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Neuenburg (Freyburg)

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Die Neuenburg liegt im Süden des Bundeslandes Sachsen-Anhalt auf dem spornartigen Ausläufer einer Hochfläche über dem Ostufer der unteren Unstrut. Unterhalb der Burg im Norden liegt die kleine Stadt Freyburg, die wiederum ca. 7 km nach Norden von Naumburg entfernt ist. Die Burg wird nach langer Schließung und Vernachlässigung in der DDR-Zeit seit 1990 wieder als Museum und für gastronomische Einrichtungen genutzt.

Die Anlage ist deutlich zweigeteilt: zum einen die Kernburg mit dem sog. Schlossbau und der Küchenmeisterei und zum anderen die "ältere Vorburg", die von den Galerieflügeln umrahmt wird. Bei der Neuenburg handelt es sich um die einstmals größte Burg und eine der ältesten und wichtigsten Burgen der Landgrafen von Thüringen. Für das Gebiet Sachsen-Anhalts sind es bislang die einzigen sicher nachweisbaren oberirdisch erhaltenen Steinbauten aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf Burgen. Aber auch über den mitteldeutschen Raum hinaus ist der große Bestand an erhaltenem Mauerwerk aus dem Ende des 11. bis Anfang des 13. Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Ein besonderes architektonisches Kleinod ist die um 1180 errichtete Doppelkapelle mit ihrer außergewöhnlichen Bauzier.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name Neuenburg leitet sich zweifellos von "neuer Burg" ab. In mehreren mittelalterlichen Urkunden erscheint sie als castrum Nuwenburg, niwen burch bzw. als Novum Castrum. Unklar ist, gegenüber welcher Anlage die Burg als neu hervorgehoben werden sollte. Es bezieht sich wohl entweder auf die Burg bzw. den Hof (curtis) im nahegelegenen Zscheiplitz oder auf das zeitliche Verhältnis zur Wartburg, einer älteren Gründung Ludwig des Springers, dem Stammvater der Ludowinger.

Forschungsgeschichte

Seit Mitte des 19. Jh. gilt das kunsthistorische Interesse der Doppelkapelle, während die übrige Bausubstanz in der älteren burgenkundlichen Literatur dagegen kaum eine Rolle spielte. Dies änderte sich erst mit den Untersuchungen des Halleschen Architekten und Burgenforschers Hermann Wäschers in den 1950er und 60er Jahren. Dessen Annahmen, Datierungen und Rekonstruktionen, auf denen der Forschungsstand zur Baugeschichte der Neuenburg lange Zeit beruhte, sind heute jedoch weitgehend überholt. Seit 1984 werden an der Doppelkapelle und seit 1990 im Bereich des gesamten Schlosses bauarchäologische Forschungen im Zusammenhang mit Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten durch Reinhard Schmitt, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, durchgeführt, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Im folgenden soll im wesentlichen der Forschungsstand von etwa 1997/98 vorgestellt werden.

Baumaterial

Das Steinmaterial bildet fast ausschließlich der örtlich anstehende Muschelkalk, für einzelne Bauaufgaben wurde der bei Anlage der tiefen Gräben anfallende Kalkstein genutzt. Eine bessere Steinqualität stammt aus Steinbrüchen im Umfeld der Burg. Der Sandstein für längere Säulenschäfte wurde vom Großen Seeberg bei Gotha, die Säulenschäfte aus Kohlenkalk in der Doppelkapelle über 500 km aus dem nordfranzösisch-belgischen Raum, der Ardenne, herangeschafft.

Die Bauentwicklung der Neuenburg nach Hauptbauphasen

Die Burg ist eng verbunden mit der Geschichte der Ludowinger, die wohl in den 1030er Jahren aus Mainfranken nach Thüringen kamen. Das Gebiet um Freyburg und Naumburg gelangte kurz nach 1085 durch die Heirat mit Adelheid (+1110), der Witwe des ermordeten Pfalzgrafen Friedrich III. von Goseck, an Ludwig den Springer (+1123), der hier wenig später die "Neue Burg" anlegen ließ.


