Harold Macmillan
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Einordnung: Mann | Brite | Peer | Politiker (Großbritannien) | Premierminister (Großbritannien) | Geboren 1894 | Gestorben 1986
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Maurice Harold Macmillan, 1. Earl of Stockton, (* 10. Februar 1894 in Brixton, †29. Dezember 1986 Birch Grove (Sussex)) war ein britischer Politiker der konservativen Partei und Premierminister von 1957 bis 1963.
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Frühe Jahre
Macmillan wurde in Eton und am Balliol College in Oxford erzogen. Er diente mit Auszeichnung im ersten Weltkrieg und wurde dreimal verwundet. 1924 ins Unterhaus gewählt, verlor er seinen Sitz 1929 und gewann ihn 1931 zurück. Die 1930er Jahre verbrachte er als Hinterbänkler. Seine linken Ansichten und seine scharfe Kritik an Stanley Baldwin und Neville Chamberlain trieben ihn in die Isolation. Während des zweiten Weltkriegs gehörte er der Koalitionsregierung an. Er arbeitete beim Versorgungsministerium, bevor er 1942 Repräsentant der britischen Regierung bei den Alliierten im Mittelmeerraum wurde.
Nach dem Krieg und der massiven Wahlniederlage von 1945 kehrte er nach England zurück. Als die Konservativen 1951 wieder an die Macht kamen, wurde er unter Winston Churchill Wohnungsbauminister (Oktober 1951), dann Verteidigungsminister (Oktober 1954) und unter Anthony Eden Finanzminister (1955-1957). Als Eden im Januar 1957 wegen der Suez-Krise zurücktrat, wurde NacMillan am 10. Januar sein Nachfolger als Premierminister und am 22. Januar auch als Parteichef der Konservativen - obwohl viele erwartet hatten, dass es Rab Butler sein würde.
Regierungszeit
Macmillan brachte die finanziellen Sorgen des Finanzministers mit ins Amt - die Wirtschaft war sein Hauptanliegen. Seine Strategie war, eine möglichst hohe Beschäftigungsrate anzustreben, während seine Finanz-Sekretäre meinten, daß die Währung stabilisiert werden müsse, was wegen der dann erforderlichen strikten Haushaltsbeschränkungen zu erhöhter Arbeitslosugkeit geführt hätte. Ihre Vorschläge wurden abgelehnt, und im Januar 1958 traten alle Sekretäre zurück. MacMillan wichte diesen Vorfall als "lokales Problemchen" vom Tisch. Er unterstützte die Bildung der "Kommission für Nationaleinkommen" als Teil seiner "Wachstum ohne Inflation"-Politik.
Er hatte auch die Außenpolitik fest im Griff. Er bemühte sich, die Gräben zuzuschütten, die zwischen England und den USA durch die Suez-Krise aufgerissen worden waren. Seine Freundschaft mit Eisenhower, die aus Kriegszeiten stammte, war ihm dabei nützlich. So hielten die beiden schon im März 1957 eine freundliche Konferenz auf den Bermudas ab. Die guten Beziehungen setzten sich mit dem Aufstieg John F. Kennedys fort.
Macmillan sah auch den Wert einer Annäherung an Europa. Er suchte verspätet Zutritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und lotete die Möglichkeit einer europäischen Freihandelszone (EFTA) aus. In Bezug auf das Empire setzte Macmillan die Entlassung der Kolonien fort, was er im Februar 1960 in seiner "wind of change" (Wind des Wandels) Rede angekündigt hatte. Ghana und Malaya erhielten 1957 die Unabhängigkeit, Nigeria 1960 und Kenia 1963. Er sorgte jedoch dafür, daß Britannien im nahen Osten eine Macht blieb - das führte zu den Interventionen im Irak 1958 und 1960 und auch zu der Einmischung im Oman.
Bei den Wahlen vom Oktober 1959 führte er die Konservativen zum Sieg: Ihre Mehrheit wuchs von 67 auf 107 Sitze. Sein Wahlkampf basierte auf dem erreichten wirtschaftlichen Fortschritt unter dem Motto "Wir hatten es noch nie so gut". Die tatsächliche Wachstumsrate war jedoch im Vergleich zu Europa schwach und wurde durch hohe Verteidigungsausgaben verzerrt.
Nachdem Anfanhg der 1960er Jahre Versuche gescheitert waren, eine eigene Raketenstreitmacht zur atomaren Abschreckung aufzubauen, erreichte Macmillan im Dezember 1962 die Lieferung von amerikanischen Polaris-Raketen. Zuvor waren 60 Thor-Raketen unter gemeinsamer Kontrolle in Großbritannien stationiert worden.
Macmillan war eine der Haupttriebkräfte in den Verhandlungen, die 1962 zum Vertrag über die Einstellung von Atombombentests führten, der von Großbritannien, den USA und der Sowjetunion unterzeichnet wurde. Sein Versuch, schon 1960 einen solchen Vertrag zu erreichen, war seinerzeit an der Affäre um den Spionageflug des US-Piloten Gary Powers mit der der U2 gescheitert.
Großbritanniens Antrag auf Beitritt zur EWG scheiterte im Januar 1963 am Veto Charles de Gaulles. Er fürchtete, daß es "am Ende eine riesige atlantische Gemeinschaft, abhängig von Amerika" geben würde. Außerdem war er wohl auch wegen des englisch-amerikanischen Atom-Abkommens verärgert.
1961 führten Britanniens Finanzprobleme zu einem Einfrieren der Löhne und Gehälter. Dies brachte einen Popularitätsverlust für die Regierung und eine Serie von Niederlagen bei Nachwahlen. Im Juli 1962 führte Macmillan eine größere Kabinettsumbildung durch, aber er verlor immer mehr die Unterstützung aus seiner Partei. In Verlegenheit brachte ihn auch die Profumo-Affäre von 1963. Nach einer Krankheit und Operation trat er am 18. Oktober 1963 zurück. Sein Nachfolger wurde Alec Douglas-Home, der bisherige Außenminister.
Ruhestand
Macmillan lehnte zunächst einen Adelstitel ab und zog sich im September 1964 aus der Politik zurück und mischte sich in den folgenden zwanzig Jahren nur gelegentlich ein. Nachdem Margaret Thatcher zur Parteichefin gewählt worden war, meldete er sich häufiger zu Wort, als seine Politik von den Finanzexperten seiner Partei angegriffen wurde.
1984 akzeptierte er schließlich den Adelstitel und wurde zum Earl of Stockton ernannt. 1986 verstarb er in Birch Grove in Sussex kurz vor seinem 93. Geburtstag - bis heute das höchste Alter, das ein britischer Premierminister je erreicht hat.
Weblink
- Nachruf der BBC (englisch)
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