Oracle
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Einordnung: Datenbankmanagementsystem | Softwarehersteller
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Für Informationen zu der mit einer Kamera ausgestatteten Modellrakete mit dem Markennamen "Oracle", siehe Oracle (Rakete)
Oracle ist einer der größten Softwarehersteller weltweit mit Hauptsitz in Redwood Shores (Silicon Valley, Kalifornien). Bekanntestes und erfolgreichstes Produkt des Unternehmens ist sein Datenbankverwaltungssystem (DBVS), welches üblicherweise mit dem Namen Oracle in Verbindung gebracht wird.
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Eigenschaften
Der "Database Server" von Oracle ist ein sehr leistungsfähiges, objekt-relationales Datenbanksystem. Es bietet ein Höchstmaß an Performance bei gleichzeitigem, konsistentem, transaktionalem Mehrbenutzerzugriff. Es unterstützt größte Datenmengen und Userzahlen, aber sein Hauptvorteil liegt im Bereich der Lesekonsistenz (im Gegensatz zu anderen Datenbanken wie Informix, DB2, Sybase oder SQL Server):
- Lesende Zugriffe sind immer konsistent (Multiversioning)
- Auch bei langlaufenden Transaktionen können niemals Dirty Reads auftreten (Sichtbarkeit von Änderungen durch fremde Prozesse)
- Lesezugriffe blockieren niemals schreibende Prozesse, schreibende Prozesse blockieren niemals Lesezugriffe
Dies macht Oracle sowohl für OLTP-Systeme als auch für Data Warehousing interessant.
Weitere wichtige Eigenschaften:
- Absicherung gegen Instance Failure (z.B. Stromausfall), Media Failure (Hard Disk-Fehler), sowie Anwenderfehler (Flashback-Queries)
- Data Warehouse Features sind z.B. Datentypen zur Speicherung großer Datenmengen (CLOB, BLOB), Partitioning (Aufteilung der Daten in Untertabellen, etwa nach Datum), transportable Tablespaces, Big Tablespaces (Datenfiles mit bis zu 128 Petabyte), Bitmap-Indexe für OLAP-Queries, Star-Transformation, Zugriff auf verteilte Datenbanken, Standby-Datenbank
- Große Auswahl an eingebauten SQL-Funktionen und analytischen Funktionen, beide durch Userfunktionen beliebig erweiterbar
- Kostenbasierter Optimizer, der automatisch Ausführungspläne zur Laufzeit entsprechend dem vorgegebenen Ziel Durchsatz oder Reaktionszeit erstellt
- Umfangreiches Sicherheitskonzept zur Verwaltung und Weitergabe von Rechten an allen Datenbankobjekten, Vergabe von Rollen und Policies
- Zeilenweise Zugriffskontrolle (FGAC) als Ergänzung zur sowieso vorhandenen spaltenweisen Zugriffskontrolle
- Auditing (Protokollierung aller Zugriffe oder in Teilen)
- Resource Manager zum dynamischen Verteilen der Ressourcen (Speicher, CPU-Zeit, I/O) auf Profile
- Ausgefeilte Tuningmöglichkeiten, ab Version 10g durch Advisors ergänzt (Datenbank kann sich selbst tunen oder Hinweise geben, Stichwort "ADDM")
- Performance Features wie Index-Organized Tables (Tabellen werden als Index abgespeichert, Grundtabelle entfällt)
- Leistungsfähige, eng mit SQL verwobene eingebaute Programmiersprache PL/SQL (native Kompilierung möglich, native Datentypen)
- Seit Version 8i zusätzlich Verzahnung mit Java im Oracle Kernel (Laden von Java in die Datenbank)
- Erweiterungen wie Oracle Spatial, die die Speicherung und Analyse von Geodaten erlauben
Auch ohne weiter ins Detail zu gehen, kann man Oracle attestieren, ein RDBMS geschaffen zu haben, das höchsten Ansprüchen in Bezug auf Multiuserfähigkeit, Sicherheit und Flexibilität genügt. Wer die vielen Features von Oracle sinnvoll nutzen will, muss jedoch auch viel Zeit in die Konfiguration investieren.
