Herbert Wehner
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Einordnung: Mann | Deutscher | Sachse | SPD-Mitglied | Minister für gesamtdeutsche Fragen (Deutschland) | KPD-Mitglied | Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion | Bundestagsabgeordneter | Mitglied des Europäischen Parlaments | Geboren 1906 | Gestorben 1990
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Herbert Richard Wehner (* 11. Juli 1906 in Dresden; †19. Januar 1990 in Bonn) war von 1969 bis 1983 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.
Wehner war dreimal verheiratet. In erster Ehe seit 1927 mit der Schauspielerin Lotte Loebinger (1905-1999) verheiratet. Die Ehe wird später wieder geschieden. In zweiter Ehe seit 1944 mit Charlotte Burmeister, geborene Clausen, verheiratet. Nach deren Tod 1979 heiratet er 1983 ihre Tochter, also seine Stieftochter, Greta Burmeister. Burmeister hatte schon Jahrzehnte ihrem Stiefvater als Sekretärin und Betreuerin gedient. Nach der Wende und Wehners Tod zog sie nach Dresden.
Wehner wurde als Sohn eines Schuhmachers geboren. Sein Vater war Soldat im Ersten Weltkrieg und trat danach in einen lockeren Zusammenschluss von sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Soldaten ein.
Noch zu seiner Schulzeit war Wehner Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) geworden, die er jedoch schon 1923 wieder verließ, um Mitglied einer anarchosyndikalistischen Jugendgruppe um Erich Mühsam zu werden. Als Grund für seinen Entschluss, der Sozialdemokratie zunächst den Rücken zu kehren, gab er später an, dass die SPD den Einmarsch der Reichswehr in sein Heimatland Sachsen unterstützte und damit Verrat an der Einheitsfront beging. Tatsächlich schickte die Reichsregierung unter Gustav Stresemann in diesem Jahr Truppen nach Sachsen, um die Koalition aus SPD und KPD in der sächsischen Landesregierung zu beenden. Der pazifistische Kurs von Mühsam war Wehner aber schnell zu uneffektiv und so verließ dieser die Gruppe des Anarchisten und wendete sich sogar gegen ihn. Nach der Mittleren Reife 1924 begann Wehner eine kaufmännische Lehre in Dresden. Wegen seiner radikalen politischen Betätigung verlor er 1926 seine Anstellung, arbeitete anschließend als Journalist und engagierte sich in der Gewerkschaft.
1927 wurde Wehner Mitglied der KPD und noch im selben Jahr hauptamtlicher Sekretär der Roten Hilfe Deutschlands in Dresden. Sein Aufstieg in der Partei war schnell. Durch seinen Fleiß und seine Rhetorik, die er im sächsischen Landtag bewies, wurde das Politbüro auf ihn aufmerksam. 1930 wurde er Stellvertretender Sekretär der KPD in Sachsen. Ein Jahr später legte er sein Landtagsmandat nieder und ging nach Berlin, wo er für Walter Ulbricht arbeitete. 1932 wurde Wehner Technischer Sekretär des Politbüro.
Ab 1933 setzte er seine politische Arbeit für die inzwischen verbotene KPD in der Illegalität in Deutschland fort. 1935 emigrierte er als Mitglied des Zentralkomitees der KPD nach Moskau. Sein Deckname war "Funk". Er wohnte dort im berühmt-berüchtigten "Hotel Lux", entging aber den Stalinschen Säuberungen, denen die meisten deutschen Exil-Kommunisten zum Opfer fielen.
Wie weit Wehner persönlich in den "Säuberungen" auch als Denunziant mitwirkte, ist durch den Hamburger Historiker Reinhard Müller anhand von sowjetischen Dokumenten belegt worden.
1941 reiste er mit Parteiauftrag ins damals neutrale Schweden, wo er 1942 in Stockholm verhaftet und dann interniert wurde. Hier vollzog sich nach eigenem Bekunden sein Bruch mit dem Kommunismus.
