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Rostfreier Stahl

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Rostfreier Stahl ist eine umgangssprachlicher Ausdruck fĂŒr rost- und sĂ€urebestĂ€ndigen Stahl und zeichnet sich durch einen Anteil von mindestens 10,5 bis 13 Prozent Chrom aus, der im austenitischen oder ferritischen Mischkristall gelöst sein muss. Der Effekt beruht darauf, dass sich durch diesen hohen Chromanteil eine schĂŒtzende und dichte Passivschicht aus Chromoxid an der WerkstoffoberflĂ€che ausbildet. Weitere Legierungsbestandteile, wie Nickel, MolybdĂ€n, Mangan und Niob, fĂŒhren zu einer noch besseren KorrosionsbestĂ€ndigkeit oder gĂŒnstigeren mechanischen Eigenschaften.

Rostfreier Stahl kann unter gewissen Rahmenbedingungen, z. B. in der chlorgashaltigen Luft in HallenbĂ€dern, durchaus erhebliche Korrosionserscheinungen zeigen. Hier ist die richtige Werkstoffwahl (Zusammensetzung der Legierung) von entscheidender Bedeutung. Meist erreicht man die BestĂ€ndigkeit in chloridhaltigen Medien durch Zulegieren von mindestens 2 Prozent MolybdĂ€n (z.B. X5CrNiM0 17-12-2)

Seit der Patenterteilung auf StĂ€hle mit "hoher Widerstandskraft gegen Korrosion" im Jahr 1912 durch die Firma Fried. Krupp AG in Essen hat die Produktion von rostfreiem Stahl einen gewaltigen Aufschwung genommen. Auslöser fĂŒr die Entwicklung eines solchen Stahls war die aufstrebende chemischen Industrie im Deutschen Reich. Die damaligen Syntheseverfahren mit Heißdampf, sĂ€urehaltigen Medien und sehr hohen Temperaturen ließen herkömmliche StĂ€hle spröde (Wasserstoffsprödigkeit) und rissig werden. Viele damalige Reaktoren waren bis dato aus Granit gefertigt, um diese Nachteile zu umgehen. Die 1913 anlaufende Ammoniaksynthese (Haber-Bosch-Verfahren) konnte nur durch den Einsatz von austenitischen CrNi-StĂ€hlen, wie sie Krupp ein Jahr zuvor entwickelt hatte, realisiert werden. Die parallele Entwicklung der Stahl-und Chemieindustrie, insb. dieser beiden Ereignisse, war deshalb kein Zufall.

Wegen der guten Umformbarkeit von Blechen aus rostfreiem Stahl, finden Teile aus diesem Material eine immer grĂ¶ĂŸere Verbreitung in der Industrie, im Haushalt oder auch in medizinischen GerĂ€ten. Obwohl sich die meisten rostfreien StĂ€hle nur sehr schlecht zerspanen lassen, bietet ihr Einsatz ĂŒberwiegend Vorteile. Hier sind beispielsweise neben hygienischen Aspekten auch die Langlebigkeit der produzierten Teile und Vorteile im Umweltschutz zu nennen. Nachteil ist jedoch die zumeist geringe Zugfestigkeit und oft fehlende HĂ€rtbarkeit gegenĂŒber anderen StĂ€hlen.

Ohne rostfreien Stahl wĂ€ren viele Kryostaten nicht realisierbar. Die schlechte WĂ€rmeleitfĂ€higkeit und dĂŒnne Wandungen (zum Beispiel Rohre mit < 0,3 mm WandstĂ€rke) ermöglichen eine gute Isolation zwischen KryoflĂŒssigkeit und Raumtemperatur. Weitere Vorteile sind UHV-Dichtheit von Schweiß-Verbindungen und geringer Ferromagnetismus.

Synonyme fĂŒr rostfreien Stahl sind Edelstahl rostfrei, STAINLESS, INOX sowie Markennamen wie, V2A ((Versuchsschmelze 2 Austenit, entstand 1912 fĂŒr Leg.-Typ X5CrNi18-8), V4A (wie V2A, jedoch zusĂ€tzlich mit 2% Mo legiert), Nirosta (Krupp), Remanit (Thyssen) oder Cromargan (WMF) .

Der hĂ€ufigste Legierungstyp eines nichtrostenden Stahls, der uns im Alltag begegnet, ist die Legierung X5CrNi 18-10 (Werkstoff-Nr. 1.4301). Hierbei handelt es sich um einen relativ weichen nickelhaltigen, nicht magnetischen Austenit-Stahl, fĂŒr z. B. Töpfe, Gabel, Löffel, SpĂŒlbecken u. Ä. FĂŒr Werkzeuge und Messer werden jedoch hĂ€rtbare martensitisch-ferritische StĂ€hle verwendet, die neben Chrom oft auch Vanadium und MolybdĂ€n beinhalten und die magnetisch sind. Anstelle von Nickel kann fĂŒr austenitische StĂ€hle auch das billigere Mangan als Legierungselement verwendet werden, die allgemeine QualitĂ€t dieser StĂ€hle ist aber niedriger.

Die BestĂ€ndigkeit gegenĂŒber Korrosion sinkt mit steigendem Kohlenstoffgehalt, da Chrom eine hohe KohlenstoffanffinitĂ€t besitzt und sich hartes, sprödes Chromkarbid vorwiegend an den Korngrenzen bildet, zu Lasten von schĂŒtzendem Chromoxid. Außerdem neigen dann die StĂ€hle zur interkristallinen Korrosion. Um diesem Effekt entgegenzuwirken und damit auch die Schweißbarkeit zu verbessern, wird der Kohlenstoffgehalt niedrig gehalten und die entsprechenden Stahlsorten noch durch Zugabe von Niob oder Titan (die eine höhere AffinitĂ€t zum Kohlenstoff als Chrom haben), stabilisiert.

Bei Schrauben aus rostfreien StĂ€hlen steht hĂ€ufig die Bezeichnung A2-70. Hierbei steht A2 fĂŒr die Stahlsorte (A= austenitisch, 2 die Sorte ), 70 fĂŒr 1/10 der Zugfestigkeit von 700 MPa. FĂŒr den Offshore-Bereich sind Schrauben aus A4-80 oder aus dem Sonderwerkstoff mit der Nummer 1.4439 zu bevorzugen. Schraubenwerkstoffe aus nichrostenden StĂ€hlen und deren Bezeichnungen sind in der Norm EN ISO 3506 genormt.

In der europĂ€ischen Norm DIN EN 10088, Teil 1-3 sind die technischen Lieferbedingungen fĂŒr nichtrostende StĂ€hle allgemein geregelt.

Nicht mehr zu StĂ€hlen gezĂ€hlt werden Ni-Cr Legierungen, die weniger als 50 % Eisen enthalten und noch bessere Eigenschaften bezĂŒglich Korrosions- und Warmfestigkeit haben, wie Inconel, Incaloy, Hastelloy. Letztere ist eine HochkorrosionsbestĂ€ndige Nickel-Chrom-Legierung, die in verschiedenen Legierungen noch unterteilt ist, je nach ZusĂ€tze (H-C4 oder H-C22). Hastelloy ist ein geschĂŒtzter Name der amerikanischen Fa. Haynes.








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