Mainzer Dom
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Einordnung: Mainz | Wahrzeichen | Kirchengebäude
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Der Hohe Dom zu Mainz ist die Bischofskirche der Diözese Mainz und steht unter dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours. Der Ostchor ist dem Hl. Stefan geweiht.
| Inhaltsverzeichnis |
Architektur
Der Mainzer Dom ist eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit links und rechts des Langhauses angebauten gotischen Kapellenreihen und zwei Vierungen und Chören. Die drei Türme des Westwerkes, die durch einen großen Vierungsturm mit zwei flankierenden kleinen Treppentürmen gebildet werden, verfügen über barocke Turmhelme, der Vierungsturm außerdem über eine gotische Glockenstube. Die in eine monumentale Fassade eingefassten drei Türme des Ostwerkes haben neu-romanische Turmhelme.
Der Dom gehört zusammen mit dem Dom zu Worms und dem Dom zu Speyer zu den drei großen sogenannten Kaiserdomen am Rhein.
Die Doppelchoranlage sollte die Machtfülle unterstreichen, die die Mainzer Erzbischöfe als ranghöchste Kurfürsten und Erzkanzler des Reiches in sich vereinten. Der Mainzer Dom sollte als erster Bau dieser Größe nördlich der Alpen Staatsdom des Heiligen Römischen Reiches sein.
Dem Grundriß nach hat der Dom die Form eines lateinischen Kreuzes. Von außen ist dies aber kaum zu erkennen, da sich der Dom als einzige rheinische Großkirche seine allseitige Umbauung bewahren konnte. Lediglich die Ostfassade ist unverbaut.
Der Hauptchor liegt nicht wie üblich im Osten, sondern ist, wie auch der Petersdom in Rom gewestet.
Geschichte
Vermutlich kurz nach 975 lässt der damalige Erzbischof Willigis (zugleich Erzkanzler des Reiches) mit dem Bau beginnen. Möglicherweise begann Willigis den Bau auch erst gegen 998 mit dem Motiv, sich das Krönungsrecht für den deutschen König zu erhalten. Gesichert ist dies jedoch nicht. (siehe unter Willigis). Am Tage der Einweihung im Jahre 1009 wird der Bau durch einen Brand zerstört.
Erzbischof Bardo (1031 - 1051) führt das Werk seines Vorgängers fort, so dass in Gegenwart des Kaisers (Konrad II.), 1036 der Dom endlich eingeweiht werden kann.
Kaiser Heinrich IV., der zuvor auch schon den Dom zu Speyer hat umbauen lassen, beginnt mit dem Aufbau des wiederum zerstörten Domes. Er lässt die Ostapsis errichten, kurz darauf (1106) stirbt der Kaiser jedoch, die Arbeiten werden eingestellt.
Erzbischof Adalbert v. Saarbrücken (1110 - 1137) lässt die romanische Doppelstockkapelle, die Gotthard-Kapelle, als Palastkapelle der Erzbischöfe neben dem Dom errichten.
Die unruhigen Zeiten sind Ursache dafür, dass der Dom in den nächsten Jahrhunderten mehrfach durch Kriege und Brände zerstört wird. Letztlich wird erst am 4. Juli 1239 auch das Westwerk eingeweiht. Zur selben Zeit erschafft der Naumburger Meister einen gotischen Westlettner, der eine Weltgerichtsdarstellung zeigt. 1682 wird er abgebrochen und durch barocke Choretten ersetzt, von denen heute nur noch die Teile zum Querhaus vorhanden sind.
Ab 1279 werden die Langhausseiten des Domes nach und nach durch gotische Seitenkapellen ergänzt.
Der durch Blitzeinschlag 1767 abgebrannte große westliche Vierungsturm wird von Franz Ignaz Michael Neumann, dem Sohn des berühmten Balthasar Neumann 1769 mit einem steinernen Turmhelm versehen, dem der Mainzer Dom bis heute sein charakteristisches Bild zu verdanken hat.
In den Zeiten der Mainzer Republik ist der Dom ein Heerlager und wird erst in der Zeit von Bischof Colmar seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt.
