Polnische Literatur
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Bereits um 1112-1116 entstehen die ersten anonymen Chroniken des polnischen Mittelalters, später auch Heiligenviten. Als Vater der polnischen Literatur gilt dennoch der Dichter und Erzähler Mikołaj Rej, der es im 16. Jahrhundert mit seinem Ausspruch, dass die Polen keine Gänse seien und ihre eigene Sprache hätten ("Polacy nie gęsi i swój język mają"), vermochte, bei seinen Landsleuten das Interesse am literischen Umgang mit der polnischen Sprache nachhaltig zu wecken. Bis dahin war fast ausschließlich Latein als amtliche Schriftsprache im Gebrauch gewesen.
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Renaissance
Die Ursprünge der polnischen Literatur in der Volkssprache liegen in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Biernat aus Lublin (1465-1529) schuf Fabeln (Äsop-Adaptationen) und längere Versgedichte. MikoÅ‚aj Rej (1505-1569) schrieb Dialoge, satirische Verstraktate und moralische Prosa über das gute Leben. Å?ukasz Górnicki (1527-1603) verfasste den an Castiglione geschulten Dialogtraktat "Der polnische Edelmann" ("Dworzanin polski"). Der in jeder Hinsicht bedeutendste Vertreter der polnischen Renaissance ist Jan Kochanowski (1530-1584), der sich in nahezu allen Gattungen betätigte und dessen sprachschöpferisches Können und klassische Perfektion der polnischen Sprache neue Dimensionen eröffneten. Er war mit Ronsard bekannt und hatte, ähnlich wie Nikolaus Kopernikus (MikoÅ‚aj Kopernik), lange in Italien studiert. Neben zahlreichen Gedichten zählen das Drama "Die Abfertigung der griechischen Gesandten" ("Odprawa posłów greckich") und seine an Boccaccio erinnernden "Fraszki" (= Geschichtchen, kurze Verserzählungen, Satiren) sowie die "Trauerverse" ("Treny") zu seinen unsterblichen Leistungen. MikoÅ‚aj SÄ™p-SzarzyÅ„ski (1550-1581) verfasste lyrische Sonette und Elegien von hoher Eindringlichkeit, Szymon Szymonowic (1558-1629) lebensfrohe Bukolika ("Sielanki" = "Idyllen"), Sebastian Klonowic (1545-1602) den satirischen Kriminaltraktat "Lauter Judasse" ("Worek Judaszów") und das lateinische Kleinepos "Roxolania" ("Roksolanki"), eine poetische Beschreibung der östlichen Gebiete des Königreichs Polen (Wolhynien, Podolien, Lemberg).
Barock
Im 17. Jh., der Blütezeit der Barockdichtung, entstehen neben gemischten Gattungen von Wacław Potocki einerseits klerikale Verse von Jan Andrzej Morsztyn, andererseits streng katholische Gedichte von Wespazjan Kochowski.
Aufklärung
In der Zeit der polnischen Aufklärung unter der Regierung des letzten polnischen Königs Stanislaus II. August schreiben Ignacy Krasicki (1735-1801) und Adam Naruszewicz (1773-1796) Satiren, in denen sie den Sittenverfall und die Bildungsfeindlichkeit des Landes anprangern.
Romantik
1772, 1793 und 1795 finden die drei Teilungen Polens statt. Der polnische Staat wird unter die Nachbarmächte Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt und schließlich für 123 Jahre aufgelöst. Wegen der politischen Lage nehmen die Werke der polnischen Romantik zunehmend messianistische Züge an. Ihre führenden Vertreter, Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki (1809-1849), schreiben von der Emigration aus, wohin sie nach dem zerschlagenen Novemberaufstand von 1831 flüchten. Die Überzeugung von der geschichtlichen Bestimmung des eigenen Volkes führt zur verstärkten Beschäftigung mit der Geschichtsphilosophie. Mit Beniowski (Słowacki) und Pan Tadeusz (Mickiewicz) wird der Versepos zu einer der beliebtesten Gattungen erhoben. Weitere namhafte Vertreter dieser Zeit sind Zygmunt Krasiński (1812-1859) und Cyprian Kamil Norwid (1821-1883).
