Stern der Weisen
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Der Doppeleintrag befindet sich unter [[Stern von Betlehem]]. – 09:55, 6. Jan 2005
--InfoG 17:00, 24. Mär 2005 (CET)Dieser Artikel beschäftigt sich vornehmlich mit einer (in sich schlüssigen) Deutung des Berichts. Schwerpunkte sind demnach die Personen der "drei Weisen" und die am häufigsten vertretene Theorie der "Großen Konjunktion" (Jupiter und Saturn). Andere Aspekte bleiben nicht außer Betracht, sollen das "Gesamtbild" jedoch nicht "zerfasern".
Der Bericht vom "Stern der Weisen" ist einer der schönsten und weitreichendsten der Bibel. Ob man nun lieber an "Könige" denkt, an "Priester-Astronomen", an Sterndeuter oder einfach an drei reiche Philantropen - die Geschichte gibt der spätweihnachtlichen Zeit ein besonderes Gepräge.
Eine weitreichende Geschichte
Einige Weise (gelehrte Priester, "Magoi", vielleicht auch Königs-Berater oder adelige Minister) kommen aus einem fernen Land im Osten nach Jerusalem - auf der Suche nach einem verheißenen König. Was sie damit ins Rollen bringen, ist unglaublich - und bewegt die Gemüter vieler Menschen bis heute:
Die Weisen folgen einem STERN - durch lange Wochen, über tausend oder mehr Kilometer. Was waren ihre Motive? Welcher Stern war es überhaupt? Sterne finden sich als Symbol überall, wo es menschliche Kultur gibt - wofür ist also dieser Stern Symbol? Wer sich von einer Idee unübersehbar leiten lässt, von dem sagen wir: er "folgt seinem Stern". Hat der "Stern der Weisen" mit ihrer Sehnsucht nach etwas Höherem zu tun?
Der halbseitige Bericht des Matthäus hat etwas faszinierendes an sich. Trotz knapper Zeilen ermöglicht er viele Gedanken und Ausschmückungen - ja er fordert sie geradezu heraus:
- durch seine Haupt- und Nebenpersonen, durch Zeit und Orte
- und durch die drei wertvollen Geschenke inspiriert er die Künstler aller Zeiten zu den erstaunlichsten Werken - siehe z.B. die Mosaike in Ravenna und in Bethlehem. Andere vielbeachtete Aspekte sind
- die Huldigung der Fremden für einen lange erwarteten Messias der Juden - bzw. für den Gottessohn der Christen
- die Anregung zum alten Brauch des Sternsingens - der vor einigen Jahrzehnten vielfach wiederbelebt wurde und nun auch den Entwicklungsländern zugute kommt (sic!)
- die vielfältig Möglichkeiten, über offen gebliebene Aspekte nachzudenken:
- die ZAHL der "drei Weisen"
- ihre HERKUNFT - von Arabien, von Persien, von "Anatolien" oder anderen Gebieten
- wie sie sich zur GEMEINsamen Reise absprachen
- das ALTER und der STAND der 3 (oder mehr) Personen -
- die MOTIVE der langen Reise - und der drei Geschenke
- die BEDEUTUNG dieser Geschenke - Gold, Myrrhe und Weihrauch
- die Frage, welche Erscheinung DER STERN war, den sie im Aufgang gesehen hatten,
- wieweit er auch symbolisch gemeint sein kann,
- und wie er bis seinem "Stillstand" einen Weg weisen konnte
- die seltsame Angst des an sich despotischen Königs Herodes - und
- der Kontrast zur ruhigen Vernunft der "drei Fremden"
- der warnende Traum der Weisen und jener des Josef - und
- der Umgang der Träumer mit diesen inneren Erlebnissen
- der Mord an so vielen Kleinkindern
- und noch manches andere.
Aus all diesen Aspekten kann nun
- ein dem Christentum fernstehender Skeptiker den Schluss ziehen, dass an dem ganzen Bericht und Getue nicht viel dran sei -
- während viele Gläubige im Bericht ein unübersehbares Zeichen Gottes sehen - voll von anregenden, interessanten Aspekten.
