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Stromberg (Hunsrück)

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Wappen Karte
fehlt noch
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Kreuznach
Verbandsgemeinde: Stromberg
Geografische Lage: 49° 57' n. Br.
07° 46' ö. L.
Höhe: 220 m ü. NN
Fläche: 9,02 km²
Einwohner: 3.045 (Juni 2004)
Bevölkerungsdichte: 345 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55442
Vorwahl: 06724
Kfz-Kennzeichen: KH
Gemeindeschlüssel: 07 1 33 103
Adresse der
Stadtverwaltung:
I: Warmsrother Grund 2
II: Binger Str. 3
55442 Stromberg
Offizielle Website: www.stromberg.de- style="background:#FFFFFF;" E-Mail-Adresse: verwaltung@stromberg.de
Politik
Bürgermeister: Achim Schöffel (CDU)
Stadtrat: CDU 56,9% (+1,9) - 11 Sitze (=)
WGR 17,9% (+9,8) - 4 Sitze (+3)
SPD 13,8% (-14,7) - 3 Sitze (-3)
Grüne 11,4% (+3,0) - 2 Sitze (=)

Die Stadt Stromberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Bad Kreuznach mit ungefähr 3.000 Einwohnern am Rande des Hunsrücks. Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Stromberg. Sie gilt als Heimat des Deutschen Michael.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Stromberg liegt am südöstlichen Rande des Soonwaldes, der zirka 40 km² groß ist und als ein 600 m hoher Bergzug am südlichen Rande des Rheinischen Schiefergebirges liegt. Stromberg gehört seit 1816 zum Landkreis Bad Kreuznach. Es ist wegen der guten Verkehrsanbindung, einen Autobahnanschluss der A 61, sehr gut zu erreichen. So beträgt die Entfernung zu Frankfurt am Main nur 80 km, die zu Koblenz ca. 58 km.

Stromberg (852 ha) ist Sitz der Verbandsgemeinde mit folgenden Gemeinden: Dörrebach (1314 ha), Daxweiler (1667 ha), Seibersbach (1464 ha), Warmsroth (589 ha), Roth (83 ha), Schöneberg (713 ha), Eckenroth (159 ha), Schweppenhausen (305 ha) und Waldlaubersheim (805 ha).

Dabei ist bemerkenswert, dass die Gemarkungsgrenzen aller Gemeinden gemeinsame Stellen mit denen Strombergs haben, das ist einzigartig im Landkreis Bad Kreuznach.

Klima und Relief

Mitteleuropa gehört dem subozeanischen Klima der kühlgemäßigten Zone, ein Übergangsbereich zwischen dem eher maritim geprägten Klima Westeuropas und dem kontinental beeinflussten Klima Osteuropas, an. Teilweise erkennt man auch kleinräumlich die hauptsächlich mit dem Relief zusammen hängenden Gegensätze. Da Stromberg am Rande des Hunsrücks liegt, liegt die Stromberger Gemarkung genau im Bereich zwischen dem maritimen Bergklima und dem eher trockenen Beckenklima des Rhein-Nahe Tals. Die Stromberger Kalkmulde wird also von einem sommerwarmen und wintermildem Klima bestimmt. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme beträgt 600 mm. Die Temperaturen erreichen durchschnittlich im Juli 17°- 18° Celsius und im Januar bleibt sie mit 0° – 0,5°C über dem Gefrierpunkt.

Stromberg liegt im Gebirgszug Hunsrück, dessen höchste Erhebungen um 600 m hoch sind. Topographisch hat die Drei-Täler-Stadt ein nahezu unverwechselbares Profil. Das Gewässerbild der Stadt umfasst die drei Bäche Guldenbach, Welschbach und der Dörrebach (Lehnbach). Der Guldenbach entspringt am Volkenbacher Weiher nördlich von Rheinböllen bei 450 m über NN. Er ist ein gefällestarker Fluss und überwindet große Höhenunterschiede.

