www.infos-aus-germanien.infoBy Germanien | Startseite | Impressum | Sitemap | Webtips
 

Hominisation

www.infos-aus-germanien.info


Die Menschwerdung oder latinisiert die Hominisation bezeichnet die biologische und kulturelle Entwicklung des Menschen, die mit affenartigen Primaten begann und erst bei einem eventuellen Untergang der Menschheit abgeschlossen sein wird.

Die Menschwerdung begann nach heutigem Forschungsstand in Ost-Afrika, offenbar in mehreren Ansätzen und teilweise parallelen Zweigen. Zu den vielen ungelösten Fragen gehört, warum von allen Menschenformen (darunter der berühmte Neandertaler) nur der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) übrig blieb. Die Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung der Menschwerdung befasst, ist die Paläanthropologie. Ihre Geschichte ist durchzogen von der Suche nach dem fehlenden Glied, der die Übergänge von der einen in die andere Population (Art) erklären würde. Das Auffinden eines solchen Übergangsglieds ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, weil die Entstehung der einzelnen Zweige in zufälligen Veränderungen im Erbgut (Mutation), verursacht durch Fehler in der Erbsubstanz des genetischen Codes der Ursprungsart, nur bei einem oder bei nur wenigen Exemplaren (einer Kernfamilie) vermutet werden muss.

Treibende Kraft der Hominisation war möglicherweise das Zusammenwirken von aufrechtem Gang (dadurch freie Greifhände) und dem Zwang zur Kooperation in der Gruppe. Hieraus ist zuerst die Gebärdensprache und später die Wortsprache entstanden. Die Verständigung über Zeichen war Teil der Ablösung vom instinktgesteuerten Verhalten (z.B. Wegfall zeitlicher Grenzen der Paarungsbereitschaft) zugunsten kultureller Normen. Dadurch bekam die Evolution eine vorher nicht vorhandene Dimension.

Inhaltsverzeichnis

biologische Evolution

Nach anderen Theorien war der Anstoß eine weltweite klimatische Veränderung. Den aufrechten Gang kannten verschiedene Primatenformen schon vorher, sehr wahrscheinlich als Anpassung an eine Lebensform zwischen Baum und Boden. Während rein baumbewohnende Arten sich ebenso vierfüßig fortbewegen wie rein bodenbewohnende, ist eine Lebensweise, die einen Großteil ihrer Nahrungsquellen auf dem Boden findet, diese aber im Schutz der Bäume verzehrt, für eine aufrechte Fortbewegung prädestiniert ("präadaptiert").

Eine Klimaveränderung, ausgelöst durch die plattentektonische Hebung Ostafrikas, bewirkte nun eine weitgehende Versteppung des angestammten Lebensraums. Diese Grassteppe bot in erster Linie Nahrung für Grasfresser (Paarhufer, Wiederkäuer), die es vorher schon, meist in kleineren Formen, als Waldbewohner gab. Diese traten nun bald in großen Herden auf, und weil sie zahlreicher wurden, konnten sich auch Raubtiere und Aasfresser vermehren. Für den frühen Hominiden hatte diese Grassteppe nichts zu bieten.

Trotzdem gelang es zwei Formen, hier langsam Fuß zu fassen. Die eine Strategie war eine biologische Anpassung an das neue zellulosereiche Nahrungsangebot. Australopithecus robustus und andere Arten entwickelten als Anpassung eine gewaltige Kaumuskulatur und entsprechend mächtige Molaren, Molar (Zahn). Die Muskulatur setzte dabei an einem deutlich sichtbaren Knochenkamm auf dem Scheitel des Schädels an. Es gab verschiedene, meist mächtige und große Primaten, die diese ökologische Nische zu nutzen versuchten, die allerdings allesamt wieder ausstarben.

Der Mensch als Raubtier

Eine andere Strategie war die des Fleischfressers. In den Anfängen dürfte sich dies aber auf Aas und Beuteraub beschränkt haben, da der Mensch weder die Fähigkeit besaß, als Raubtier größere Beutetiere zu stellen, noch über Klauen oder Zähne verfügte, die geeignet gewesen wären, ein Beutetier zu töten oder aufzubrechen. Sehr wahrscheinlich kam es hier zum ersten Werkzeuggebrauch, in dem zufällig gefundene scharfkantige Steine dazu benutzt wurden, Beutetiere aufzubrechen. In dieser Phase der Evolution gab es also primitiven Werkzeuggebrauch und sehr wahrscheinlich auch einfache Formen der Kommunikation.

