Klebstoff
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Klebstoff ist ein Prozesswerkstoff, der zum Kleben verwendet wird.
Nach DIN EN 923 wird ein Klebstoff als "Nichtmetallischer Werkstoff, der FĂŒgeteile durch FlĂ€chenhaftung (siehe AdhĂ€sion) und innere Festigkeit (siehe KohĂ€sion) verbinden kann" definiert.
Obwohl es auch Klebstoffe auf Basis anorganischer Substanzen gibt, wie beispielsweise Wasserglas (Natrium- beziehungsweise Kaliumsilikat) oder die Produkte auf Basis von Zement, ist die ĂŒberwiegende Mehrzahl der heute eingesetzten Klebstoffe den organischen Substanzen zuzuordnen.
| Inhaltsverzeichnis |
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3.1 Lösemittelhaltige Nassklebstoffe |
Geschichte
Schon vor 6000 Jahren verwendeten die Mesopotamier Asphalt zu Bauzwecken. 3000 v.Chr. kannten die Sumerer das Herstellen von Leim aus tierischen HĂ€uten und etwa 1500 v.Chr. verwendeten die Ăgypter tierische Leime fĂŒr Furnierarbeiten. Das "Kleben" ist somit eine der Ă€ltesten Techniken und auch eines der modernsten FĂŒgeverfahren.
Einteilung der Klebstoffe
In der Bio- und TechnosphĂ€re wird eine groĂe Anzahl unterschiedlicher Klebstoffarten verwendet. Die verschiedenen Klebstoffarten lassen sich zum einen nach der chemischen Basis und zum anderen nach dem Verfestigungsmechanismus einteilen.
nach der chemischen Basis
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Einteilung der Klebstoffe nach der chemischen Basis | ||||
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<p align="center">Klebstoffe | ||||
| organische Verbindungen | Silicone | anorganische Verbindungen | ||
| natĂŒrliche Basis | synthetische Basis |
<p align="center"> | ||
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<p align="center">Proteine (Leim, Kasein) |
<p align="center">Kohlenwasserstoff- | keramische Bestandteile, | ||
nach dem Verfestigungsmechanismus
Die Einteilung in Duromere, Thermoplaste und Elastomere, wie sie bei Kunstoffen ĂŒblich ist, ist bei Klebstoffen wenig sinnvoll. Es gibt Klebstoffe (besonders bei den Polyurethanen), die als Duromere, Elastomere und Thermoplaste aushĂ€rten. Ein besseres Ordnungskriterium ist die Art und Weise wie sich der Klebstoff verfestigt - somit nach dem Abbindemechanismus, also physikalisch oder chemisch.
| Einteilung der organischen
Klebstoffe und Silicone nach dem Verfestigungsmechanismus | |
| physikalisch abbindende Klebstoffe | chemisch hÀrtende Klebstoffe |
| Schmelzklebstoffe Lösemittelhaltige Nassklebstoffe | Polymerisationsklebstoffe Cyanacrylatklebstoffe (Sekundenkleber) |
| Polykondensationsklebstoffe Phenolformaldehydklebstoffe | |
| Polyadditionsklebstoffe | |
Physikalisch abbindende Klebstoffe
Hierunter versteht man solche Klebstoffe, bei denen bereits der fertige Klebstoff, das heiĂt das Polymer an sich, in die Klebefuge eingebracht wird. Dazu wird ein physikalisches Verfahren angewendet, das den Klebstoff zunĂ€chst in eine verarbeitbare Form bringt, um ihn spĂ€ter im Klebespalt wieder verfestigen zu lassen.
Lösemittelhaltige Nassklebstoffe
Bei lösemittelhaltigen Nassklebstoffen liegt das Polymer in organischen Lösemitteln gelöst vor und wird so appliziert. Das FĂŒgen findet zu einem Zeitpunkt statt, bei dem noch genĂŒgend Lösemittel in der Klebschicht vorhanden ist, um eine Benetzung der zweiten FĂŒgeteiloberflĂ€che zu gewĂ€hrleisten. Durch Verdunsten der Lösemittel bindet der Klebstoff ab, das heiĂt er wird zunĂ€chst zĂ€her und verfestigt sich schlieĂlich durch die Ausbildung physikalischer Wechselwirkungen zwischen den Polymerketten.
