Osterinsel
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Einordnung: Insel | Geographie (Chile) | Weltnaturerbe | Abhängiges Gebiet
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Englisch - Französisch - Italienisch - Niederländisch und Schwedisch sowie Spanisch
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Die Osterinsel (spanisch Isla de Pascua, rapanui Rapa Nui) ist eine der einsamstgelegenen Inseln der Welt. Die zu Chile gehörende Insel liegt unterhalb des Südlichen Wendekreises bei 27 Grad südlicher Breite und 109 Grad westlicher Länge im Südostpazifik, 3.700 km von der chilenischen Küste und 4.000 km von Tahiti entfernt. Das nächstgelegene bewohnte Eiland ist Pitcairn im Westen, in einer Entfernung von mehr als 2.000 Kilometern. 2002 lebten auf ihr 2770 Einwohner.
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Geografie
Die Osterinsel ist der einzige Archipel, der dem Ostpazifischen Rücken aufsitzt. Das hat zur Folge, dass der für viele pazifische Inseln charakteristische Küstensaum fehlt. Die Küste fällt unmittelbar steil ab, bis zu einer Meerestiefe von 3.000 Metern. Sandstrand ist nur an wenigen Stellen – in Anakena und in der Nähe des Dorfes – zu finden.
Die Osterinsel hat die Form eines leicht nach links gekippten, rechtwinkligen Dreiecks mit einer Fläche von 162,5 km². Die Landschaft ist durch den vulkanischen Ursprung geprägt. Im Wesentlichen besteht sie aus drei erloschenen Vulkanen, dem Rano Kao im Südwesten, dem Poike auf der gleichnamigen Halbinsel im Osten und dem Maunga Terevaka im Norden, mit 508 Metern die höchste Erhebung.
Im Südwesten sind der Osterinsel die kleinen, unbewohnten Inseln Motu Iti, Motu Kao Kao und Motu Nui vorgelagert, im Westen der Motu Tautara und vor der Halbinsel Poike der Motu Marotiri.
Das Klima ist subtropisch warm, die Jahreszeiten sind nur gering ausgeprägt. Starke Passatwinde herrschen vor. Die Niederschläge betragen etwa 1.300 mm im Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 21 Grad. Die kältesten und regenreichsten Monate sind Juli und August.
Flora
Die vorherrschende Vegetation entspricht nicht der ursprünglichen. Sie ist das Ergebnis massiver menschlicher Eingriffe in das Ökosystem. Archäobotanische Befunde belegen, dass die Insel einst dicht mit Palmenwäldern der Gattung Jubaea bedeckt war. Zwischen dem 9. und dem 17. Jahrhundert haben umfangreiche Rodungen stattgefunden. Man schätzt, dass in dieser Zeit mehr als 10 Millionen Palmen gefällt wurden. Der Verlust des Palmenwaldes, der die Kulturpflanzen vor dem ständig wehenden Wind und vor Austrocknung geschützt hatte, führte zu einer umfangreichen Bodenerosion, die wiederum entscheidende Auswirkung auf die Nahrungsmittelversorgung und damit auf den rapiden Rückgang der Bevölkerung gehabt haben dürfte.
Als Rest der ursprünglichen Vegetation ist noch das Totora-Schilf (Scirpus Californicus) in den Kraterseen des Rano-Kao und des Rano-Raraku erhalten. Totora-Schilf wurde von den Ureinwohnern vielfältig genutzt, zum Beispiel zum Bau der charakteristischen bootsförmigen Häuser.
Von großer ritueller Bedeutung war der Toromiro-Baum (Sophora Toromiro), eine inzwischen auf der Insel ausgestorbene Mimosenart. Aus seinem Holz wurden kultische Schnitzereien - Moais, Rongorongo-Tafeln und Rei-Miro - gefertigt.
Heute ist die Landschaft der Osterinsel überwiegend von ausgedehnten Grasflächen geprägt. Über große Bereiche im Südwesten haben sich Guavenbüsche ausgebreitet. In den letzten Jahren hat es Aufforstungen mit Eukalyptus gegeben. Bei Anakena ist ein Palmenhain mit der ursprünglich nicht auf der Insel vorkommenden Kokospalme entstanden. Als Nutzpflanzen werden für den Eigenbedarf Kartoffeln, Süßkartoffeln, Taro, Yams, Zuckerrohr sowie tropische Früchte angebaut.