Bauphase ab ca. 1090

Ab ca. 1090 entstanden die ersten Ringmauern im Norden, Westen und Süden (1-3), die noch bis zu einer Höhe von 8 m erhalten sind. Sie umgrenzten den heutigen Innenhof zwischen Fürsten- und Küchenbau als Kernburg und die westlich gelegenen Galerieflügel als ältere "Vorburg". Es ergibt sich so eine enorm große Grundfläche von ca. 5000 m². An diese Mauern haben sich auch schon in der älteren "Vorburg" mit hoher Wahrscheinlichkeit Gebäude mit gewissem wohnlichem Komfort angelehnt (Wohnbauten A und B, 4-5). Ein weiterer zwei- bis dreigeschossiger, rechteckiger Wohnbau C (10) lag neben dem Tor zur Burg. An die südöstliche Ringmauer angelehnt war ein dreigeschossiger, quadratischer Wohnturm I (16). Die am stärksten gefährdete Seite der Burg im Osten war durch einen ca. 10 m gebogenen älteren Wall (34) und einen wohl ebenso tiefen, aus dem anstehenden Kalkfelsen herausgebrochenen Graben gesichert. Unmittelbar hinter der östlichen Wall-Graben-Befestigung stand bis zum Bau der Kapelle der Rundturm I (20), ein früher Steinturm mit großem Innendurchmesser, der wohl die Funktionen Wohnen und Verteidigen vereinigte.

Ebenfalls noch um 1100 oder in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde auch die Ostseite der Kernburg wesentlich verstärkt. Es wurde eine östliche innere Ringmauer (23) mit je einem achteckigen Turm im Norden und Süden (21-22) gebaut. Die beiden achteckigen Türme dienten wohl sowohl zur Verteidigung als auch als repräsentatives Element. Der Scheitel des östlichen Wall wurde offenbar abgeflacht und auf ihm eine äußere Ringmauer (24) errichtet. Insgesamt ergibt sich eine äußerst aufwendig gestaltete Ostseite, für die es nur sehr wenige Vergleichsbeispiele aus vorstaufischer Zeit gibt (Sachsenstein bei Walkenried im Harz um 1070, Alteburg bei Mallendorf, Wiprechtsburg Groitzsch um 1080).

Innerhalb weniger Jahre wurde nach 1090 für Graf Ludwig den Springer (+1123) und Landgraf Ludwig I. (1123-1131-1140) eine nutzungsfähige Burg an der östlichen Grenze ihres Herrschaftsbereiches geschaffen. Größe und Qualität brachten den hohen politischen Anspruch der Ludowinger zum Ausdruck. Die aufwendigen Befestigungen an der Ostseite der Kernburg wurden wohl unter Landgraf Ludwig I. im frühen 12. Jh. fertiggestellt.

Bauphase um 1150 / drittes Viertel 12. Jh.

Nur anhand eines neuen Toilettenturms (6) lässt sich Modernisierung des Wohngebäudes B (5) westlich des Tores nachweisen. Der Wohnturm I (17) wurde wohl um 1150 nach Süden verlängert. Zusammen mit dem älteren Wohnturm entstand dabei ein Gebäude in der Größe des heutigen "Fürstensaales" von ca. 20x10 m. Dieses wurde lange Zeit als Palas angesprochen, was sich jedoch als falsch herausgestellt hat. Möglicherweise handelt es jedoch um ein Saalgeschosshaus, d.h. ein Gebäude mit einem Saal im ersten oder zweiten Obergeschoss. Wohl in der Jahrhundertmitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jh. wurde der Rundturm I (20) schon wieder niedergelegt und dicht daneben die erste, noch eingeschossige Burgkirche errichtet. Diese Bauten gehören zu einer Modernisierung der Burg in mehreren Abschnitten unter Landgraf Ludwig II. (1140-1172).