Der Welschbach entspringt in einem Wiesengebiet nahe des Erbacher Kopfes (470,5 m), der Dörrebach im Staatsforst Neupfalz nahe der Lehnmühle. Diese beiden Bäche fließen in Stromberg in den Guldenbach, der die Stromberger Gemarkung etwa halbiert. Des Weiteren mündet auch der winzige Schindelbach in den Guldenbach, der im Stromberger Stadtwald entspringt und durch die „Klamm“ fließt. Alle diese Bäche haben sich tief in das Gestein eingeschnitten und charakteristische und enge Täler geschaffen. Auch die Höhenunterschiede innerhalb des Stadtgebietes sind recht hoch. Im Stadtkern beträgt die Höhe ca. 219,7 m.

Geologie um Stromberg

Die Erdgeschichte des Hunsrücks ist teilweise sogar schon seit dem 19. Jahrhundert gut erforscht. Die geologische Entwicklung des Hunsrücks lässt sich auf über 400 Millionen Jahre zurückverfolgen. Der Hunsrück bildet zusammen mit Taunus, Westerwald und Eifel das Rheinische Schiefergebirge, das vor allem im Devon von ca. 350 Millionen Jahren geprägt wurde. Die Stromberger Gemarkung gehört vollständig dem Hunsrück an. Man findet in der Stromberger Mulde, eine Spezialmulde des Vorsoonwald Bereichs, Gesteine, die auf das Mittel- und Oberdevon zurückschließen, und sogar Ablagerungen des Unterkarbons. Im Devon entstanden über dem kristallinen Untergrund im Ablauf von 80 Millionen Jahren Ablagerungen aus Tonen, Sanden und Kalken. Diese ließen den Untergrund in einzelne Schollen zerbrechen, so dass tektonische Störungen entstanden und somit Magma aufstieg. Aus den Sanden entstand durch Verfestigung die Taunusquarzite und aus den Schlickablagerungen der Hunsrückschiefer. Stromberg blieb, da es ja in der Mulde liegt, von der Erosion verschont. So bleiben hier die Gesteine der einzelnen Zeitabschnitte erhalten. Noch heute und schon seit Jahrhunderten wird in Stromberg Kalk abgebaut. Karl Geib erreichte es 1909 ein Fossil zu finden, mit dem es gelang, den Stromberger Kalk dem oberen Abschnitt des Mitteldevons zuzuordnen.

Vegetation

Die natürliche Vegetation des Soonwalds ist ein Hainsimsen-Buchenwald, der in höheren Lagen in einen reinen Buchenwald übergeht. In tieferen Lagen geht der Hainsimsen-Eichen-Buchenwald in Eichenhainbuchenwälder über, die sehr stark vom Menschen überprägt wurden. Der Kalk hat die Stromberger Flora auch beeinflusst, die Stromberger Vegetation unterscheidet sich also von der des Kreises Bad Kreuznach. Die Pflanzenwelt der Stadt ist darum auch sehr schützenswert, da schon viel dieser seltenen Kalkflora verloren gegangen ist. Der Unterlauf des Dörrebachs ist besonders markant, denn hier wächst der Ahorn-Eschenwald, eine Waldformation, die den Schluchtenwäldern zugerechnet wird. Des Weiteren wachsen hier die Gehölze Bergahorn, Winterlinde und Gemeine Esche. Außerdem finden sich im unteren Dörrebachtal einige sehr seltenen Arten auf Grund dem idealen (Kalk-)Boden und Klima dort. Es wurde daher auch schon oft gefordert, dieses Gebiet als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Geschichte

Ortsname

Im Jahr 1056 wird der Ortsname Stromberg von dem Grafen Bertolfus de Strumburg erstmals erwähnt. Der erste Bestandteil des Namens Strom wird fast ausnahmslos als Bezeichnung im Sinne von großer, breiter Fluss gedeutet, wobei es im Stadtgebiet kein Gewässer gibt, das dieser Bezeichnung gerecht werden würde. Einige Etymologen (Namenswissenschaftler) wollen die Bezeichnung Strom auch mit der Bedeutung umströmt deuten, da ein Ortsname wie umströmter Berg in topographischer Hinsicht wesentlich plausibler erscheint.