Fauna
Als Großtiere kommen lediglich Haustiere - Pferde, Schafe, Rinder, Schweine - vor. Die Pferde haben sich mittlerweile ausgewildert. Die polynesische Ratte (Rattus concolor), die vermutlich als Nahrungstier von den ersten Siedlern mitgeführt wurde, ist inzwischen ausgestorben bzw. von eingeschleppten europäischen Ratten verdrängt worden. Es gibt keine für den Menschen gefährlichen Tiere oder Überträger von Infektionskrankheiten.
Auf den vorgelagerten Motus nisten zahlreiche Seevögel, darunter verschiedene Fregattvogel- und Sturmtaucherarten, Tölpel sowie Ruß- und Feenseeschwalben.
Durch den steil abfallenden Lavasockel konnte sich kein Korallensaum bilden. Die Meeresfauna ist daher von Hochseefischen dominiert. In der Umgebung der Osterinsel wurden 126 Fischarten gezählt. Nicht selten sind Pottwale zu beobachten. Man vermutet, dass in den Tiefen auch der legendäre Riesenkalmar vorkommt. Die Tiefsee weist die bisher dichteste bekannte Konzentration von Schwarzen Rauchern auf, aktive Vulkanschlote, aus denen heißes, mineralreiches Wasser aus dem Erdinnern sprudelt und um die sich bizarre Lebensgemeinschaften gebildet haben.
Von besonderem Interesse ist eine endemische Kaurischnecken-Art, die nach Pater Englert benannte Cypraea Englerti, die nur vor der Osterinsel und der unbewohnten Insel Sala y Gomez, 400 km östlich, vorkommt.
Geschichte
Die Geschichte der Osterinsel ist schwierig zu rekonstruieren, da schriftliche Aufzeichnungen völlig fehlen. Bereits die Besiedlungsgeschichte ist umstritten. Sowohl die Mono- als auch die Multibesiedlungsthese wird vertreten. Thor Heyerdahl favorisierte eine vom südamerikanische Kontinent ausgehende Besiedlung und versuchte dies durch eigene archäologische Forschungen und seine berühmte Fahrt mit der Kon-Tiki zu beweisen.
Mittlerweile konnte sich jedoch, gestützt auf archäologische, genetische und linguistische Befunde, die Theorie einer Besiedelung von Westen, von den Marquesasinseln durchsetzen, die wahrscheinlich in zwei Wellen ab dem 5. Jahrhundert n. Chr erfolgte.
Die zweite Besiedlungswelle erfolgte der Legende nach durch Hotu-Matua, der mit 600 Kriegern in zwei Hochseekanus am Strand von Anakena landete. Genealogische Forschungen ordnen diese erneute Besiedlung in die Zeit zwischen 1400 und 1500 n. Chr. ein.
Für die Zeit nach 1300 n. Chr. ist (auf der Halbinsel Poike) eine zunehmende Bodenerosion nachgewiesen. Sie steht im Zusammenhang mit dem Raubbau an den Palmwäldern (zur Errichtung der Zeremonialplattformen?) und führte in den folgenden Jahrhunderten zur Aufgabe zahlreicher Siedlungen. Wahrscheinlich sind auch kriegerische Auseinandersetzungen, die in Zusammenhang mit der zunehmend schwierigen Nahrungsmittelversorgung zum Kulturverfall geführt haben könnten.
Entdeckungsgeschichte
Der erste Europäer, der die Osterinsel sah, war vermutlich der Pirat Edward Davis, der mit seinem Schiff Bachelors Delight 1687 von den Galapagos-Inseln kommend Kap Hoorn umsegeln wollte. Er sichtete die Insel eher zufällig und glaubte, den sagenhaften Südkontinent gefunden zu haben. Eine Landung erfolgte nicht.
Ihren heutigen Namen erhielt die Osterinsel von dem Holländer Jakob Roggeveen, der im Auftrag der Westindischen Handelskompanie am Ostersonntag 1722 mit drei Schiffen dort landete. An der Expedition nahm der Mecklenburger Carl Friedrich Behrens teil, dessen in Leipzig verlegter Bericht die Aufmerksamkeit Europas auf die geheimnisvolle Insel lenkte.
