Quanteninformation
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Einordnung: Quantenphysik
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Unter Quanteninformation versteht man die in quantenmechanischen Systemen vorhandene Information, die nicht mit den Gesetzen der klassischen Informationstheorie beschrieben werden kann.
Die Theorie der Quanteninformation liefert die Grundlage fĂŒr Quantencomputer und Quantenkryptographie. AuĂerdem besteht die Hoffnung, mit ihrer Hilfe die Quantenmechanik besser zu verstehen.
Grundlagen
Quantenmechanische Systeme haben einige Eigenschaften, die sie grundlegend von klassischen Systemen unterscheiden.
- VerschrĂ€nkung: Die VerschrĂ€nkung ist der interessanteste Aspekt der Quanteninformation, sie wurde von Albert Einstein spukhafte Fernwirkung genannt. FĂŒr zwei verschrĂ€nkte Systeme gilt, dass keines der Systeme fĂŒr sich genommen einen definierten Zustand hat, sondern nur das aus beiden Systemen zusammengesetzte Gesamtsystem. Dies gilt auch dann, wenn die beiden Teilsysteme nicht (mehr) miteinander wechselwirken und Lichtjahre weit voneinander entfernt sind. VerschrĂ€nkte ZustĂ€nde sind die Grundlage des EPR-Paradoxons.
- Die VerschrĂ€nkung von ZustĂ€nden ist letztlich eine Folge der Anwendung des Superpositionsprinzips auf zusammengesetzte Systeme: Wenn das System 1 im Zustand |Zustand 1a> und das System 2 im Zustand |Zustand 2a> ist, dann ist das kombinierte System im Zustand |System 1 in Zustand 1a und System 2 in Zustand 2a>, oder kurz |1a,2a>. Im Formalismus der Quantenmechanik ist dies ein Produkt der beiden ZustĂ€nde (nĂ€mlich das Tensorprodukt). Analog kann das Gesamtsystem auch im Zustand |1b,2b> sein. Das Superpositionsprinzip fordert nun aber, dass das auch a|1a,2a>+b|1b,2b> ein Zustand des Systems ist. Da dieser sich (fĂŒr a und b ungleich 0) jedoch nicht als Produkt schreiben lĂ€sst, kann man den Einzelsystemen keinen eigenstĂ€ndigen Zustand mehr zuschreiben.
- KomplementaritĂ€t: FĂŒr ein Quantensystem sind niemals die Werte aller Observablen gleichzeitig definiert. Ist der Wert einer Observablen exakt definiert, so ist der Wert anderer Observablen völlig unbestimmt. Misst man diese Observable, so ist das Ergebnis rein zufĂ€llig. Solche Observablen nennt man komplementĂ€r. ZusĂ€tzlich gibt es noch Observablen, deren Wert zwar auch nicht festgelegt ist, bei denen jedoch abhĂ€ngig vom Wert der ersten Observablen die verschiedenen Werte unterschiedlich wahrscheinlich sind.
- Wird eine solche Observable gemessen, so wird der Wert der vorherigen Observable entsprechend unbestimmt. Eine wichtige Folge davon ist, dass wir durch Messung eines einzelnen Quantensystems unmöglich den exakten Zustand herausfinden können, in dem es sich vor der Messung befunden hat.
- Beispiel:
- FĂŒr ein Spin-1/2-System kann eine Spinkomponente in beliebiger Raumrichtung gemessen werden. Die möglichen Werte sind stets entweder <math>+\hbar/2<math> ("Spin up") oder <math>-\hbar/2<math> ("Spin down").
- FĂŒr das Spin-1/2-System sind die Spin-Komponenten in x-, y- und z-Richtung zueinander komplementĂ€r. Kennt man den z.B. Spin in z-Richtung, so kann man keinerlei Voraussage ĂŒber den Spin in x-Richtung machen, beide Ergebnisse sind gleich wahrscheinlich.
- Misst man hingegen z.B. in einem Winkel von 60° zur z-Richtung, so erhÀlt man mit Wahrscheinlichkeit 3/4 denselben Wert, den das System vor der Messung in z-Richtung hatte, und mit Wahrscheinlichkeit 1/4 den anderen Wert.