Vor- und Frühgeschichte

Archäologen haben in der näheren Umgebung Strombergs sogar Gegenstände aus der Jungsteinzeit (ca. 5700-2000 v. Chr.) gefunden. Sie fanden mehrere Steinbeile, ein durchbohrtes Feuersteinmesser und Pfeilspitzen, einen Knochenpfriem und mehrere Holzkohlenreste mit Getreidekörnern in Höhlen am Dörrebachweg. In der Jüngeren Eisenzeit (ca. 450 v. Chr. – Christi Geburt) lebten die Kelten im Raum um Stromberg. Die Kelten hatten mehrere Volksstämme und hatten ihr Einflussgebiet bis nach England, Frankreich und den Balkan. Sie betrieben Handel mit Griechenland, Ober- und Mittelitalien und dem vorderen Orient. Die Kelten der Epoche hatten eine komplizierte Marktwirtschaft, stadtähnliche Siedlungen und handwerkliche Kleinbetriebe. Aus der Spätkeltischen Zeit wurde in Stromberg bisher nichts gefunden.

Julius C. Cäsar eroberte in den Jahren 58 bis 51 v. Chr. Gallien, dabei besiegte er die Kelten, einen Stamm der Germanen, die in römischer Sicht „Barbaren“ waren, die die Römer ihres Erachtens bedrohten. So befand sich die Region lange unter römischen Einfluss, was die Kultur und Sprache beeinflusste, das alles macht sich auch noch heute bemerkbar. Der Straßenbau und der Weinbau wurden auch von den Römern hierher gebracht. Da Stromberg an der Ausoniusstraße lag, die nach Bingen führte und es eine Brücke über den Guldenbach gab (die 1821 von einem Hochwasser zerstört wurde), befand sich Stromberg in einer Blütezeit. So stand auf dem Gollenfels ein römischer Wachturm, im Stromberger Stadtwald wurde ein Vicusdorf gebaut, in dessen Nähe sich römische Grabhügel befinden.

Das frühe Mittelalter

Für den Zeitraum bis ins 10. Jahrhundert finden sich kaum spezielle Daten und Fakten für den Raum um Stromberg.

Nachdem die Franken die Hunnen vernichtet haben, begann in unserem Gebiet die mehr oder weniger gewaltsame Übernahme durch die Franken. Mitte des 8. Jahrhunderts folgte die Karolingische Herrschaft. Sie begannen das Reich organisatorisch zu verwalten, so wurden die einzelnen Gaue, die man sich anfangs als Gerichtsbezirke vorstellen musste, aber noch keine Territorialen im üblichen Sinne waren, für die Ausübung der königlichen Rechte genutzt und als Verwaltungsbezirke eingesetzt.

Den Gaugrafen (die Verwaltungsbeamten der einzelnen Bezirke) wurden immer größere Aufgaben in Bezug auf das Gerichtswesen und den Heerbann zugeteilt. Auch die Burggrafen, also die Befehlshaber der königlichen Burgen, waren nur königliche Beamte und waren nicht etwa Herr ihrer eigenen Burg. Neben den Gau- und Burggrafen stand auch noch die freiadlige Oberschicht, die sich ihre Rechte aus dem ererbten oder verliehenen Grundbesitz begründeten. So ergaben sich natürlich auch einige Kompetenzüberschneidungen.

Im Jahre 891 wanderten die Nordmannen den Rhein bis an die Nahe und den Hunsrück hinauf. In den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts drangen auch die Ungarn ins linksrheinische Gebiet vor. Das war Anlass für die Franken Verteidigungsanlagen wie Burgen zu bauen. Eine dieser Burgen war die Stromburg in Stromberg, deren Erbauungsjahr nicht genau zu ermitteln ist. Man weiß nur, dass sie 1056 bereits erbaut war. Die Burg wurde oft zerstört und danach wieder aufgebaut, so dass die archäologischen Spuren verwischt sind. Der Dialekt der Stromberger Region ist den Franken zu verdanken. Die Mundart ist an der Grenze zwischen dem Rheinfränkischen und Mittelfränkischen.