Der größte evolutionäre Schritt war dann aber wohl die Entwicklung der Jagd. Kommunikation und Waffen wurden dabei so weiterentwickelt, dass der frühe Mensch sein biologisches Manko durch kulturelle Leistungen aufhob und nun befähigt war, selbst zu jagen.

Aber damit war die biologische Evolution nicht abgeschlossen. Unter dem Selektionsdruck, Werkzeuge und Kommunikation zu verfeinern, und dem Angebot von reichlich hochwertigem Eiweiß waren höhere intellektuelle Fähigkeiten von Vorteil. Der Mensch entwickelte ein größeres Gehirn und ging vollends zum alleinigen aufrechtem Gang über. Da sich das weibliche Becken unter Einfluss des aufrechten Ganges aber nicht an den wachsenden Kopfumfang des Neugeborenen anpassen konnte, kamen diese zu einem biologisch immer weiter vorverlegten Termin, also immer weniger weit entwickelt und immer mehr und länger auf Brutpflege angewiesen, zur Welt. Zudem war mehr Zeit nötig, um die Fähigkeiten von den Erwachsenen zu erlernen (vertikale Proliferation im Gegensatz zur horizontalen Proliferation durch Vererbung). Die Evolution half mit der "Erfindung" der Pubertät. Die Entwicklung der Keimzellen wird für einige Jahre gestoppt, wodurch eine längere Zeit von Kindheit und Jugend entsteht, die es dem Menschen ermöglicht, alle überlebensnotwendigen Fähigkeiten zu erlernen. Ohne diese Phase wäre der Mensch mit ungefähr sechs Jahren geschlechtsreif (?).

Eine weitere biologische Anpassung war das Schwitzen. Die ersten Primaten regulierten ihre Körpertemperatur wie alle Säugetiere über die Atmung. Dies schränkte den Umfang der Wärmeabfuhr stark ein. Erst der Mensch nutzte zur Wärmeabfuhr den ganzen Körper und wurde damit in Punkto Ausdauer und Anpassungsfähigkeit den meisten Tieren überlegen. Außerdem ermöglichte das Schwitzen, auch unter großer Hitze oder Anstrengung die Kommunikationsfähigkeit über Sprache zu erhalten. Wirklich effektiv war die Fähigkeit zu schwitzen jedoch nur, wenn kein Fell die Luftzirkulation behinderte. In der Folge wurde der Mensch also weitgehend nackt, entwickelte später als Ersatz die schützende Kleidung, die ihm das Überleben in kälteren Regionen ermöglichte.

Sexuelle Evolution

Unter der Anpassung an seine neue Lebensweise veränderte sich auch das Sexualverhalten. Zum einen änderten sich die Attribute sexueller Attraktion. Für den Mann wurde eine Frau besonders attraktiv, wenn sie hohe Erfolgsaussichten bot, gemeinsame Nachkommen zu bekommen und erfolgreich groß zu ziehen. Die Attribute waren u.a.: Jugendlichkeit (große Augen im Verhältnis zum Kopf, (Kindchenschema, werden noch heute größer geschminkt), guter Ernährungszustand und die Fähigkeit zu stillen (große pralle Brust), aktuelle Fruchtbarkeit / Ovulation (unter dem Einfluss der Hormone werden die Lippen stärker durchblutet, prall und rot, Gesundheit (lange gesunde Haare, glatte gesunde Haut). Die männlichen Attribute sexueller Attraktion stehen dabei immer in einem Zwiespalt aus weiblicher Sicht: sie benötigt für die lange Phase der Brutpflege den Schutz und die Versorgung durch den Mann. Damit wäre der wirtschaftlich potenteste Mann der attraktivste, dieser ist aber nicht automatisch auch der genetisch beste Vererber. Somit kann das Weibchen wählen zwischen dem "attraktiven Halodri" = "Macho" oder dem "zuverlässigen Ernährer".