Oracle gilt unangefochten als Marktführer, die Datenbank läuft unter diversen Betriebssystemen, so auf IBM-Großrechnern, auf diversen Unix-Systemen einschließlich Linux und auch auf Windows. Die aktuelle Version (Oktober 2003) trägt die Bezeichnung 10g.
Das Datenbanksystem ist zwar sehr leistungsfähig, entspricht aber, wie die meisten Datenbanksysteme, nicht 100%ig dem SQL-Standard. Dies ist unter anderem in der Tatsache begründet, dass die ersten Versionen von Oracle programmiert wurden, bevor SQL erstmals von der ANSI festgeschrieben wurde.
Hier noch einige Probleme, vor denen man bei einer Portierung zwischen Datenbanksystemen eventuell steht:
- Der Datentyp date enthält zusätzlich die Uhrzeit
- Es gibt keinen reinen Zeit-Datentyp time ohne Datum
- Das aktuelle Datum heißt SYSDATE und nicht CURRENT_DATE
- In UNIONs ist der Wert NULL nur mit Zeichenketten statt mit allen Datentypen kompatibel (muss konvertiert werden)
- Es gibt in der Personal Edition keine Möglichkeit, die vorhandene Datenbankstruktur vollautomatisch in eine Textdatei zu exportieren, die CREATE TABLE-Kommandos enthält; dies ist jedoch in der Enterprise Edition möglich. Außerdem bieten dies externe Entwicklungstools wie SQL Navigator oder PL/SQL Developer.
Geschäftsstrategie
Derzeit versucht Oracle mit einer Collaboration Suite und anderen Softwarepaketen dort Fuß zu fassen, wo SAP und IBM (Lotus, Websphere) etabliert sind. Eine Ausweitung des Geschäftsfeldes erscheint notwendig, weil der Geschäftsbereich relationale Datenbank weitgehend ausgereizt erscheint. Hinzu kommt, dass viele Firmen mittlerweile auf kostengünstigere Produkte wie Microsoft SQL Server oder Open-Source-Datenbanken setzen. Diese sind zwar bei weitem nicht so leistungsfähig wie eine Oracle-Datenbank, genügen für sehr viele Anwendungen vollauf. Allerdings bietet die neuste Datenbankvariante 10g einige wegweisende Features, die letztlich DB2 auf Mainframes gefährlich werden könnte.
Oracle kaufte 2004 seinen langzeitlichen Rivalen PeopleSoft für 10,3 Mrd. Dollar nd stärkt damit seinen Bereich Unternehmens-Software. In diesem Bereich schließt der neue Konzern fast zu seinem Konkurrenten SAP auf.
Oracle hat in Deutschland 11 Geschäftsstellen. Der Hauptsitz der deutschen Niederlassung liegt in München.
Für Studienzwecke ist die Oracle-Datenbank 10g frei erhältlich auf der Herstellerseite.
Literatur
- Andrea Held: Oracle 10g Hochverfügbarkeit - Die ausfallsichere Datenbank mit Real Application Cluster (RAC), Data Guard und Flasback Addison-Wesley, München 2003 ISBN 3-8273-2163-8
- Michael Abbey, Mike Corey, Ian Abramson: Oracle 10g. A Beginner's Guide. McGraw-Hill/Osborne, Berkeley 2004 ISBN 0-07-223078-9
- Uwe Herrman, Dierk Lenz, Günter Unbescheid, Johannes Ahrends: Oracle 9i für den DBA - Effizient konfigurieren, optimieren und verwalten McGraw-Hill/Osborne, Berkeley 2004 ISBN 0-07-223078-9
- Tom Kyte: expert one-on-one Oracle. Wrox, 2002 ISBN 1-861004-82-6
- Tom Kyte: Effective Oracle by Design. McGraw-Hill, 2004 ISBN 0-07-223065-7
- Steven Feuerstein, Bill Pribyl: Oracle PL/SQL. O'Reilly, 2002 ISBN 0-596-00381-1
Weblinks
- weitere Weblinks
/oracle_10g_documentation
- Suche nach Oracle Infos mit: Yahoo
