Herbert Freundlich
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Herbert Max Finlay Freundlich (* 28. Januar 1880 in Charlottenburg, heute Berlin; â 31. MĂ€rz 1941 Minnesota, Minneapolis, USA) war ein fĂŒhrender Grundlagenforscher in der Kolloidchemie.
| Inhaltsverzeichnis |
Leben
Freundlichs Mutter war Schottin, sein Vater leitete in Wiesbaden eine EisengieĂerei, wo er auch aufwuchs. Sein Bruder Erwin Finlay Freundlich (1885-1964) wurde Astrophysiker und Leiter des Einstein-Instituts in Potsdam. Anfangs spielte Freundlich mit dem Gedanken, Pianist zu werden. Doch dann entschloss er sich zu einem naturwissenschaftlichen Studium. Zuerst ging er 1898 fĂŒr ein Jahr nach MĂŒnchen, dann wurde er SchĂŒler des angesehenen Chemikers Wilhelm Ostwald in Leipzig. Dort habilitierte er sich 1906 in physikalischer und anorganischer Chemie. 1911 wurde er Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig. Fritz Haber wurde auf das Talent des Nachwuchswissenschaftlers aufmerksam und bot ihm 1916 eine Mitarbeiterstelle am Kaiser-Wilhelm-Institut fĂŒr Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem an, heute das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft. Schon 1919 wurde er stellvertretender Direktor des Instituts. Ab 1923 lehrte er auĂerdem als Honorarprofessor an der UniversitĂ€t Berlin und seit 1925 auch an der Technischen Hochschule. AuĂerdem wurde er Vorstandsrat in der deutschen Kolloid-Gesellschaft.
Die MachtĂŒbergabe 1933 an die Nationalsozialisten setzte Freundlichs erfolgreicher ForschungstĂ€tigkeit in Deutschland ein Ende. Wegen der jĂŒdischen Religion seines Vaters galt er fortan als "Nichtarier" und fiel unter § 3 des "Berufsbeamtengesetzes". Im Dezember 1933 wurde ihm seine Lehrberechtigung entzogen. Ende 1933 nahm er das Angebot einer Gastprofessur am University College in London an. Die Briten und Amerikaner hatten eigens fĂŒr Wissenschaftler mit Berufsverbot eine Agentur in der LinkstraĂe am Potsdamer Platz eingerichtet. Freundlich emigrierte mit seinem gesamten Institut nach England. Auch die Verschiffung von AusrĂŒstungsgegenstĂ€nden, die mit Geldern der Rockefeller-Stiftung angeschafft worden waren, wurde nicht vom Interimsdirektor Otto Hahn gestoppt. Die Rockefeller-Stiftung revanchierte sich dafĂŒr 1937 mit der Finanzierungsbeteiligung an einem weiteren physikalischen Institut. Das Engagement der Ălindustrie in der Kolloidik ist kein Zufall, da die ViskositĂ€t von Erdöl, Bitumen, Teer etc. zu den Hauptproblemen bei der Ălförderung gehört. Das KWI fĂŒr Physikalische Chemie wurde nach Freundlichs Emigration zum wiederholten Male zu einem militĂ€rischen Forschungsinstitut fĂŒr Giftgasforschung umgewandelt.
Um den Exodus ihrer besten Forscher zu beenden, schickte die deutsche Industrie den Geheimrat Max Planck zu Hitler vor. Die explosive Dummheit seiner Antwort nahm bereits die bald folgenden Vernichtungen vorweg: "Ja, was liegt denn schon daran, wenn Deutschland mal fĂŒr eine Generation keine fĂŒhrenden Physiker hat. Mir liegen gröĂere Dinge am Herzen, Herr Geheimrat, mir liegt die deutsche Rassereinheit am Herzen!"
1938 nahm Freundlich einen Ruf an die University of Minnesota im amerikanischen Minneapolis an. Dort starb er schon 1941 als ein entwurzelter und gebrochener Mann.
Ihm zu Ehren widmete die Deutsche Rheologische Gesellschaft ihre 4. Tagung 1954 in Berlin als Herbert-Freundlich-GedÀchtnis-Kongress, wo auch eine Herbert-Freundlich-Medaille an Dr. George Blair verliehen wurde.
Forschung
Freundlichs Forschungsgebiet deckte den gesamten Bereich der Kolloide ab, insbesondere interessierten ihn die kolloidalen DispersionszustĂ€nde von Solen und Gelen. Er fĂŒhrte den Terminus Thixotropie im Sinne von Eindickung ein, um das Verhalten von Gelen zu beschreiben. Die Lichtablenkung von verstreuten Partikeln war ein Forschungsthema und auch die elektrische Aufladung, die er fĂŒr maĂgeblich hielt fĂŒr das Streuungsverhalten der Partikel. Weiterhin erforschte er die Eigenschaften von ViskositĂ€t und ElastizitĂ€t und das Verhalten von bestimmten Stoffen wie etwa Beton unter der Einwirkung von mechanischen KrĂ€ften. Ein Ergebnis dieser Untersuchungen war die Entwicklung von nichttropfenden Farben.
Mitarbeiter
Zwei seiner Doktoranden machten auch auf andere Weise abseits der Kolloidchemie von sich reden:
- Robert Havemann und
- Friedrich Rogowski.
KPD-Mitglied Havemann engagierte sich politisch auch nach 1933 in der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" und wurde in der DDR zu einem hoch angesehenen Kolloidchemiker. SpĂ€ter machte er dann er mit innerparteilicher Kritik Schlagzeilen und erhielt schlieĂlich Berufsverbot.
Rogowski durchlief dagegen eine unauffÀllige, traditionelle Wissenschaftslaufbahn. Doch kurz vor seiner Emeritierung entdeckte er ein trigonometrisches Vermessungssystem aus dem antiken Griechenland.
Weblinks
- weitere Weblinks
- Ausstellungstafel der TU Berlin zu Prof. Freundlich Otto Hahns Rolle als Interimsdirektor des KWI fĂŒr Physikalische Chemie und Elektrochemie 1933. Ein Vorabdruck aus dem Forschungsprogramm âGeschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismusâ== Literatur ==
- Wilfried Heller: Herbert Freundlich. A biographical essay in commemoration of his 100th birthday. Detroit: Great Lakes Conference of Polymer and Colloid Science. 63 p. 1980 (in Deutschland nur bei der UniversitÀt Mainz)
- «Einige Unterbrechungen waren wirklich unnötig», GesprÀch mit Alfred Sohn-Rethel, in: Mathias Greffrath, Die Zerstörung einer Zukunft. GesprÀche mit emigrierten Sozialwissenschaftlern. Frankfurt a. M. 1989, Campus, 213 - 262, S. 229f.
- Alfred Sohn-Rethel : Industrie und Nationalsozialismus. Aufzeichnungen aus dem »MitteleuropÀischen Wirtschaftstag«. Berlin 1992, Wagenbach, S. 57 und 171.
- Ruth Lewin Sime: Otto Hahn und die Max-Planck-Gesellschaft. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Hrsg. von Carola Sachse im Auftrag der PrÀsidentenkommission der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. Göttingen: Wallstein 2004
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Freundlich, Herbert Max Finlay |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | fĂŒhrender Grundlagenforscher in der Kolloidchemie |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1880 |
| GEBURTSORT | Berlin-Charlottenburg |
| STERBEDATUM | 31. MĂ€rz 1941 |
| STERBEORT | Minnesota/Minneapolis |
--InfoG 16:30, 24. MĂ€r 2005 (CET)
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