Lösemittelhaltige Nassklebstoffe können auch zum Diffusionskleben (KaltschweiĂen) thermoplastischer Kunststoffe verwendet werden. Dabei werden beide KlebflĂ€chen mit dem Klebstoff bestrichen, der ein Lösemittel enthĂ€lt, welches imstande ist, die OberflĂ€che der FĂŒgeteile anzulösen. Nach kurzer Einwirkzeit werden die beiden FĂŒgeteile unter Druck gefĂŒgt, wodurch sich die durch das Lösemittel freigelegten Polymerketten der angelösten OberflĂ€che - Ă€hnlich wie die Borsten zweier BĂŒrsten, die ineinander gedrĂŒckt werden - durchdringen und miteinander verschlaufen. Nach Entweichen des Lösemittels entsteht so nach einiger Zeit eine Verbindung, die rein auf KohĂ€sionskrĂ€ften beruht.
Dispersionsklebstoffe
Dispersionsklebstoffe nutzen Wasser als mobile Phase, in der die Klebstoffbestandteile als Dispersion vorliegen. Nach Aufbringen auf die zu verklebende FlĂ€che bricht die Dispersion durch Verdampfen des Wassers oder VerĂ€nderung des pH-Wertes, bildet einen Film und kann die beiden FĂŒgeteile so verbinden.
Die wĂ€Ărigen Dispersionsklebstoffe werden heute vielfĂ€ltig als Ersatz der Lösemittelklebstoffe verwendet, da sie nicht wie diese brand- und explosionsgefĂ€hrlich sind und auch keine gesundheitsbeeintrĂ€chtigenden Lösemittel freisetzen. Nachteil ist allerdings, dass wasserbasierte Klebstoffe zum Abbinden lĂ€ngere Zeit oder mehr Energie benötigen. AuĂerdem sind Dispersionsklebstoffe frostempfindlich.
Schmelzklebstoffe
Schmelzklebstoffe - oft auch als "Hotmelt" bezeichnet - sind bei Raumtemperatur fest und werden durch Aufschmelzen verarbeitbar. Die heiĂe Klebstoffschmelze wird auf das zu verklebende Teil aufgebracht und sofort mit dem zweiten Teil innerhalb der Offenzeit gefĂŒgt. Unmittelbar nach dem AbkĂŒhlen und Erstarren des Klebstoffs ist die Verbindung fest und funktionsfĂ€hig. Dies ermöglicht in Produktionsprozessen sehr schnelle Taktzeiten und unmitttelbares Weiterverarbeiten.
FĂŒr den Hobby- und Kleinanwender kommen Schmelzklebstoffe in Form von Klebekerzen (Klebesticks) in den Handel, die mit Schmelzklebepistolen verarbeitet werden können. Bei technischen Anwendungen werden sie auch in Form von Granulaten oder Blöcken mit Hilfe von SchmelzgerĂ€ten und nachgeschalteten Auftragsköpfen verarbeitet.
Schmelzklebstoffe sind lösemittelfrei, jedoch ist ihr Einsatz wegen der hohen Verarbeitungstemperaturen auf temperaturresistente Werkstoffe beschrĂ€nkt. Andererseits verhĂ€lt sich der Klebstoff reversibel, das heiĂt bei Temperaturerhöhung wird er wieder weich und besitzt daher nur eine eingeschrĂ€nkte WĂ€rmebestĂ€ndigkeit. (siehe auch reaktive Schmelzklebstoffe)
Kontaktklebstoffe
Kontaktklebstoffe können sowohl Lösemittelklebstoffe oder auch Dispersionsklebstoffe sein, die im Kontaktklebeverfahren verarbeitet werden.
Dazu werden zunĂ€chst beide KlebeflĂ€chen gleichmĂ€Ăig mit Klebstoff bestrichen. Dann lĂ€sst man den Klebstoff so lange ablĂŒften, bis der Klebefilm sich trocken anfĂŒhlt, das heiĂt bei der Fingerprobe keine FĂ€den mehr zieht und nur noch eine geringe Soforthaftung aufweist. Im nĂ€chsten Schritt mĂŒssen die KlebeflĂ€chen innerhalb der offenen Verarbeitungszeit exakt zusammengefĂŒgt werden. Eine Korrektur ist nicht möglich. Um eine gute Verklebung zu erzielen, ist es nötig, die KlebeflĂ€chen kurz unter möglichst hohem Druck zusammenzupressen. Ist ein Substrat flexibel, bedient man sich am besten einer Rolle, mit der ein hoher Liniendruck erzielt werden kann. Die Klebung ist sofort nach dem FĂŒgen belastbar. Die Endfestigkeit wird nach einigen Tagen erreicht.
