Methoden der empirischen Sozialforschung
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Einordnung: Empirische Sozialforschung | Ethnologie | Volkskunde
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Mit den Methoden der empirischen Sozialforschung werden in den Sozialwissenschaften objektive Gegebenheiten (wie Größe einer Schulklasse, Einkommenssituation in einer sozialen Schicht, Größe der Kernfamilie in ländlichen Gebieten), subjektive Faktoren (wie Wertvorstellungen, Meinungen, Motive, Normen) und Verhaltensweisen erforscht.
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Methoden der empirischen Sozialforschung
Generell kann zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen der empirischen Sozialforschung unterschieden werden. Qualitative Methoden sind dabei an der Rekonstruktion von Sinn orientiert (subjektive Faktoren, Intentionalität), während quantitative Methoden auf eine systematische Messung (und Auswertung) von sozialen Fakten mit der Hilfe verschiedener Erhebungsinstrumente zielen.
Methoden der Datenerhebung
Prinzipiell kann zwischen mehreren Methoden der Datenerhebung unterschieden werden: der Befragung, der Inhalts- (bzw. Text-)analyse, Beobachtung und dem Experiment. Diese prinzipiellen Datenerhebungsmethoden gibt es jeweils in qualitativen wie in quantitativen Spielarten. Weitere Unterscheidungskriterien können herangezogen werden.
Befragung
Bei Befragungsmethoden kommt es zur Interaktion zwischen einem oder mehreren Interviewten und einem Interviewer bzw. einer Interviewerin. Unterscheidungskriterien für unterschiedliche Methoden der Befragung sind das Kommunikationsmedium, der Grad der Standardisierung und die Strukturierheit. Nach der Kommunikationsart kann zwischen persönlicher (face-to-face), schriftlicher (paper-and-pencil, der klassische Fragebogen), telefonischer (etwa als computergestütztes Telefoninterview, CATI, wie bei Marktforschungsbefragungen üblich) oder elektronischer (etwa per Internet) Befragung unterschieden werden. Der Grad der Standardisierung (d.h.: Gibt es Antwortvorgaben? Werden genau definierte Fragen gestellt?) kann von offenen (nicht-standardisierten) Formen über teilstandardisiert (strukturierte) Befragungen bis hin zur Vollstandardisierung gehen, bei der Reihenfolge, Wortlaut und mögliche Antworten von Fragen vorgegeben sind. Im Rahmen quantitativer Projekte wird zumeist mit hochgradig standardisierten Befragungsmethoden gearbeitet, während für qualitative Forschungsprojekte oft sehr offene Formen gewählt werden, etwa das biographische narrative Interview.
Gängige Formen der Befragung sind:
- narratives Interview,
- Leitfadeninterview,
- standardisiertes persönliches Interview,
- standardisiertes telefonisches Interview (CATI),
- schriftliche standardisierte Befragung,
- postalische Befragung,
- Electronic Mail Survey und
- Computerunterstütztes Selbstinterview (CASI).
Inhaltsanalyse
Inhaltsanalyse (oder: Textanalyse) bezeichnet die Untersuchung schriftlich vorliegender oder verschriftlichter Dokumente und Materialien, also etwa der Transkripte von Interviews. Auch im Rahmen der Auswertung offener Fragen von Interviews werden Methoden der Inhaltsanalyse eingesetzt.
Texte können sowohl qualitativ analysiert werden -- Techniken hierzu sind die Hermeneutik, die Zusammenfassung, die Explikation und die Strukturierung --, als auch mit quantitativen Techniken wie der Frequenzanalyse (Zählung der Häufigkeit), der Kontingenzanalyse (auch als "Korrespondenzanalyse" bezeichnet) und der Intensitätsanalyse durchgeführt werden.
In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um qualitative Inhaltsanalyse systematisch durchzuführen und so intersubjektiv zuverlässige Kodierungen zu erhalten. Zudem wurden Computerprogramme entwickelt, die Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei der systematischen Auswertung von Texten unterstützen, indem beispielsweise die Zusammenstellung aller kodierten Textsegmente abrufbar gemacht wird.
Durch die erleichterte Verfügbarkeit von Rechenkapazität in jüngster Zeit nehmen in der quantitativen Inhaltsanalyse computergestützte Verfahren an Bedeutung zu, die den ursprünglichen Text mittels Wortlisten (sog. Wörterbuch-basierter Ansatz) die Struktur des Textes in ein statistisch auszuwertendes Format transformieren (vgl. Statistik). In der Inhaltsanalyse sind hierzu besonders geeignet solche statistischen Methoden, die traditionell der "explorativen Datenanalyse" zuzurechnen sind, wie die Multidimensionale Skalierung, die Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Texten, deren Sprechern/Autoren und den dahinterliegenden Konzepten versucht zu messen und zu modellieren. Weitere statistische Möglichkeiten bieten Korrespondenzanalyse, Clusteranalyse und die Mehr-Ebenenanalyse (engl. multi-level analysis).
Die Methoden der Inhaltsanalyse lassen sich generell auf alle Formen menschlicher Kommunikation anwenden: Gespräche, Reden, Parlamentsdebatten, Gesetzestexte, politische Wahlprogramme von Parteien, Zeitungsartikel usw. Speziell damit befassen sich die Kommunikationswissenschaft.
Im englischen Sprachraum wird "Inhaltsanalyse" mit content analysis und konkurrierend mit textual analysis übersetzt. Vgl. auch den Beitrag Inhaltsanalyse.