Mittelalter bis Kurpfälzische Herrschaft

In den ersten 400 Jahren dieser Periode (10. bis 18. Jahrhundert) dominiert die Geschichte der Stromburg. Der Stromberger Bereich lag seit der fränkischen Gaueinteilung in dem größeren Raum des Nahegaues. Die Nahegaugrafen hatten einen erheblichen Einfluss auch über ihr eigentliches Herrschaftsgebiet hinaus. Sie hatten auch immer Erben in der Verwandtschaft, sodass die Herrschaft immer in der Familie blieb. Bertolf I., durch den ja erstmals der Name Stromberg erwähnt worden war, ließ, als er oder einer seiner Vorfahren zum Gaugrafen ernannt wurde, wahrscheinlich die Stromburg zur Verteidigung der Straße Bingen zur Königsforst bauen. Die Stromburg galt als „reichsunmittelbar“, sie war also nur dem König unterlegen, sie wurde deshalb auch oft als Reichsunterkunft des Königs verwendet und als Reichsburg bezeichnet. Kaiser Heinrich V. (1106 – 1125) bezeichnet sie in einem Brief des Jahres 1120 als „castrum nostrum Strumburg“ (lat.: Unsere Veste Stromberg). Als dieser Brief geschrieben wurde, war die Burg von dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. überfallen worden, da er sich auf die Seite des Papstes im Investiturstreit gestellt hatte. Kaiser Heinrich war zu dieser Zeit auf einem Italienzug. In seinem Brief beschrieb er den Zerstörungsgrad als „Funditus“ (von Grund auf). Von diesem Zeitpunkt an lassen sich für rund 150 Jahre keine Grafen der Stromburg ermitteln.

In dieser Zeit entwickelte sich im Tal, am Fuße der Stromburg, der Ort Stromberg zu einer recht großen Wohnsiedlung. Der Name „Thal Stromberg“ erscheint jedoch zum ersten Male 1344, zuvor wurde sie im 13. Jahrhundert Stromveldt genannt. Zu der Siedlung gehörten schon frühzeitig Roth, Genheim und Eckenroth, wahrscheinlich nicht mit ihren vollen Gemarkungen, aber zumindest einen Teil davon. Im Jahre 1156 hörte die Reichsunmittelbarkeit mit dem Übergeben der Pfalzgrafschaft an Konrad von Hohenstaufen durch Friedrich I. (Barbarossa) auf. Konrad baute sehr viele Burgen und war wohl auch der, der den Wiederaufbau der Stromburg in die Wege geleitet hat. Um 1200 gehörten zur Pfalzgrafschaft am Rhein das Hochgericht und Münster in Kreuznach, des weiteren Güter aller Art im Stromberger Bezirk, sowie die Siedlungen Roth, Genheim, Schweppenhausen, Eckenroth und mehrere Einzelhöfe.