- Historiker, Archäologen und Soziologen gibt der Bericht die Gelegenheit, geschichtliche Spuren zu verfolgen und Deutungen über Politik, Wirtschaft oder die Weltanschauung der "Magoi" zu versuchen,
- während Astronomen den naturwissenschaftlichen Hintergrund "ausleuchten"
- und Theologen eine Synthese aller möglichen Ansätze versuchen.
Der Bericht selbst - in zwei Übersetzungen
Das Neue Testament enthält viele Berichte, die den äußeren Rahmen eines Geschehens nur knapp beschreiben, um seinen religiösen Sinngehalt umso deutlicher hervorzuheben. Doch selten wird so viel in so wenigen Worten mitgeteilt
wie im 2. Kapitel des Matthäusevangelium - in den entscheidenden Versen 1-2, 7-9 und 12:
Matthäus' Bericht in der Einheitsübersetzung
Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2
Die Huldigung der Weisen (griech. "Magoi", Sterndeuter)
- Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter¹ aus dem Osten nach Jerusalem
- und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
- Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
- Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.
- Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
- Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel.
- Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
- Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
- Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
- Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
- Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
- Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.
Die Flucht nach Ägypten
13. Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
14. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
15. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Kindermord in Bethlehem / Rückkehr aus Ägypten
16. Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte.
17. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:
18. Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren dahin.
19. Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum
20. und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.
21. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
22. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa
23. und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.
Zur Wortwahl: Magier, Sterndeuter, Weise
¹) Die Einheitsübersetzung des griechischen Urtextes nennt die Μαγοι απο ανατολων (Magoi apo anatolôn) nicht mit dem verwandten Wort "Magier", weil dieses im Laufe der Zeit die Bedeutung "Zauberer" o.ä. angenommen hat. Doch statt "Sterndeuter" sei hier - dem Wikipedia (bzw. www.infos-aus-germanien.info)-Prizip des Neutralen Standpunktes folgend - das sachlichere Wort "Weise Männer" gewählt.
Nach Ansicht vieler Fachleute waren die "Magoi aus dem Osten" eine Art Wissenschafter - die ja in den Augen des Volkes (Matth.2, Vers 2-3) mit "geheimnisvollen Dingen" wie Planetenbahnen und - Schleifen, Stern- und Traumdeutung zu tun hatten.
Die meisten Forscher denken bei der sprziellen Wortwahl des Matthäus-Berichts an Reisende aus dem nördlichen Perserreich (siehe "Anatolon", oder an Priester-Astronomen der Länder um Babylon. Sie deuteten auch Himmelserscheinungen und wurden oft "Chaldäer" genannt.
Für das traditionelle Wort "Weise" sprechen außer vielen Bibelübersetzungen (Luther, Elberfelder usw.) für diesen Artikel auch Überlegungen wie jene von Reinhard Körner, einem Schriftsteller aus dem Kapuziner-Orden. In seinem Buch "Weisheit" – Die Spiritualität des Menschen (Benno-Verlag, 9.90 €) schreibt er:
"Ein Weiser ist nicht, wer sich viel Wissen angeeignet hat, sondern wer sich den Wahrheiten stellen konnte, die das Leben an ihn herangetragen hat". Man kann heraushören, dass es heute oft an Weisheit mangelt, weil es uns als klug gilt, möglichst viel Wissen und fertigkeiten zu erwerben. Wer sich viel angeeignet hat, dem fehlt dann oft die Kraft, sich einer unbequemen Wahrheit des Lebens zu stellen z.B. dem Tod (Symbol Myrrhe).
Wenn man sich um sie herummogelt, wird später im Leben oft klar: weise war das nicht.
Körner ist überzeugt: Die Weisheit spricht tag-täglich zu uns Menschen. Sie fragt nicht nach dem Taufschein. Sie möchte erkannt werden – von allen, die sie suchen.
Solche Sucher können die "drei Weisen" durchaus gewesen sein.
Matthäus in Urtext-naher Übersetzung (Prof. Fridolin Stier)
Mt Kap.2, Verse 1-12 nach - siehe Buch 2003==== Die Huldigung der Weisen ==== {ERGÄNZUNG erfolgt bis etwa 7.Jan. 2004. Alternativ evt. Kö.2005 oder Wir sind gekommen, IHN anzubeten ...