Bauphase ab 1170/75 bis in die 1190er Jahre

Ab 1170/75 (d) erfolgte der Bau des ersten sicher nachweisbaren, viergeschossigen Palas mit repräsentativem Saal im dritten, ringsum freistehenden und allein 6 m hohen Obergeschoss zwischen Wohnturm I und Kapelle (19), für den der Wohnbau C (10) wesentlich vergrößert wurde. Gleichzeitig erfolgte in den 1170er/1190er Jahren der Bau der Doppelkapelle (19), deren oberer Raum vom zweiten Obergeschoss des Palas - möglicherweise einen weiteren Saal – direkt zu erreichen war.

Schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts war mit der Anlage einer sehr großen Vorburg (Gesamtgröße der Burg nun 31 500 m²) mit Ringmauern (27, 29, 32) begonnen worden. Die Vorburg war eventuell durch einen Spitzgraben geteilt und in ihr wurden relativ zeitgleich die beiden Bergfriede II (30) und III (31) errichtet. Der Turm III, der erst seit dem 20. Jahrhundert "Dicker Wilhelm" genannt wird, steht auf einer deutlich erkennbaren natürlichen Anhöhe. Sein Durchmesser beträgt 14 m, in der Romanik war er mindestens 23 m hoch. Aufgrund der Innenausstattung ist er eher als Wohnturm denn als reiner Bergfried anzusprechen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde der Turm in der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet und diente als Sitz der Burggrafen von der Neuenburg aus dem Hause der Meinheringer.

Der Bergfried II (30) ist bereits nach einem Brand 1662 bis auf einen Stumpf abgebrochen worden und diente ab 1871 als Wasserbassin. Bemerkenswert und offenbar einmalig in dieser Zeit sind vier annähernd diagonal angeordnete "Sporne" am Fuß des Turmes. Ihre Funktion ist unbekannt, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit im repräsentativen Bereich zu suchen, da sie fortifikatorisch wenig Sinn machen. Somit ergibt sich für diese Zeit ein weiterer, spürbar qualitätvollerer Ausbau der Burg mit einer enorm großen Vorburg, die zur Fortifikation und als Burgmannensitz diente, deren weitere Aufgaben jedoch unbekannt sind. In der Hauptburg wurden aufwendige Modernisierung der Wohn- und Sakralbereiche unter Landgraf Ludwig III. (1172-1190) und Pfalzgraf/Landgraf Hermann I. (1181/1190-1217) durchgeführt.

Bauphase um 1215/1225

Um 1225 (d) kam es zur Errichtung des spätromanischen, viergeschossigen Wohnturms II (8) außerhalb der südlichen Ringmauer. Er diente offensichtlich vorrangig gehobenen wohnlichen Ansprüchen, denn er besaß im ersten und zweiten Obergeschoss je einen Kamin und Zugänge zu einer in oder kurz nach 1226 (d) südlich an die Schildmauer angebauten Abortanlage. Das dritte, unbeheizbare Obergeschoss des Turms, das sich mit vier Fenstern nach außen öffnete, kann als "Sommerlaube" angesprochen werden, die einen schönen Blick ins Unstruttal gestattete. Der Wohnturm diente vorrangig gehobenen wohnlichen Ansprüchen, vermutlich denen der landgräflichen Familie. Gleichzeitig fand um 1220/30 auch der Ausbau der Doppelkapelle mit der endgültigen Einwölbung und den "Zackenbögen" statt.

Die letzte große Bautätigkeit der Romanik erfolgte unter Landgraf Ludwig IV. (1217-1227) und seiner Frau Elisabeth, vermutlich im Hinblick auf den hohen Rang der Thüringer Landgrafen und die politische Absichten in der Mark Meissen ab ca. 1221. Mit dem Tod Ludwigs 1227 und der Konzentration der Ludowinger auf die hessischen Gebiete stoppten die Baumaßnahmen. Nach dem Tod des letzten Landgrafen Heinrich Raspe fiel die Burg 1247 an die wettinischen Markgrafen von Meissen]]. Die Anlage wurde sowohl in strategischer als auch in repräsentativer Hinsicht bedeutungslos.