- Misst man bei bekanntem Spin in z-Richtung den Spin in x-Richtung, so ist danach der Spin in x-Richtung bekannt, der Spin in der komplementÀren z-Richtung wird aber durch die Messung unbestimmt. Eine erneute Messung des Spins in z-Richtung wird mit gleicher Wahrscheinlichkeit beide Werte liefern; der vorherige Wert in z-Richtung ist "gelöscht".
- Von zwei Observablen, deren Werte gleichzeitig definiert sein können (also das Gegenteil von komplementĂ€ren Observablen) sagt man, sie vertauschen bzw. kommutieren. Das bezieht sich zwar eigentlich auf eine Eigenschaft der mathematischen Objekte (Operatoren), mit denen sie in der Quantenmechanik beschrieben werden, man kann es aber auch auf die Tatsache beziehen, dass fĂŒr diese, und nur fĂŒr diese, die Reihenfolge, in der man sie misst, egal ist, man also die zugehörigen Messungen vertauschen kann.
- ZustÀnde, in denen der Wert einer Observablen eindeutig festgelegt ist, nennt man EigenzustÀnde der Observablen, und den zugehörigen Wert der Observablen Eigenwert.
- Superpositionsprinzip: Sind |Zustand 1> und |Zustand 2> zwei mögliche ZustĂ€nde eines quantenmechanischen Systems, und sind a und b zwei komplexe Zahlen mit |a|ÂČ+|b|ÂČ=1, so gibt es einen weiteren möglichen Zustand des Systems, der sich als
- |neuer Zustand> = a|Zustand 1> + b|Zustand 2>
- schreiben lĂ€sst. Hierbei fĂŒhrt ein gemeinsamer Faktor bei a und b zum selben Zustand, amsonsten gehört zu jedem Paar von a und b ein anderer Zustand.
- Falls |Zustand 1> und |Zustand 2> verschiedene EigenzustĂ€nde einer Observablen mit unterschiedlichem Eigenwerten w1 und w2 sind (solche ZustĂ€nde nennt man orthogonal), so ist im Zustand |neuer Zustand> die Wahrscheinlichkeit, bei Messung der Observablen den Wert w1 zu erhalten, gerade |a|ÂČ, und die Wahrscheinlichkeit, den Wert w2 zu erhalten, |b|ÂČ.
- Beispiel:
- FĂŒr ein Spin-1/2-System ergeben die Superpositionen der ZustĂ€nde |Spin up in z-Richtung> und |Spin down in z-Richtung> gerade alle ZustĂ€nde der Form |Spin up in Richtung n> und |Spin down in Richtung n>, wobei n die Richtung angibt.
- UnitĂ€re Zeitentwicklung: Solange nicht gemessen wird, gehen zueinander orthogonale ZustĂ€nde immer in orthogonale ZustĂ€nde ĂŒber. AuĂerdem gilt das Prinzip der Wahrscheinlichkeitserhaltung: Die Summe der Wahrscheinlichkeiten einer möglichen Messung muss zu jedem Zeitpunkt 1 ergeben.
Aus diesen quantenmechanischen Grundlagen folgen u.a. die folgenden wichtigen Aussagen:
- No-Cloning-Prinzip: Ein unbekannter Quantenzustand kann nicht kopiert werden. Das heiĂt, es gibt keine Möglichkeit, ein zweites System so zu prĂ€parieren, dass es bekanntermaĂen denselben Zustand hat wie ein existierendes System in unbekanntem Zustand, ohne dass der ursprĂŒngliche Zustand des Original-Systems zerstört wird. Das heiĂt, entweder hat das Originalsystem hinterher einen Zustand, der nichts mit dem Originalzustand zu tun hat, oder es befindet sich in einer VerschrĂ€nkung mit einem anderen System und hat daher als Einzelsystem ĂŒberhaupt keinen definierten Zustand mehr.
- Das einfachste quantenmechanische System hat genau zwei orthogonale ZustÀnde (eine Messung kann maximal zwei unterschiedliche Ergebnisse haben). Ein solches System nennt man Qubit, und es spielt eine Àhnliche Rolle in der Quanteninformation wie das Bit in der klassischen Information.
- In n Qubits lassen sich maximal n klassische Bits speichern und zuverlÀssig wieder extrahieren. Allerdings ist dabei nicht notwendigerweise jedes klassische Bit in genau einem Qubit gespeichert.
Anwendungen der Quanteninformation
Die besonderen Eigenschaften der Quanteninformation fĂŒhren dazu, dass sie fĂŒr einige Anwendungen sehr interessant ist.