Der nächste Entdecker war der Spanier Don Felipe Gonzales, der vom Vizekönig von Peru die Order erhielt, Roggeveens Insel für die spanische Krone zu annektieren. Er landete am 15. November 1770 mit einem Linienschiff und einer Fregatte, errichtete als Zeichen der spanischen Herrschaft mehrere Kreuze an markanten Punkten und gab der Insel den Namen San Carlos. Spanien kümmerte sich in den Folgejahren allerdings wenig um seine neue Besitzung.
Während seiner berühmten Südseeexpedition erreichte Kapitän James Cook 1774 die Osterinsel. Er führte eine dreitägige Erkundung durch. Die wesentlichen Erkenntnisse über die geologische Beschaffenheit, die Vegetation, die Bevölkerung und die Statuen (die bereits umgeworfen waren) verdanken wir dem Deutschen Reinhold Georg Forster, der ihn begleite. Forster fertigte auch erste Skizzen der Moais, die, als Kupferstiche in damals typisch romantischer Überhöhung veröffentlicht, in den Salons Aufsehen erregten.
Im Jahr 1786 landete der Franzose Jean Francois de Galaup, Graf von La Pérouse bei einer Weltumsegelung im Auftrag von Ludwig XVI. auf der Osterinsel.
Ein besonders dunkles Kapitel sind die Raubzüge peruanischer Sklavenhändler in den Jahren 1859 bis 1861, die vermutlich mehr als 1.500 Insulaner als Zwangsarbeiter auf die Guano-Inseln vor Peru verschleppten. Dies und die Verbreitung von Krankheiten durch die wenigen Rückkehrer, führte zu einem dramatischen Bevölkerungsrückgang auf nur 111 Personen im Jahre 1877.
Die ersten Fotos der Moais fertigte der Schiffsarzt William Thomson, der 1886 an Bord des amerikanischen Schiffes Mohican die Osterinsel besuchte.
1888 annektierte Chile die Insel. Die ursprüngliche Bevölkerung bekam nur ein kleines Gebiet an der Westküste zugewiesen, während der Rest der Insel von einem englischen Konsortium intensiv als Weide für Schafe und Rinder genutzt wurde und unter Androhung von Strafe nicht betreten werden durfte. Dies blieb im Wesentlichen so bis zum Jahr 1955, als die chilenische Marine die Bewirtschaftung der Schaffarm übernahm.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Chile kam 1935 der deutschstämmige Kapuzinerpater Sebastian Englert auf die Osterinsel. Er blieb dort als Seelsorger bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Pater Englert bemühte sich nicht nur um das Seelenheil der Insulaner, auch verdanken wir dem vielseitig Interessierten auch wesentliche archäologische, linguistische, kulturgeschichtliche und botanische Erkenntnisse. Seine systematische Sammlung von Artefakten bildet heute den Grundstock des Museums in Hangaroa.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es mehrere Forschungsexpeditionen zur Osterinsel. Erwähnenswerte Forscher sind die Engländerin Katherine Routledge, der Franzose Alfred Métraux und der Deutsche Thomas Barthel von der Universität Tübingen, der die wesentlichen Ansätze zur Entschlüsselung der geheimnisvollen Osterinsel-Schrift fand.
Thor Heyerdahl hielt sich von 1955 bis 1956 auf der Osterinsel auf. Er führte Ausgrabungen und praktische Experimente durch und richtete die ersten Moais wieder auf.
1989 veranstaltete das Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main eine richtungweisende Ausstellung, in der erstmals einige der über die ganze Welt verstreuten Relikte der Osterinsel-Kultur zusammen geführt wurden.
In neuester Zeit wurde die Osterinsel durch den Film Rapa Nui (produziert von Kevin Costner) weltweit bekannt, der die Errichtung der Moais, den Eingriff der Menschen in die Vegetation und die damit verbundenen Folgen in typischer Hollywood-Überzeichnung schildert.
Die Moais
Die weltbekannten, in jedem Reisebuch abgebildeten kolossalen Steinstatuen der Osterinsel werden Moais (Einzahl Moai) genannt. Pater Sebastian Englert nummerierte und katalogisierte 638 Statuen, vermutlich waren es jedoch ursprünglich über 1000.
