Musikkassette
www.infos-aus-germanien.info
Einordnung: Speichermedium | Elektroakustik | Musikmedien
- Was heißt Musikkassette auf:
Englisch - Französisch - Italienisch - Niederländisch und Schwedisch sowie Spanisch
- Sie wissen mehr über das Thema Musikkassette und möchten uns dazu etwas mitteilen?
Benutzen Sie dazu bitte unser Forum und eröffnen Sie einen neuen Thread zum Thema Musikkassette.
Die Musikkassette (eigentlich Compact Cassette, Abk.: CC; auch MusiCassette, Abk.: MC) oder einfach Kassette ist ein elektro-magnetischer Tonträger.
| Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Vor der Kassette gab es nur Tonbandgeräte. Sie waren teuer und kompliziert zu bedienen, weshalb sie meistens im Studio oder Rundfunk eingesetzt wurden. Nur wenige Privatanwender konnten sich ein Tonbandgerät leisten, da der Preis zwischen € 358 und € 767 (700 und 1.500 DM) lag.
Das änderte sich, als der niederländische Konzern Philips die Kompakt Audiokassette und das dazugehörige Gerät entwickelte und am 28. August 1963 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorstellte. Es kostete € 153 (299 DM) und konnte mit Batterien und an der Steckdose betrieben werden.
Aufbau
Eine Kassette besteht aus einem Magnetband in einem Kunststoff-, selten auch Keramikgehäuse, auf dem vier Tonspuren gespeichert werden können. Damit können zwei Stereo-Spuren, je eine auf jeder Seite der Kassette, gespeichert werden. Das Band ist 3,175 mm breit und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 47,625 mm/s. Die ersten kommerziellen Kassetten wurden 1965 verkauft. Die Bandlänge wird in Gesamtminuten Spielzeit berechnet, die am meisten verbreiteten Formate sind C60 (30 min Spielzeit pro Seite), C90 (45 min/Seite) und C120 (60 min/Seite) -- letztere sind aus Platzmangel im Gehäuse dünner und damit Empfindlicher auf Zugbelastung und Selbstmagnetisierung der Bandlagen auf der Wickelspule. Kassetten haben in der Regel eine geringfügig längere tatsächliche Laufzeit als angegeben.
Siegeszug
Die Kassette war ursprünglich nur als Diktierband gedacht, wurde aber sehr schnell ein Medium, um Musik zu speichern, zu überspielen oder weiterzugeben. Insbesondere Jugendliche waren von der Möglichkeit auf billige und einfache Art mit Hilfe des mitgelieferten Mikrofons ihre Lieblingshits aus dem Radio aufnehmen zu können begeistert. Schon bald gab es Kombigeräte mit Radio, später auch in Stereo. Ende der 60er Jahre gab es dann Autoradios mit Kassettenabspielmöglichkeit. 1979 kam der Walkman von Sony heraus. Er revolutionierte die Hörgewohnheiten: endlich war es möglich auch unterwegs seine Lieblingsmusik zu hören.
Datenspeicherung
Ab den späten 1970er Jahren wurde die Kassette, da billig und massenproduziert, auch zur Speicherung von Computerdaten bei Heimcomputern benutzt, z.B. für den Commodore PET und den Tandy TRS 80 (siehe auch Datasette). Mit dem Siegeszug der schnelleren und bequemeren Disketten und Festplatten auch im Heimbereich ging die Ära dieser Anwendung jedoch ab den späten 1980er Jahren allmählich zu Ende.
Weiterentwicklung
Für die magnetische Speicherung auf dem Band wurde zunächst Ferrit (Fe2O3) verwendet (Kassetten-Typ I). Später wurden auch Beschichtungen mit Chromdioxid (CrO2, Typ II), Eisen-Chrom (FeCr, Typ III) und elementar metallischen Partikeln ("Metal", Typ IV) angeboten. Durch symmetrische Einkerbungen auf der oberen Stirnseite der CompactCassette sind die Bandsorten für die Aufnahme- und Abspielgeräte automatisch unterscheidbar (Ferrit (I): keine Einkerbung; CrO (II): zwei; FeCr (III): ?; Metal (IV): vier Einkerbungen). Kassetten des Typ III (Eisen-Chrom (FeCr), IEC III) verschwanden sehr schnell wieder vom Markt und sind heute praktisch nicht mehr erhältlich.
