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Geschichte des Vereinigten Königreiches

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Die Geschichte des Vereinigten Königreiches ist vor allem die jeweils sehr eigenständige Geschichte seiner Landesteile England, Wales, Schottland und Irland (bzw. Nordirland). Diese Landesteile wurden bis 1800 zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland zusammengefasst. Seit 1922 ist der größte Teil Irlands unabhängig. Da nur noch Nordirland beim Königreich verblieb, wurde der Staatsname 1927 in die heute noch gültige Form Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland geändert.

Inhaltsverzeichnis

Eroberungen und Vereinigungen vor 1800

Eroberung von Wales

Während des Mittelalters war Wales kaum je eine politische Einheit, sondern stand unter der Herrschaft von zahlreichen Fürstentümern. Als die Normannen England eroberten, begannen sie, die Kontrolle über die Grenzregionen von Wales zu übernehmen. Sie gründeten eine Reihe von Herzogtümern im östlichen Teil von Wales. Die üblicherweise zerstrittenen Waliser, die noch immer den Norden und Westen beherrschten, vereinigten sich unter Führerfiguren wie Llywelyn dem Großen.

König Eduard I. eroberte die letzten unabhängigen walisischen Fürstentümer. Die Herrschaft der Engländer über Wales wurde 1282 mit dem Statut von Rhuddlan endgültig besiegelt. Um die Waliser zu besänftigen, wurde Eduards Sohn (der spätere König Eduard II.), der in Wales geboren worden war, am 7. Februar 1301 zum Fürsten von Wales ernannt. Noch heute trägt der jeweilige britische Thronfolger diesen Titel.

Act of Union 1536

Zwischen 1284 und 1536 stand das Fürstentum Wales unter direkter Kontrolle des Monarchen, die Grenzgebiete im Süden und Osten waren aber noch immer unabhängige Herzogtümer. Mit der Act of Union 1536 wurde die vollständige politische und administrative Vereinigung von England und Wales vollzogen. Wales wurde in dreizehn Grafschaften nach englischem Muster unterteilt und übernahm das englische Rechtssystem. Englisch löste Walisisch als Amtssprache ab, was zunächst viele Waliser von öffentlichen Ämtern fernhielt. Wales war nun auch im englischen Parlament in der City of Westminster vertreten.

Eroberung Irlands

Die Eroberung Irlands begann im Jahre 1169. Dieser Eroberungszug war zunächst keine englische Angelegenheit, sondern wurde von einer kleinen Gruppe von Normannen initiiert, die weder Engländer waren noch im Auftrag des englischen Königs handelten. Richard de Clare, ein landloser normannischer Baron aus Wales, verbündete sich mit dem exilierten irischen König Diarmuid MacMorrough, um das Königreich Leinster zurückzuerobern. Die Normannen eroberten immer mehr Gebiete, bis schließlich Dublin im Jahre 1170 eingenommen wurde. Dieser Erfolg beunruhigte König Heinrich II., der 1171 selbst eine Armee nach Irland entsandte. Die irischen Könige unterwarfen sich der englischen Herrschaft und das Herzogtum Irland (1171 - 1541) wurde gebildet.

1541 beschloss das irische Parlament, Irland in ein Königreich umzuwandeln, mit dem englischen König als Monarchen. Heinrich VIII. war zunächst gar nicht damit einverstanden, nannte sich aber ein Jahr später dennoch König von Irland. Die beiden Königreiche waren somit bis 1800 in Personalunion verbunden.

Personalunion mit Schottland

Schottland war ein unabhängiges Königreich, das sich der englischen Herrschaft widersetzte. Schottland war zwar ärmer als England, war aber eine ständige Bedrohung. Vor allem die Auld Alliance mit Frankreich war den englischen Königen stets ein Dorn im Auge. Dieses Bündnis mit dem katholischen Erzfeind war der hauptsächliche Auslöser der Reformation in Schottland, die von England tatkräftig unterstützt wurde.

Der Konflikt zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der "neuen" Church of Scotland schwächte die Position der katholischen Königin Maria Stuart. Sie dankte ab und floh nach England. Ihr Sohn Jakob VI. übernahm die Herrschaft. Maria Stuart, die Cousine der englischen Königin Elisabeth I. wurde 1587, nach dem Aufkommen von Putschgerüchten, wegen Hochverrats hingerichtet.

