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Schnelllesen

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Schnelllesen, auch Speed Reading genannt, ist die Fähigkeit, Text überdurchschnittlich schnell zu lesen und zu verstehen.

Ein durchschnittlicher, geübter Leser kann etwa 200-300 Wörter pro Minute erfassen, so lange es sich bei dem Material nicht um komplizierte technische Erläuterungen handelt. Die schnellsten Leser dagegen bringen es auf mehr als 1000 Wörter pro Minute.

Natürlich ist eine Messung der Lesegeschwindigkeit nur in Verbindung mit einer Überprüfung des Verständnisses sinnvoll. Überraschenderweise verstehen jedoch schnellere Leser gleichzeitig mehr vom Text, da mit der Lesegeschwindigkeit auch das Verständnis zunimmt.


Inhaltsverzeichnis

Wie wird gelesen

Grundsätzlich wird beim Lesen nur ein kleiner Teil der vorhandenen Buchstaben scharf erfasst. Das Hauptkriterium für die Erfassung von Text ist die Wiedererkennung von Wörtern bzw. Wortgruppen. Diese Wortgruppen können als Ganzes erfasst werden, da sie vom Leser zum grössten Teil als Bild inkl. Bedeutung bereits abgespeichert sind. Die Grösse der Wortgruppen ist abhängig von der individuellen Fähigkeit des Lesers und auch der Gestaltung der Texte.

Ein wesentliches Kriterium des Texterfassens ist die Fähigkeit, bereits einmal erfasste Bilder (Textblöcke, Wortgruppen) wieder aufzurufen und diese in den bestehenden Kontext zu integrieren. Hilfreich dafür ist die Wiedererkennung durch bekannte Schrifttypen. Die wichtigsten Schrifttypen sind Serifen oder Nonserifenschriften. Aus gutem Grund sind heute 90% aller westlichen verwendeten Schriften Serif. Serifen sind jedermann bekannte Häckchen an den einzelnen Buchstaben. Ein Beispiel für Serifen ist die Schrifttype „Times“, ein Beispiel für eine serifenlose Schrift ist die „Helvetica“. Alle anderen Schriften haben für das Lesen keine wesentliche Bedeutung.

Das Erfassen von neuen Wörtern erfolgt vorerst einmal durch einzelne Buchstaben, wenn das Wort verstanden und in einen Kontext gebracht wurde, wird dieses Wort als Bild gespeichert. Je nach Häufigkeit des Wortes wird dieses in einem unterschiedlichen Kontext auch mehrfach gespeichert. Das gesehene Bild wird mit bereits vorhandenen Bildern abgeglichen und in einen Verständniszusammenhang gebracht.

Würde man tatsächlich beim Lesen jedes Wort einzeln erfassen, wäre es nicht möglich, Text schneller als mit 300 Wörtern/Minute zu lesen.

Über die (vertraute) Schriftart hinaus ist für das Lesen auch die Verwendung von Majuskeln und Minuskeln (Groß- und Kleinbuchstaben) speziell in der deutschen Sprache von wesentlicher Bedeutung. Ebenso auch die Abweichungen einzelner Buchstaben von der Grundlinie (Versalhöhe, Oberlänge, Unterlänge). Beim Erfassen von Wörtern (und in weiterer Folge Wortgruppen) sind diese Abweichungen von entscheidender Bedeutung. Deshalb ist die Abschaffung der Grossschreibung bei Substantiven dringend abzulehnen, da es einen wichtigen Bestandteil der Lesefähigkeit darstellt.

Das Erfassen von Text wird auch durch die Verwendung von Spaltensatz erleichtert, da eine Zeile mit 40-50 Anschlägen bereits eine vordefinierte Wortgruppe darstellen kann und die Augenbewegung nicht mehr horizontal sondern vertikal von Zeile zu Zeile verläuft.


Wissenschaftliche Untersuchungen:

Die Ergebnisse von Augenbewegungsuntersuchungen mit Hochgeschwindigkeitskameras zeigen, dass ein Schnellleser einen Satz mit viel weniger Augenbewegungen und -fixierungen aufnehmen kann. Langsame Leser benötigen bis zu fünfmal so viele Augenbewegungen wie ein sehr guter Leser. Bei ersteren ermüden die Augen wesentlich schneller, was zu Erschöpfung und damit langsamerem Lesen führen kann. Ein langsamer Leser muss sich anstrengen, um Informationen zu bekommen und wird so sehr leicht frustriert. Als Folge liest er nur noch das absolute Minimum, da Lesen für ihn eine unschöne und schwierige Erfahrung ist. Sein Verständnis eines Textes ist niedrig, ein langsamer Leser benötigt mehr Zeit, um Informationen aus dem Text aufzunehmen. Wenn er am Ende ankommt, hat er dafür länger gebraucht und schon wieder einen großen Teil vergessen.