Flucht nach Ägypten / Kindermord
Eine kurze Meditation zum Weltjugendtag 2005 (vorläufig)
Die Μαγοι - egal ob Priester oder nicht - werden sich wohl mal gefragt haben, ob/wie man mit Gott (einer Gottheit) in Kontakt treten kann. "Ich bin Gott noch nicht begegnet", sagt mancher Zeitgenosse und fügt vielleicht hinzu: "falls es ihn denn überhaupt gibt". Eine der zentralen Fragen unseres Lebens - der heute viele ganz oder in eine Art Esoterik ausweichen. Eine Vorlage für das Kölner Jugendtreffen im August meint:
Wie anders ist da die Einstellung der Drei Weisen aus dem Morgenland, von denen das Matthäus-Evangelium in seinem 2.Kapitel berichtet: Sie orientieren sich am Himmel, deuten seine Zeichen, sie fragen und suchen und machen sich auf den Weg. So finden sie schließlich Gott in ganz überraschender Gestalt: als Kind, in einer Krippe, in Bethlehem (nicht reich, nicht in der Hauptstadt). Ihre Gottesbegegnung steht nicht am Beginn des Weges, sie ist am Ende gleichsam seine Frucht.
Einen Stern führten zur Zeitenwende viele Könige im Wappen - nicht nur Herodes, Nero oder die Perserkönige. Die "Drei" unterwerfen sich aber nicht der Macht, sie trauen dem Herodes nicht recht, und werden schließlich fündig. Ob nun der STERN über dem Ort Jesu "stillstand" oder in seiner jährlichen Planetenschleife am Himmel, ist für die Geschichte nicht so wichtig - doch für Menschen in Zeiten der Raumfahrt wohl schon.
Astronomische Theorien zum "Stern der Weisen"
Zahlreiche Astronomen haben versucht, das Phänomen naturwissenschaftlich zu erklären. Dabei neigt eine deutliche Mehrheit jener These zu, die bereits von Johannes Kepler (1571 bis 1630) vermutet wurde: die seltene "Große Konjunktion" zwischen Jupiter und Saturn. Diese Begegnung im selben Sternbild tritt zwar alle 30 Jahre ein, aber nur alle 600 Jahre dreimal hintereinander.
Überblick der wichtigsten Theorien
Die Erklärungsversuche sind äußerst unterschiedlich. Hier sind sie nach ihrer derzeit angenommenen "Wahrscheinlichkeit" gereiht {ANMERKUNG: eine detailliertere Darstellung der Theorien und einige Skizzen werden noch folgen}.
Generell müßte man statt des üblichen "vor Christus" eigentlich das in DDR-Zeiten verwendete "v.u.Z." {vor unserer Zeitrechnung} schreiben, da ja Jesus mit Sicherheit "vor Christus" geboren ist.
- Jupiter und Saturn: enge Dreifach-Begegnung im Sternbild Fische im Jahr 7 v. Chr. und zu Jahresbeginn 6 v. Chr.. Jupiter galt damals als Königsstern (gold-ähnlicher Glanz, langsam-"majestätische" Bewegung usw. Der Planet Saturn (griech. "Chronos") hingegen als Stern Israels (wird teilweise bestritten) und der (neuen und zu Ende gehenden) Zeit, sowie der Gerechtigkeit. Konjunktion bedeutet Verbindung dieser Aspekte, was auf einen Messias zweifellos zutrifft. Ferner fanden die 3 Begegnungen in den Fischen statt - jenem Sternbild, das der Region von Palästina bis gegen den Nil hin zugeordnet wurde. Im Detail sind zu unterscheiden:
- Neuere Theorie von Konradin Ferrari d'Ochieppo ab 1960, sehr detailliert ab etwa 1885
- Ältere Theorie von Kepler mit kleinen Varianten bis etwa 1950. Kepler beobachtete eine weniger enge Konjunktion Ende 1603, sowie 1604 auch den Mars und eine nahe Supernova.