Trotz umfangreicher Forschungen ist ihr eigentlicher Zweck und die genaue Zeit ihrer Errichtung immer noch umstritten. Man geht heute davon aus, dass sie berühmte Häuptlinge oder allseits verehrte Ahnen darstellen, die als Bindeglied zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt fungierten. Aus der Tatsache, dass in einigen Ahus Grabkammern gefunden wurden, ist auf einen mit den Anlagen verbundenen Totenkult zu schließen.
Produktionsstätte der Moais war überwiegend der Krater Rano Raraku. Mit Obsidian-Werkzeugen, die man noch heute dort finden kann, wurden sie aus dem weichen, mit Lapilli durchsetzten Vulkan-Tuff gemeißelt. Thor Heyerdahl hat experimentell bewiesen, dass dies mit den archaischen Werkzeugen in relativ kurzer Zeit zu bewältigen war.
Das Aussehen der Moais ist auf den ersten Blick gleichförmig. Der übergroße Kopf, ein Drittel der gesamten Figur, ist fein ausgestaltet. Unter tief liegenden Augenhöhlen beherrscht eine große, sorgfältig ausgebildete Nase das Gesicht. Ein breites, vorgeschobenes Kinn ergänzt den verschlossenen Gesamteindruck. Interessant sind die Ohren mit ihren lang gezogenen Ohrläppchen. Vereinzelt ist auch der Ohrpflock abgebildet. Die Figuren enden unmittelbar unter dem Bauchnabel, der Unterkörper ist nicht ausgeformt. Bei genauem Hinsehen erkennt man die wechselnde Haltung der fein ausgearbeiteten Hände. Die Figuren unterscheiden sich auch durch den individuell geformten Lendenschurz-Knoten am unteren Rücken. Diese Feinheiten sind jedoch nicht bei allen Figuren erhalten geblieben.
Ursprünglich war den graubraunen Statuen ein Pukao aus roter Gesteinsschlacke aufgesetzt. Die Bedeutung des zylinderförmigen Kopfaufsatzes ist nicht bekannt. Er könnte eine Kopfbedeckung oder einen Haarknoten darstellen.
In jüngerer Zeit hat man aus weißem Korallenkalk geformte Augen mit einer Iris aus schwarzem Obsidian aufgefunden, die in die Augenhöhlen eingesetzt waren. Ein Beispiel einer solcherart vervollständigten Figur ist Ko te Riku am Ahu Tahai gegenüber dem Hafen.
Die Steinplastiken waren auf einer Plattform, Ahu genannt, mit Blick auf die davor liegende Ansiedlung aufgestellt. Beispiele solcher Zeremonialplattformen sind im gesamten polynesischen Raum (Cookinseln, Tahiti, Bora Bora, Marquesasinseln) verbreitet, was die These der Besiedlung der Osterinsel von Westen her stützt.
Der Ahu ist eine flache, abgestufte Plattform, die in megalithischer Steinsetzung so sorgfältig ausgearbeitet ist, dass bei Anlagen der Spätperiode keine Messerklinge zwischen die Steine passt. Das veranlasste Thor Heyerdahl zu einem Vergleich mit den Inka-Mauern in Peru. In der Regel liegt vor dem Ahu ein geebneter Zeremonialplatz und eine mit faustgroßen Kieselsteinen gepflasterte, aufsteigende Rampe. Die riesigen Figuren wurden auf der Plattform mit dem Rücken zum Meer aufgerichtet und mit kleinen Steinen sorgfältig verkeilt. Mörtel war auf der Osterinsel unbekannt.
Das schönste Beispiel für die Kunstfertigkeit der Steinsetzer ist der Ahu O Tahiri in Vinapu.
Es ist zu vermuten, dass die Figuren im Laufe der Zeit immer größer wurden. Am Rano Raraku ist ein 21 Meter messender, allerdings unfertig gebliebener Moai erhalten. Die größte, wieder aufgerichtete Figur am Ahu Te Pito Kura ist 10 Meter hoch.