Beobachtung
Beobachtung bezeichnet Methoden des systematischen Verfolgens von sozialer Interaktion unter Zuhilfenahme von eigenen Notizen, Protokollen oder medialer Aufzeichnungen. Beobachtung kann offen oder verdeckt, teilnehmend oder nicht teilnehmend (etwa per Video) geschehen. Unterschieden werden kann nach dem Grad der Strukturiertheit der Beobachtung. Beobachtung kann sowohl quantitativ (etwa das Abzählen von Autos an einer Kreuzung, Erfassung der Passanten in einer Einkaufsstraße) als auch (was meist der Fall ist) qualitativ erfolgen (etwa die teilnehmende Beobachtung einer Ethnologin in einer "fremden Kultur" oder die Beobachtungen eines Soziologen in einer Gerichtsverhandlung). In allen Fällen entsteht durch die Beobachtung sog. Datenmaterial, das systematisch auszuwerten ist. Wie bei den meisten übrigen Methoden der empirischen Sozialforschung, bildet die statistische Auswertung und Interpretation gewonnener Daten den entscheidenden Punkt auch in der Beobachtung sozialer Prozesse. Eine Sonderstellung aufgrund der Wortähnlichkeit nimmt die "Gesellschaftliche Dauerbeobachtung" ein: hiermit wird die andauernde Beobachtung sozialer Bedingtheiten, Prozesse etc. bezeichnet, die etwa in statistischen Jahrbüchern, aber auch in groß angelegten Untersuchungen (ALLBUS, EUROBAROMETER). Hiermit werden regelmäßig Informationen zu sozialen Prozessen und Fakten abgefragt und in statistisch kondensierter Form aufbereitet, weshalb auch dies als Beobachtung bezeichnet wird.
Experiment
Experimente sind in der empirisch ausgerichteten Sozialforschung selten. Gemeint ist damit die Erhebung von Daten unter vollständig kontrollierten Bedingungen, d.h. meist, das Versuchspersonen eine Aufgabe gestellt wird, die beobachtet und protokolliert wird. Experimente kommen eher in der Psychologie und in der Sozialpsychologie als in den übrigen Sozialwissenschaften vor. Siehe auch: Feldexperiment
Methoden der Datenauswertung
Neben der Datenerhebung ist die Datenauswertung ein wichtiger Teilbereich des Methodenkoffers der empirischen Sozialforschung, d.h. die Frage, wie die erhobenen Daten inhaltlich ausgewertet und analysiert werden. Nur mit Methoden der Datenauswertung ist es möglich, erhobene Daten mit einer Fragestellung (qualitative Forschung) bzw. mit einer zu überprüfenden Hypothese (quantitative Forschung) in Verbindung zu bringen.
Statistische Auswertungsverfahren
Statistische Auswertungsverfahren werden vor allem in der quantitativen Sozialforschung eingesetzt. Sie können sowohl dazu dienen, das vorliegende Datenmaterial (Fälle) auf einzelne Merkmale hin zu beschreiben (deskriptive Statistik), die Komplexität des Datenmaterials zu reduzieren (etwa Faktorenanalyse, Clusteranalyse, Multidimensionale Skalierung), aber auch dazu, Schlüsse zu ziehen und Hypothesen zu überprüfen (schließende Statistik). Darüber hinaus gibt es zahlreiche Verfahren, die Ergebnisse sowohl deskriptiver wie schließender Statistik grafisch aufzubereiten. Die Visualisierung (statistischer Ergebnisse) d.h. die grafische Aufbereitung in Form von Kurven und Graphen stellt besonders dank computergestützter Verfahren inzwischen eine Methode dar, um die angemessene Interpretation zu erleichtern. Sie wird aufgrund der Möglichkeit, ihre Ergebnisse fehlzudeuten, von Wissenschaftlern oft noch kritisch betrachtet.
Soziometrie/sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse
Die Soziometrie ist ein Verfahren Netzwerke zwischen Akteuren zu untersuchen. Ein anderer Begriff hierfür ist auch der Begriff: sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse. Wenn keine zusammenhängenden Netzwerke, sondern nur einzelne Akteure und deren Netzwerk untersucht werden, spricht man von egozentrierter Netzwerkanalyse. Die Soziometrie versucht soziales Handeln nicht individualisiert wie manche quantitative Befragungsmethoden zu untersuchen. Bei der Netzwerkanalyse geht es darum, Zusammenhänge zwischen sozialem Handeln und Strukturen des Netzwerks der Akteure zu erforschen.
Methodenkombination
Üblicherweise werden im Forschungsprozess Methoden der Datenerhebung mit Methoden der Datenauswertung kombiniert. In der qualitativen Sozialforschung (etwa in der Biographieforschung, der Objektiven Hermeneutik oder in der Grounded Theory) ist die Kombination aus Beobachtung und/oder qualitativer Befragung mit qualitativer Inhaltsanalyse oft anzutreffen. In der quantitativen Sozialforschung ist der Regelfall eine standardisierte Befragung (schriftlicher Fragebogen, Telefoninterview), die mit Hilfe von statistischen Methoden inhaltlich ausgewertet wird. Insbesondere bei neuartigen Fragestellungen, bei denen ein Forschungsproblem noch zu erschließen ist, werden grundlegende Parameter mit Hilfe qualitativer Methoden erschlossen und anschließend mit quantitativen Methoden (vgl. Statistik) genauer bestimmt.
Literatur
- Peter Atteslander u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung, lt.Aufl., de Gruyter 2003, ISBN 3110178176
- Andreas Diekmann: Empirische Sozialforschung, Reinbek 2004: Rowohlt-Verlag, ISBN 3499555514 (häufig empfohlene Grundlagenlektüre)
- Flick, Uwe / Kardorff, Ernst von / Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek 2000: Rowohlt Verlag
- K.-W. Grümer: Beobachtung. Stuttgart 1974: B.G. Teubner Verlag, ISBN 3519000326
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