- Alternativen mit einer Mondbegegnung (englische Astronomen 2003)
- zusätzliche Begegnung mit [Mars (Planet)|Mars]], allerdings bei schon größerer Distanz Jupiter-Saturn
- Die Venus im Jahr 4 v. Chr., evt. mit Mars
- Alternativen: Konjunktion Venus-Jupiter in den Jahren 3 und 2 v. Chr. In beiden Jahren waren die Begegnungen sehr eng (unter 0,1°). Sie waren auffällig, verschmolzen fast miteinander und waren teilweise auch tagsüber sichtbar. Doch findet ein solches Zu- und Auseinanderwandern bei Venus so rasch statt, dass die Zeitabläufe nicht gut zum Bericht passen. Außerdem war Herodes d.Gr. damals schon tot.
- Ein heller Komet - von dem allerdings keine Chroniken berichten - wie es Origenes angenommen hat. Dennoch bevorzugten z.B. viele Maler dieses Motiv, z.B. Giotto im 13. Jahrhundert.
- eine Supernova wie jene zu Zeiten Tycho de Brahe (15..) und Johannes Keplers (1604). Eine solche Erscheinung wäre spektakulär genug, um auch fast jedem Laien aufzufallen. Dagegen spricht jedoch die fehlende Erwähnung in Chroniken - z.B. in Astronomischen Ephemeriden aus Babylon oder Tagebüchern in China
- "Exotische" Erklärungen mit kosmischen Explosionen, Meteoriten, Zodiakallicht usw.
Einwände gegen diese Theorien
Einwände gibt es gegen jede dieser Möglichkeiten. Ein genereller Einwand besagt, dass man auch OHNE astronomische Erklärung auskommt: der "Stern der Weisen", der sie nach Jerusalem führte (und nach Wiederaufnahme der Reise in Bethlehem "stehenblieb") kann ein Bezug auf den "Stern aus Jakob" sein, der laut AT einst aufgehen solle. Der "neue König" würde nicht grausam herrschen - wie die "Kontrastperson" Herodes - sondern mit Milde. Auch die Angst des Königs wäre erklärbar, wenn die Weisen aus Persien stammten: das persische Reich war ein ständiger Gegner der Römer, und jeder Konflikt der Großmächte könnte die dazwischen siedelnden Juden zerreiben.
Die meisten dieser "symbolischen" Argumente passen freilich ebenso zu einer naturwissenschaftlichen Erklärung - und eine solche liegt uns heute näher als in der Antike.
In jedem Fall kann ein STERN als Symbol des Messias als Gegenentwurf zur brutalen Gewalt jener Machthaber gelten.
Große Konjunktion Jupiter-Saturn
Dieser Theorie sprechen die meisten Astronomen und Theologen die größte Wahrscheinlichkeit zu ("Optimisten" bis zu 90%). Manchen Widersprüchen zu historischen Aspekten wird teilweise mit neu berechneten Details entgegnet.
Die wichtigsten Gegenargumente sind {wird noch ergänzt}:
- Die Einheitsübersetzung lautet: "Wir haben seinen Stern im Aufgang (= in der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang) gesehen". Wenn damit der sog. Heliakische Aufgang (erstmals in der Morgendämmerung) gemeint ist, müssten die Beobachter ein hohes Fachwissen besitzen - was aber vonm Matthäus nicht anzunehmen ist. Noch dazu, als die Juden nichts von Astrologie hielten - im Gegensatz zu einigen Nachbarvölkern.
- Gegenargumente: mit "Aufgang" kann "Osten" (die Heimat der Weisen) gemeint sein. Außerdem sei anzunehmen, dass Matthäus den Bericht von einem Gewährsmann übernommen hat. Eine solche Person ist möglicherweise - einer ägyptischen Apokryphe zufolge - am Kopfende des Kinderbettes gestanden, oder es wäre Josef (über 2 Umwege) gewesen.
- Die "Große Konjunktion" hätte am Königshof des Herodes auffallen müssen - worauf aber keine Quelle hindeutet.
- Gegenargument: die Juden pflegten keine Astrologie, hatten daher auch wenig Interesse an den Sternen.
- Heute würde die Konjunktion (Erfahrung Geof') nur etwa 20-30 % der städtischen Bevölkerung auffallen.