Spätgotische Umbauphase der Burg ab 1400 bzw. ab etwa 1440 (d)

Unter dem thüringischen Landgrafen Herzog Wilhelm III. wurden ab etwa 1440 mit tiefgreifenden Umbauten begonnen, die umfangreiche Bestandteile der romanischen Bausubstanz, besonders im Bereich des Palas und der Wohnbauten, vernichteten. Hierzu gehören der Bau einer neuen Küche (1401 oder Mitte des 15. Jahrhunderts), der Umbau der älteren Wohnbauten ("Grosse Kemenate", heute Fürstenbau, ab 1458) und des romanischen Wohnturms (1462/63) sowie die Erneuerung des Torhauses ("Löwentor"). Die Dachlandschaft wurde stark verändert und mit mehreren Türmchen versehen, außerdem neue Fachwerkgeschosse und Erker aufgesetzt. Erst aus dieser Zeit stammen auch die Zwingermauern im Osten, Norden und Südwesten der Kernburg und das Osttorhaus und Westtorhaus.

Allerdings fehlt für diese aufwendige Bautätigkeit bisher der historische Hintergrund, es kann nur vermutet werden, dass Landgraf Wilhelm III. (1445-1482) von Weimar der Neuenburg eine größere Aufgabe zubilligte, vielleicht eine bedeutendere Residenzfunktion ab, die letztlich aber wohl nicht verwirklicht werden konnte.

Weitere Umbauten in der Neuzeit

Ein weiterer Ausbau fand bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts unter Kurfürst August von Sachsen statt. Von 1656 bis 1746 diente es Jagdschloss für die Herzöge von Sachsen-Weissenfels, wofür unter anderem die Schlosskirche 1666 umgebaut wurde. Anschließend erfolgte ein erneuter Ausbau unter dem sächsischen Kurfürst Friedrich August II. (1746-56), der es ebenfalls als Jagdschloss nutzte. Nach seinem Tod 1763 hatte die Anlage keine Bedeutung mehr für kursächsischen Hof. Sie verlor ihre Residenzfunktion und wurde 1770 an die staatliche Verwaltung übergeben. Damit einher gingen zahlreiche Teilabbrüche von z. T. erst kurz zuvor errichteten Gebäuden. Seit etwa 1840 gab es verstärkte denkmalpflegerische Bestrebungen und (1842)-1853/1855 erfolgte eine erste "Restauration" der Doppelkapelle unter Ferdinand von Quast und Friedrich August Ritter.

Die Doppelkapelle

Bau I

Es handelt sich um einen eingeschossigen Saalbau mit halbrunder Apsis, der wohl als Nachfolgebau der Kilianskirche am Fuß des Burgberges diente. Der Bau ist undatiert, könnte aber bereits aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen.


Bau IIa

Es wurde ein dreischiffiges, zweijochiges Obergeschoss aufgesetzt, das nur zur Hälfte der Größe des Untergeschosses sakral genutzt wurde. Eigentlich handelt es sich eher um eine "doppelgeschossige Kapelle mit Raumverbindung" (U. Stevens), einer kleinen Fußbodenöffnung ("Aussparung"). Diese erlaubte den liturgisch nötigen Hör- und Blickkontakt zur Kapelle im Untergeschoss. Das Obergeschoss diente wohl als privater Andachtsraum des Landgrafenpaares. Die Doppelkapelle wurde baueinheitlich mit dem Palas im letzten Viertel des 12. Jahrhundert errichtet.

Bau IIb

Um 1220/30 erfolgte der Einbau eines vierfachen Kreuzgratgewölbes mit mittlerem Bündelpfeiler und sog. "Zackenbögen" (polyloben Gurtbögen) mit Vorbildern in der niederrheinisch-maasländischen Bauzier, besonders in der Westvorhalle der St.-Andreas-Kirche in Köln.

Literaturhinweise

Weblinks








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Liedertexte