Republik Venedig
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Einordnung: Staat (historisch)
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Die Republik Venedig (Serenissima Repubblica di San Marco) war ein Staatsgebilde im Nordosten der Adria und stellte zeitweilig die stärkste Macht des östlichen Mittelmeeres dar.
| Inhaltsverzeichnis |
Entstehung
Anfangs war Venedig dem Byzantinischen Reich unter dem Exarchen von Ravenna unterstellt. Diese theoretische Abhängigkeit wurde nie geändert, in der Praxis handelte Venedig jedoch seit dem 9. Jahrhundert als eigenständiger Staat. Der Stellvertreter des Exarchen war ein Dux. Dieses Wort wurde zu Doge und das Amt das eines faktischen Staatsoberhauptes der Republik. Seit 828 (Raub der Markusreliquien aus Alexandria) war der heilige Markus Schutzpatron der Stadt, und die Republik wurde ebenfalls ihm geweiht. Dies waren Zeichen des gesteigerten Selbstbewusstseins und auch ein politisches Zeichen im Kampf gegen den Patriarchen von Aquileia, der die Stadt für das Frankenreich und dessen Nachfolgestaaten beanspruchte. Durch die engen Beziehungen zu Byzanz konnten die Venezianer in Ostrom wirtschaftlich rasch Fuß fassen, und bereits im 12. Jahrhundert dominierten sie das dortige Wirtschaftsgeschehen.
Institutionen
Die Institutionen der Republik bildeten sich im Laufe des 13. Jahrhunderts aus. Seit 1297 wurde die Verfassung bis zuletzt nicht mehr geändert, so dass sie europaweit als Muster der Stabilität gefeiert wurde. Die Kehrseite dieser Stabilität war allerdings ein rigides Polizei- und Spitzelsystem. 1132/1148 wurde der mittlerweile als unerträglich empfundenen Alleinherrschaft des Dogen ein Gremium gegenübergestellt, der Große Rat von etwa tausend (später zweitausend) Mitgliedern. 1297 kam es zur Schließung des Großen Rates: ab da war der Zugang auf die Mitglieder des Patriziats beschränkt, deren Genealogie im Goldenen Buch verzeichnet war und die ihm auf Lebenszeit angehörten. Der Große Rat war keine Legislative im eigentlichen Sinn, er musste aber allen wichtigen Gesetzesvorlagen zustimmen.
Eine Art Präsidium des Großen Rates war die Signoria, die auch das höchste Kontrollorgan darstellte. In ihr waren auch die Häupter der Quarantia, des obersten Gerichts, vertreten. Mitte des 13. Jahrhunderts ging aus dem Großen Rat der Senat hervor, der ursprünglich eine Schifffahrtsbehörde war, im Lauf der Zeit jedoch vielerlei Aufgaben übernahm und damit eine Art Regierung bildete. Daneben gab es den Rat der Zehn, ebenfalls eine Kontrollinstanz, in der auch der Doge einen Sitz hatte und der eine Art oberstes Polizei- und Verwaltungsorgan war. Alle diese Institutionen blieben seit dem Putschversuch von Marino Falier 1355, der die Macht des Patriziats zugunsten des Volkes beschränken wollte, unverändert.
Blütezeit und Niedergang
Vom 11. bis zum 15. Jahrhundert
Als Byzanz von den im Gefolge der Schlacht von Mantzikert 1079 frisch aus Zentralasien in die heutige Türkei eingewanderten Türken in äußerste Bedrängnis geraten war, nutzten die Venezianer die Gunst der Stunde und setzten ihre Flotte zum Schutz gegen die Invasoren ein.
Der Lohn war ein Handelsabkommen, das die Stadt ab 1081 von allen Abgaben befreite und damit ihre Händler so sehr bevorrechtete, dass sie binnen weniger Jahrzehnte das Byzantinische Reich wirtschaftlich dominierten. Eine Vorherrschaft, die so weit ging, dass das wirtschaftliche Fundament des oströmischen Staates gefährdet wurde.
Dazu kam, dass die Spaltung der Kirche in Orthodoxe und Katholiken (1054) einen schon vor den Kreuzzügen spürbaren Graben zwischen dem westlichen Abendland und Byzanz noch weiter aufriss. Schon der 1. Kreuzzug (1096-1099) hatte zu schweren Auseinandersetzungen geführt.
Anlässlich des 4. Kreuzzuges (1201-1204) nutzte der Doge Enrico Dandolo die Gelegenheit zur Eroberung der reichen Metropole am Bosporus; ein "Verrat" (Steven Runciman), in dessen Folge ungeheure Schätze in den Süden und Westen Europas strömten, die noch heute zahlreiche Bauten schmücken. In Venedig war die Quadriga auf der Markuskirche ein Symbol seines Triumphs.