1214 wurde die Pfalzgrafschaft von Kaiser Friedrich II. an das Haus Wittelsbach verliehen. Die Wittelsbacher trugen sehr viel zum Ausbau ihres Machtbereiches bei. Sie teilten immer feiner organisierte Amtsbezirke ein. Von einem solchen wird Stromberg, bereits vor der Ortsnamen-Ersterwähnung (1344), 1255 „locus praecipuus“ (Hauptort), womit die damalige Bedeutung der Siedlung bestätigt wird. Im Jahre 1268 wurden in Stromberg erstmals auch Bürgermeister und Richter erwähnt. 1329 wurde den Neffen Rudolf II., Ruprecht I., und Ruprecht II. von Ludwig IV. die Pfalzgrafschaft zugeteilt. Sie hatten also unter anderen die Befehlsgewalt über Kaue, die Pfalzgrafstein, den Stahlberg, Bacharach, Diebach, Steeg, Heimbach, Rheinböllen, den Fürstenberg und Stromberg. Am 18. Februar 1338 teilten sich Rudolf II. und die beiden Ruprechte die Grafschaft, den Ruprechten fielen dabei unter anderem Stromberg, Bacharach, Diebach und Rheinböllen zu. Im 14. Jahrhundert wird Stromberg erstmals in den Jahren 1367, 1374 und 1394 als Stadt bezeichnet. Als herrschaftliche Diener werden für Stromberg 1388 die ersten Burgmänner, 1418 die ersten Amtmänner erwähnt. Die Letzteren verwalteten die kaiserlichen Naturaleinkünfte für einen Bezirk, beiden unterstanden Landschreiber, Truchsesse und Kellner. Der Pfalzgraf Ruprecht III. hat die Stromburg in den Jahren 1402 und 1403 wieder besuchen können, die Aufbauarbeiten an der Burg waren also erst um diesen Zeitraum beendigt worden. Bei einer Verpfändung ihres Ortes, werden die Stromberger als „arme Leute“ bezeichnet, daraus lässt sich folgen, dass der Stadthalter ihnen nicht sehr viel billigte. Zwar war Stromberg eine befestigte Siedlung, die aber weitgehend ländlich orientiert war und sich somit nicht viel von den umlegenden Dörfern, wie Argenthal, Dill, Grumbach, Horn, Koppenstein, Laubach und Oberstein, unterschied. Da Stromberg auch oft als „Thal“ (vor allem im 15. Jahrhundert (1410, 1416, 1424, 1464, und 1481)), lässt sich daraus schließen, dass sie nur zum Teil bevorrechtigt war. Aber es hatte ja ein Ortsgericht, oft das Marktrecht, Befestigungen, gewisse Freiheiten der Einwohner und das Siegelrecht.

Um 1414 gab es in Stromburg Unter- und Oberbürgermeister, seit dem 15. und 16. Jahrhundert gab es als weitere städtische Beamte Zöllner. Ende des 16. Jahrhunderts wird Stromberg dann sogar zum Oberamt erhoben. Zu diesem Oberamt gehörte zum einen natürlich die Stromburg und ihre Wohnsiedlung am Fuße des Berges, zum anderen die „Walddörfer“ (Eckenroth, Schindelberg, Warmsroth, Roth, Genheim, Teile von Windesheim, Waldlaubersheim und Waldalgesheim, dazu werden auch noch Heddesheim, Breitenfelser Hof und Dorsheim gerechnet) westlich der Nahe, die mehr oder weniger dem Soonwald zugeordnet waren, und die „Gaudörfer“ (Appenheim, Engelstadt, Ensheim, Grolsheim, Horrweiler, Niederhilbersheim und Welgesheim) östlich der Nahe. Da die Kriegtechnik immer weiter entwickelt wurde, begann die Bedeutung der alten Rittergeschlechter zu sinken, auf der Stromburg saßen sie nur noch als Burgmänner. Stromberg besaß im Jahr 1589 schon ein recht ausgeklügeltes Rechtssystem, in dem es etwa hieß:

„Die Gerichtsbarkeit untersteht dem Pfalzgrafen. An die Stadtherren werden gegeben: Frevelgebühren, Ungeld, Wegegeld, ferner alle Einkünfte aus Wasser, Weide, Bannmühle, und Bannbackhaus. Den Stadtbürgern stehen zu: Sie müssen kein Ungeld entrichten, damit sie Mauern, Tore, Pforten, Weg und Steg unterhalten können. Jährlich müssen sie neun Maltern Korn entrichten, dann ist es ihnen gestattet, die herrschaftliche Weide zu nutzen. Wer sich in der Stadt niederlassen, also sesshaft werden wollte, unterstand automatisch dem Schultheiß und Bürgermeister. Die Gemeinde konnte (Feld-)Schützen, Pförtner und Wächter in Dienst nehmen. Im Falle eines Gefechts brauchen die Stromberger Einwohner nicht für ihren Herrn Kriegsdienst leisten, sollen aber die Siedlung bewachen.“

Dreißigjähriger Krieg

Schon vor Beginn des Krieges hatten sich zwei Fronten gebildet: die „Union“, ein Zusammenschluss der protestantischen Fürsten unter Führung des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und die „Liga“, ein Zusammenschluss der katholischen Fürsten unter Leitung des Herzogs Maximilian von Bayern (1573-1651).

