Kreolisierung
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Kreolisierung ist ein Begriff der verwendet wird zur Beschreibung der historisch-kulturellen Prozesse, aus den hervorgehen:
- Kreolsprachen
- kreolische Kultur
- kreolische Gesellschaft
Kreolisierung leitet sich ab von Kreole (altportugiesisch: Crioulo; Zögling, Kleinvieh) und wird gleichermaßen verwendet für:
- in der Kolonie geborene Nachfahren der Kolonialherren.
- die Nachfahren aus dem familiären Zusammenleben europäischer Männer mit kolonisierten oder versklavten Frauen.
Zur unterschiedlichen Bedeutung in ehemals portugiesisch, spanisch und britisch kolonisierten Regionen siehe: Kreolen
Kreolsprachen
Der Begriff der Kreolisierung wurde in der Kreolistik geprägt, jenem Zweig der Sprachwissenschaften, die sich mit den Pidgin- und Kreolsprachen beschäftigt.
Definition:
- Pidgins sind Kommunikationssysteme zwischen Menschen, die miteinander sprechen wollen, aber keine gemeinsame Sprache sprechen.
So waren aus verschiedenen Ethnien verschleppte Sklaven gezwungen, sich ad hoc in einer vorwiegend aus Worten der Kolonialherren konstruierten Notsprache zu verständigen. Pidgin ist immer Zweitsprache und niemals Muttersprache.
In den Folgegenerationen wird aus einem Pidgin eine Kreolsprache, wenn das Pidgin der Eltern zur Muttersprache wird. Grammatik und Wortschatz verfeinern sich.
Bedingungen, welche die Entstehung einer Kreolsprache befördern:
- langfristiges Bestehen des (zwangsweisen) Zusammenlebens
- geographische und /oder gesellschaftliche Isolation
Im historischen Beispiel der frühen Kolonialgeschichte der ältesten kreolischen Kultur Kap Verde ab 1460 kamen nicht nur die afrikanischen Sklaven aus verschiedenen Sprachgruppen. Auch die Europäer waren aus ganz Südeuropa zusammengewürfelt, unter ihnen Portugiesen, Katalanen und Italiener und von der Inquisition entrechtete sefardische Juden sowie Flüchtlinge aus den Emiraten der iberischen Halbinsel.
Kreolische Kultur
Definition:
- Kreolisierung beschreibt einen Prozess der Übernahme fremder Kulturen, der entsteht wenn eine fremde Kultur auf eine traditionelle lokale Kultur trifft. Inhalte und Formen der fremdem Kultur werden in Teilen angenommen und an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Die dabei entstehende Kreolkultur gleicht weder der alten Lokalkultur noch der fremden, sondern formt eine eigene Kultur. In großem Maße trat das Phänomen zuerst im Zuge des Kolonialismus in den eroberten Kolonien auf, lässt sich aber seit 1945 in Folge von Verwestlichung, Amerikanisierung und Globalisierung weltweit feststellen.
Kreolische Gesellschaft
Die in der frühen Zeit europäischer Kolonialgeschichte entstandenen kreolischen Gesellschaften zeigen gemeinsame, von den Ursprungsgesellschaften deutlich verschiedene Merkmale.
Historisch gingen kreolische Gesellschaften aus dauerhaften Beziehungen von Kolonisatoren mit kolonisierten und versklavten Frauen hervor. In der frühen Kolonialzeit (1460 bis etwa 1540) (z.B. Kap Verde, Goa, Macau, Brasilien) waren solche Beziehungen nicht durch rassistische Gesetze verboten, bzw. Gesetze und Regeln dieser Art konnten umgangen werden.
Die biologistische und rassistische Betrachtungsweise der Vermischung von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zu Mestizen (span.: Mischling) und Mulatten (altport.: Maultiere) erkennt nicht den Kern der Kreolisierung als kulturellem und politischem Prozess, der die Gründung gemeinsamer Familien bei verschiedener Hautfarbe und verschiedenem Rechtsstatus begleitete.
In Folge des Eheverbotes zwischen Freien und Sklaven entstanden (vorübergehend auch polygame) alternative Formen, die die kreolischen Gesellschaften beibehalten. Familien-Konvention und Lebensgemeinschaft sind unverändert vielfältig und die Ehe ist eine seltene Form. Weitaus häufiger ist die ohne Zeremonie und Vertrag zustandekommende de-facto Beziehung von beschränkter Dauer. Hierdurch haben sehr viele Männer und Frauen Kinder aus einer Folge verschiedener Beziehungen. Kinder haben Geschwister von Mutter und Vater, vom Vater, von der Mutter und aus gemeinsamem Aufwachsen.
Dies bedingt informale Rechte und Pflichten, die dem formalen, zumeist kolonialen Recht diametral entgegenstehen. So ist die Verantwortung der Väter für Kinder, mit denen sie nicht zusammenwohnen, zumeist gering. Ein gewisser Ausgleich entsteht dadurch, daß erwartet wird, daß aus früheren Beziehungen stammende Kinder der Frau im gemeinsamen Haushalt nicht benachteiligt werden.
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