Dass der Stern zuvor am Hof von Herodes nicht auffiel und dieser dann - durch die Fremden aufmerksam gemacht - nicht selbst nachforschte, um seinen Konkurrenten direkt auszuschalten, erscheint weiterhin unglaubwürdig, da keine außerbiblische Quelle davon berichtet. Dies spricht eher dafür, dass eine solche Konjunktion, die für Astronomen wie Kepler ein Jahrtausendereignis war, für Nicht-Fachleute kaum bemerkenswert war.
- Auf dem Weg der "3 Fremden" nach Bethlehem "zog (der Stern) vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt." Diese Sätze sind astronomisch kaum plausibel - selbst mit Ferraris These, es sei der "Stillstand" unter den Sternen (die Umkehrschleife) gemeint. Außerdem hätte Matthäus einen "Stern" von einem (oder gar 2) "Planeten" unterscheiden können.
- Hier sind die Gegenargumente Ansichtssache - z.B. betr. des Fachwissens der beteiligten Mittelsperson, einiger Sichtbarkeiten am Dämmerungshimmel usw.
- Insbesondere ist schwer zu klären, ob der "astr.Stillstand" deutlich genug sichtbae sei. Das Ergebnis hängt von Beobachtungserfahrung und Interessenslage (von Weisen bzw. Evangelist) ab. Die tägliche Rotation des Sternhimmels könnte ein Sternkundiger vermutlich "ausblenden".
- In Babylons Keilschriften aus 7 v.Chr. seien zwar die Planetenbahnen verzeichnet, aner KEINE speziellen Anmerkungen wegen ihrer Konjunktion.
- Gegeneinwand: im britischen Museum wird derzeit eine solche Tafel (vorläufig positiv) analysiert.
- Die Zuordnung Saturn-Israel ist anzweifelbar.
- Die Situation ist unklar. Tacitus und andere Quellen widersprechen sich - und die ältere Astrologie Babylons (die offenbar keine Zuordnung kennt) war nicht unbedingt mehr relevant.
- Bei den 3 Konjuntionen 7/6 v.Chr. waren Jupiter und Saturn immer deutlich zu unterscheiden (Abstände etwa 0,7 bis 1°).
- Das trifft zu - aber die Begegnung war "unüblich" eng, was die Weisen spätestens nach der ersten Begegnung wussten. Gerade rechtzeitig, um diese Reise zu planen.
- Das Jahr 7 vor passt nicht gut zum Kaisertum des Augustus und einiger anderer histor. Vermutungen.
- Gegeneinwand: es gibt KEINEN Geburtstermin Jesu, der alle Widersprüche ausräumt. Sogar bei heutigen Gerichtsverfahren mit Zeugenaussagen oder Fotos gibt es reichlich Widersprüche. Jesus müsste jedenfalls vor dem Tuód Herodes' (4 v.Chr.) geboren sein (Mt.2,20).
- Gegen die (ältere) Theorie von Kepler spricht, dass ein Zusammentreffen der Planetenkonjunktion mit einer Supernova völlig zufällig wäre - und keinen ursächlichen Zusammenhang hätte. Man müsste es beinahe als eigenes "Wunder" betrachten - obwohl es Gott aus religiöser Sicht natürlich zugeschrieben werden kann.
- Positiv für Keplers Ansicht ist aber die Korrelation von langperiodischen Himmelsbegegnungen mit der menschlichen Geschichte.
Phänomene mit dem Planeten Venus
{ANMERKUNG: die Details folgen später, ebenso wie zur Supernova-These}.
Die Venus-Theorie hat - wie die Große Konjunktion - viel für sich, passt aber nicht in so vielen Details zum Bericht wie diese (siehe unten). Einer ihrer starken Pluspunkte ist die spätere Datierung der Geburt Jesu, wenn sich das Jahr 4 v. Chr. für Herodes' Tod als zu früh herausstellen sollte.
Kometenerscheinung
Sie wurde erstmals vehement von [Origenes]] postuliert (um 230 n. Chr.), der auch das Argument, ein Komet sei kein Gutes, sondern ein schlechtes Vorzeichen, aus historischer Sicht relativierte.
- Der vielfach angenommene Komet Halley erschien bereits 12 v. Chr. - um mindestens 5 Jahre "zu früh".
- Chinesische Quellen nennen jedoch einen Schweifstern im Jahr 5 v. Chr.