Haftklebstoffe
Auf eine Sonderform der Applikation abgestimmt sind die Haftklebstoffe, die nach dem Auftragen dauerklebrig bleiben und dann durch Druck auf ein Substrat aufgebracht werden können und dort haften bleiben. Anwendung finden sie als Beschichtung von KlebebÀndern, Selbstklebeetiketten usw.
Plastisole
Bei Plastisolen sind in der Verarbeitungsform kleine feste PolymerkĂŒgelchen in einer flĂŒssigen Phase verteilt. Nach dem Applizieren wird das Plastisol durch WĂ€rmezufuhr geliert. Bei diesem Vorgang nehmen die PolymerkĂŒgelchen die FlĂŒssigkeit - meist ein Weichmacher - auf, quellen und verwachsen so zu einer homogenen Schicht. HĂ€ufig verwendet werden beispielsweise PVC-Plastisole im Automobil-Bau als Nahtabdichtung oder Unterbodenschutz. Nicht nur wegen dieser AnwendungsfĂ€lle, sondern auch auf Grund der geringen Festigkeit und gleichzeitig hohen ElastizitĂ€t sind Plastisole schon mehr den Dichtstoffen zuzuordnen.
Chemisch hÀrtende Klebstoffe
Bei chemisch hĂ€rtenden Klebstoffen, oft auch Reaktionsklebstoffe genannt, werden die einzelnen chemischen Bausteine fĂŒr den Klebstoff im richtigen VerhĂ€ltnis in die Klebefuge eingebracht. Die Verfestigung erfolgt danach durch chemische Reaktion der Bausteine miteinander.
GrundsÀtzlich unterscheidet man bei den Reaktionsklebstoffen zwischen zwei- (oder mehr-) komponentigen und ein-komponentigen Systemem. (Siehe auch Kunstharz)
Bei 2-Komponenten-Klebstoffen (kurz: 2K-Klebstoffe) hat der Verarbeiter einen Klebstoff bestehend aus getrennten Bestandteilen, A- und B-Teil oder Harz und HĂ€rter genannt, die vor der Applikation im korrekten VerhĂ€ltnis intensiv vermischt werden mĂŒssen. Durch das Mischen startet die chemische Reaktion zwischen den zuvor separat vorliegenden Bausteinen zum Klebstoffpolymer. Dies bedingt, dass 2K-Klebstoffe nur innerhalb der sog. Topfzeit verarbeitbar sind. Durch die fortschreitende Reaktion wird die angemischte Masse immer zĂ€her und fester und kann schlieĂlich nach Ăberschreiten der Topfzeit (= max. mögliche Verarbeitungszeit) die zuverbindenen OberflĂ€chen nicht mehr benetzen. Nach dem Einbringen des Klebstoffs in die Fuge folgt die Abbindezeit, in der sich die Endfestigkeit der Verklebung aufbaut. Diese AushĂ€rtezeit wird stark von Ă€uĂeren EinflĂŒssen, besonders der Temperatur, beeinflusst. Temperaturerhöhung fĂŒhrt zu einer schnelleren Reaktion und meist auch einer höheren Festigkeit, wĂ€hrend kĂŒhlere Temperaturen die Reaktionsgeschwindigkeit herabsetzen.
Bei 1-Komponenten-Klebstoffen (1K-Klebstoffen) wird eine schon gebrauchsfertig verkaufte Klebemasse in den Klebespalt gebracht. Der Klebstoff hÀrtet dann durch VerÀnderung der Umgebungsbedingungen aus; dies kann beispielsweise durch Temperaturerhöhung, Zutritt von Luftfeuchtigkeit, Ausschluss von Luftsauerstoff oder Kontakt mit der SubstratoberflÀche geschehen.
Die Unterscheidung nach der Art der chemischen Reaktion - Polymerisation, Polykondensation oder Polyaddition - ist fĂŒr den Anwender von geringerer Bedeutung.