1946 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde sogleich Mitglied der SPD in Hamburg. Hier arbeitete er auch als Redakteur für die sozialdemokratische Zeitung "Hamburger Echo". Er gehörte schon bald zum engsten Kreis um den SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher.
1948 wurde er Mitglied des Bezirksvorstandes der SPD in Hamburg. Von 1958 bis 1973 war er außerdem Stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. 1949 wurde er in den Deutschen Bundestag als Abgeordneter für den Wahlbezirk Hamburg-Harburg gewählt und war von 1957 bis 1958 sowie von 1964 bis 1966 Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Von 1949 bis zu seiner Berufung zum Bundesminister ist Wehner Vorsitzender des Bundestagsausaschusses für Gesamdeutsche und Berliner Fragen, von Juni 1956 bis 1957 stv. Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Von 1953 bis zu seiner Berufung zum Minister ist Wehner Vorsitzender des Arbeitskreises für Außenpolitik und Gesamtdeutsche Fragen der SPD-Fraktion. Im Kabinett der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wurde Wehner 1966 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen. Wehner hatte großen Anteil an der innerparteilichen Durchsetzung des Godesberger Programms, durch das sich die SPD 1959 endgültig auch programmatisch zur Volkspartei entwickelte. Mit seiner Grundsatzrede vor dem Bundestag am 30. Juni 1960 läutet er auch den außenpolitischen Kurswechsel der SPD, hin zur Westbindung, ein.
Vom 16. Juli 1952 bis zum 19. März 1958 gehörte Wehner auch dem Europaparlament an.
Innerhalb der SPD gehörte Wehner in den 1960er Jahren zu den vehementesten Verfechtern des Mehrheitswahlrechts. Er hoffte, dieses in der Großen Koalition umsetzen zu können, was aber an Widerständen innerhalb beider Volksparteien scheiterte.
1965 gehörte Wehner zur Regierungsmannschaft des SPD-Kanzlerkandidaten Willy Brandt, er hätte im Erfolgsfalle das Ressort für Gesamtdeutsche Fragen übernehmen sollen.
Nach dem Regierungswechsel 1969 wurde er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Hier erwarb er sich schnell den Ruf eines "Zuchtmeisters", der die Fraktion an der Seite der von Bundeskanzler Willy Brandt geführten Regierung hielt. Allerdings hatte er auch großen Anteil an der Demontage Brandts (Zitat: "Der Kanzler badet gerne lau; so in einem Schaumbad") und schließlich an dessen Rücktritt anlässlich der Guillaume-Affäre 1974. 1969 bis 1972 war er auch stv. Vorsitzender des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gemäß Artikel 145 des Grundgesetzes.
Dem 1980 gewählten neunten Deutschem Bundestag gehörte er als Alterspräsident an. Wehner gehörte neben Ludwig Erhard, Hermann Götz, Gerhard Schröder) (alle CDU), Richard Jaeger, Franz-Josef Strauß, Richard Stücklen (alle CSU), Erich Mende (FDP, später CDU), Erwin Lange und R. Martin Schmidt) (beide SPD) zu den 10 Abgeordneten, die die ersten 25 Jahre seit der Bundestagswahl 1949 ununterbrochen dem Parlament angehörten.
Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition am 17. September 1982 und der Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler am 1. Oktober 1982 kam es im März 1983 zu Neuwahlen. Zu diesen Wahlen hat Wehner aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. Als Grund gab er an: "Es reicht mir."
Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag hat er 14 Jahre lang der SPD-Fraktion vorgestanden.