Jakob VI. wurde 1603 Nachfolger von Elisabeth I. und nannte sich fortan Jakob I. Das Haus Stuart regierte nun über "Großbritannien". Allerdings wurde die politische Vereinigung noch nicht vollzogen, denn Schottland behielt sein eigenes Parlament. In den folgenden 100 Jahren wurde das Land von religiösen und politischen Konflikten erschüttert und die Personalunion konnte Kriege zwischen den beiden Staaten nicht verhindern.

Republikanische Herrschaft

Immer tiefere Gegensatzes zwischen Monarchie und Parlament führten zum Englischen Bürgerkrieg. England hatte zwei Perioden mit einer republikanischen Staatsform, von 1649 bis 1653 und von 1659 bis 1660, unterbrochen durch die Diktatur von Oliver Cromwell. 1660 wurde die Monarchie wieder eingeführt.

Act of Union 1707

1706 wurde Schottland eine vollständige politische Union mit England angeboten. Diese Vereinigung sollte "freiwillig" geschehen. Doch es ist anzunehmen, dass sie bei einer Weigerung militärisch durchgesetzt worden wäre. Die Angst vor noch schlechteren Bedingungen führte zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden gemäß dem Act of Union 1707 zum Königreich Großbritannien vereinigt.

Anne wurde die erste "britische" Königin. Das Parlament Englands wurde in das Parlament Großbritanniens umgewandelt und wurde um 45 schottische Abgeordnete erweitert. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Zölle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland übertragen und einige schottische Institutionen wurden nicht mit ihrem englischen Gegenstück fusioniert; dazu zählen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

Das Vereinigte Königreich

Act of Union 1800

Die anglo-normannische Eroberung Irlands im Jahre 1170 führte zu jahrhundertelangen Unruhen. Im frühen 17. Jahrhundert begann die groß angelegte Besiedlung Nordirlands durch Schotten und Engländer. Beeindruckt durch den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg forderten die Iren mehr Rechte. Mit Erfolg: Irland erhielt das Recht auf Freihandel und ein eigenes Parlament. Die Ereignisse der Französischen Revolution radikalisierten die Iren. Die "Gesellschaft der vereinigten Iren" (Society of the United Irishmen), die sich aus Angehörigen aller Religionsgemeinschaften zusammensetzte, forderte ein Ende der britischen Besatzung. Ihr Anführer Theobald Wolfe Tone forderte die Abschaffung von Gesetzen, mit denen die katholische Mehrheit offen benachteiligt wurde. Als seine Forderungen nicht erfüllt wurden, reiste er nach Paris und versuchte Frankreich davon zu überzeugen, den geplanten Aufstand zu unterstützen. Als Folge davon beschloss die Regierung unter William Pitt, die formelle Unabhängigkeit Irlands endgültig zu beenden.

Die rechtliche Einheit von Großbritannien und Irland wurde am 1. Januar 1801 vollzogen. Mit dem Act of Union 1800 entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Irland entsandte rund 100 Abgeordnete in das House of Commons und 28 Peers in das House of Lords.

Irland im Vereinigten Königreich

Im Act of Union 1800 war die Gleichberechtigung der Katholiken vorgesehen gewesen. Doch Georg III. wehrte sich zunächst erfolgreich dagegen. Eine durch Daniel O'Connell angeführte Kampagne führte 1829 schließlich zur Aufhebung der diskriminierenden Gesetze und Katholiken war es nun erlaubt, ins Parlament gewählt zu werden. Seine Anstrengungen, die Act of Union aufzulösen, waren hingegen erfolglos.

Als 1846 die Kartoffelpest in Irland wütete, starben wegen der Untätigkeit der britischen Regierung Tausende von Menschen an Unterernährung. Hunderttausende wanderten nach Nordamerika aus. 1858 wurde die erste Untergrundarmee gebildet, die einen bewaffneten Aufstand plante. Die Iren mochten sich allerdings noch nicht so recht für die Unabhängigkeit begeistern.

Stattdessen begannen mehrere Gruppen, sich für Selbstverwaltung einzusetzen. Zwei "Home Rule"-Gesetze wurden durch die Regierung von William Ewart Gladstone ausgearbeitet, scheiterten aber 1886 und 1893 jeweils im Parlament. Die Meinungen in Irland waren geteilt, vor allem die protestantische Mehrheit in Ulster war dagegen.