Die Quantenkryptographie nutzt vor allem das KomplementaritĂ€tsprinzip: Wenn der Lauscher nicht weiĂ, in welcher Basis ein Qubit codiert ist, ist es fĂŒr ihn praktisch unmöglich, dieses auszulesen. Zudem wird durch seinen Lauschversuch die Information zerstört, so dass unbemerktes Lauschen nicht möglich ist. Zudem geben Quantensysteme gute Zufallszahlengeneratoren fĂŒr die Generierung von SchlĂŒsseln fĂŒr klassische Verfahren.
In Quantencomputern werden vor allem das Superpositionsprinzip und die VerschrÀnkung verwendet, um effizienter zu rechnen ("QuantenparallelitÀt").
Ăber die Menge der Information
Klassisch wird die Informationsmenge in Bit angegeben. In vielerlei Hinsicht Ă€quivalent dazu ist in der Quanteninformation das Qubit. Jedoch ist die Frage, wieviel Information ein Qubit enthĂ€lt, nicht letztgĂŒltig geklĂ€rt.
WĂ€hrend ein klassisches Bit sozusagen 'eindimensional' ist, also nur eine Ja-Nein-Alternative, ist das Qubit 'dreidimensional'. Am einfachsten ist das bei Spin-1/2-Systemen zu sehen, bei denen die Superpositionen direkt den Raumrichtungen entsprechen, in denen das Ergebnis einer Spinmessung festliegt, es gilt aber fĂŒr jedes Qubit. So kann z.B ein Photon
- linkszirkular oder rechtszirkular,
- horizontal oder vertikal und
- 45° oder -45° polarisiert sein.
Diese drei Polarisationen bilden, wie die drei zueinander senkrechten Spinkomponenten des Spin-1/2-Teilchens, drei jeweils zueinander komplementĂ€re Observable. Entsprechend sind beim Photon auch alle Ăberlagerungen dieser ZustĂ€nde möglich. Ein Photon kann nicht nur links- oder rechtszirkular polarisiert sein, sondern auch zu 90% linkszirkular und zu 10% rechtszirkular (elliptische Polarisation). Das heiĂt: Von vielen Photonen, die so polarisiert sind, erscheinen bei einer Messung der zirkularen Polarisation 90% linkszirkular polarisiert. Vor der Messung trĂ€gt aber jedes einzelne Photon die Eigenschaft der Ăberlagerung (siehe Schrödingers Katze).
Um den Zustand eines Photons exakt anzugeben, reicht also ein Bit, also eine Wahl zwischen 1 und 0, nicht aus. Vielmehr mĂŒssen beide Anteile angegeben werden, was einer reellen Zahl, also unendlich vielen Bits entspricht. Um ein Photon exakt nach Vorschrift zu prĂ€parieren, ist unendlich viel klassische Information nötig. Diese Beobachtungen legen nahe, dass ein Qubit unendlich viel Information enthĂ€lt.
Andererseits ist es völlig unmöglich, diese Information aus einem einzelnen Photon wieder herauszukriegen. Denn wenn in einer Richtung die Polarisation bestimmt wird, wird gleichzeitig der Zustand des Photons zerstört, so dass keine Aussage ĂŒber die ursprĂŒngliche Wahrscheinlichkeitsverteilung gemacht werden kann. Bei der Messung des Photons erhĂ€lt man also immer genau ein klassisches Bit Information. Zudem gibt es fĂŒr unverschrĂ€nkte Qubits immer genau eine (wenngleich bei Unkenntnis des Zustands unbekannte) Observable (z.B. beim Spin-1/2-Teilchen: eine Messrichtung fĂŒr den Spin), deren Ergebnis durch den Zustand vollstĂ€ndig festgelegt wird; fĂŒr die dazu komplementĂ€ren Observablen (Spin-1/2: fĂŒr die dazu senkrechten Messrichtungen) ist dann das Ergebnis der Messung völlig unbestimmt, der Zustand des Qubits enthĂ€lt also keinerlei Information darĂŒber, welches Ergebnis die Messung dieser Observablem ergeben wird. Diese Beobachtungen legen nahe, dass die Information eines Qubits gerade ein klassisches Bit betrĂ€gt.
Der Begriff der Information hÀngt eng mit den Begriffen Entropie, Energie und Temperatur zusammen und scheint in der Physik Àhnlich fundamental zu sein.
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