Hethitische Sprache
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Die hethitische Sprache (Sprache der Hethiter, abgeleitet von bibl.-hebr. het <Land Het>; heth. Eigenbezeichnung nesili oder nesumnili <Nesisch, Sprache der Leute aus Kanes> ; engl. hittite) ist eine kleinasiatische, heute ausgestorbene indogermanische Sprache. Ihre Schriftzeugnisse gelten als die ältesten indogermanischen überhaupt und reichen bis ins frühe 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Zusammen mit den luwischen Sprachen sowie dem Pallaischen und dem Lydischen bildet es den anatolischen Zweig des Indogermanischen.
| Inhaltsverzeichnis |
Indogermanisch, Anatolisch, Hethitisch
Stellung des Hethitischen im anatolischen Zweig der indogermischen Sprachen:
- Indogermanische Sprachen
- Analotischer Zweig
- Hethitisch (umfangreiches Textmatarial, ca. 1600 bis 1200 v. Chr., Zentralanatolien)
- Lydisch (Münzaufschriften aus dem 8. Jh. und Texte in lydischer Alphabetschrift aus dem 5. und 4. Jh. v. Chr., Gebeit des Kgr. Lydien, West- und Zentralanatolien]
- Palaisch (nur wenige Überlieferungen, 16. bis 13 Jh. v. Chr., nordwestlich vom hethitischen Kernland gelegene Region Pala)
- Luwische Sprachen (hierzu fasst man das eigentliche Luwische und die Nachfolgesprachen im südlichen Anatolien zusammen)
- Keilschriftluwisch (zahlreiches Matarial mit begrenztem Wortschatz, 14. und 13. Jh. v. Chr., südliches und südwestliches Anatolien)
- Hieroglyphenluwisch (umfangreiches Matarial, meist auf Steintafeln, aus der Spätzeit bzw. der Zeit nach dem Fall des Hethiterreichs, 15. bis 8. Jh. v. Chr., Südanatolien und Nordsyrien)
- Karisch (teilw. in Ägypten gefundenes Sprachmaterial, 6 Jh., sowie im karischen Kernland, 5. und 4. Jh. v. Chr.)
- Lykisch (in Alphabetschrift überlieferte Inschriften, z. B. Stele von Xanthos, 5. und 4. Jh. v. Chr., Lykien]
- Milyisch (auch Lykisch B, nur wenige Textzeugnisse, 4. bis 5. Jh., Lykien)
- Pisidisch und Sidetisch (eine Reihe von Namen und ein paar Inschriften aus der Stadt Side und der sie umgebenden Region Pisidien)
- Analotischer Zweig
Eine Zeit lang wurde die Zugeghörigkeit des Hethtischen (und damit auch der übrigen anatolischen Sprachen) zu den indogermanischen Sprachen bezweifelt. Die Gründe liegen in dem zum Teil stark abweichenden grammatischen Erscheinungen des Hethtischen (siehe "Sprachliche Besonderheiten"). Es wurde vielmehr vermutet, dass es sich beim Hethtischen (nur) um eine sehr nahe Verwandte des Indogermanischen handele und mit ihm das sog. Indo-Hethitische bilde.
Heute wird durchgehend die Meinung vertreten, dass die hethitische Sprache sich wie die übrigen indogermanischen Sprachen aus einer Sprache entwickelt hat, die - so wird vermutet - zur des Wechsels vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet der unteren Wolga von den Trägern der sogenannten Kurgan-Kultur gesprochen wurde. Diese Grundsprache wird im allgemeinen als indogermanische Grundsprache (seltener: indogermanische Ursprache) bezeichnet. Als sich in der Folgezeit der Kulturverband löste (die Gründe liegen noch weit gehend im Dunkeln), löste sich auch der gemeinsame Sprachverband in einzelne Sprachen bzw. Sprachzweige.
Die besonderen Eigenheiten des anatolischen Zweiges werden nun damit begründet, dass sich die Sprecher der späteren anatolischen Sprachen bereits zu einem sehr frühen Stadium aus dem gemeinsamen Kulturverband lösten und sich deren Sprachen eigenständig weiter entwickeln konnten.
Schriftzeugnisse und Entdeckung
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten französische Archäologen nahe des türkischen Dorfes Bogazkale (früher: Bogazköy) einige Tontafelfragmente. Die darauf befindlichen Texte waren in einer lesbaren Variante der akkadischen Keilschrift verfasst, von denen aber die Archäologen kein Wort verstanden, da sie größten Teils in einer unbekannten Sprache verfasst waren. Die Veröffentlichungen blieben weit gehend unbeachtet.
