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Moderne

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Die Moderne wurde geboren aus den vorangegangenen gesellschaftlichen UmbrĂŒchen durch die AufklĂ€rung und der "Entdeckung" des Menschen als Individuum.

Was die PrĂ€gung dieses Begriffes angeht, so zeigt Andreas Venzke ("Zeitschrift fĂŒr Germanistik", 1996), dass "Die Moderne" in Deutschland erst mit dem Naturalismus aufkam: "[...] eben auf die Literatur bezog man den Begriff 'modern', so auch auf die entstehende naturalistische Bewegung. Allerdings beschlagnahmten die Naturalisten den Begriff nicht nur fĂŒr ihre Ziele, sondern sie modelten ihn auch um, in 'die Moderne', die dann fĂŒr einige Jahre nahezu gleichbedeutend fĂŒr den Naturalismus stand." Bis dahin hieß es höchstens "das Moderne".

Kunsthistorisch betrachtet ist sie die Epoche, die im 19. Jahrhundert mit den revolutionĂ€ren Werken der Suprematisten und Avantgardisten in Europa, zunĂ€chst in der Malerei, Bildhauerei und mit TheaterauffĂŒhrungen ihren Höhepunkt fand, und deren Ende in (zunĂ€chst West-)Europa durch das verheerende reaktionĂ€re Wirken (vgl. entartete Kunst) der Nationalsozialisten erzwungen wurde. Viele der verfolgten Protagonisten flohen zunĂ€chst nach Frankreich, spĂ€ter in die Vereinigten Staaten und Israel, wo die weitaus meisten architektonischen (SpĂ€t-)Werke der Moderne entstanden. "Die Moderne" kehrte nie wieder nach Europa zurĂŒck.

Gelegentlich wird die Moderne auch als eine Art Endstadium einer Entwicklung bezeichnet, fĂŒr das es folglich keine Überwindung mehr gibt.

Inhaltsverzeichnis

Soziologische Betrachtung

Am stĂ€rksten haben in der Soziologie zunĂ€chst Ferdinand Tönnies (mit Hilfe des Begriffes Neuzeit, Geist der Neuzeit, 1935[1998]) und danach eingehend der Strukturfunktionalismus versucht, die Moderne mit der funktionalen Differenzierung ineins zu setzen. Dadurch rĂŒckt ihr Beginn historisch weiter zurĂŒck.
Als Vorteil dieses Ansatzes wird gesehen, dass man dann auch analytisch ĂŒber den "Beginn der Moderne" in z. B. Japan oder China sprechen kann (vgl. dazu unlĂ€ngst: Ho-fung Hung, Early Modernities and Contentious Politics in Mid-Qing-China, c. 1740-1839, in: "International Sociology", 2004: S. 478-503), ohne dass dort damals von "Moderne" gesprochen worden wĂ€re.

Epochengeschichtliche Betrachtung

Der Beginn der Moderne wird historisch hÀufig auf die Französische Revolution gelegt. So sieht der US-amerikanische Soziologe Daniel Bell den Hereinbruch der Moderne mit dem Jahr 1789. Andere sehen eher einen Prozess der Entstehung der Moderne, der sich allmÀhlich nach 1789 im 19. Jahrhundert vollzieht.

Als wesentliche Elemente der Moderne werden angesehen:

Man muss sich zum VerstĂ€ndnis der Moderne deutlich machen, dass alle diese Elemente, die vielen von uns heute als selbstverstĂ€ndlich erscheinen, keineswegs immer und ĂŒberall vorherrschende Überzeugungen waren und sind. Epochen lassen sich am besten dadurch kennzeichnen, was die Menschen dieser Epoche ohne Nachfragen als selbstverstĂ€ndliche "Wahrheiten" und GrundĂŒberzeugungen akzeptieren. Diese SelbstverstĂ€ndlichkeiten Ă€ndern sich im Laufe der Zeit. Zu den Änderungen von SelbstverstĂ€ndlichkeiten siehe z. B. die Paradigmen-Theorie von Thomas S. Kuhn.

Neben der zeitlichen Dimension sollte auch die rĂ€umliche Begrenzung der Moderne betrachtet werden. Auch wenn moderne EinflĂŒsse heute auf alle Kulturen festzustellen sind, so ist das beispielsweise in Asien vorherrschende zirkulare Denken dem linearen Denken des westlichen Fortschrittsglaubens deutlich entgegengesetzt.

Den kulturellen Höhepunkt erreicht die Moderne in Europa und Nordamerika in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Besonders das deutsche Bauhaus hat sich als kulturelle Keimzelle der Moderne hervorgetan. WĂ€hrend in Russland die Bolschewiki und in Italien die Faschisten wenigstens in bildenden Kunst und insbesondere in der Architektur mit der Moderne ĂŒbereinstimmten, haben die deutschen Nationalsozialisten die Moderne zum Teil als "entartet" bekĂ€mpft. Auch Stalin war kein AnhĂ€nger der Moderne; seine PrĂ€ferenzen in Kunst und Architektur lagen beim Sozialistischen Realismus und damit war er den Nationalsozialisten weit nĂ€her gekommen, als im Hitler-Stalin-Pakt vereinbar wurde.

Doch auch in anderen europÀischen LÀndern und in den USA stand die internationale Moderne im Gegensatz zu dem wiedererweckten Nationalismus und vielen fundamentalistischen Tendenzen.

Die Nachfolge-Epoche der Moderne nennt sich heute die Postmoderne und auch fĂŒr die Wegbereiter der Moderne hat man zwischenzeitlich den richtigen Fachbegriff bereit: die Protomoderne.

Zitat

"Was wir Moderne nennen - also die Zeit zwischen der europĂ€ischen AufklĂ€rung und dem Ersten Weltkrieg - hat uns mit idealistischen Zumutungen ĂŒberlastet und mit humanistischen Idealen geködert. Deshalb haben wir heute eine ambivalente Einstellung zur Moderne: sie ist Utopie und Alptraum zugleich. Deshalb fĂ€llt es uns so schwer, souverĂ€n in eine neue Zeit einzutreten. Wir haben ein Entwöhnungstrauma der beendeten Moderne." Norbert Bolz (in [www.heise.de/tp/deutsch/html/result.xhtml?url=/tp/deutsch/special/mud/6135/1.html&words=Recht%20Ungl%FCck Theorie der MĂŒdigkeit - TheoriemĂŒdigkeit, 1997])

Abweichende Bedeutungen

bei den Worten Mode und Modern (dies bedeutet - wenn auf der ersten Silbe betont - auch den trockenen Zerfall, z.B. von Holz) sind zu beachten.

Analytisch gibt es Abgrenzungen zum Begriff "'Neuzeit'", aber auch SinnĂŒberschneidungen mit ihm. Überhaupt ist "die Moderne", seit sie im Naturalismus als Begriff in Deutschland eingefĂŒhrt wurde, in ihrer inhaltlichen Bedeutung immer vage gewesen. Sie bezeichnete eigentlich immer nur jede neu aufkommende Stilrichtung oder Kunstgattung.

Siehe auch







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