpartei verzeichnetete in der Folge weiteren Zulauf und wurde auch in Dalmatien und unter den Kroaten Bosnien-Herzegowinas zur stärksten Partei. Nachdem sie mit reiner Boykottpolitik keinen Erfolg gehabt hatte, gab sie den Boykott des Zentralparlamentes und die Ablehnung der Monarchie auf und beteiligte sich zeitweise auch an der Zentralregierung. Am 20. Juni 1928 erschoss ein montenegrinischer Abgeordneter in der laufenden Parlamentssitzung vier Abgeordnete der kroatischen Bauernpartei, darunter deren Führer Stjepan Radić.
Zweiter Weltkrieg
- siehe Hauptartikel Kroatien im zweiten Weltkrieg
Nach Jugoslawiens Beitritt zum Dreimächtepakt kam es zu einem von Großbritannien unterstützten Putsch serbischer Offiziere gegen Prinzregent Paul. Obwohl auch die neue jugoslawische Regierung versuchte, sich mit dem Deutschen Reich zu verständigen, antwortete Deutschland darauf am 6. April 1941 mit Überfall auf Jugoslawien. Binnen zwei Wochen musste die jugoslawische Regierung kapitulieren. Nachdem die Kroatische Bauernpartei die Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht abgelehnt hatte, übergab diese die Macht in Kroatien der faschistische Ustaša-Bewegung unter Führung von Ante Pavelić. Diese proklamierte am 10. April 1941 den Unabhängigen Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska). Dieser formal unabhängige Staat wurde aber sowohl politisch als auch militärisch von Deutschland gestützt, insbesondere bei den ab 1942/43 aufkommenden Kämpfen gegen die jugoslawischen Partisanen unter Führung des Kroaten Josip Broz Tito und gegen die serbisch-nationalistischen Tschetniks. Sowohl Istrien als auch die dalmatinische Küste mit ihr vorgelagerten Inseln mussten an Italien abtreten werden.
Das am 29. November 1943 im bosnischen Jajce als provisorische Regierung gegründete Nationalkomitee des Antifaschistischen Rates des Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) erhob folglich auch den Anspruch, für das vom Faschismus befreite Kroatien zu sprechen. Die Partisanen schafften es, durch breite Unterstützung in der Bevölkerung, aber auch durch geschicktes Taktieren mit den Alliierten, große Teile Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas ohne direkte ausländische Unterstützung in ihre Hand zu bringen.
Siehe auch: Ustascha, Jugoslawische Partisanen
Das zweite Jugoslawien
- siehe Hauptartikel Kroatien im zweiten Jugoslawien
Kroatien wurde nach Kriegsende entsprechend eine von sechs Teilrepubliken der neugegründeten Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien). Ebenso wie in den anderen Republiken wurde in Kroatien der Sozialismus eingeführt. Politische Gegner und besonders ehemalige Anhänger der Ustascha wurden in den ersten Jahren erbarmungslos verfolgt.
Nach dem Bruch zwischen Stalin und Tito 1948 und besonders nach den Reformen der 1960er Jahre nahm die Entwicklung der politischen Praxis in Jugoslawien ihren eigenen Lauf. Besonders hervorzuheben sind eine zunehmende Öffnung zum Westen hin, die Duldung privater Familienbetriebe und landwirtschaftlicher Güter und eine relative Nicht-Einmischung des Staates in private Angelegenheiten. Durch die weitgehende Öffnung des Landes auch zum Westen hin konnte sich der Tourismus an der Adriaküste entfalten.
Als Kroatischer Frühling wird eine Reformbewegung bezeichnet, zuerst unter Intellektuellen, die aber bald auch die Zagreber Parteispitze erreichte. Die Vertreter machten durch eine Reihe ökonomischer, pro-demokratischer aber auch weiterer autonomistischer Forderungen auf sich aufmerksam: Einstellung von Zahlungen an ärmere Republiken, stärkere Autonomie der Republiken, Forderung nach dem Bau wichtigen Autobahn von Zagreb nach Split und Rijeka ... Begünstigt durch die Liberalisierung der politischen Öffentlichkeit in Jugoslawien nach dem Sturz des Innenministers Aleksandar Ranković wurden erstmals seit der Machtübernahem der Kommunisten auch andere Themen wirtschaftlicher und politischer Art zunehmend kritisch öffentlich diskutiert.
Der Unmut der Kroaten, die während drei Jahrzehnten wirtschaftlich gemeinsam mit Slowenien um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden, entlud sich in Großdemonstrationen.