1875 wird durch P. J. H. Cuypers der heutige neu-romanische östliche Vierungsturm geschaffen. Das Werk Cuypers' ist der Abschluss einer längeren Bauphase am Ostwerk mit vielen Zwischenlösungen (unter anderem Eisenkuppel von Georg Moller), nachdem das alte Ostwerk des Domes während der Beschießung der Stadt durch die Preußen 1793 zerstört worden ist.
Im Zweiten Weltkrieg ist Mainz mehrmals Ziel verheerender Luftangriffe. Im August 1942 erhält der Dom mehrere Treffer und brennt aus. Die Renovierungsarbeiten nach dem Kriege ziehen sich bis 1960 hin, als der Dom wieder eingeweiht werden kann.
2001 beginnt erneut eine Sanierung des Domes.
Königskrönungen im Dom
Im Laufe der Zeit fanden im Dom sieben Königskrönungen statt. Im Hoch- und Spätmittelalter war Aachen der durch Tradition legitimierte Krönungsort, eine Krönung in Mainz wurde von den politischen Gegnern als Formfehler betrachtet, der die Krönung ungültig machte.
- Rudolf von Rheinfelden, auch: Rudolf von Schwaben (26. März 1077)
- Philipp von Schwaben (8. September 1198)
- Friedrich II. (9. Dezember 1212)
Die Krönungen von
- Ludwig IV., das Kind (900),
- Heinrich II. (6. Juni 1002) und
- Konrad II. (8. September 1024)
fanden vermutlich im alten Dom, der benachbarten Johanniskirche, statt.
Weiterhin wurden
- 1043 Agnes von Poitou durch Erzbischof Bardo zur Königin und
- 1110 Mathilde, die Frau Heinrichs V. durch en Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg zur Kaiserin
gekrönt.
Krypten, Gräber und Grabdenkmäler
Krypten
Der Dom weist zwei Krypten und eine unterirdische Kapelle auf.
- West- oder Lulluskrypta
- Die Lulluskrypta unter der westlichen Vierung (benannt nach Erzbischof Lullus (†786) wurde 1927/28 erbaut und dient seither als Grablege der Mainzer Bischöfe.
- Hier ruhen unter anderem
- Ludwig Maria Hugo (†1935)
- Albert Stohr (†1961)
- Hermann Kardinal Volk (†1988)
- Weihbischof Josef Maria Reuss (†1985)
- Ostkrypta
- Die Ostkrypta bestand schon im Mittelalter, wurde aber später schon zur Zeit der Gotik eingeebnet, um dem Dom ein durchgehendes Niveau zu verschaffen. 1877 wurde sie wiedererichtet.
- Diese dient dem Gedenken derer die in besonderer Weise mit dem Bistum Mainz verbunden sind, insbesondere der Mainzer Heiligen, für die in der Ostkrypta ein Schrein geschaffen wurde. Zu den bedeutenden Mainzer Heiligen gehört neben Bonifatius auch die Hl. Hildegard von Bingen.
- Nassauerkapelle
- Direkt gegenüber der Ostkrypta befindet sich ein kleiner Gang, welcher zu sogenannten Nassauer Kapelle führt. Diese 1417 errichtete Kapelle war ursprünglich doppelgeschossig, ragte also ins Mittelschiff des Domes herein. Heute existiert nur noch der unterirdische Teil, welcher eine Grablegungsszene enthält.
Sonstige Gräber und Grabdenkmäler
- Der Mainzer Dom erhält die größte bekannte Sammlung von Grabdenkmälern.
- In der Marienkapelle befindet sich das Grab von Bischof Ketteler (†1877), dem großen Sozialreformer des 19. Jahrhunderts.
- Im Jahre 2002 wurde zufällig bei Bauarbeiten im Westchor die Gruft des ehemaligen Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn entdeckt, dessen Grabdenkmal sich im Westchor hinter dem Chorgestühl befindet.
Orgel
Der Mainzer Dom verfügt über eine der kompliziertesten Orgelanlagen. Dem Denkmalschutz Rechnung tragend, wurden die Orgelwerke möglichst unscheinbar in den Kirchenraum eingefügt. Die Orgeln des Mainzer Doms haben 114 Register mit 7986 Pfeifen.
Dabei gliedert sich die Orgelanlage in drei große Teile
- Westchor: Bei der Domrestaurierung 1960 wurden Teile der alten Klais-Orgel von 1928 durch die Fa. Kemper umgestaltet und als zweiteiliges Werk links und rechts hinter das Westchorgestühl gesetzt. Die Orgel besitzt einen eigenen Spieltisch im Westchor.