Cyanacrylat-Klebstoffe
Cyanacrylat-Klebstoffe sind im allgemeinen besser bekannt unter dem Begriff "Sekundenkleber". Es handelt sich dabei um dĂŒnnflĂŒssige oder bewusst eingedickte Ester der CyanacrylsĂ€ure, die in 1K-Form als Monomere in den Handel kommen und durch Polymerisationsreaktion im FĂŒgespalt zum eigentlichen Klebstoffpolymer reagieren. Voraussetzung fĂŒr den Start der AushĂ€rtung ist das Vorhandensein polarer Gruppen, beispielsweise die OH-Ionen in der Feuchtigkeitsschicht an der FĂŒgeteiloberflĂ€che. Die Polymerisation lĂ€uft dann sehr schnell ab, so dass in Sekunden eine feste Verbindung hergestellt ist. Bevorzugte Substrate sind Metalle, Glas oder Keramik, die einen extrem dĂŒnnen Klebespalt ermöglichen. Um etwas breitere Spalten zu fĂŒllen, wird durch Zusatzmittel die ViskositĂ€t angehoben. Solche Typen werden bevorzugt zum Verkleben von EPDM-Gummidichtungen eingesetzt.
Verklebungen mit Cyanacrylat-Klebstoffen sind nicht feuchtigkeits- oder temperaturstabil, da unter diesen Bedingungen das Polymer wieder gespalten wird. Spezielle Ester der CyanacrylsÀure finden auch in der Medizin zum Wundverschluss statt des NÀhens Anwendung. Durch die feucht-warmen Umgebungsbedingungen lösen sich diese Verklebungen wieder langsam auf.
Den Effekt, dass Haut und Augenlider sehr schnell verklebt werden können, findet man als Warnung auf jeder Packung. Als Erste Hilfe bei Hautverklebungen wird empfohlen, mit warmen Seifenwasser und stumpfen GegenstÀnden die Verklebung zu lösen. Der Klebstoff löst sich mit der Zeit langsam von selbst.
Methylmethacrylat-Klebstoffe
Methylmethacrylat-Klebstoffe sind zwei-komponentige Reaktionsklebstoffe, bei denen das eingesetzte Monomer - der Methylester der MethacrylsĂ€ure - durch radikalische Kettenreaktion polymerisiert wird. Zum Start der Polymerisationsreaktion wird ein reaktives Radikal benötigt, das meist aus einem Peroxid entsteht, wenn man diesem einen Beschleuniger zusetzt. Das heiĂt, letztendlich benötigt man nur fĂŒr das Starten der Radikalreaktion das 2K-System, bei dem Peroxid und Beschleuniger zusammenkommen und die Startradikale bilden.
Man kann daher sowohl das Peroxid im Methylmethacrylat-Monomer als eine Komponente als auch den Beschleuniger gelöst im Basis-Monomer als zweite Komponente in den Handel bringen. Durch Mischen beider Komponenten wird die Radikalkettenreaktion initiiert und der Klebstoff hÀrtet durch.
Eine andere Variante bringt das gesamte Monomer und das Peroxid in eine Komponente und verwendet als zweite Komponente nur noch den Beschleuniger. Hierdurch kann das vorangehende Mischen der beiden Komponenten (und die damit verbundene Topfzeit) entfallen, wenn auf ein FĂŒgeteil die Hauptkomponente und auf das andere FĂŒgeteil der Beschleuniger aufgetragen werden. Durch ZusammenfĂŒgen der FlĂ€chen kommen die beiden Komponenten in Kontakt und die Radikalreaktion startet.
Methylmethacrylat-Klebstoffe werden hauptsÀchlich zur strukturellen Verklebung von Metallen eingesetzt.
Anaerob hÀrtende Klebstoffe
Diese Gruppe von Klebstoffen wird als 1K-System angewendet. Die eingesetzten Monomere von (modifizierten) AcrylsÀure-Estern hÀrten ebenfalls nach einem Radikalketten-Mechanismus Àhnlich den Methylmethacrylaten aus. Das Besondere dabei ist, dass die HÀrtereaktion nur unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerob) startet, wenn der Klebstoff in einer engen metallischen Klebfuge von der Umgebungsluft abgeschlossen wird. Aus diesem Mechanismus ergibt sich das Hauptanwendungsgebiet dieser Klebstoffsorte als Schraubensicherung und zur Wellen- und Flanschverklebungen praktisch von selbst.