Die Parteiführung auf Bundesebene stand der Entwicklung in Kroatien zunächst abwartend gegenüber, zumal die Person Titos in der kroatischen Öffentlichkeit nicht direkt kritisiert, sondern vielmehr um seine Unterstützung geworben wurde. In den Kreisen der Jugoslawischen Armee und des Geheimdienstes wurde jedoch zunehmend ein Eingreifen gegen die angeblich die Einheit Jugoslawiens bedrohende Entwicklung in Kroatien gefordert. Schließlich zwang Tito am 29. November 1971 die gesamte Führung des Bundes der Kommunisten Kroatiens zum Rücktritt. Sie wurde durch eine Linientreue neue Parteiführung ersetzt, die der politischen Liberalisierung sofort ein Ende setzte. Die Forderungen nach einer größeren wirtschaftlichen Selbständigkeit der Teilrepubliken Jugoslawiens wurden durch die neue Verfassung von 1974 teilweise erfüllt,
In der tiefen politischen und wirtschaflichen Krise, in welcher sich Jugoslawien in den späten 1980er Jahren befand, wuchs ein immer stärkerer Gegensatz zwischen zentralistischen und großserbischen Tendenzen einerseits und einem wiedererwachenden kroatischen Nationalbewusstsein andererseits. Nach dem Tod Titos 1980 war ein wichtiger Stabilisierungsfaktor weggefallen.
Mit dem Ende der sozialistischen Ära in Europa, forderten verstärkt Slowenien und Kroatien einen Umbau Jugoslawiens zu einer Konföderation und eine Umorientierung hin zur parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft. Slobodan Milosevic setzte sich für einen zentralisierten jugoslawischen Gesamtstaat unter kommunistischer Herrschaft ein. Milosevic propagierte gegen Albaner, Kroaten und Slowenen um deren Unabhängikeitsbetsrebungen zu verhindern.
Siehe auch: Titoismus
Kroatien seit der Unabhängigkeit
- siehe Hauptartikel Geschichte Kroatiens seit 1990
Als nach den ersten freien Wahlen 1990 die HDZ unter Franjo Tuđman in Kroatien mit Abstand gewann, und der Trend zur Unabhängigkeit, aber auch steigender Nationalismus offensichtlich wurden, wurden den den in Kroatien lebenden Serben eingeredet, sie seien in einem solchen Staat in ihrer Existenz gefährdet. Dabei spielten vor allem die von der Belgrader Regierung kontrollierten serbischen Medien eine große Rolle. Belgrad versorgte die serbischen Extremisten in Kroatien mit Waffen und Geld, damit sie gegen die Kroaten mit einem Bewaffneten Auftstand erheben konnten, von denen man sie glauben machte, sie wollten das Ustascha-Regime wiederauferstehen lassen. Straßensperren wurden errichtet, um Nicht-Serben davon abzuhalten, in das als serbisch proklamierte Gebiet der Krajina zu gelangen. Als die kroatische Regierung Polizisten sandte, kam es zu ersten Kämpfen. Der Krieg in Kroatien war ausgebrochen. Nahezu 30 Prozent Kroatiens geriet unter die Kontrolle extremistischer serbischer Aufständischer. Während die Kriegshandlungen in Slowenien binnen kurzer Zeit zugunsten Sloweniens eingestellt wurden, entbrannte in Kroatien (und auch Bosnien-Herzegowina) ein viele Jahre dauernder Bürgerkrieg.
Der HDZ-Regierung gelang es, mit Hilfe von Kriegsgesetzen bei Wahrung einer äußerlichen Demokratie autoritäre Maßnahmen gegen Minderheiten und Regimekritiker durchzuführen.
Im Dezember 1991 errichteten die Serben in der Krajina die sogenannte Republik Serbische Krajina, die etwa 30% der Staatsfläche Kroatiens umfasste. Sie wollten den Anschluss an die Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina und an Rest-Jugoslawien erzwingen. Zu schwereren Kämpfen kam es im Herbst 1991 in Vukovar im Osten Slawoniens. Dabei kam es zu den ersten großen Massakern an Zivilisten im Laufe des Balkankriegs. Näheres unter Vukovar.
Im Dezember 1991 / Januar 1992 wurde Kroatien international als unabhängiger Staat anerkannt. Unter internationaler Vermittlung wurde Anfang 1992 ein Waffenstillstand geschlossen. Demnach verpflichtete sich die jugoslawische Armee, ihre Truppen aus Kroatien abzuziehen. In die umkämpften Gebiete wurde eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen entsandt (Unprofor), die jedoch kein militärisches Mandat hatte, sondern lediglich beobachtende Funktionen wahrnehmen durfte. Die serbisch kontrollierten Teile Kroatiens blieben völkerrechtlich Teil Kroatiens. Über ihren endgültigen Status sollte in Verhandlungen zwischen der kroatischen Regierung und den örtlichen Serben entschieden werden.
1993 waren Teile der kroatischen Armee im Krieg in Bosnien-Herzegowina involviert.
Nach vielen erfolglosen Versuchen der Schlichtung des Konfliktes, die am Widerstand der Serbischen Führung scheiterten, wurden die besetzten Gebiete Kroatiens in zwei kombinierten Aktionen 1995 von der Kroatischen Armee und Polizei zurückerobert.
Der Ausbau der kroatischen Armee ermöglichte 1995 die Militäraktionen Blitz (Blijesak) und Gewittersturm (Oluja), durch die Westslawonien in zwei Tagen und die Krajina (im engeren Sinne) in 5 Tagen zurückerobert wurden. In einer dritten Militäraktion drängte die Kroatische Armee zusammen mit bosniakischen Kräften die Armee der Republika Srpska in Westbosnien weit zurück.
