Mike Hawthorn
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Einordnung: Formel 1-Rennfahrer | Mann | Brite
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John Michael "Mike" Hawthorn (* 10. April 1929 in Mexborough, Yorkshire; †22. Januar 1959 bei Guildford) war ein englischer Rennfahrer, Le-Mans-Sieger und Formel 1-Weltmeister des Jahres 1958.
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Nach einem einzigen Start bei dem jungen britischen Vanwall-Team überwarf er sich mit der Teamleitung und versuchte sein Glück bei den Sportwagenrennen. In dieser Klasse hatte er schon 1953 - allerdings mit einem Ferrari - das 12-Stunden-Rennen von Pescara gewonnen. Auch hier betonte er seine Nationalität und stieg sehr erfolgreich auf Jaguar um. Bald stand mit dem Sieg beim renommierten 12-Stunden-Rennen von Sebring ein vorzeigbares Ergebnis zu Buche.
Die nächste Herausforderung sollte das 24-Stunden-Rennen von Le Mans sein, die Krone aller Sportwagenrennen. Doch Hawthorn stand sich in jenem Jahr geradezu selbst im Weg. Um die folgenden Ereignisse nachvollziehen zu können, muss man sein Weltkriegs-Trauma berücksichtigen. Als Jugendlicher hatte er die Bombardierung Londons und die Luftschlacht um England hautnah miterlebt. Er verabscheute daher alles, was irgendwie mit Deutschland zu tun hatte. Dazu gehörten seinem Verständnis nach die damals fast unschlagbaren Rennwagen von Mercedes-Benz.
Mit seinem Jaguar D-Type lieferte er sich am 14. Juni 1955 daraufhin eine erbitterte Privatfehde mit den Mercedes 300 SLR des Fahrerfeldes, allen voran mit Fangio, der als Starpilot des deutschen Teams galt. Vom Start weg schlugen beide ein überzogenes Renntempo an, das mehr einer GP-Distanz als einem Ausdauerrennen entsprach, so dass sie selbst nach zwei Stunden kaum mehr als zwei Wagenlängen von einander entfernt lagen.
Wie bei allen Katastrophen hatte sich die Unglücksituation schon zuvor "aufgeladen", entzünden sollte sie sich anhand einer unübersichtlichen Situation:
Am Ende der 35. Runde, gegen ca. 18:20 Uhr, schloss Hawthorn rasch auf die zur Überundung stehenden Wagen Pierre Leveghs (Mercedes) und Lance Macklin (Austin-Healy) auf und wollte sie auf der Zielgerade in einem Zug überholen, da ihm Fangio buchstäblich im Nacken saß. Er war schon an ihnen vorbei, als er sich zu einer impulsiven Handlung hinreissen liess und vor den beiden Wagen quer über die Piste schoss, um die Boxen, die damals noch nicht baulich von der Rennstrecke getrennt waren, schnellstmöglich zu erreichen. Trotz einer Vollbremsung kam er erst 80 m hinter seiner Boxenmannschaft zum Stehen, was den Unsinn seines Fahrmanövers veranschaulicht. Doch hinter sich hatte er ein Drama ausgelöst: Macklin konnte zwar seinen Wagen noch aus der Schusslinie mit einem ebenso waghalsigen Manöver herausbugsieren, doch dem alten Routinier Levegh hatte er seinerseits den sprichwörtlichen "Raum zum Überleben" genommen. Dessen Wagen donnerte nach dem leichten Touchieren in das Heck des Austins mit 240 Km/h in die Balustrade und explodierte. Neben dem Fahrer kamen 80 Zuschauer ums Leben - dies war der schwerste Unfall aller Zeiten im Motorsport. Levegh hatte Fangio mit einem Handzeichen gerade noch warnen können, sonst wäre auch dieser verunglückt.
Die Rennleitung brach das Rennen nicht ab, eine für heute kaum nachvollziehbare Entscheidung. Levegh wurde von der Rennleitung - im Gegensatz zur Auffassung der anwesenden Journalisten, der Fachpresse und des Publikums - zum "Sündenbock" erklärt, was selbst von der englischen Öffentlichkeit anders gesehen wurde. Später begründete man die Fortsetzung des Rennens damit, dass bei einem Abbruch die wegströmenden Zuschauermassen die Zufahrtswege und die Ambulanz blockiert hätten.