StrahlenhÀrtende Klebstoffe
Ebenfalls durch radikalische Polymerisation hĂ€rten diese 1K-Klebstoffe zu festen Polymeren, wobei die Bildung der Startradikale durch Bestrahlung mit UV-Licht (oder anderen Strahlenquellen wie Elektronen) hervorgerufen wird. Die WellenlĂ€nge des UV-Lichts muss dabei genau auf das eingesetzte Klebstoffsystem abgestimmt sein; auĂerdem muss mindestens eines der FĂŒgeteile fĂŒr die Strahlen transparent sein.
Phenol-Formaldehydharz-Klebstoffe
Wie schon der Name dieser Klebstoffgruppe sagt, sind die Basis-Bausteine Phenol (oder Phenol-Derivate) und Formaldehyd, die zu einem Polymer kondensiert werden. Dies war eine der ersten Reaktionen, die zu einem "Kunststoff" (Bakelite) fĂŒhrte. In der Klebetechnik setzt man eine Mischung aus Phenol-Formaldehyd-Harz, das noch nicht hochmolekular polymerisert ist, und einen Formaldehyd-Lieferanten ein. Dieses Gemisch bringt man als Lösung oder auch als Pulver in die Klebefuge ein und setzt die quasi unterbrochene Kondensationsreaktion durch Temperaturerhöhung auf ca. 160 bis 180°C fort. Da hierbei als Abspaltprodukt Wasser entsteht, mĂŒssen die FĂŒgeteile gut zusammengepreĂt werden.
Der resultierende Klebstoff hat eine gute TemperaturbestĂ€ndigkeit, weshalb man dieses System besonders fĂŒr temperaturbelastete Metall-Verklebungen nutzt. Ein groĂes Einsatzgebiet ist beispielsweise die Verklebung von ReibbelĂ€gen, die als Bindemittel ebenfalls Phenol-Formaldehyd-Harze enthalten, auf die MetalltrĂ€ger bei der Fertigung von Kupplungen und BremsbelĂ€gen.
Silicone
Silicon-Polymere unterscheiden sich grundsĂ€tzlich von den anderen hier behandelten Polymertypen, da das RĂŒckgrat der Silicone nicht wie bei den ĂŒblichen organischen Polymeren aus Kohlenstoffketten ausgebaut ist. Vielmehr wechseln sich in der Hauptkette Silicium- und Sauerstoff-Atome ab. Nur in den Seitenkette tragen diese Polymere organische Strukturen.
FĂŒr die Kleb- und Dichtsysteme werden sog. PrĂ€-Polymere (also Polymere, die sich noch in einem Vorstadium zu einem richtigen Polymer befinden) eingesetzt, deren Kettenenden durch funktionelle Gruppen so gestaltet sind, daĂ sie unter Einwirkung von Luftfeuchtigkeit (bei 1-komponentigen Siliconen) oder nach Zugabe eines HĂ€rters (2K-Systeme) zu einem hochmolekularem Polymer vernetzen.
Anwendungsgebiete sind heutzutage weniger Klebstoffe als vielmehr Dichtstoffsysteme, wie man sie z.B. als SanitÀrsilicone kennt.
Polyimid-Klebstoffe
Epoxidharz-Klebstoffe
Epoxidharz-Klebstoffe sind zweikomponentig aus Harz und HĂ€rter aufgebaut. Als Epoxidharz werden Polymerbausteine verwendet, die am Ende sog. Epoxidgruppen tragen. Meist werden dazu die Reaktionsprodukte aus Bisphenol-A und Epichlorhydrin eingesetzt, die nach dem Vermischen mit dem HĂ€rter, der Amino- oder Mercaptogruppen enthĂ€lt, einen stabilen Duroplasten bilden. Die AushĂ€rtereaktion kann sowohl bei Raumtemperatur als auch bei höherer Temperatur vorgenommen werden. Im letzteren Fall werden ĂŒblicherweise höhere Festigkeiten der Klebung erzielt. Da der ausgehĂ€rtete Klebstoff eine sehr hohe KohĂ€sion besitzt, wendet man diese Klebstoff-Klasse hĂ€ufig fĂŒr strukturelle Verklebungen z.B. im Fahrzeug- und Flugzeugbau an.