Ein weiteres "Home Rule"-Gesetz wude 1912 vom Unterhaus genehmigt, scheiterte aber im Oberhaus. Das Oberhaus hatte aber in der Zwischenzeit sein Vetorecht verloren und konnte das Gesetz nur um zwei Jahre verzögern. In Irland bildeten sich zwei feindlich gesinnte Untergrundarmeen, die mit großem Eifer Waffen importierten. Auf der einen Seite standen die katholischen Nationalisten, auf der anderen Seite die protestantischen Unionisten. Der erste Weltkrieg ließ die Irlandfrage für einige Jahre in den Hintergrund rücken.

1916 wurde in Dublin Irische Republik ausgerufen, 1919 wurde ein selbsternanntes irisches Parlament gebildet. Der Englisch-Irische Krieg dauerte von Januar 1919 bis Juni 1921. Im Englisch-Irischen Frieden von 1921 wurde die Bildung des Irischen Freistaats vereinbart. Nach und nach wurden sämtliche verfassungsrechtliche Bindungen zu Großbritannien aufgelöst, bis dann 1949 die Republik Irland gegründet wurde. Sechs Grafschaften in Ulster, die mehrheitlich protestantisch waren, blieben bei Großbritannien.

Nordirland

Die protestantischen Nordiren, die stets gegen die Unabhängigkeit Nordirlands gewesen waren, fuhren mit der Unterdrückung der katholischen Minderheit fort. Die Grenzen der Wahlkreise wurden so gezogen, dass die Katholiken fast keine Vertreter in die Stadtverwaltungen entsenden konnten.

In den 1960ern versuchte der Erste Minister Terence O'Neill das diskriminerende System zu reformieren, stieß jedoch auf erbitterten Widerstand der fundamentalistischen Protestanten unter der Führung von Ian Paisley. Verschiedene gewalttätige Ausschreitungen führten zur Entsendung von britischen Truppen durch Innenminister James Callaghan. Der Schutz durch die Truppen wurde von der katholischen Bevölkerung zunächst begrüßt. Als jedoch am Blutsonntag in Derry dreizehn unbewaffnete Demonstranten durch Fallschirmtruppen getötet wurden, radikalisierte sich die katholische Minderheit. Dies war der Beginn des Nordirland-Konflikts.

Für 25 Jahre versank Nordirland in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand, die IRA und verschiedene protestantische Untergrundbewegungen terrorisierten die Bevölkerung. Erst mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 wurden die bewaffneten Auseinandersetzungen beendet. Doch die grundlegenden Gegensätze konnten bis heute nicht überwunden werden und der Konflikt könnte leicht wieder außer Kontrolle geraten.

Britisches Imperium und Commonwealth

Hauptartikel: Britisches Imperium

Auf ihrem Höhepunkt umfasste das British Empire fast zwei Fünftel der Erdoberfläche. Die Siedlerkolonien Australien, Neuseeland, Neufundland und Südafrika, wohin Millionen von Briten und Iren ausgewandert waren, konnten sich einen immer größeren Grad an Selbständigkeit sichern und wurden schließlich unabhängig. Nach der Unabhängigkeit von Indien und Pakistan (1947) wurde das Riesenreiches innerhalb weniger Jahre aufgelöst. Es wurde durch das lockere Commonwealth ersetzt, dem die meisten ehemaligen Kolonien angehören. 13 ehemalige Kolonien haben sich dazu entschlossen, bei Großbritannien zu bleiben und den Status eines Überseegebiets anzunehmen. Dazu zählen u.a. Gibraltar, die Falklandinseln und die Bermudas.

Jüngere Geschichte

Nach der Auflösung des Empire musste sich Großbritannien neu orientieren und trat 1973 der EU bei. Doch die auf Unabhängigkeit bedachten Briten tun sich schwer mit der europäischen Einigung, so hat das Land den Euro bis heute nicht eingeführt.

Die Labour-Regierung unter Tony Blair führt eine Verfassungsreform durch, welche das Staatswesen dezentralisieren soll. 1999 erhielten Schottland, Wales und Nordirland je ein eigenes Parlament. Obwohl diese Parlamente einige Rechte besitzen, sind sie lange nicht so mächtig wie das nationale Parlament. Das schottische Parlament darf in einem gewissen Rahmen Gesetze erlassen, während die Parlamente von Wales und Nordirland lediglich über den Etat frei verfügen dürfen, das von der britischen Zentralregierung bereit gestellt wird.

Der Dezentralisierungsprozess hat mittlerweile auch England erfasst. London besitzt seit 2001 ebenfalls ein eigenes Parlament mit beschränkten Befugnissen (London Assembly). Es bestehen Pläne, in mehreren Teilen Englands Regionalparlamente einzuführen.

Weblinks









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