Die Mercedes-Rennleitung zog nach dem Unfall seine Rennwagen aus dem weiterlaufenden Wettbewerb ab und verabschiedete sich zum Ende des Jahres werkseitig bis 1987 vom Rennsport.
Doch ausgerechnet der Verursacher Hawthorn blieb im Rennen und gewann es nun dank mangelnder Konkurrenz. Während der Ehrenrunde und der Siegerehrung lächelte er, was durch Fotos bezeugt ist. Daraufhin baute insbesondere die deutsche Presse Mike zur Hassfigur auf. Dabei tat das äußere Erscheinungsbild des archetypischen Engländers, der sich zudem den Spleen leistete, stets mit Fliege oder Krawatte, weißem Hemd und Hose in das Cockpit zu steigen, sein übriges. Aber selbst in der Heimat vergaß man seine grob fahrlässige Kurzschlussreaktion nie. In seiner kurz vor seinem Tode erschienenen Biographie äußerte er sich seltsam distanziert über diesen Unfall und ohne entsprechendes Mitgefühl für die Opfer zu bekunden.
| Inhaltsverzeichnis |
Wiedereinstieg in die Formel 1 und letzter Triumph
Die Formel-1-Saison 1956 war aufgrund des unzuverlässigen BRM die sportlich demoralisierende Phase seiner Laufbahn. Ein einziges Mal konnte er sich mit diesem Wagen in Silverstone für einen dritten Startplatz qualifizieren, um später mit technischen Problemen aufgeben zu müssen. Lediglich mit einem Maserati eines Privatteams fuhr er zu Beginn der Saison in Argentinien als Dritter ins Ziel. Als er es in Spa erneut mit einem Maserati versuchte, scheiterte er bereits beim Training aufgrund seiner Formschwankungen. Ein einzelner Versuch auf einem Vanwall in Reims brachte nach einem positiv motivierenden sechsten Startplatz nur einen desillusionierenden zehnten Rang. Seine Bemühungen wieder zur früheren Form zu finden, drückte sich im unsteten Wechsel zwischen den Fabrikaten aus. Aus seiner Sicht lag der Tiefpunkt seiner Karriere allein im Material begründet.
Bei den 12-Stunden-von-Oulton Park leistete er sich mit einem Lotus einen ähnlichen Fahrfehler wie im Vorjahr in Le Mans, so dass man ihn in der Sportwagenszene lieber nicht mehr am Steuer sah. Doch bei Ferrari stellte man ihn zur Formel-1-Saison 1957 wieder ein und der Farnham-Flyer bedankte sich mit weiteren guten Platzierungen, so dass er zum Ende des Jahres wieder auf seinem Stammplatz des Endklassements rangierte - dem vierten Platz. Das folgende Jahr, 1958, schien nicht gerade ein Ferrari-Jahr zu werden, da man noch dem alten Prinzip des Frontmotors anhing. Die Cooper-Climax waren allem Anschein nach das modernere Prinzip und auch Vanwall drängte mit aller Macht und den beiden Spitzenpiloten Moss und Tony Brooks nach vorne.
Der "englische Ferrari" des Industriellen Tony Vandervell waren äußerst schnell, aber auch kapriziös und defektanfällig. Moss und Brooks errangen zwar je drei Siege, konnten aber sonst kaum Punkte erzielen. Dagegen war Hawthorn ein Muster an Zuverlässigkeit. Er vermochte mit nur einem Sieg in Reims, fünf zweiten Plätzen und drei schnellsten Rennrunden (für die es damals auch Sonderpunkte gab) sowie der Fairness seines ärgsten Kontrahenten Moss und des Verzichts seines neuen Teamkollegen Phil Hill die Weltmeisterschaft mit 41 zu 40 Punkten für sich entscheiden. Moss hatte ihm beim Grand Prix von Porto in Portugal beim Vorbeifahren den Tipp gegeben, seinen Wagen nach einem Dreher umgekehrt zur Fahrrichtung bergab neben der Strecke wieder zum Laufen zu bringen, um mit dem zweiten Platz wichtige Punkte zu gewinnen. Als die Stewards Hawthorn daraufhin disqualifizieren wollten, überzeugte Moss sie von dem Gegenteil. Er gab an, Mike hätte niemanden gefährdet und schließlich sei er - im Gegensatz zu den Verantwortlichen - vor Ort gewesen. Legendär ist auch der letzte Punkt, den der Mann aus Yorkshire nur wegen seiner schnellsten Rennrunde erzielen konnte. Moss steuerte dem nicht entgegen, da er ein Boxensignal beim Großen Preis von Marokko falsch interpretierte.