Nach diesen Militäraktionen wurde der Krieg in Bosnien-Herzegowina durch das Abkommen von Dayton beendet. Die serbisch kontrollierten Gebiete an der Grenze zur Vojvodina, Ostslawonien um Vukovar und die Baranja kamen unter eine provisorische UN-Verwaltung und wurden erst 1998 auf friedliche Weise in Kroatien wiedereingegliedert. In diesen Gebieten kam es nach 1995 zu keinen ethnischen Säuberungen mehr, so dass hier, anders als in der Krajina, auch heute eine bedeutende serbische Minderheit lebt. Von den ursprünglich mehr als 220.000 geflohenen Serben sind mindestens ca. 140.000 bis heute nicht zurückgekehrt. Dazu tragen auch weiterhin hohe ethnische Spannungen in diesen Regionen bei.
Kroatien hat mit der Vertreibung der Krajina-Serben die gleichen Probleme wie Serbien und Montenegro mit den ethnischen Säuberungen in Kosovo oder Bosnien: Man ist anscheinend noch nicht bereit die eigene Verantwortung abzuarbeiten.
Nach dem Tod TuÄ‘mans am 11. Dezember 1999 und den Parlamentswahlen am 3. Januar 2000 kam es zum ersten Regierungswechsel in 10 Jahren. Eine breite Koalition aus sechs Parteien unter Führung der SDP übernahm die Regierung. Präsident wurde nun Stipe Mesić und Ministerpräsident Ivica RaÄ?an.
2001 kam es zu ersten internen Konflikten um die Zusammenarbeit mit dem internationalen Gerichtshof in Den Haag, und die HSLS unter Dražen Budiša verließ die Regierung. Der Koalitionsregierung wurde oft vorgeworfen, sie sei zu zögerlich mit der Aufarbeitung von 10 Jahren HDZ-Regierung vorgegangen und habe vor wichtigen Reformen zurückgeschreckt.
Bei den Wahlen im November 2003 wurde die HDZ wieder stimmenstärkste Partei. Sie bildete im Dezember eine Minderheitsregierung mit Unterstützung durch die Pensionistenpartei HSU und weiterer Kleinparteien sowie die meisten Vertreter der nationalen Minderheiten. Neuer Ministerpräsident wurde Ivo Sanader.
Am 18. Juni 2004 verliehen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union Kroatien den Status eines offiziellen Beitrittskandidaten. Im April 2005 sollen die Beitrittsverhandlungen beginnen. Bis dahin müsse jedoch bestätigt sein, dass Zagreb uneingeschränkt mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeit. Kroatien möchte bereits 2007 Mitglied in der Union werden, gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien. Bei einem Beitritt wäre Kroatien der zweite Nachfolgestaat des ehemaligen Jugoslawien, der Mitglied der Union würde.
Siehe auch
- Liste der Kroatischen Könige
- Liste der Bane von Kroatien
- Liste der Präsidenten und Ministerpräsidenten von Kroatien
- Geschichte Jugoslawiens
- Balkankonflikt
- weitere Artikel zum Thema Südosteuropa unter Portal Südosteuropa
Literatur
- Budak, Neven : Kroatien. Landeskunde - Geschichte - Kultur - Politik - Wirtschaft - Recht. Wien, Köln & Weimar 1995. (= Österreichische Osthefte, Sonderband 13). ISBN 3-205-98496-X
- Crampton, Richard and Ben: Atlas of Eastern Europe in the Twentieth Century. London/New York 1996.
Weblinks
- weitere Weblinks
- Kroatische Geschichte - Serie der Tageszeitung der Standard (I-VI):
- [derstandard.at/?id=1518610 I. Das frühe Königreich der Kroaten]
- [derstandard.at/?id=1527169 II. Serben in Kroatien]
- [derstandard.at/?id=1532992 III. Aus "Illyriern" werden Habsburg-Nationale]
- [derstandard.at/?id=1540033 IV. Vom Einheitsstaat zur Königsdiktatur]
- [derstandard.at/?id=1547365 V. Kroatien und der 2 Weltkrieg]
- [derstandard.at/?id=1555094 VI. Vom "kroatischen Frühling" zur Selbstständigkeit]
- [www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=9&land_id=88 Übersicht über die kroatische Geschichte] (Auswärtiges Amt)
- Übersicht über die kroatische Geschichteengl.)
- Kroatien: Mythus und Realitätengl.) (Online-Version eines Buches von C. Michael McAdamseinem Kroatien-Spezialisten und Direktor an der University of San Francisco)
- Historische AbhandlungKroatien- Adrialand - Donauland - Land in Mitteleuropa[www.felbar.com/siteindex/create.php?lang=de&mnav=maps&rtype=1&ext=htm&crea=®ion= Sammlung historischer Landkarten Kroatiens]
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