- Der Zusammenhang eines Kometen mit Israel - ein Reisemotiv der Weisen - ist nicht ersichtlich
- kein Gegeneinwurf bekannt; europäische Quellen kennen keinen Kometen in dieser Zeit, also auch kaum die babylonisch-persischen Sternkundigen.
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Die "wahrscheinlichste Erklärung: Jupiter und Saturn
Bereits Ãn den 1960er Jahren wies der Wiener Astronom Konradin Ferrari d' Occhieppo (im folgenden kurz "Ferrari" genannt) auf eine Serie relativ enger Begegnunen der 2 Planeten von Mitte 7 v. Chr. bis Anfang 6 v. Chr. hin. In den 1980ern ersschien ein detaillierteres Buch, und 2003 - anläßlich der alle 30 Jahre stattfindenden "losen" Begegnung - wurde es in 4. Auflage von Ferrari neu bearbeitet: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht (ISBN 3-7655-9803-8), Brunnen-Verlag 2003.
Aus der Sicht Ferraris - und vieler anderer Astronomen - passen auffällig viele astronomische Fakten zu dieser Deutung. Eine neuere Alternative (Michael Molnar, GB) versucht, noch eine "Jupiterverfinsterung" durch den Mond hinzu zu nehmen. Doch ist das Abdecken von Jupiter nicht so auffällig wie die Begegnung der hellen Lichtpunkte selbst.
Durch die jährlichen scheinbaren Planetenschleifen am Sternhimmel - eine Folge der (innen) rascher laufenden Erde - kann es vorkommen, dass sich die Planeten nicht nur einmal begegnen, sondern innerhalb von 8 Monaten dogar dreimal. Dies war am 27. Mai, 6. Oktober und 1. Dezember des Jahres 7 der Fall. Die genauen Daten hängen jedoch von der Modellierung der seither aufgelaufenen Bahnstörungen ab und erlauben keine ganz präzise "Rückrechnung".
Im folgenden sind die GUT passenden Fakten angeführt (zu den Gegenargumenten siehe oben):
- Schon damals brachten persische und babylonische Astronomen diese Große Konjunktion - die nur alle 6 Jahrhunderte stattfindet - mit Israel in Verbindung:
- Jupiter war der "Königsstern" der Antike. Sein gold-ähnlicher Glanz, die langsam-"majestätische" Bewegung durch die Sternbilder, und seine Gleichsetzung mit dem babylonischen Gott Marduk verschaffte ihm ständige Aufmerksamkeit.
- Hingegen wurde der schwächer leuchtende, langsamer wandernde Planet Saturn auch dem Volk Israels zugeordnet. Er galt (griech. "Chronos"!) als Repräsentant der zu Ende gehenden und der neuen Zeit. Die Begegnung mit Jupiter bedeutet also - aus babylonisch-astrologischer Sicht - den Beginn einer neuen Königsherrschaft.
- Saturn steht außerdem für Gerechtigkeit - das neue "Königshaus" würde sich also vom alten erfreulich abheben.
- Diese Vorstellung passt genau zur Messias-Erwartung der Juden - von der die Weisen durch jüdische Händler und Beamte sicher einiges wussten. Die Sprache war dabei KEIN Hindernis, weil hier wie dort Aramäisch gesprochen wurde.
- Viele der "Μαγοι απο ανατολων" (Sternkundige aus dem Osten). hatten die Religion des Zoroaster (Zarathustra) - was sie mit vielen Glaubensaspekten der Juden verband. Manche Forscher meinen sogar, dass auch die Zoroaster-Gläubigen einen Messias erhofften (lt. Universum-Sendung des TV, 4.1. 2005).
- Die 3 Begegnungen fanden im westlichen Teil des Sternbilds Fische statt - der damals (zumindest von einem Teil der Sterndeuter) der Region von Palästina bis gegen den Nil hin zugeordnet wurde.
- Damit war sowohl astronomisch als auch kulturell eine Verbindung der Konstellationen zu Israel gegeben - eine Epoche geht zu Ende, eine neue beginnt in der Region von Jerusalem.