Sein Weltmeisterschaftssieg war insofern bedeutend, da er als Brite somit das Erbe Fangios antrat. Dieser hatte der die Jahre zuvor dominiert und Ferrari den letzten WM-Sieg mit einem Frontmotormodell beschert. Erst Keke Rosberg vermochte 1982 ebenfalls mit nur einem Sieg als Muster an Beständigkeit den Weltmeistertitel zu erringen. Hawthorn verlor aufgrund von Rennunfällen seine beiden letzten Freunde im Fahrerlager: Luigi Musso und Peter Collins. Somit überraschte es niemanden, dass er zum Jahresende 1958 seinen Rücktritt vom Rennsport erklärte.
Lange Zeit galt Hawthorn als ausgesprochener Partylöwe und "prankster" (Scherzbold), der sowohl bei schönen Frauen als auch bei einem guten Tropfen zum Schreck seines Teams selbst vor Renntagen nicht "nein" sagen konnte. Zur Entäuschung seiner Fans notierte er jedoch in seiner Autobiographie keine einzige Episode jener Zeit. Diese sind lediglich durch Anekdoten und Fotographien wie bei der Hochzeit seines Kollegen Moss dokumentiert. Erst spät fand sein Biograph Belege dafür, dass ein unehelicher Sohn aus einer Verbindung mit einer Französin 1954 existiert. Enzo Ferrari erblickte in diesen Eskapaden den eigentlichen Grund für die schwankende Fitness seines Fahrers, der in seiner letzten Saison oft aufgedunsen wirkte. Den wahren Grund kannten nur Hawthorns Verwandten.
Der tödliche Unfall
Hawthorn hatte mit seiner Deutschen-Phobie nicht nur einen der tragischsten Unfälle der Sportgeschichte verursacht, sondern sollte damit tragischerweise sein eigenes Ende besiegeln.
Für das Jahr 1959 plante er neben der baldigen Hochzeit mit seiner Verlobten Jean Howarth die Eröffnung einer Jaguar-Werksvertretung mit seinem ehemaligen Fahrerkollegen Duncan Hamilton.
Eines Abends fuhr Mike bei starkem Regen mit seinem Jaguar-Sportwagen auf der Umgehungslandstraße bei Guildford erneut auf einen Mercedes auf und überholte ihn spontan. Beim Überholvorgang erkannte er in dem Fahrer einen Bekannten, den schottischen Rennstallbesitzer Rob Walker, den er zu einem Wettrennen herausforderte. Walker wollte nicht zurückstecken, musste jedoch bald die Überlegenheit Mikes anerkennen. Kurz darauf verlor Hawthorn in einer Links-Kurve die Gewalt über seinen Wagen, prallte gegen einen Baum und verunglückte bei dem Todessturz tödlich. Die Obduktion ergab den schwachen Trost für seine Angehörigen, dass er aufgrund seines Nierenleidens nur noch wenige Jahre zu leben gehabt hätte und erklärte damit seine von der Fachwelt bis dato registrierten Formschwankungen.
Viele Kritiker vergaßen, dass Hawthorn sich in seinen letzten Lebensjahren von seiner einstigen zur Schau getragenen Gefühlskälte verabschiedet hatte. Dennoch galt er bei vielen Rennsport-Journalisten nach wie vor als der unbeliebteste Weltmeister. Mike Hawthorn war immerhin der erste Engländer, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen regulären Grand-Prix-Sieg und einen Formel-1-Weltmeistertitel erringen konnte, um somit eine lange Tradition englischer Dominanz im Motorsport zu begründen.
