Identität
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Einordnung: Soziologie | Philosophie | Mathematik | Identifikationstechnik | Begriff
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Dieser Artikel behandelt die Identität von Personen. Für den gleichnamigen Film, siehe bitte Identität (Film).
Unter Identität (lat. identitas Wesenseinheit) eines Menschen (oder einer Sache) wird häufig die Summe der Merkmale verstanden, anhand derer wir uns (sie sich) von anderen unterscheiden. Diese Identität erlaubt eine eindeutige Identifikation im physiologischen Sinne.
| Inhaltsverzeichnis |
Identität bei Lebewesen
Um zu berücksichtigen, dass bei Lebewesen eine Änderung von Merkmalen nicht notwendig eine Änderung der Identität bedeutet – der Kater "Eugen" bleibt beispielsweise "Eugen", auch nachdem ihm die Nachbarskatze ein Ohr abbeißt –, bietet sich folgende Definition der Identität an:
Identität besitzt ein Lebewesen,
a) wenn es von anderen Lebewesen seiner Gattung unterscheidbar ist, und
b) wenn es auf eine Weise veränderlich ist, die diese Unterscheidung nicht unmöglich macht.
(Veränderlichkeit gilt als Wesensmerkmal von Lebewesen.)
Identität bei Menschen
Die Identität eines Menschen besteht darin, dass
a) dieser Mensch von anderen Menschen unterscheidbar ist, und
b) dieser Mensch als derselbe/dieselbe identifizierbar bleibt, auch wenn er/sie sich verändert.
Identität entsteht immer innerhalb eines Verhältnisses zwischen dem, was etwas ist und dem, was es nicht ist. Insbesondere wäre kein Mensch in der Lage, ohne andere Menschen eine Identität als Mensch zu entwickeln. Denn wir sind auf die Menschen, die wir nicht sind, angewiesen, um uns von ihnen unterscheiden und zugleich Mensch sein zu können. Insofern ist unsere persönliche Identität in ihrem Wesen sozial.
Da Identität auf Unterscheidung beruht und "Unterscheidung" ein Verfahren ist, das ein Ganzes untergliedert ("scheidet"), kann etwas nur als Teil eines Ganzen Identität erlangen. Daher wird verständlich, weshalb Menschen ihre Identität als bestimmte Menschen in einem Wechselspiel von "Dazugehören" und "Abgrenzen" entwickeln.
Psychische Identität
Die psychische Identität stellt keine wie auch immer geartete eindeutige Essenz oder ein unveränderliches Wesen dar. Im Gegenteil: Identität als psychologisches Konzept geht geradezu davon aus, dass sich ein Mensch mit etwas "identifiziert", also ein äußeres Merkmal einer bestehenden Gruppenidentität als sein eigenes Wesensmerkmal annimmt. In gewisser Hinsicht erscheint dies als notwendiger Prozess zur Heranbildung einer eigenen Persönlichkeit, aber es bleibt stets ein Element der Fremdbestimmung und Zuschreibung. So hat vielleicht jemand, der gerne homosexuellen Sex praktiziert, keine Lust, sich identitär als "lesbisch" oder "schwul" zu bezeichnen, wird jedoch dennoch von seiner Umgebung in diese Identität gedrängt.
Soziale Identität
Die soziale Identität wird einer Person durch die Gesellschaft zugeschrieben und umfasst alle Eigenschaften die diese Identität enthält. Eine soziale Identität ist eng mit der Übernahme bestimmter Rollen innerhalb einer (sozialen) Gruppe verbunden. Eine Rolle kann die berufliche Arbeit sein. Erotik ist auch soziale Identität!
Verändern der Identität
Ein Mensch verändert dann ihre/seine Identität, wenn
a) sie/er sich so verändert, dass dadurch Kriterien, anhand derer sie/er identifiziert wird, unbrauchbar werden, oder
b) einige Instanzen, welche die Identifizierung vornehmen, entfallen, oder einige Kriterien der Identifizierung geändert werden.
Beispiele für a)
- Cross-Gender: Identität als Mann oder Frau verändern
- Emanzipation: gemeinsam Identität entwickeln
Beispiele für b)
- Galileo Galilei: vom Ketzer zum bahnbrechenden Entdecker
- Emigration: vom Einheimischen zum Fremden
Verlust der Identität
Für Menschen ist ein ungewollter Identitätsverlust psychisch ein großes Problem, denn sämtliche Gruppenzugehörigkeiten (Familie, Volk, Kollegen ...) sind damit verloren. Die Person identifiziert sich nicht mehr mit diesen Gruppen und wird so physisch und psychisch isoliert.
Im Feminismus und anderen Strömungen wird der Ausbruch aus einer festgelegten Identität allerdings auch positiv bewertet: weibliche Identität wird nicht mehr als Ideal empfunden, sondern als fremdbestimmtes Set von Verhaltensmustern, Stereotypen und Erwartungen. Männlichkeit oder "nationale Identität" erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist eben oftmals auch eine Integration durch Zwang, der Ausbruch aus der identitären Festlegung ein Akt der Emanzipation. Ziel dieser Emanzipation ist nicht die Isolation, wohl aber die Sprengung von fremdbestimmten Identitäten - hier bewusst im Plural, denn ein Individuum verkörpert stets mehrere sich überschneidende Identitäten: als Mann, als Europäer, als Intellektueller... etc.