- Querhaus:
- Südemporenorgel: Der Mainzer Dom verfügt in seiner Vierung über zwei sog. Choretten, die die Vierung nach Norden und Süden ähnlich einem Lettner abtrennen. Auf der Südchorette befindet sich die Südemporenorgel, das Leitwerk der Orgelanlage. Im wesentliche besteht diese ebenfalls aus Teilen der alten Klais-Orgel von 1928. Auf der Südchorette befindet sich außerdem der Zentralspieltisch, von dem alle Pfeifen der gesamten Orgelanlage einzeln angespielt werden können. Der Zentralspieltisch verfügt als einziger in Deutschland über sechs Manuale, also Tastenreihen.
- Nordwandorgel: Auch diese Orgel besteht im wesentlichen aus der alten viermanualigen Klais-Orgel. Zusammen mit dem Führungswerk auf der Chorette stellt sie das Hauptwerk dar.
- Ostchor: Die Ostchororgel der Fa Kemper ist eine komplett neugeschaffene Orgel von 1960. Eingebaut ist sie aus Denkmalschutzgründen nicht in die Konche, also den Scheitelpunkt der Ostapsis, sondern seitlich oben links und rechts in die sogenannten Kaiserlogen. Die Ostchororgel, die ebenfalls einen eigenen Spieltisch hat, dient vor allem der Führung des Gemeindegesanges und der Begleitung der Stundengebete im Ostchor.
- Besonderheit
- In der Glöcknerstube des Mainzer Doms, die sich hoch oben im nördlichen Querhaus befindet, wurde 2003 ein Register mit sogenannten "Spanischen Trompeten" eingebaut. Die vom Volksmund "Kardinalstrompeten" genannten Pfeifen begrüßen den Bischof bei hohen Feiertagen.
- Sonstiges
- Auch die dem Dom angefügte Gotthardkapelle verfügt über eine kleine Pfeifenorgel. Diese von der Orgelbauerfamilie Oberlinger gebaute Orgel ist jdoch nicht vom Zentralspieltisch anspielbar..
Bedingt durch die schwierige Akkustik im Dom, welche sich durch die vielen Anbauten (vor allem der gotischen Kapellenreihen, s. oben Geschichte) ist es eine besondere Herausforderung, Domorganist in Mainz zu sein. Der Nachhall jedes angespielten Tones beträgt über sechs Sekunden, die im Osten angespielten Töne hört der Organist nur mit kleiner Zeitverzögerung.
Sehenswürdigkeiten
- Gotthard-Kapelle
- Eine zweistöckige romanische Kapelle (geweiht 1137) mit dem berühmten Udenheimer Kreuz. Ehemalige Palastkapelle der Erzbischöfe.
- Marktportal
- Großes, zweiflügeliges Bronzeportal aus der Willigis-Zeit. Willigis selbst ließ darauf vermerken, daß dies der erste Bronzeguß seit Karl dem Großen sei.
- Grabdenkmäler im Mittelschiff
- Rokoko-Chorgestühl im Westchor
- Dom- und Diözesanmuseum: Hier finden sich unter anderem Reste des gotischen Westlettners, der vom berühmten Naumburger Meister geschaffen wurde. Das Museum befindet sich im ebenfalls sehenswerten gotischen Kreuzgang
Die Maße des Domes
- Länge über alles: 109 m innen, 116 m außen
- Länge des Mittelschiffs: 53 m
- Breite des Mittelschiffs: 13,5 m
- Höhe des Mittelschiffs: 29 m
- Lichte Höhe der Ostkuppel: 38 m
- Lichte Höhe der Westkuppel: 44 m
Sonstiges
- Der 50. Breitengrad verläuft durch den Mainzer Dom.
- 1184 feierte Kaiser Barbarossa am Pfingstfest die Schwertleite seiner Söhne im Mainzer Dom. Das dazu gegebene Fest ging als größtes Fest des Mittelalters in die Geschichte ein.
Weblinks
- weitere Weblinks
Siehe auch: Liste von Kathedralen und Domen, Liste bekannter Kirchengebäude, Liste der Bischöfe von Mainz
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