Zitate
- "Dieser große Blonde beunruhigte mich durch seine Launenhaftigkeit. Er konnte die schwierigsten Situationen kaltblütig meistern, nur um im nächsten Moment eine haarsträubende Dummheit zu begehen." (Enzo Ferrari) [zit. n. Födisch/Kahnt, S. 94]
- Das Originalzitat: "Mike Hawthorn è stato un pilota sconcertante per le sue possibilità e la sua discontinuità . Un giovane capace di affrontare e risolvere quelunque situazino con un coraggio freddo e calculato, don una prontezza eccezionale,ma incline anche a cadere vittima di paurosi cedimenti. .." aus: Enzo Ferrari, Le mie gioie terribili, Cappelli Editore, Bologna, dicembre 1962, 2. edizione, S. 106.
- "Er konnte sehr nett sein, wenn er dich mochte." (Phil Hill) [zit. n. Födisch/Kahnt, S. 95]
- "After passing me (Mike) Hawthorn turned too sharply towards the right and braked, (...) "I braked my car as hard as I could to avoid him. My wheels locked and I was carried towards the left. Levegh's car hit the back of my car. In an affair of this kind it is difficult to speak of responsibility. Hawthorn no doubt committed an error but the real responsibility was the speed of the cars. In the excitement of his struggle (with Levegh and Juan Manuel Fangio) Hawthorn executed a manouevre which astonished me and he left me no other alternative than to either run into him or turn to the left." (Lance Macklin gegenüber dem Untersuchungsgericht zum Le-Mans-Unfall, zit. n. !--da es sich um eine Quelle handelt, habe ich es bewusst im Original belassen-->)
Fahrer-Statistik
| WM-Titel | GP-Siege | Poles | 2. Pl. | 3. Pl. | Schnellste Runden | Führungs-KM | Gesamtpunkte | GP insg. | Punkte je GP |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3 | 4 | 8 | 6 | 6 | 1635 | 127 | 46 | 2,76 |
Literatur
- Derick Allsop, The British Racing Hero, Magna Books : 1992, 176 S., ISBN 1-85422-313-5
- Enzo Ferrari, Le mie gioie terribili, Cappelli Editore, Bologna 1962, 2. edizione
- Peter Gruner, Das Formel-1-Lexikon, ECON : Düsseldorf 1997. 474 S., ISBN 3-612-26353
- Jörg-Thomas Födisch/Erich Kahnt: 50 Jahre Formel 1. Die Sieger, Heel : Schindellegi 1999, 215 S.
- Mike Hawthorn, Challenge Me The Race, 1958, 240 S. (Autobiographie)
- Mike Hawthorn, Champion year. My battle for the driver's world title, Edition William Kimber : 1959, 240 S. (ND des dritten Titels, NA 1973)
- Chris Nixon, Mon Ami Mate - The Bright Brief Lives of Mike Hawthorn & Peter Collins, 2. Ed. Isleworth 1998, 400 S.
- Peter Scherer, 50 Years of British Grand Prix Drivers, o. O, 1999, 233 S., ISBN 0953005283
- Achim Schlang, Die Formel-1-Asse unserer Zeit, Motorbuch Verlag : Stuttgart 1984, 213 S., ISBN 3-61301-035-6
Weblinks
- "The driver to lead the way to British dominance" engl. Würdigung seines WeltmeistertitelsAusführliche Beschreibung des Le-Mans-Unfalls mit zahlreichen Bildokumenten, (spanisch)Archivbericht des Guardian vom Le Mans-Unfall
- Porträt Hawthorns
- Die Goldmedaille von Syrakus mit Bild des Unfalls
- Präsentation eines blauen Ferrari-Coupés 212 aus dem Besitz Hawthornsbr />
| Personendaten | |
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| NAME | Hawthorn, Mike |
| ALTERNATIVNAMEN | John Michael Hawthorn |
| KURZBESCHREIBUNG | Formel-1-Rennfahrer, Formel-1-Weltmeister |
| GEBURTSDATUM | 10. April 1929 |
| GEBURTSORT | Mexborough, Yorkshire, England |
| STERBEDATUM | 22. Januar 1959 |
| STERBEORT | bei Guildford, England |
--InfoG 16:30, 24. Mär 2005 (CET)
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