Der oft kilometerweite Transport und das Aufrichten der fertigen Statuen erfolgte ebenfalls mit archaischen Mitteln unter Einsatz von Rolle oder Schlitten, Seilzug, schräger Rampe und Hebel. Thor Heyerdahl hat auch dies demonstriert.
Es gibt Hinweise, dass sich die Steinmetzkunst bereits in der ersten Besiedlungsphase entwickelte. Die Synthese der ursprünglichen mit der Kultur der zweiten Besiedlungswelle dürfte zur wesentlichen Vervollkommnung der Techniken ab etwa 1400 n. Chr. beigetragen haben, sodass anzunehmen ist, dass die heutigen Kolossalfiguren ab diesem Zeitpunkt entstanden sind (umstritten!).
Roggeveen beschreibt 1722 noch intakte und genutzte Zeremonialplattformen, bei der Cook-Expedition 1774 waren alle Moais bereits umgestürzt. Über die Geschehnisse in der Zwischenzeit gibt es die wildesten Spekulationen, die von Bürgerkrieg über Kannibalismus bis zur ökologischen Katastrophe als Folge der Errichtung der Moais reichen. Auch der Film von Kevin Kostner befasst sich mit einer möglichen Deutung der Ereignisse. Definitive Beweise für die ein oder andere Theorie kann bisher niemand vorlegen.
Die heute intakten Ahus sind ab den fünfziger Jahren wieder aufgerichtet worden. Auf der Insel sind aber noch viele Plattformen mit umgestürzten Figuren zu sehen.
Als Moai bezeichnet man auch kleine geschnitzte Figuren, vorwiegend aus Toromiro-Holz. Die verbreitetste Form Moai Kavakava zeigt einen ausgehungert wirkenden Mann mit deutlich hervorstehenden Rippen, einem überdimensionierten Kopf, langen Ohrläppchen, einer ausgeprägten Nase und einem Spitzbart. Der Zweck der Figuren ist unbekannt. Sie werden heute als Ahnenbildnisse mit der Funktion eines Schutzgeistes gedeutet.
Die Rongorongo-Tafeln
Über die geheimnisvolle Zeichenschrift der Osterinsel wurde viel spekuliert. Weltweit sind lediglich 25 schriftliche Aufzeichnungen auf Holztafeln, den Rongorongo-Tafeln, erhalten. Sie sind heute über die Museen der ganzen Welt verstreut. Thomas Barthel, der wohl profundeste Kenner der Osterinsel-Schrift, hält sie für eine Gedächtnisstütze zum Vortrag ritueller Gesänge.
Die Entzifferung der Osterinsel-Schrift galt lange als ungelöstes Problem, insbesondere, da die Schriftkultur sich völlig isoliert entwickelte. Erst der systematische Vergleich mit Kalenderwissen und die Einbeziehung mündlicher Überlieferungen brachte erste Ansätze zur inhaltlichen Deutung. Der Versuch, die Schrift Wort für Wort zu lesen, dürfte jedoch ein aussichtsloses Unterfangen sein.
Rei-Miro
Rei Miro ist ein nur in der Kultur der Osterinsel bekanntes hölzernes Pektoral, vorwiegend aus Toromiro-Holz geschnitzt. Es hat eine mondsichelartige Form, die aber auch als Bootskörper gedeutet werden kann. Die beiden Enden sind häufig als menschliche oder tierische Köpfe mit feinen Gesichtszügen ausgebildet. An den oberen Enden befinden sich Löcher für eine Umhängeschnur. Einige Pektorale sind mit Schriftzeichen versehen. Rei Miro von der Osterinsel finden sich in den verschiedensten Museen der Welt. Ihre Bedeutung (Kultgegenstand, Schmuck oder Rangabzeichen) ist unbekannt.
Orongo und der Vogelmannkult
Am Hang des Rano Kao, gefährlich nah an einer 300 Meter abfallenden Klippe, befinden sich die bekannten Orongo-Petroglyphen. Das Hauptmotiv ist das des Vogelmannes, ein Mischwesen aus Mensch und Fregattvogel. Der Kult um den Vogelmann erlangte ab etwa 1500 n.Chr. zunehmende Bedeutung. Nach Meinung einiger Wissenschaftler hängt dies mit der Machtübernahme durch eine Kriegerkaste als Folge der ökologischen Zerstörung zusammen.