Realismus
An der Entwicklung des historischen Romans beteiligt sich Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887). Der realistischer Roman feiert seinen Höhepunkt u.a. mit Henryk Sienkiewicz' (1846-1916) Trilogie Ogniem i mieczem (Mit Feuer und Schwert), Potop (Sinflut) und Pan Wołodyjowski (Herr Wołodyjowski), mit Bolesław Prus' (1847-1912) Lalka (Die Puppe) und mit Eliza Orzeszkowas (1814-1910) Nad Niemnem (An der Memel).
Moderne
Die literarische Moderne setzt bei den Polen um 1891 ein. In ihrem Rahmen werden ästhetische und philosophische Anliegen behandelt. Jan Kasprowicz (1860-1926), Stanisław Wyspiański, Stefan Żeromski (1864-1925) und Władysław Reymont (1867-1925) gehören zu der Vereinigung der sog. Młoda Polska (Junges Polen). Ihr Schaffen wurzelt in der Tradition des europäischen Symbolismus' und des Gesellschaftsromans. Für die Authentizität der Literatur als Ausdruck der erlebten Wirklichkeit setzen sich Zofia Nałkowska (1884-1954), Maria Dąbrowska (1889-1964) und Bruno Schulz (1892-1942) ein. Schulz wie sein jüngerer Kollege Witold Gombrowicz (1904-1969) sind Meister der Groteske, Phantastik und des Humors.
Nachkriegszeit
Im Zeichen des Pessimismus, Nihilismus, Zynismus und der Skepsis stehen Werke von Jerzy Andrzejewski, Jarosław Iwaszkiewicz und Marek Hłasko (1934-1969). Sie entstanden größtenteils als Reaktion auf die schweren Lebensbedingungen der Nachkriegszeit. Aufgrund der politischen Situation, die unzensiertes Publizieren im Lande unmöglich macht, wird die polnische Literatur nach dem II. Weltkrieg auch von Schriftstellern im Exil geschrieben. Die Werke von Witold Gombrowicz, Henryk Grynberg, Józef Mackiewicz, Czesław Miłosz, Marek Hłasko, Sławomir Mrożek und Leszek Kołakowski erscheinen im Erstdruck in der pariser Zeitschrift Kultura. Die umstrittensten von ihnen dürfen erst in der 2. Hälfte der 80er Jahre in Polen erscheinen.
Nach 1989
Die polnische Literatur hat in den 1980er Jahren Talente hervorgebracht, die erst nach der politischen Wende 1989 zur Blüte kamen und sich entfalten konnten. Dazu gehören einmal die beiden Danziger Autoren Pawel Huelle und Stefan Chwin, die die Tradition der Danziger Literatur weiterführen. Außerdem ist die Zeit nach '89 geprägt von der Rückkehr der Exilanten wie Czesław Miłosz und Sławomir Mrożek. Ein Höhepunkt der 1990er Jahre in der polnischen Literatur war die Verleihung des Nobelpreises an die Lyrikerin Wisława Szymborska 1996. Zu den literarischen Hoffnungen der jungen Generation gehören Olga Tokarczuk und die junge Dorota Masłowska, die 1983 geboren wurde und damit die erste nennenswerte Autorin ist, die in der nachsozialistischen Ära aufgewachsen ist.
Weblinks
- weitere Weblinks
- Polnische Literatur im deutschen Netzwww.polska2000.pl - Buchinstitut Krakau (in deutscher Sprache)www.culture.pl - Adam-Mickiewicz-Institut Warschau (in englischer Sprache)----
siehe auch: Liste polnischer Autoren, Geschichte Polens
- Suche nach Polnische Literatur Infos mit: Yahoo