Erst 1902 vermutete ein schwedischer Wissenschaftler, dass die gefundenen Texte in einer indogermanische Sprache abgefasst wurden. Er stütze seien These auf die in Tell el-Amarna gefundene Korrespondenz zwischen dem hethitischen Großkönig und dem Pharao Amenophis IV. (Echnaton).
1906 entdeckten zwei deutsche Archäologen, Hugo Winckler und Theodor Makridi, in Bogazkale eine Tafel mit einem längeren Text. Dieser Text war beiden inhaltlich bereits bekannt. Es handelte sich um eine Version des Friedensvertrages zwischen einem hethitischen Großkönig Hattusili und dem ägyptischen Pharao Ramses II.
Die eigentliche Entzifferung des Matarials und die Postulierung der Verwandschaft zu den indogermanischen Sprachen ist aber erst dem Tschechen Bedrich Hrozny 1915 zuzurechnen.
Zu dem umfangreichen Texten, deren Originale in der Hauptverwaltung der UNO in New York aufbewahrt werden, zählen neben dem bereits erwähnten Friedensvertrag auch religiöse und juristische Texte. Darunter auch eine Art Verfassung, die Telipinu um 1500 v. Chr. fixieren ließ.
Auf der überwiegenden Anzahl der in Bogazkale gefundenen Tontafeln ist auch Alltägliches notiert, z. B. Vorratslisten. Ihnen ist auch der hohe Anteil von Bezeichnungen alltäglicher Dinge am bekannten Wortschatz zu verdanken.
Die hethitischen Sprachdenkmäler und Textzeugnisse werden in drei Sprachstufen oder Epochen aufgeteilt, und zwar
- Althethitisch (1570 bis 1450 v. Chr.)
- Mittelhethitisch (1450 bis 1380 v. Chr.)
- Junghethitisch (1380 bis 1220 v. Chr.)
Sprachliche Besonderheiten
Eine Besonderheit stellt die - im Kreis der Liguisten nicht unumstrittene aber weit gehend akzeptierte - Laryngaltheorie dar. Diese unterstellt, das Vorkommen von mehreren Laryngalen (Kehlkopflauten, wie z. B. [h]) in der Grundpsrache. Einer dieser Laryngale ist im Hethtischen auch in der Schrift erhalten. Dort wird er mit dem Zeichen <h> wieder gegeben.
Entgegen der sonst bei indogermanischen Sprachen üblichen drei Genera (grammtisches Geschlecht) Femininum, Maskulinum und Neutrum unterscheidet das Hethtische nur zwei, und zwar Genus Commune und Genus Neutrum. Die Bezeichnungen stammen noch aus einer Zeit, in der man die - heute weit gehend widerlegte - These vertrat, das im Hethitischen Femininum und Maskulinum zu einen gemeinsamen (frz. commune) Genus verschmolzen sind. Heute geht man davon aus, dass das Hethitische einen viel älteren Zustand erhalten hat. Hiernach unterschied die indogermanische Grundsprache nur zwischen belebten Personen oder als belebt gedachte Sachen (Animata) und unbelebten Sachen (Inanimata). Im Hethitischen werden diese nahezu unverändert als Genus Commune (Animat) und Genus Neutrum (Inanimat) fortgesetzt. In den meisten übrigen indogermanischen Sprachen teilten sich die Animata später auf in Feminina (weibliches) und Maskulina (männliches Geschlecht). Diese grammatische Unterscheidung des Sexus (natürliches Geschlecht) ist dem Hethitischen fremd.
Literatur
- Friedrich, Johannes: Hethitisches Elementarbuch, 1. Teil Kurzgefaßte Grammatik, Winter, Heidelberg 1960
einzige deutschsprachige Darstellung der Grammatik, leider teilweise veraltet, aber immer noch brauchbar - Meier-Brügger, Michael: Indogermanische Sprachwissenschaft, 7. Aufl., De Gruyter, Berlin 2000. ISBN 3-11-014478-6
modernere Darstellung der gesamten Indogermanistik, leider nur unzureichende Infomationen zum Hethitischen - Held, Warren H. Jr.: Beginning Hittite, Slavica, Columbus 1988. ISBN 0-89357-184-9
englischsprachiges Grammatik- und Textbuch, sehr schlechter Satz und Druck, gute, aber sehr kurze Darstellung der Grammatik, die weniger die historische Dimension berücksichtigt
Weblinks
- weitere Weblinks
- Hethitologie Portal Mainzwww.hethitologie.de
Infomationen zur Hethitogie, enthält eine umfangreiche Sammlung von Biographien; darunter: Emil Forrer, Johannes Friedrich, Jürgen Seeher
- Suche nach Hethitische Sprache Infos mit: Yahoo