In jedem Frühjahr schwammen junge Männer von Orongo aus zum vorgelagerten Motu Iti, um das erste Ei der Schwarzen Seeschwalbe zu finden. Wer als erster ein unbeschädigtes Ei zurückbrachte, wurde zum Vogelmann erklärt, stand rituellen Opfern vor und erfreute sich besonderer Privilegien. Die mutmaßlichen Ereignisse um den Vogelmannkult stellt Kevin Costner in seinem Spielfilm anschaulich dar.
Vogelmannfiguren sind in der gesamten Südsee (Samoa, Cookinseln) verbreitet.
Ein weiteres Motiv der Felsritzungen bei Orongo ist Make Make, ein maskenhaftes Gesicht mit großen, eulenartigen Augen, das den Schöpfergott darstellt. Es sind auch die Tierdarstellungen zu finden (Vögel, Wale, Haie, Schildkröten) sowie grafische Motive.
Zur Kultstätte Orongo gehören sorgfältig errichtete steinerne Hütten, mit einem Dach aus Grassoden (Grassodenhaus), die nicht ständig bewohnt, sondern nur zu kultischen Zwecken genutzt wurden.
Höhlen
Der vulkanische Ursprung der Insel hat zur Folge, dass sich im Gestein zahlreiche Höhlen und Klüfte gebildet haben. Die Höhlen wurden als Kultstätten genutzt, wie zahlreiche Felsmalereien beweisen. Die Motive haben ihren Ursprung überwiegend im Vogelmannkult. Thor Heyerdahl fand in den Höhlen noch steinerne Kleinplastiken mit den unterschiedlichsten Motiven: Vogelmanndarstellungen, Moais, Kopfplastiken bis hin zu Darstellungen von Segelschiffen.
Die Klüfte dienten weit profaneren Zwecken. Die ständig wehenden Winde erschweren den Anbau von Nahrungspflanzen. Bodensenken wurden daher mit fruchtbarem Boden angereichert und als ertragreiche Tiefbeete, unterhalb der Bodenniveaus, genutzt. Ein schönes Beispiel dafür findet sich in der Nähe der Anlage Vinapu.
Die Osterinsel heute
Politisch gehört die Osterinsel heute zu Chile. Sie hat den Status eines Departamento der Provinz Valparaiso.
Die 2770 Einwohner leben überwiegend in den beiden ineinander übergehenden Ansiedlungen Hangaroa und Mataveri im Westen der Insel.
Die Bewohner – insbesondere jüngere – beschäftigen sich heute intensiv mit ihren Wurzeln und treten zunehmend selbstbewusst gegenüber der Zentralregierung in Santiago auf.
Seit der Flugplatz in den siebziger Jahren von der NASA als Notlandeplatz für die Raumfähren ausgebaut wurde, können dort auch Großraumflugzeuge landen. Das hat zu einem deutlichen Anstieg des Tourismus, heute die Haupteinnahmequelle der Insel, geführt. Allerdings ist die Zahl der Touristen im Vergleich zu anderen Urlaubsinseln immer noch verschwindend gering.
Mittlerweile gibt es ein funktionierendes Wasserleitungssystem, bis dahin war man auf die Vorräte in den Kraterseen bzw. an der Küste aussickerndes Grundwasser angewiesen. An die Stromversorgung sind auch im Außenbereich liegende Anwesen angeschlossen. Die Infrastruktur mit Schule, Kirche, Post, Bank, Krankenhaus, Apotheke und kleinen Geschäften hat sich seit den sechziger Jahren erheblich verbessert, nicht zuletzt zur Befriedigung der Bedürfnisse des Tourismus. Satelliten-Telefon, Internet und E-Mails sind selbstverständlich. Inzwischen gibt es sogar eine Diskothek für die jüngeren Inselbewohner. Befestigte Straßen findet man jedoch nach wie vor nur im Bereich der beiden Dörfer.
Tourismus
Tourismus in nennenswertem Umfang gibt es erst seit 1967, als die erste Passagiermaschine auf der Insel landete. Auch heute noch ist die Osterinsel per Flugzeug ausschließlich mit der Fluggesellschaft LAN-Chile in einem viereinhalbstündigen Flug von Santiago de Chile oder von Tahiti aus zu erreichen. Die Linienflüge von Santiago erfolgen viermal in der Woche.