Es kommen jedoch noch einige Details hinzu:
- Die Planeten einer engen Begegnung wie 7 v.Chr. (etwa ¾° bis 1°) sind zwar freiäugig noch gut zu "trennen", aber für Astronomen ein "Jahrhundertereignis". Babylons Fachleute waren spätestens nach dem 27. Mai in der Lage vorauszusehen, dass noch zwei enge Konjunktionen stattfinden würden. Zeit genug, um eine Reise zu planen.
- Die dauernde Sichtbarkeit der 2 Großplaneten ist sogar auffälliger, als wenn sie (wie bei Venus/ Jupiter 4 Jahre später) fast "verschmelzen". Das gemeinsame Wandern durch das Sternbild muss für Astronomen - und auch für ihre vermurlichen Auftraggeber, die Priester - faszinierend gewesen sein.
- Das Matthäus-Wort "im Aufgang sichtbar" könnte für die Magoi bedeutet haben, dass die Reihe der Konstellationen knapp vor Sonnenaufgang begann und Marduk (Jupiter) die Hauptrolle spielte. Also ein auch für Babylonien wichtiges Ereignis.
{ANMERKUNG: zwei Bilder mit dem Himmelsanblick sind in Arbeit.}
- Die 2- bis 4-Monatsabstände der drei Konjunktionen ließen eine günstige Reisezeit der Magoi zwischen Mai und Oktober zu. Doch auch ein Beginn der Reise erst vor der 2. Begegnung wäre plausibel.
- Der bei Matthäus erwähnte "Stillstand" könnte die "Umkehrpunkte" der zwei fast parallelen Planetenschleifen bedeuten. Noch dazu traten sie bei Jupiter und Saturn fast gleichzeitig (um den 13. November) auf.
- "Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt". Vielleicht konnten sie in Jerusalem nicht beobachten - und hätten dann irgendwann zwischen 10. und 15. November die zwei hellen Planeten am Abendhimmel endlich wieder vor sich gehabt - in der erhofften (stabilen) Position. Denn Bethlehem liegt etwas südlich von Jerusalem - sie ritten dem Doppelstern sozusagen entgegen, der jetzt direkt vor ihren Augen lag.
- Bei ihrer Ankunft könnte er wirklich etwa über dem Ort gestanden sein.
- Ferrari-Ochieppo hält noch ein übriges für möglich: das Zodiakallicht. Diese schwach leuchtende "Lichtpyramide" würde - falls sichtbar - genau im Bereich der Planeten aufragen.
Damit ist - bei Zutreffen dieser Deutung - Jesu Geburtstermin für Anfang November am wahrscheinlichsten. Dass die im Lukasevangelium erwähnten Hirten im November noch im Freien wären, ist anzunehmen. Im Dezember jedoch kaum mehr.
Andrerseits spricht wenig dagegen, dass Jesus schon einige Zeit vorher geboren wäre. Falls das Wort "Haus" bei Matthäus wörtlich zu nehmen wäre, müßte die heilige Familie ja vom Stall dorthin übersiedelt sein. Der traditionelle Dreikönigstag ist mit 2 Wochen nach Weihnachten also plausibel placiert. Man kann sich schwer vorstellen, dass Josef nicht versucht hätte, nach der Volkszählung ein besseres Quartier zu finden. Außerdem war er Zimmermann - d.h. ein Holz-Baumeister.
Die Deutung der drei Geschenke
{ANMERKUNG: Ergänzung erfolgt in den nächsten Tagen}
Geschenke als Ausdruck der Verehrung und Hoffnung
Gold, Weihrauch und Myrrhe - Hinweise auf die Heimatländer?
... ...
Gesamtschau
Bei der Deutung und Auslegung von Bibeltexten ist neben den (wie hier) betrachteten "Fakten" auch der Kontext zu beachten. Oft ist er sogar wichtiger - besonders wenn es um starke theologische Aussagen geht.
Die ersten Leser des "Neuen Testaments" sollten über keine astronomische Erscheinung informiert werden, sondern im Glauben und im Vertrauen auf Gott bestärkt werden. Den meisten wäre es wohl egal gewesen, wieweit die astronomischen Aspekte zutreffend geschildert und gedeutet worden wären.
