Groupthink
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Groupthink (engl. "Gruppendenken") ist ein 1972 vom Psychologen Irving Janis geprägter Begriff. Er bezeichnet einen Denkvorgang, bei dem eine Gruppe von Personen schlechte oder realitätsferne Entscheidungen trifft. In einer Groupthinksituation passt jede Person ihre eigene Meinung an die angenommene Gruppenmeinung an. Daraus können Situationen entstehen bei der die Gruppe Handlungen oder Kompromissen zustimmt, die jedes Gruppenmitglied unter normalen Umständen ablehnen würde.
Nach Janis ist Groupthink ein "Denkmodus, den Personen verwenden, wenn das Streben nach Einmütigkeit in einer kohäsiven Gruppe derart dominant wird, dass es dahin tendiert, die realistische Abschätzung von Handlungsalternativen außer Kraft zu setzen" (Übersetzung von w3/W3STITZE/ü_a1/Groupthink.PDF
Das Wort Groupthink selbst hat eine gewollte Ähnlichkeit zu George Orwell's Wortneuschöpfungen (wie beispielsweise doublethink und duckspeak) der Sprache Newspeak in seinem Roman 1984.
Groupthink tritt gehäuft in Komitees oder großen Organisationen in Erscheinung. Es wird als einflussreicher Faktor beim Vietnamkrieg, bei der Schweinebucht-Invasion, dem Challenger Unglück und dem Columbia Unglück, der Korruption im Enronkonzern sowie kürzlich bei der Entscheidung des amerikanischen Kongresses zum Irakkireg angesehen.
Symptome von Groupthink sind beispielsweise:
- die Betrachtung von wenigen Alternativen
- die Nichtbeachtung der Meinung von Experten oder Außenstehender
- eine sehr wählerische Informationsbeschaffung
- die Illusion von Unverwundbarkeit
- ein starker Glaube an eine gruppeneigene Moral
- Beschönigung schlechter Entscheidungen
- Druck sich der Gurppe anzupassen, zurückhalten mit Kritik
- Druck die Gruppe vor negativen Ansichten und Informationen zu schützen
- inner und äußerer Druck zur Entscheidungsfindung
- einzelen Gruppenmitglieder bestätigen sich gegenseitig ihre Theorien
Es gibt verschiedene Ansätze Groupthinksituationen vorzubeugen. Beispielsweise können Verantwortlichkeit und die Macht Entscheidungen zu treffen in die Hände einer Person gelegt werden. Sie darf jederzeit andere Gruppenmitglieder um Rat bitten. Da Kompromisse und Handlungen nur von dieser einen Person bestimmt werden, ist sie nicht von einer angenommenen Gruppenhaltung abhängig.
Durch die Auswahl eines Gruppenmitgliedes, das stets eine ablehnende Haltung einnimmt, können andere Gruppenmitglieder zur Begründung von Vorschlägen motiviert werden. Auch sinkt der mit ersten Gegenargumenten verbundene Druck.
Schließlich haben sich Anonymes Feedback, Vorschlagsboxen sowie Online Chats als wirksame Mittel gegen Groupthink etabliert. Kritik und negative Ansichten können aufgeworfen werden, ohne dass ein bestimmtes Gruppenmitglied dafür verantwortlich gemacht werden kann.
Eine Alternative zu Groupthink ist ein formaler Entscheidungsfindungsprozess, welcher in kooperierenden Gruppen am effektivsten angewendet werden kann.
Literatur
- Janis, Irving. Victims of Groupthink: A Psychological Study of Foreign-Policy Decisions and Fiascoes. Boston: Houghton Mifflin, 1972. ISBN 0395140447
- Schwartz, John and Wald, Matthew L. Smart People Working Collectively can be Dumber Than the Sum of their Brains: "Groupthink" Is 30 Years Old, and Still Going Strong. New York Times, 9. März, 2003 (nachgedruckt inwww.mindfully.org/Reform/2003/Smart-People-Dumber9mar03.htm ).
Siehe auch
Weblinks
- weitere Weblinks
- Artikel über Groupthink von Disinfopedia (auf englisch)
- Suche nach Groupthink Infos mit: Yahoo