Die Osterinsel verfügt nur über einen Hafen für kleine Boote. Eine regelmäßige Schiffsverbindung gibt es nicht. Kreuzfahrtschiffe liegen vor Hangaroa auf Reede. Die Passagiere werden ausgebootet, was bei der durchweg rauen See häufig nicht angenehm ist.
Die Unterbringung von Touristen reicht von Privatquartieren bis hin zu annehmbaren Hotels, etwa der Dreisterne-Kategorie (nach mitteleuropäischem Standard). Bei der Preisgestaltung sollte der Besucher bedenken, dass alles, landwirtschaftliche Produkte ausgenommen, unter hohen Kosten importiert werden muss.
Da die Bevölkerung heute überwiegend vom Tourismus lebt, gibt es kundige einheimische Reiseführer für alle gängigen Sprachen, auch für Deutsch. Die Sehenswürdigkeiten sind mit dem Geländewagen, zu Pferd, aber auch für geübte Wanderer zu Fuß erreichbar. Auf der Insel ist ein privater Hubschrauber stationiert, mit dem Rundflüge angeboten werden.
Sehenswürdigkeiten
- Der Rano-Raraku, die Geburtsstätte der Moais, ist der für den Touristen wohl interessanteste Punkt der Insel. An den Hängen des Vulkanes und rund um den Kratersee stehen oder liegen über 300 Statuen in unterschiedlicher Größe und verschiedenen Stadien der Fertigung. Unweit davon steht an einer Meeresbucht der Ahu Tongariki, die größte Zeremonialplattform Polynesiens mit 15 wieder aufgerichteten Statuen von imponierender Größe.
- Bei Anakena befindet sich der einzige nennenswerte Strand der Insel aus feinem, weißen Korallensand. Hier ist Baden möglich. In dem Kokoswäldchen werden Picknicks für Touristen veranstaltet. Bei Anakena liegen zwei interessante Zeremonialplattformen, der Ahu Naunau und der Ahu Ature Huki. In den Ahu Naunau ist ein kleinerer Moai eingebaut, sozusagen recycelt..
- Te Pito o te Henua (Der Nabel der Welt) ist eine zeremonielle Anlage rund um einen kugelförmigen Stein, vermutlich natürlichen Ursprungs. Von Esoterikern werden dem Ort ungewöhnliche Eigenschaften zugewiesen. Christian Walter, ein auf der Insel lebender Anthropologe, sagt, die Anlage sei in den sechziger Jahren für leichtgläubige Touristen errichtet worden. Tatsache ist, dass Thor Heyerdahl den Ort nicht erwähnt, obwohl er in der Nähe umfangreiche archäologische Untersuchungen vorgenommen hat. Am Ahu Tongariki wurde vor einigen Jahren eine weitere Steinkugel – diese jedoch nachgewiesenermaßen menschlich bearbeitet - ausgegraben.
- Vom Kraterrand des Rano Kao bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf die drei der Südwestküste vorgelagerten Motus. Unmittelbar dort liegt auch die Zeremonialanlage Orongo.
- Puna Pau im Westen ist der Steinbruch am Hang eines Nebenvulkans des Rano Kao, in dem die Kopfaufsätze der Moais aus roter Vulkanschlacke hergestellt wurden.
Literatur
- T. Heyerdahl: Aku Aku. Ulstein-Verlag 1957 (Standardwerk, jedoch teilweise überholt)
- H. Gatermann und H. Stadler: Osterinsel. Verlag Bucher 1994, ISBN 3765808504 (wunderschön bebilderter Reiseführer)
- M. Esen-Baur u.a.: 1500 Jahre Kultur der Osterinsel. Philip von Zabern 1989, ISBN 3805310641 (Katalog zur Ausstellung im Senkenberg-Museum mit umfangreichen, wissenschaftlich abgesicherten Informationen)
Weblinks
- weitere Weblinks
- Karte der Osterinselus der Kartensammlung der Perry-Castañeda Bibliothek.
- Private Infoseite über die Osterinsel{Navigationsleiste Staaten in Ozeanien}}
- Suche nach Osterinsel Infos mit: Yahoo