Venedig profitierte von der Errichtung des so genannten Lateinischen Kaiserreichs, das von der Serenissima faktisch kontrolliert wurde. Venedig errichtete in den folgenden Jahren ein Kolonialreich in der Ägäis und profitierte enorm vom Handel in diesem Raum.
Dieser Triumph wurde schon bald durch die Rivalität zu Genua geschmälert, die sich mit den byzantinischen Exilprätendenten verbündeten, denen es 1261 gelang, die Stadt wieder zurück zu erobern. Venedig musste einen Teil seines Gebietes und seiner Privilegien an Genua abtreten. Die Folge war ein Dauerkonflikt, der sich das ganze 14. Jahrhundert hindurchzog. 1379 gelang den Genuesen sogar die Eroberung Chioggias. Doch dann hatten sie ihr Pulver verschossen, und Venedig ging aus diesem Konflikt als knapper Sieger hervor.
Ein anderer Erzfeind war Ungarn, das die Stützpunkte in Dalmatien bedrohte. Auch hier währte der Kampf jahrzehntelang, bis es den Venezianern in den 1410er Jahren endgültig gelang, ganz Dalmatien zu erobern. Etwas früher konnten sich die Venezianer auch im südlichen Istrien festsetzen, der Nordteil ging an die Habsburger. Zu diesen stand die Grenze etwa um 1500 fest, als die Grafschaft Görz durch Erbe an Habsburg fiel und so Triest effektiv vor venezianischen Begehrlichkeiten geschützt werden konnte.
Etwa zur selben Zeit begann Venedig, sich auch am Festland, seiner "Terra Ferma", auszudehnen. 1339 wurde Treviso erobert, und in den beiden Jahrzehnten nach 1400 erstreckte sich die Herrschaft über ganz Venetien und Friaul, im Westen ging sie bis über Brescia hinaus. Der Fluss Adda wurde im Frieden von Lodi 1454 als Westgrenze festgelegt. Die anderen italienischen Staaten sahen in Venedig bereits ihren schärfsten Rivalen.
Vom 16. bis zum 17. Jahrhundert
Als Venedig 1481 versuchte, Ferrara zu erobern, stellten sich ihm alle größeren italienischen Staaten entgegen. Ein weiterer Versuch im Gefolge der Wirren, die durch den Einfall der Franzosen in Italien 1494 entstanden, sich der apulischen Hafenstädte zu bemächtigen, schlug fehl. In einem seltenen Bündnis zwischen Kaiser, Papst und König von Frankreich wurde die venezianische Armee bei Agnadello am 14. Mai 1509 vernichtend geschlagen. Damit hatte die venezianische Expansion ihren Plafond erreicht. Von nun an betrieb die Republik gegenüber den italienischen Staaten eine Politik der strikten Neutralität.
1453 war Konstantinopel in die Hand der Osmanen gefallen. Nach und nach wurden den Venezianern von den Türken alle Inselbesitzungen in der Ägäis und die Stützpunkte auf dem griechischen Festland abgenommen. 1571 ging mit Zypern die letzte große Besitzung in der Levante verloren. In der Schlacht von Lepanto im selben Jahr wurde zwar die türkische Flotte geschlagen, so dass sie keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellte, der Sieg brachte aber keinen unmittelbaren Gebietsgewinn für die Republik (siehe dazu auch: Türkenkriege).
Den Besitz in Dalmatien konnten die Venezianer behaupten und im 17. Jahrhundert sogar auf Kosten der Türken vergrößern. Kreta kontrollieren sie bis 1669, und Morea konnte 1687-1718 sogar noch einmal zurückgewonnen werden.
Niedergang und Ende
Zu den zahlreichen Mythen der venezialischen Geschichte gehört auch der Mythos des Falls, Abstiegs und der Dekadenz im 18. Jahrhundert, der aber von der jüngeren Forschung (seit etwa 1960) nachdrücklich zurückgewiesen wird. Sicherlich war die Republik politisch immer weniger mächtig, aber wirtschaftlich war Venedig gerade im 18. Jahrhundert besonders stark, und auch seine Diplomatie stand allerdings in hohem Ansehen. Auch in der Kunst beruht die Abqualifizierung der großen Leistungen (etwa Canalettos oder Tiepolos) mehr auf kunstgeschichtlich-ästhetischen Theorien der Zeit um 1900.
Im Italienfeldzug Napoléon Bonapartes wurde die Stadt am 14. Mai 1797 besetzt. Der Friede von Campo Formio brachte das gesamte Gebiet der Republik an Österreich. So endete mit einem Schlag die stolze Geschichte der Allererlauchtesten Republik.
Literatur
- Frederic C. Lane: Seerepublik Venedig. (Originaltitel: Venice, a maritime republic). München 1980.
- Alvise Zorzi: Venedig. Eine Stadt, eine Republik, ein Weltreich 697-1797. Stuttgart 1981.
Siehe auch: Doge, Dogen von Venedig
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