Reuß jüngere Linie
www.infos-aus-germanien.info
Einordnung: Gera | Historisches Territorium | Thüringen
- Was heißt Reuß jüngere Linie auf:
Englisch - Französisch - Italienisch - Niederländisch und Schwedisch sowie Spanisch
- Sie wissen mehr über das Thema Reuß jüngere Linie und möchten uns dazu etwas mitteilen?
Benutzen Sie dazu bitte unser Forum und eröffnen Sie einen neuen Thread zum Thema Reuß jüngere Linie.
| Daten im Jahr 1900 | ||
|---|---|---|
| Landeshauptstadt: | Gera | |
| Fläche: | 827 km² | |
| Einwohner: | 139.210 | |
| Kfz-Kennzeichen: | RJ | |
| Karte | ||
Das Fürstentum Reuß Jüngere Linie war ein Kleinstaat im Osten des heutigen Landes Thüringen mit Gera als Landeshauptstadt. Es entstand 1848 mit der Wiedervereinigung der drei reußischen Teilherrschaften der jüngeren Linie Schleiz, Ebersdorf und Gera.
| Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Reuß jüngere Linie ist ein Hauptzweig des Hauses Reuß. 1802 stirbt mit Heinrich XXX. der letzte Graf aus dem Haus Reuß-Gera j.L.. Die jüngeren Linien Reuß-Schleiz, Reuß-Lobenstein und Reuß-Ebersdorf übernehmen zusammen die Regentschaft über die Herrschaft Gera. Schon 1824 erlischt aber durch den Tod von Heinrich LIV. die Linie Reuß-Lobenstein, deren Gebiet an die Linie Reuß-Ebersdorf fällt. Diese Linie verzichtet 1848 mit dem Rücktritt des Fürsten Heinrich LXXII. zugunsten der Linie Reuß-Schleiz, womit das einheitliche Fürstentum Reuß jüngere Linie entsteht.
In der Nachfolge der Teilherrschaften, die bis 1806 zu Fürstentümer erhoben sind, ist Reuß j. L. ebenfalls Fürstentum, Mitglied des Deutschen Bundes und Mitglied im Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten Mitglied des Deutschen Zollvereins. 1849 erhält das neue Fürstentum als konstitutionelle Monarchie ein Staatsgrundgesetz sowie ein Wahlgesetz mit indirekten Wahlen. Konservative Revisionen des fortschrittlichen Staatsgrundgesetzes erfolgen 1852 und 1856. Seit 1854 ist das Domänengut, insbesondere aus Forsten bestehend, alleiniges Eigentum des Fürstenhauses, mit einer eigenen Verwaltung, was zur Bildung eines Staates im Staate führt. Der Ertrag daraus beträgt im Jahre 1913 713.000 Mark.
Im Deutsch-Österreichischen Krieg 1866 ist Reuß j.L. anfangs neutral, dann aber im Gegensatz zu Reuß ältere Linie auf der Seite von Preußen und tritt schon am 28. Juni durch einen freiwilligen Vertrag mit Preußen dem in Aussicht genommenen Norddeutschen Bund bei und am 2. Juli aus dem Deutschen Bund. In Folge davon wird 1867 ein Teil der Souveränität, nämlich die eigenständige Außenpolitik, die Festlegung wirtschaftlicher Grundsatzfragen sowie die Militärhoheit, aufgegeben. 1871 wird Reuß j.L. dann auch Bundesstaat im Nachfolgestaat, dem Deutschen Kaiserreich. Die Vertretung beim Bundesrat in Berlin erfolgt durch das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Mit der Neugestaltung der Gerichtsorganisation im Reich 1877 erhält das Fürstentum in Gera sein Landgericht.
Nach der Wahlrechtreform 1871 besteht der Landtag aus 16 Abgeordneten, von denen einer vom Fürsten Reuß-Köstritz ernennt wird, drei von den Höchstbesteuerten und zwölf von den sonstigen männlichen Gemeindebürgern im direkten Verfahren in je einem Wahlkreis gewählt werden. Zur Abwehr der Sozialdemokraten wird dies aber 1912 geändert, in dem die Zahl der Abgeordneten aus allgemeinen Wahlen von 12 auf 17 erhöht wird, gleichzeitig ist aber das Pluralwahlrecht eingeführt, das Einkommen, Lebensalter und Bildungsstand berücksichtigt und auf eine Person bis zu fünf Stimmen konzentrieren kann. 1863 wird im Fürstentum die Gewerbefreiheit eingeführt, 1905 nur in Reuß j.L. (und Preußen) eine Warenhaussteuer zur Sicherung kleinbürgerlicher Existenzen. Aufgrund der stark expandierenden Textilindustrie, nimmt die Bevölkerung im Landratsamtsbezirk Gera zwischen dem Jahr 1871 mit 40.721 Einwohnern und 1900 mit 99.594 Einwohnern um 144,3% zu, dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 406 Einwohner /km². Zur Jahrhundertwende tritt eine Stagnation ein.
Nach dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik in der Novemberrevolution erklärt am 11. November 1918 Fürst Heinrich XXVII., auch als Regent des Fürstentums Reuß ältere Linie seinen Thronverzicht. Reuß j.L. wird ein Freistaat, der sich aber schon 1919 mit dem Freistaat Reuß ä.L. zum Volksstaat Reuß mit der Hauptstadt Gera vereinigt, der wiederum 1920 im Land Thüringen aufgeht.
Wirtschaft
Reuß j. L. hat mit Gera das Zentrum der Textilindustrie in Ostthüringen. 1891 gibt es 62 Textilfabriken mit einem Umsatz von 50 Millionen Mark und 10.834 Arbeitern. Die bedeutendste Fabrik ist die 1834 gegründet Firma Ernst Friedrich Weißpflog. Gera ist aber auch Mittelpunkt des Maschinenbaus mit den Fabriken von Moritz Jahr (gegr. 1847), Alfred Kuhn (gegr. 1858) August Jahn (gegr. 1873) und Karl Wetzel (gegr. 1877).
Weitere Daten
- Bevölkerung: 152.752 (1900)
- Städte: Gera, Köstritz, Ebersdorf, Schleiz, Lobenstein, Saalburg, Tanna, Hirschberg
- Landratsamtbezirke: Unterländischer Bezirk Gera, Oberländischer Bezirk Schleiz (mit Lobenstein)
- Exklaven: Triebes, Hohenleuben, Pohlen
Fürsten
- 1818-1854 Heinrich LXII. (1785-1854)
- 1854-1867 Heinrich LXVII. (1789-1867)
- 1867-1913 Heinrich XIV (1832-1913)
- 1913-1918 Heinrich XXVII. (1858-1928)
Weblinks
- weitere Weblinks
- Fürstentum Reuß jüngere Linie (Gera) 1806 - 1918 Eintrag zu Fürstentümer Reuß in Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1889
Anhalt | Baden | Bayern | Braunschweig | Bremen | Elsaß-Lothringen | Hamburg | Hessen-Darmstadt | Lippe | Lübeck | Mecklenburg-Schwerin | Mecklenburg-Strelitz | Oldenburg | Preußen | Reuß ältere Linie | Reuß jüngere Linie | Sachsen | Sachsen-Altenburg | Sachsen-Coburg und Gotha | Sachsen-Weimar-Eisenach | Sachsen-Meiningen | Schaumburg-Lippe | Schwarzburg-Rudolstadt | Schwarzburg-Sondershausen | Waldeck | Württemberg
- Suche nach Reuß jüngere Linie Infos mit: Yahoo