Unter den gegebenen Umständen haben beide Partner ein Interesse an einer monogamen Beziehung, zumindest bis die gemeinsamen Nachkommen selbständig sind. Das Weibchen muss sicherstellen, das ihr Partner ihr weiterhin zur Seite steht und sie versorgt. Das Männchen muss sichergehen, das seine Partnerin sich nicht auch mit anderen Männchen einlässt und er womöglich die Nachkommen eines Konkurrenten versorgt. Beide werden eifersüchtig. Gleichzeitig gewinnen auch Lug und Trug eine Rolle. Das Mänchen wird versuchen zu schwindeln, was seine wirtschaftliche Potenz und Treue angeht, um sich mit möglichst vielen Weibchen zu paaren und seinem Genom auf diese Weise einen Vorteil zu verschaffen. Das Weibchen schummelt natürlich ebenso, hilft bei der Attraktivität nach und gaukelt dem Mänchen Treue vor, während es sich nebenher mit dem attraktiven Halodri paart. (Auch heute kann man bei Frauen ein Verhalten beobachten, bei dem sie zum Zeitpunkt der Ovulation einen Hang zum Fremdgehen entwickeln, unter Verhaltensforschern "Gen-shopping" genannt.) Insgesamt lässt die weltweite Verteilung der y-chromosmalen (rein mänlich vererbten) und mitochondrialen (rein weiblich veerbten) DNA den Schluss zu, dass zumindest entwicklungsgeschichtlich Frauen weniger treu sind als Männer.

Der "Stammbaum" des Menschen

Man nimmt heute an, dass die Menschwerdung vor etwa 5 bis 7 Millionen Jahren in Afrika begann. Stammesgeschichtlich haben sich die Schimpansen zu dieser Zeit von der gemeinsamen Entwicklungslinie abgetrennt. Es entstanden zunächst die vermutlichen Vorläufer des Menschen, die Australopithecinen ("Südaffen").


Als ältester Vorfahr des Menschen gilt seit dem Fund aus dem Jahre 2000 im ostafrikanischen Rift Valley der sogenannte "Millenium Mann" der der Art Orrorin tugenensis angehörte. Die ältesten Hominiden-Fossilien sind ca. 4,4 Millionen Jahre alt. Sie gehören zu einer Art, die als Ardipithecus ramidus (von ramidus = die Wurzel) bezeichnet wird. Neben einer ganzen Reihe von Fossilien haben erst die Australopithecinen auch direktere Spuren hinterlassen: Bei Laetoli in der Olduvai-Schlucht in Tansania wurden Fußabdrücke gefunden, die von einem Australopithecus afarensis stammen und eindeutig den aufrechten Gang belegen.

Eines der besterhaltenen Australopithecinen-Skelette gehört ebenfalls zu einem Weibchen der Art Australopithecus afarensis. Es wurde von Donald Johanson und Tom Gray in Hadar in Äthiopien gefunden. Am selben Tag noch (dem 30. November 1974) wurde dieses Weibchen, 3,18 Millionen Jahre nach ihrer Geburt, auf den berühmt gewordenen Namen "Lucy" getauft. Die Legende sagt, dass den Entdeckern der Beatles-Song Lucy in the Sky with diamonds durch den Kopf gegangen war. Lucy befindet sich heute im Nationalmuseum von Äthiopien in Addis Abeba. Auch Lucy hat einiges zur Beweislage im Fall "Aufrechter Gang" beigetragen: Ihr Knochenbau zeigt eine Verdickung unter dem Kniegelenk (zum Abfangen des Körpergewichts beim Aufrechtgehen) und weist keine tiefe Grube mehr für die Elle im Ellbogen auf (wie bei Primaten, die sich mit den Fingerknöcheln beim Gehen abstützen).

Aus den Australopithecinen bildeten sich vor zwei bis drei Millionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung Homo hervor.

Hierbei handelt es sich um den Homo rudolfensis (benannt nach dem Rudolf-See in Kenia), den Homo habilis (der "geschickte" Mensch, für den bereits Werkzeugherstellung nachzuweisen ist) und den Homo ergaster. Über diese Arten ist noch wenig bekannt, die Fundsituation ist auch recht heterogen, und die Verwandtschaftsbeziehungen sind noch ungenügend geklärt.

Etwas klarer wird die Situation für den Zeitraum von vor ca. eineinhalb bis zwei Millionen Jahren, als der Homo erectus auftrat. Diese Menschenform ist die erste, die Afrika verlässt und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten beginnt.

