Gletscher
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Einordnung: Gletscher | Geologie | Geomorphologie
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Gletscher sind bedeutende Landschaftsformer; insbesondere während der Eiszeiten wurden viele Gebirge umgeformt und das abgetragene Gestein an anderer Stelle als Moränen wieder aufgehäuft. Gletscher stellen auch eine sichere Wasserversorgung vieler Flüsse in der niederschlagsarmen Sommerzeit dar.
In den Polargebieten münden viele Gletscher direkt ins Meer. Das von ihnen abbrechende Eis (Kalben des Gletschers) wird zu Eisbergen. Tafeleisberge haben einen anderen Entstehungsmechanismus.
10 % (15.000.000 km²) der Erdoberfläche werden zurzeit von Gletschereis bedeckt, während der letzten Eiszeit waren es 32 %. In Gletschern wird 75 % des Süßwassers gespeichert. Bei einem Abschmelzen des gesamten Gletschereises würde sich der Meeresspiegel weltweit um 70 m anheben. Das Eis in der Antarktis ist zum Teil über 40 Millionen Jahre alt. Ohne den schweren Eispanzer würden sich Teile der Antarktis um bis zu 2.500 Meter anheben. Wird das Eis durch den Eigendruck stark komprimiert verkleinern sich die Lufteinschlüsse in der Kristallstruktur. Dadurch werden alle Farben absorbiert, lediglich der blaue Anteil wird reflektiert: das Eis schimmert bläulich. Das letzte markante Gletscherwachstum fand während der "kleinen Eiszeit" statt und endete vor etwa 150 Jahren. Seitdem verkleinert sich die Gletschermasse kontinuierlich.
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Die Entdeckung der Gletscher als Landschaftsformer
Die Vorstellung, dass Gletscher die Landschaften dieser Erde wesentlich geformt haben, ist noch nicht sehr alt. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hielten die meisten Gelehrten daran fest, dass die Sintflut die Gestalt der Erde prägte.
Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft schrieb jedoch 1817 einen Preis für ein Thesenpapier zu dem Thema aus Ist es wahr, dass unsere höheren Alpen seit einer Reihe von Jahren verwildern? und spezifizierte weiterhin, dass eine unpartheyische Zusammenstellung mehrjähriger Beobachtungen über das theilweise Vorrücken und Zurücktreten der Glescher in den Querthälern, über das Ansetzen und Verschwinden derselben auf den Höhen; Aufsuchung und Bestimmung der hie und da durch die vorgeschobenen Felstrümmer kenntlichen ehemaligen tiefern Grenzen verschiedener Gletscher gesucht sei. Ausgezeichnet wurde 1822 eine Arbeit von Ignaz Venetz, der aufgrund der Verteilung von Findlingen und Moränen schloß, dass einst weite Teile Europas vergletschert waren. Seine These fand jedoch nur Gehör bei Jean de Charpentier, der wiederum 1834 diese These in Luzern vortrug und dem es gelang, Louis Agassiz davon zu überzeugen. Dem rhetorisch begabten Agassiz, der in den nachfolgenden Jahren intensive Studien zur Gletscherkunde betrieb, gelang es schließlich, diese Auffassung als allgemeine Lehrmeinung durchzusetzen.
Gletscher der Welt
Der größte europäische Festlandgletscher ist mit einer Fläche von etwa 500 km² der Jostedalsbreen in Norwegen. Er wird in Europa nur vom Vatnajökull auf der Insel Island übertroffen, der eine Fläche von 8.300 km² bedeckt. Der größte Gletscher der Alpen ist der Aletschgletscher. Der größte Gletscher Deutschlands ist der Schneeferner an der Zugspitze. Der größte Gletscher Österreichs ist die Pasterze am Großglockner. Der größte Gletscher in Nordamerika ist der Bering Gletscher in Alaska mit 204 km². Der größte Gletscher Südamerikas ist das Campo de Hielo Sur in Chile. Als größter Gletscher der Erde gilt jedoch der Beardmore Gletscher der Antarktis.
Der Kutiah Gletscher in Pakistan ist der schnellste Gletscher der Welt. Im Jahr 1953 wurde eine Fließgeschwindigkeit von 12km in 3 Monaten gemessen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 112 Metern pro Tag. Die Fließgeschwindigkeit der Alpengletscher liegt in der Größenordnung von 30 - 150 m pro Jahr, Gletscher im Himalaya fließen mit 500 - 1.500 Meter im Jahr (2 bis 4 m am Tag) und in Grönland bewegen sie sich 3 - 10 Kilometer pro Jahr (10 bis 30 m am Tag).
Der äquatornäheste Gletscher, der ins Meer kalbt, heißt Ventisquero San Rafael, ist Teil des Campo de Hielo Norte und liegt in Chile. Er befindet sich nahe des 45. südlichen Breitengrad, das entspräche projiziert auf die Nordhalbkugel etwa der Lage von Mailand.
Heute schmelzen viele Gletscher in den Gebirgen aufgrund der Klimaerwärmung. Sie sind ein Indikator für das Langzeitklima.
Siehe auch
- Gletscherschmelze - Das durch den Klimawandel verursachte Abschmelzen der Gletscher
- Glazialmorphologie - Aufbau der Gletscher
- Gletschermilch - Endmoräne - Mittelmoräne - Gletscherzunge - Gletscherspalte - Bergschrund - Toteis - Nunatak - Glaziale Serie
- Gletscherforscher: Louis Agassiz
- Verschiedene Gletscher: Wildspitze - Schneeferner - Malaspinagletscher - Liste der Schweizer Gletscher
- Gletscher Bilder bei Wikimedia Commons
Weblinks
- weitere Weblinks
- Glaziologie für Anfänger beim Alfred Wegener Institut www.gletscherarchiv.de/ - Dokumentation des Gletscherrückgangs
- Suche nach Gletscher Infos mit: Yahoo