Aus dieser Sicht wäre daher gar keine völlig exakte Schilderung von Fakten zu erwarten - und die eher kurzgefassten Worte sollten nicht auf die "Goldwaage" gelegt werden. Sind daher verschiedene astronomische Deutungsmöglichkeiten gegeben, ist das für die Hauptsache kein Problem. Eine naturwissenschaftliche Mehrdeutigkeit ist zwar für deren Erforscher betrüblich, aber weniger für die Theologen.
Diese Hauptsache des Berichts von Matthäus ist "das Erscheinen des Herrn" vor der Welt - das Fest Epiphanie am 6. Jänner. Jesu kleine Gestalt ist so wichtig, dass ihm weise Leute nachreisen und ihm huldigen. Auch wenn sie ein bestimmter Stern zur Reise motiviert hat, das wesentliche ist ihre Gottesbegegnung. Und dieser Gott ist nicht zum Fürchten wie der despot Herodes, sondern sanft und menschenfreundlich. Ein Bibeltext für Weihnachten lautet daher: "Erschienen ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes".
Im Buch Numeri (4 Mose), Kap.24, Vers 16-17 heißt es - auf zeitbezogen drastischere Art:
16 Spruch dessen, der Gottesworte hört, / der die Gedanken des Höchsten kennt, / der eine Vision des Allmächtigen sieht, / der daliegt mit entschleierten Augen:
17 Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, / ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: / Ein Stern geht in Jakob auf, / ein Zepter erhebt sich in Israel. / Er zerschlägt Moab die Schläfen ...
Auf diese Stelle - eine für Israel ermutigende, frühe Prophezeiung des Messias - könnte der Stern der Weisen bezogen sein. Dennoch macht es Freude, wenn viele Aspekte auch aus naturwissenschaftlicher Sicht übereinstimmen.
Viele Juden haben aber diesen Retter im eher weltlichen Sinn erwartet, als Befreier von der Unterdrückung durch Rom. Matthäus' Bericht - und noch mehr jener von Lukas und den Hirten - sind hiezu und auch zu manchen hart klingenden Stellen im Alten Testament ein deutliches Gegengewicht. Doch stärkt es das Gottvertrauen, wenn sich die Evangelisten auf die alten Verheißungen (wie oben) berufen können.
Der "neue König", auf den hin die Magoi die "Große Konjunktion" gedeuten konnten, symbolisiert einen Abschied von Gewalt (Pharao, Herodes) und Unrecht (Saturn). So können die Fremden ganz bewusst die Knie beugen und sich auf diese neue Sicht von Herrschaft einstellen. David, in dessen Stadt Jesus geboren wurde, hatte mehrmals solche Wendungen zu ertragen oder selbst eingeleitet. Eine Geburt in der Hauptstadt hätte diese Aspekte des "Friedensfürsten" (nach Jesaja) abgeschwächt.
Der "Stern der Weisen" bekommt so eine tiefere Bedeutung - egal ob es Jupiter oder Venus oder ezwas anderes war. Das Bild des ruhig ziehenden Sterns ist entscheidend, nicht "Blitz und Donner". Der neue König vernichtet nicht, sondern baut auf, und die Sterne umrahmen diese Situation nur.
Ein etwas seltsamer Gedanke steckt aber noch im Stern der Weisen - jener vom Wert oder Unwert der Astrologie. Im Orient wurde damals wurde der Lauf der Planeten als Willensäußerungen von Gottheiten gesehen - man sah in den Gestirnen Götter und Dämonen. Doch in Israel war es verpönt, Sterndeuterei zu betreiben.
Nun sind es ausgerechnet Sterndeuter, die als erste Fremde auf diese Art zu Jesus finden. Gott schreibt - wie es in der Literatur heißt - gerade auch auf krummen Zeilen. Die Weisen verbeugen sich nicht vor dem Himmel, sondern dem Kind; die Sterne dienen nur der Orientierung. Die Männer deuten ihre Zeichen, sie fragen an der Wegkreuzung Jerusalem und suchen den weiteren Weg. So finden sie schließlich Gott in überraschender Gestalt: als Kind, in einer Krippe, im kleinen Bethlehem. Ihre Gottesbegegnung steht nicht am Beginn des Weges, sie ist am Ende gleichsam seine Frucht.
ÃŽ (vu)
- alt.bibelwerk.de/bibel/?kbw_ID=77351529&
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