Rekonstruktionismus
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Einordnung: Judentum
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Der jüdische Rekonstruktionismus ist die jüngste Strömung des Judentums. Gegründet wurde sie 1922 von Rabbiner Mordecai M. Kaplan (1881 - 1983) in den USA. Dieser hat die Bewegung auch weiterentwickelt und verbreitet. Mordecai M. Kaplan war ein orthodoxer Rabbiner, sein Weg führte jedoch weg von der jüdischen Orthodoxie.
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Statistik
Von den 13 Millionen Juden der Erde leben ca. sechs Millionen in den USA. Von diesen bekennen sich 6 % zum orthodoxen Judentum, 35 % zum konservativen Judentum, 38 % zum Reformjudentum; 2 % zählen sich zum rekonstruktionistischen Judentum, der Rest gehört zu keiner dieser Strömungen. In anderen Ländern ist die Verteilung meist ähnlich, nur das konservative Judentum ist außerhalb der USA kaum vertreten.
Entstehungsgeschichte, chronologisch
Frühzeit
Mit der Gründung einer Gemeinde in New York 1922, der Society for the Advancement of Judaism, begann die Geschichte des Rekonstruktionismus als jüdische Erneuerungsbewegung. Kaplan, seit 1909 Dekan am renommierten Jewish Theological Seminary (bis 1963) gründete mit Anhängern, Studenten und Rabbiner, 1928 eine eigenständige Gruppe innerhalb der konservativen jüdischen Strömung, die ein Reconstructionist Council konstituierte. Den elaborierten theoretischen Unterbau der sich formierenden, entwickelnden rekonstruktionistischen Strömung lieferte Kaplan 1934 mit seinem Buch Judaism as a Civilization. Er formulierte Reformationen der jüdischen Theologie, der jüdischen Philosophie, der Bräuche und des Gemeindelebens. Seit 1935 entstanden überall in den USA rekonstruktionistische Clubs, ein Verlag wurde gegründet und in diesem Jahr erschien das Gemeindeblatt The Reconstructionist Magazine, zur Kommunikation rekonstruktionistischer Positionen. 1940 gründete Kaplan die Reconstructionist Foundation, deren Mitgliedschaft progressiven Rabbinern offenstand, sowie allen jüdischen Laien, ohne eine Spaltung vom konservativen Judentum zu beabsichtigen. Die folgenden Bücher zeichneten weiter wichtige Stationen der Entwicklung des Rekonstruktionismus als eigenständige Strömung innerhalb des Judentums auf, denn bisher war die rekonstruktionistische Strömung Teil der konservativen. 1941 gaben M.M. Kaplan, Ira Eisenstein und Eugene Kohn eine neue, rekonstruktionistische Fassung für das Pessach Seder, The New Haggadah heraus.
Spaltung
1945 gaben M.M. Kaplan, I. Eisenstein, E. Kohn und Milton Steinberg eine neue Fassung des Sabbath Prayer Book heraus. Dies führte zu einigem Aufruhr, u. a. verbrannten einige ultraorthodoxe Rabbiner dieses Gebetbuch und schlossen Kaplan als Häretiker und Apostat aus dem Judentum aus. Erst 1959 folgte mit der Gründung der Fellowship of Reconstructionist Congregations durch Rabbiner Ira Eisenstein die Abspaltung von der konservativen Strömung. Jüdischen Gemeinden stand daraufhin die Mitgliedschaft offen und sie konnten sich rekonstruktionistisch deklarieren, ohne der konservativen Bewegung anzugehören. Heute heißt die rekonstruktionistische Bewegung Jewish Reconstructionist Federation. Sie zählt etwa 100 Synagogen in den USA, Kanada, Zentralamerika und Israel zu ihren Mitgliedern. Ein Rabbiner-Seminar wurde 1968 mit dem Reconstructionist College in Philadelphia, PA, gegründet und 1974 die Rabbiner-Vereinigung Reconstructionist Rabbinical Association, in Philadelphia, PA.
Gegenwart
Heute ist der Rekonstruktionismus die vierte bedeutende Strömung des religiösen Judentums auf der Erde. Mordecai M. Kaplan wird als einer der bedeutenden Denker des 20. Jahrhunderts gewürdigt.
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