Die Unterschiede der Bandsorten liegen in deren Magnetisierbarkeit begründet: Während Ferrit-Beschichtungen bereits bei relativ geringer magnetischer Feldstärke (Amplitude bzw. Lautstärke) voll magnetisiert sind, können Metal-Beschichtungen auch stärkere magnet. Feldstärken noch unterscheiden, wodurch es möglich ist, Aufnahmen höher (lauter) auszusteuern, was den Rauschabstand erhöht: Beim Abspielen höher ausgesteuerter Aufnahmen kann man den Lautstärkeregler leiser stellen bei unveränderter Absiellautstärke im Vergleich zu niedrig ausgesteuerten Aufnahmen; während also die Lautstärke des Nutzsignals (z. B. Musik) gleich geblieben ist, werden Band- und Geräterauschen heruntergeregelt und somit reduziert.
Tonband-Freaks stellten die Behauptung auf, dass die Musik auf Ferritbändern "wärmer" klänge. Typ IV-Kassetten lassen sich höher aussteuern als Typ II, haben allerdings einen etwas rauheren Klang, während Typ II-Kassetten feiner klingen (sollen).
Die Magnetisierbarkeit ferromagnetischer Substanzen ist von ihrem Vorzustand abhängig (Hysterese): ein zuvor süd-magnetisierter und nun neutraler Partikel ist empfindlicher auf nord-Magnetisierung als einer, der zuvor bereits nord-magnetisiert war. Um die Partikel für nord- und süd-Magnetisierungen gleichempfindlich zu halten wird das Band oft durch ein magnetisches Wechselfeld abnehmender Amplitude vormagnetisiert (Bias). Höherwertige Geräte messen die tatsächlichen Bandeigenschaften durch Testaufnahmen (teilweise automatisch) ein.
Das Problem des Rauschens bei der Wiedergabe suchte man durch Rauschunterdrückungsverfahren zu beheben. Das bekannteste Verfahren ist sicher das Dolby-Verfahren.
Die Weiterentwicklung der Kassette wurde mit der Einführung des Digital Audio Tapes (DAT), der MiniDisc (MD) und der Compact Disc (CD) weitgehend gestoppt. Diese neuen digitalen Medien ermöglichen die verlustfreie Kopie von Musik oder Daten. Vor allem aber entfiel das Warten beim Vor- und Zurückspulen und einzelne Titel ließen sich nun direkt anwählen. Von Philips wurde Anfang der 1990er Jahre die mit der MC abwärtskompatible digitale Compakt Cassette DCC als Konkurrenz zu Sonys MD vorgestellt. Während sich die MD langsam halbwegs erfolgreich entwickelte, entwickelte sich für Philips die DCC zum völligen Mißerfolg und wurde nach wenigen Jahren eingestellt.
Heute
Die Kassette ist aber keineswegs tot. In den meisten Ländern Lateinamerikas, Afrikas, und West- und Südasiens erscheint auch heute (2004) noch der Großteil aller Musik auf Kassette, da Kassettenrekorder im Vergleich zu Plattenspielern und CD-Playern einfacher zu bedienen sind, billiger, und vor allem ohne patentierte (und nur in Industrieländern produzierte) Spezialelektronik gebaut und repariert werden können, und da sie in großer Zahl auch bei weniger reichen Menschen bereits vorhanden sind. Ein besonders wichtiger Faktor ist auch ihre Robustheit, denn anders als Schallplatten und CDs verträgt eine Kassette in Maßen auch Hitze, Staub und grobe Behandlung -- nur hohe Feuchtigkeit verträgt sie schlechter als andere Medien. In Deutschland lebt sie als Hörspielkassette für Kinder und als Volksmusik-MC weiter. Auch im Rap Bereich findet sie weiter durch die von z.b DJs individuell zusammengestellte Mixtapes Verbreitung.
Ein Nachteil der Kassette ist, dass es wie beim Tonbandgerät Bandsalat geben kann und der Klang über die Jahre hinweg wegen Demagnetisierungen an Qualität verliert. Anders als bei einer CD ist auch ggf. ein zeitraubendes Vor- bzw. Zurückspulen notwendig.
Siehe auch: Kassettenrekorder, Rekorder
Weblinks
- weitere Weblinks
- Historische Bilder von Kassettenenglisch)
- Suche nach Musikkassette Infos mit: Yahoo