Allgemein verliert ein Mensch dann ihre/seine Identität, wenn
a) sie/er sich so verändert, dass wesentliche Kriterien entfallen, anhand derer sie/er identifiziert wird, oder
b) wesentliche Instanzen, welche die Identifizierung vornehmen, entfallen oder wesentliche Kriterien der Identifizierung geändert werden.
Beispiele für a)
- Anonymität: Identität unkenntlich machen
- Sterben, sofern personale Reinkarnation geleugnet wird
Beispiele für b)
- Sterben, sofern eine göttliche identifizierende Instanz geleugnet wird
- Amnesie: Verlust psychischer Identität durch Wegfall der Erinnerung als wesentliche Instanz der Selbstidentifizierung
- Autismus: ohne Beziehung zu Menschen leben (eigentlich geht psychische Identität hier nicht verloren, sondern entwickelt sich gar nicht erst)
Diebstahl der (elektronischen) Identität
Besonders in den USA wird "Identitätsklau" immer mehr zu einem Problem. In Zeiten, wo man seine Nachbarn nur über die E-Mail-Adresse identifiziert, grassiert der Diebstahl derartiger Merkmale, wozu auch Kreditkartennummern und besonders die Sozialversicherungsnummer gehören. An manchen US-Universitäten wurden bereits Clearing-Stellen für Identitätsklau eingerichtet.
siehe auch: Person, Selbstbild, Soziale Identität, Phishing
Identität in der Mathematik
"Gleichungen zwischen arithmetischen Ausdrücken"
Sind <math>A_{1}<math> und <math>A_{2}<math> arithmetische Ausdrücke, so heißt die Zeichenreihe <math>A_{1}<math>= <math>A_{2}<math> eine Gleichung. Eine Gleichung <math>A_{1}<math>= <math>A_{2}<math> heißt allgemeingültig oder auch Identität genau dann, wenn für jede Belegung <math>\phi<math> gilt:
Wert(<math>A_{1}<math>,<math>\phi<math>) <math>\in<math> R,
Wert(<math>A_{2}<math>,<math>\phi<math>) <math>\in<math>R und
Wert(<math>A_{1}<math>,<math>\phi<math>)= Wert(<math>A_{2}<math>,<math>\phi<math>).
Anmerkung : Das Zeichen = tritt in dieser Definition in zwei unterschiedlichen Bedeutungen auf, und zwar einmal als syntaktisches Zeichen zwischen den Ausdrücken <math>A_{1}<math> und <math>A_{2}<math> und zum andern als Bezeichnung der Gleichheit in R.
Wir beschränken uns bei dieser Bemerkung zur Identität auf eine Interpretation arithmetischer Ausdrücke über dem Körper der reellen Zahlen R. Die Interpretation der arithmetischen Ausdrücke erfolgt durch eine eindeutige Abbildung, «Wert», die in Abhängigkeit von einer Belegung <math>\phi<math> gewisse arithmetische Ausdrücke in die Menge R der reellen Zahlen abbildet. Das Bild eines solchen Ausdrucks A (also die ihm zugeordnete Zahl) heißt Wert von A bei der Belegung <math>\phi<math>, bezeichnet mit Wert(A,<math>\phi<math>) <math>\in<math> R.
Identitäten werden oft notiert mit einem Gleichheitszeichen, das nicht aus zwei, sondern drei Strichen besteht (<math>\equiv<math>).
Stichworte sind: Unterschied von (semantischer ) Gleichheit und (syntaktischer) Identität logischer Formeln; Gleichheit ; Identische Funktion.
siehe auch Philosophie: Identitätssatz, Satz vom ausgeschlossenen Dritten (zur Motivation des Mengenbegriffs beispielsweise R).
Identität von Begriffen
Der Ausdruck identische Begriffe bezeichnet Begriffe, die ein und denselben Begriffsumfang besitzen, d.h. die ein und denselben Gegenstand widerspiegeln.
In diesem Zusammenhang bezeichnet ( lat.) identitatis notionum die Beziehung der Identität zwischen Begriffen.
Identität im Recht
Im Kontext des Rechts bezeichnet Identität die Übereinstimmung der personenbezogenen Daten mit einer natürlichen Person. Diese Identität kann formal durch deine rechtsverbindliche Identitätsfeststellung bestimmt werden. Der rechtswidrige Missbrauch der persönlichen Daten einer natürlichen Person wird als Identitätsdiebstahl bezeichnet.
Bibliographie (Auswahl)
Dülmen, Richard van (Hrsg.) (2001). Entdeckung des Ich: Die Geschichte der Individualisierung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Köln: Böhlau.
Frey, Hans-Peter (Hrsg.) (1987). Identität. Entwicklungen psychologischer und soziologischer Forschung. Stuttgart: Enke.
Gurjewitsch, Aaron J. (1994). Das Individuum im europäischen Mittelalter. München: C. H. Beck.
Belletristik
Kundera, Milan (1998). Die Identität. München, Wien: Carl Hanser. ISBN 3596143578
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