Schnelllesen kann jedoch erlernt werden, indem verschiedene schlechte Lesegewohnheiten aufgegeben werden.

Was verhindert schnelles Lesen?

  1. Geringes Vokabular - Unbekannte Wörter können nicht so schnell erfasst werden und stören den Lesefluss
  2. Regressionen — Das wiederholte Zurückspringen zu bereits gelesenen Stellen
  3. Wort-für-Wort-Lesen — immer nur ein Wort statt mehreren gleichzeitig erfassen
  4. (Sub)vokalisieren — Das (geistige) Mitsprechen der Wörter
  5. Niedrige Aufnahme — Entweder wegen ineffektiver Augenbewegungen oder geringer Aufnahmefähigkeit

Was erleichtert schnelles Lesen?

  1. bekannte Schriftarten - Unbekannte Schriftarten müssen während des Lesens neu gelernt werden.
  2. richtige Schriftgrössen — zu große bzw. zu kleine Schriften verhindern rasches Lesen.
  3. Textblöcke — richtig angewendeter Spaltensatz erleichtert das Wortgruppenlesen.
  4. Zeilenabstände — richtige Zeilenabstände erleichtern das Finden der jeweils nächsten Zeile
  5. Verzicht auf Blocksatz — bei langen Zeilen (> 80 Zeichen) wird der Lesefluss durch Blocksatz beeinträchtigt.

Die meisten Durchschnittsleser können ihre Lesegeschwindigkeit verdoppeln oder sogar verdreifachen, indem sie Schnelllesen üben. Laut verschiedenen Studien liegt das Maximum für die Mehrheit bei 800 Wörtern in der Minute - darüber erfolgt meistens nur noch ein schnelles Überfliegen des Textes mit geringem Verständnis.

Undisziplinierte Augenbewegungen sind wahrscheinlich das größte Hindernis für das Schnellesen. Langsame Leser gehen meistens von Wort zu Wort, machen langsame, sorgfältige Augenbewegungen und erfassen dabei mit einem Blick immer nur einige Buchstaben. Ein einziges Wort kann mehrere Augenbewegungen erfordern. Zusätzlich springt ein ungeübter Leser immer wieder zu bereits gelesenen Textstellen, was einen sehr abgehackten und sprunghaften Leserythmus bedingt. Ein Schnellleser dagegen besitzt einen sanften und durchgängigen Lesestil, benötigt weniger Sprünge und nimmt mit einem Blick mehr auf. Natürlich ist die maximale Lesegeschwindigkeit abhängig von der Vertrautheit des Lesers mit dem Text. Schwer verständliche technische Dokumente können auch von Schnellesern nur langsam erfasst werden.


Einige Techniken und Tipps:

  1. Viel Lesen! Je mehr man liest, desto schneller wird man. Ein Vielleser wird in den allermeisten Fällen auch zum Schnellleser
  2. Augen überprüfen lassen - Anzeichen für Problem sind rasche Ermüdung - Auch Überprüfung auf Heterophorie!!
  3. Vokalisieren vermeiden, da der Augen-Gehirn-Komplex wesentlich schneller ist als die Sprechwerkzeuge beziehungsweise das Formen der Wörter im Gehirn
  4. Kein Hin-und-Her-Springen, dadurch sinkt die Konzentration
  5. Versuchen, möglichst große Bereiche mit einem Blick zu erfassen
  6. Gerade sitzen, kein Beugen des Oberkörpers, da sonst rasche Ermüdung droht
  7. Den Text möglichst auf Augenhöhe bzw. knapp darunter und in ca. 30 Zentimeter Abstand vom Auge halten
  8. Für gute Beleuchtung sorgen
  9. Bewusst möglichst schnell lesen
  10. Konzentrationsübungen
  11. Augentraining

Generell sollte je nach Text und Vorhaben die passende Lesetechnik gewählt werden. Um einen Überblick zu gewinnen, reicht beispielsweise schnelles Überfliegen aus.





Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Schnelllesen aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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