Heiliger Geist
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| Inhaltsverzeichnis |
Judentum
Im Tanach (Altes Testament), der Heiligen Schrift des Judentums, bezeichnet der Heilige Geist (Ruah HaKodesh) die Gegenwart Gottes, insbesondere wenn sie einem Menschen bewusst wird. Die Begriffskombination erscheint in den hebräischen Schriften nur zweimal: Jesaja Kapitel 63 und Psalm 51. Weitere Fundstellen finden sich in den Apokryphen, die allerdings im Judentum und kanonisierten Christentum nicht als heilige Schriften gelten.
Christentum
Im griechischen Neuen Testament erscheint der Begriff "Heiliger Geist" (Hagion Pneuma) knapp 100 mal.
Der Heilige Geist im Christentum ist eine der 3 Personen Gottes: (Siehe Dreifaltigkeit: Gott-Vater, Gott-Sohn, also die Person Jesu, Gott-Heiliger-Geist), und wird auch als dritte Person des Dreieinigen (oder Dreifaltigen) Gottes bezeichnet.
Der Heilige Geist wird in Bezug auf neutestamentalische Beschreibungen durch eine Taube, Wasser oder durch Flammen symbolisiert.
Obwohl der Heilige Geist nach christlichem Verständnis im Sinne der Dreifaltigkeitslehre Gott ist, wird er heute in der katholischen und evangelischen Kirche im Gebet selten direkt angesprochen. Beide Kirchen kennen jedoch zahlreiche traditionelle Hymnen, wo der Heilige Geist direkt angeredet wird, beispielsweise "Nunc, Sancte, nobis Spiritus" von Ambrosius von Mailand, "Veni Creator Spiritus" von Rhabanus Maurus oder "Zieh ein zu deinen Toren" von Paul Gerhardt. Im Gegensatz dazu sind in den orthodoxen Kirchen liturgische Gebete zum Heiligen Geist im Gebrauch, und in charismatischen Kreise wird der Heilige Geist auch im freien Gebet ebenso direkt angesprochen wie Gott der Vater und Jesus Christus.
Neutestamentlich wird dann der Heilige Geist als eine eigenständige Person aufgefasst. Nach christlicher Lehre hat die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus Christus durch den Heiligen Geist empfangen. Im Neuen Testament ist das allerdings nur eine unter mehreren gleichwertigen Vorstellungen.
Der so genannte Filioque-Streit, das heißt die Auseinandersetzung, ob der Heilige Geist
- vom Vater ausgeht und durch den Sohn der Welt gesendet wird, oder
- vom Vater und Sohn "als einem einzigen Prinzip" ausgeht
war (neben anderen kleineren Unstimmigkeiten) der theologische Hauptgrund für die Spaltung zwischen orthodoxer Kirche und römisch-katholischer Kirche.
Katholische und Orthodoxe Ausprägung
Die römisch-katholische Kirche und die Orthodoxe Kirche kennen das Sakrament der Firmung oder Salbung. Darin empfängt der Firmling oder Gesalbte die 7 Gaben des Heiligen Geistes. Im Katholizismus wird die Firmung gewöhnlich Jugendlichen von je nach Land ca. 11-15 Jahren nur durch einen Bischof oder Weihbischof gespendet, in der Orthodoxie dagegen sofort nach der Taufe und auch durch den Priester. Die evangelische Konfirmation entstand aus diesem Ritual unter Verzicht auf die Salbung.
Außerdem feiern die Christen fast aller Kirchen 50 Tage nach Ostern Pfingsten, als den Tag, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde.
Die katholische Kirche kennt viele Gebete und Anrufungen des Heiligen Geists:
- Komm, o Geist der Heiligkeit (Pfingssequenz aus dem Messbuch)
- Komm, Schöpfergeist (Pfingstsequenz des Hl. Rhabanus Maurus)
- Weihe an den Hl. Geist (nach Papst Pius X.)
- Heiliger Geist, der Sieg ist Dein (von Pius XI.)
Religionsgeschichtliche Parallelen
Zum Begriff des Heiligen Geistes bestehen Parallelen in anderen Religionen. Das Konzept des "Hagion Pneumas" findet sich in sehr ähnlicher Form bereits in griechischen und altindischen religiösen und philosophischen Abhandlungen, die früher als das Neue Testament verfasst worden sind.
In der Geschichte der christlichen Mission sind oft Elemente des christlichen Glaubens mit inhaltlich ähnlichen Glaubensvorstellungen anderer Religionen konfrontiert, in diesem Licht neu verstanden und miteinander kombiniert worden. Manche Forscher vertreten die Ansicht, dies sei mit der christlichen Vorstellung vom Heiligen Geist und dem Urgeist Fimbultyr der nordischen Mythologie geschehen. Eine ursprüngliche religionsgeschichtliche Abhängigkeit der beiden Vorstellungen ist jedoch nicht belegbar.
Siehe auch: heilig, Geist, Gaben des Heiligen Geistes, Frucht des Heiligen Geistes, Paraklet
Weblinks
- weitere Weblinks
- Aktuelle Literatur zum Heiligen Geist
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