In den 34 Jahren als Bundestagsabgeordneter hat er sich 78 Ordnungsrufe eingefangen und ist somit Rekordhalter auf diesem Gebiet. Den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe titulierte er als "Herr Übelkrähe", Jürgen Todenhöfer wurde einmal als "Abgeordneter Hodentöter" bezeichnet. Am 22. März 1950 wird er von Bundestagspräsident Erich Köhler wegen unparlamentarischen Verhaltens für 10 Sitzungstage ausgeschlossen. Er wurde aber auch vor allem aus Kreisen der CDU/CSU heftig angegriffen (Zitat Wehner: "Ich bin es gewohnt, ausgepfiffen und niedergebrüllt und geschlagen zu werden. Dessen schäme ich mich nicht. Es werden sich andere einmal dafür schämen müssen."). Wehners Parlamentsstil war eigenwillig und unverkennbar. Seine Reden waren durchzogen von langen verschachtelten Sätzen, die immer wieder durch eruptive Ausbrüche unterbrochen wurden.
1990 verstarb er nach langen Jahren des Leidens (unklar ob Alzheimer oder Folgen seiner Diabetes).
Der frühere Chef der Auslandsspionage der DDR Markus Wolf berichtet in seinen Memoiren "Spionagechef im geheimen Krieg" über geheime Kontakte Wehners zur SED-Führung und dem DDR-Auslandsnachrichtendienst.
Er ist Ehrenbürger der Stadt Hamburg. Es laufen Bestrebungen von Bürgerschaftsabgeordneten der Regierungspartei CDU, Wehner wegen seiner Verstrickungen in die Säuberungen während seines Moskauer Exils posthum die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen
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Literatur
Primärliteratur
- Herbert Wehner, Brot und Disteln - Zeugnisse vom Ringen um Hamburgs Verfassung und Deutschlands Erneuerung in den Jahren 1848/49, Verlag Christen & Co,Hamburg, 1948
- Herbert Wehner, Unsere Nation in der demokratischen Bewährung, in: Jugend, Demokratie, Nation, Bonn, 1967, Seiten 19 bis 32.
- Reimann, Günter / Wehner, Herbert, zwischen zwei Epochen - Briefe 1946, Gustav-Kiepenheuer-Verlag, Leipzig, 1998, ISBN 3-378-01029-0
Sekundärliteratur
- Frederik, Hans: Herbert Wehner – das Ende seiner Legende, VPA, Landshut 1982. ISBN 3-921240-06-9
- A. Freudenhammer/K. Vater.: Herbert Wehner – Ein Leben mit der Deutschen Frage, C. Bertelsmann, München 1978. ISBN 3-570-05447-0
- Leugers-Scherzberg, August H.: Die Wandlung des Herbert Wehner, Propyläen, Berlin 2002. ISBN 3-549-07155-8
- Müller, Reinhard: Herbert Wehner – Moskau 1937, Hamburger Edition, Hamburg 2003. ISBN 3-930908-82-4
- Scholz, Michael F.: Herbert Wehner in Schweden 1941 – 1946, Oldenbourg, München 1995. ISBN 3-486-64570-6
- Markus Wolf: Spionagechef im geheimen Krieg,ISBN 3548365892
- Becker (Hg): "Herbert Wehner zeit seines Lebens", Eigenverlag, Eschau, 1986
Weblinks
- weitere Weblinks
- Biografie Herbert-Wehner-Bildungswerk DresdenBundesminister für gesamtdeutsche Fragen bzw. innerdeutsche Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland
Jakob Kaiser | Ernst Lemmer | Rainer Barzel | Erich Mende | Johann Baptist Gradl | Herbert Wehner | Egon Franke | Rainer Barzel | Heinrich Windelen | Dorothee Wilms
Vorsitzende der SPD-BundestagsfraktionKurt Schumacher | Erich Ollenhauer | Fritz Erler | Helmut Schmidt | Herbert Wehner | Hans-Jochen Vogel | Hans-Ulrich Klose | Rudolf Scharping | Peter Struck | Ludwig Stiegler | Franz Müntefering
Personendaten NAME Wehner, Herbert ALTERNATIVNAMEN KURZBESCHREIBUNG deutscher Politiker (SPD) GEBURTSDATUM 11. Juli 1906 GEBURTSORT Dresden STERBEDATUM 19. Januar 1990 STERBEORT Bonn --InfoG 16:30, 24. Mär 2005 (CET)
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