Eine Besonderheit sind einkomponentige Epoxidharzklebstoffe, bei denen schon in der Herstellung Harz- und HĂ€rterkomponente im korrekten VerhĂ€ltnis miteinander vermischt wurden und die erst nach Temperaturerhöhung reagieren. Diese finden insbesondere in der Automobilindustrie als sogenannte Rohbauklebstoffe Anwendung, wo man sie vor dem Lackiervorgang in die Klebefugen appliziert und sie durch den anschlieĂenden LackierprozeĂ bei Temperaturen von 140 bis 180°C zum AushĂ€rten bringt.
Polyurethan-Klebstoffe
Geschichte
Auf der Suche nach neuen und besseren Klebstoffen fĂŒr die Buchbinder wurde erstmals 1985 ein neues Klebstoffsystem vorgestellt. Die Grundlage fĂŒr dieses System sind Polyether oder Polyester, wobei Polyurethan als PrĂ€polymer zur Anwendung kommt. Ihre besondere Eigenschaft ist das Festwerden bei Raumtemperatur und das Reagieren auf Feuchtigkeit.
1.Generation (1988 auf der DRUPA)
2.Generation (1996 auf der DRUPA)
3.Generation (2000 auf der DRUPA)
4.Generation (aktuell)
Vorteile
GegenĂŒber Hotmelt und Dispersionleimen ist PUR ein wahres wunder. Durch den fehlenden Feuchtigkeitsanteil können Papiere mit falscher Laufrichtung problemlos verarbeitet werden. Sogar bedruckte oder gar hoch satinierte Papiere lassen sich problemlos binden. Mit einem Strichauftrag von (theoretisch) 0,01mm ist PUR der sparsamte Klebstoff. In der Praxis jedoch ist es nicht möglich unter 0,03mm aufzutragen.
Die PUR-Schmelzklebstoffe sind sehr witterungsbestÀndig. Bei Temperaturen von -40° Celsius bis +100° Celsius sind sie stabil.
Nachteile
In den PUR-Klebstoffen könne folgende Grundbausteine enthalten sein :
Verwendung
Im Haushalt wird meist Alleskleber verwendet.
In der Bauchemie werden neuerdings auch Metall-Metall-Verbindungen oder Glasscheiben geklebt.
NatĂŒrliche Klebstoffe sondern beispielsweise SaugwĂŒrmer und die Miesmuschel ab. Ebenso sind die FangfĂ€den im Spinnennetz mit Leimtropfen besetzt.
Literatur
- Industrieverband Klebstoffe e.V. Handbuch Klebstoffe 1998/2000, ISBN 3-528-26004-1
- Wilhelm Endlich Kleb- und Dichtstoffe in der modernen Technik â ein Praxishandbuch der Kleb- und Dichtstoffanwendung, Vulkan-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-8027-2183-7, 279 Seiten
- G. Gierenz und F. Röhmer: Arbeitsbuch Kleben und Klebstoffe, Cornelsen/Henkel 1989, ISBN 3-590-12939-5 (vergriffen)
- Klebstoffe â Theorien und Experimente (Themenheft Praxis der Naturwissenschaften â Chemie, 7/38), Aulis Verlag 1989, Restexemplare (zu bestellen: Tel.: 0221/95 14 54-22)
- Gerd Habenicht Kleben. Leitfaden fĂŒr die praktische Anwendung und Ausbildung, Vieweg Verlag Wiesbaden, 1995, 148 S., ISBN 3-528-04969-3
- Gerd Habenicht Kleben. Grundlagen, Technologie, Anwendungen, 3. Auflage 1997, 893 S.,Springer Verlag Heidelberg, ISBN 3-540-62445-7
- Gerhard Fauner / Wilhelm Endlich Angewandte Klebstechnik, MĂŒnchen, Wien, 1979 ISBN 3-446-12767-4
- E. Schindel-Bidinelli, Strukturelles Kleben und Dichten, MĂŒnchen, 1988
- Irving Skeist, Handbook of Adhesives. 3rd. edition, 1990 (in Englisch)
- Hermann Onusseit: Klebstoffe der Natur: Anwendung und Perspektiven fĂŒr die Technik. Biologie in unserer Zeit 34(5), S. 307 - 314 (2004), ISSN 0045-205X
Weblinks
- weitere Weblinks
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