Über die Weiterentwicklung bestehen wieder unterschiedliche Vorstellungen. Sicher ist, dass der Homo erectus vor noch nicht allzuanger Zeit ausgestorben ist. Die jüngsten Fossilien des Homo erectus, die in Java gefunden wurden, sind gerade mal 50.000 Jahre alt. Vor ca. 800.000 Jahren muss sich nun aber zum Homo erectus parallel eine zweite Form entwickelt haben, der Homo heidelbergensis. In der angloamerikanischen Forschung wird er als eigenständige Art klassifiziert, die europäische Forschung hält ihn eher für eine Unterart des Homo erectus.

Aus dem Homo heidelbergensis und/oder dem Homo erectus entwickelten sich zwei weitere Menschenformen: Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und der Homo sapiens, der heutige Mensch samt seinen direkten Vorfahren. Zwar ist man sich also über die Klassifizierung einzelner Funde nicht immer einig, aber es kann doch als gesichert gelten, dass der Homo heidelbergensis und/oder der Homo erectus, der Neandertaler und frühe Homo sapiens-Formen teilweise zur gleichen Zeit lebten.

Über die Ursprünge des Homo sapiens gehen die Meinungen ebenfalls auseinander: Entweder er hat sich in einer zweiten Welle von Afrika aus über die Welt verbreitet (die "Out of Africa"-Hypothese"), oder er hat sich quasi überall auf der Welt in lokalen Gruppen aus den dortigen frühen Menschen entwickelt, wobei sich diese lokalen Entwicklungen genetisch vermischten (die "Multiregionale" Hypothese). Genetische Befunde stützen vor allem die erste Variante, wenngleich eine Vermischung zwischen Homo sapiens und den späten Vertretern der anderen Arten nicht ausgeschlossen und für Einzelfälle wahrscheinlich ist.

Welche Hypothese auch immer die richtige ist, nachgewiesen ist: vor ca. 130.000 Jahren gibt es in Afrika den ersten modernen Menschen, den Homo sapiens. Vor etwa 100.000 Jahren tritt diese Art auch außerhalb Afrikas auf. Sie ist die einzige Menschenart, die Amerika (vor etwa 35.000 Jahren, nach mancher Ansicht jedoch wesentlich früher) und Australien (vor etwa 60.000 Jahren) besiedelt hat. Sie ist zugleich die letzte überlebende Art ihrer Familie.

In den Jahren 2000-2002 wurde die Fachwelt durch neue archäologische Funde erschüttert (www.nature.com Gleich vier neue Gattungen und ein halbes Dutzend neuer Arten kamen in den Sedimenten zum Vorschein. Beim geschichtlichen Einordnen unserer Ahnen wird auf das tradionelle Geäst zunehmend verzichtet.

Die fossilen Funde werden einerseits nach Alter, andererseits nach morphologischen Eigenschaften (Zähne und Gehirn) zusammengefasst. Die einzelnen Gruppen sind dabei überraschenderweise in gerade diesen Eigenschaften recht inhomogen: so hat der älteste Hominidenfund verblüffend moderne Merkmale hinsichtlich der zierlichen Zähne und des flachen Gesichtes.

Eine schematische und grobe Einteilung aus news.bbc.co.uk

  Homo Paranthropus Australopithecus Kenyanthropus Ardipithecus Orrorin Sahelantropus
0-x----------------------------------------------------------------------------------
  x
  x
  x
1-x----------------------------------------------------------------------------------
  x
  x
  x
2-x-----x----------------------------x-----------------------------------------------
        x            x               x
        x            x               x
        x            x               x
3-------x------------x---------------x-----------------------------------------------
        x            x               x
        x            x               x
                     x
4--------------------x---------------------------------------------------------------
                     x
                                                    x
                                                    x
5------------------------------------------------------------------------------------
                                                               x
                                                               x
6--------------------------------------------------------------x---------x-----------
                                                                         x
                                                                         x
                                                                         x
7------------------------------------------------------------------------x-----------
|
Millionen Jahre Vergangenheit


Literatur


Siehe auch: Evolutionsmodelle des Genoms, Vorfahren des Menschen, Paläanthropologie





Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Hominisation aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

Hunde