Der Dreißigjährige Krieg wurde hauptsächlich in Deutschland geführt und sollte eine große Armut und Bevölkerungsrückgang zur Folge haben. Beteiligt war unter anderem Frankreich, das gegen Schweden und Habsburg kämpfte, die sich hauptsächlich im südwestdeutschen Raum bekriegten. Die Kämpfe wurden auch noch durch einen Konflikt zwischen Katholiken, Protestanten und Kalvinisten überlagert.

Der Dreißigjährige Krieg wurde durch den so genannten Prager Fenstersturz als Folge des böhmischen Thronstreites ausgelöst. Nachdem die böhmischen Stände bei der Union Unterstützung durch die Wahl ihres Oberhauptes Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) fanden, wurde dieser schon ein Jahr nach der Krönung, am 4. November 1619, von der Liga am Weißen Berg besiegt. Auf Grund dieser kurzen Amtszeit bekam er den Spottnamen „Winterkönig“. Deswegen blieb auch das Nahetal nicht von diesem Krieg verschont.

Auch die Spanier griffen 1620 in diesen Krieg ein. Sie sind aus den Niederlanden und Italien über Koblenz in das schlecht gesicherte Kreuznach mit 5000 Infanteristen und 300 Kavalleristen einmarschiert und es kam dort zu Versuchen, die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zu bekehren.

Es gab auch ein weiteres Gefecht der Spanier bei Schloßböckelheim gegen die kaiserlichen Truppen. Die Burg fiel am 14. November 1620 Spanien in die Hände, danach eroberte Spanien fast alle Dörfer und Städte im Nahetal, teilweise kapitulierten die Städte schon vor einer Schlacht vor den übermächtigen Spaniern.

Im Winter richteten sich die Spanier Quartiere in 43-46 Städten im Hunsrück-Naheraum ein. Darunter war auch Stromberg. Besonders starke Quartiere gab es in Alzey und Oppenheim, da die feindlichen Truppen der Union sich in Worms niedergelassen hatten.

Der lange Krieg hatte viele Abgaben und Frondienste seitens der Bevölkerung zur Folge, von Stromberg wurden 6000 Reichstaler als Kontributionen gefordert, zu zahlen in drei Raten.

Erst als die Truppen der Schweden unter ihrem König Gustav II. Adolf (1594-1632) in die Pfalz einmarschiert sind, konnten diese 1630 die Spanier vertreiben und die Protestanten gewannen wieder die Oberhand. Auf schwedischer Seite kämpften die Wittelsbacher, die ja auch schon auf der Stromburg herrschten, und die somit zu den wichtigen Landsherren des Naheraums wurden.

Als in der Schlacht bei Lützen der schwedische König am 16. November 1632 starb, gerieten seine Truppen außer Kontrolle, was zu großen Grausamkeiten führte. In den letzten 15 Jahren des Krieges hielten sich wieder Truppen aller kriegführenden Mächte im Naheraum auf.

Es ist ein Gerichtssiegel des Jahres 1647 mit der Inschrift: „Stromberger Gerichts Siegel“ gefunden worden.

Erst am 24. Oktober 1648 wurde der Krieg mit dem Westfälischen Frieden endlich beendet. Er hatte zwei Drittel der Bevölkerung Südwest-Deutschlands gefordert und Seuchen, Verwüstung, Armut, Ausplünderungen usw. zur Folge gehabt.

Deutscher Michel

Heute eher als schlafmützige Karikatur bekannt, galt der Deutsche Michel früher als Sinnbild für Strebsamkeit und Tatkraft. Historisches Vorbild ist Hans-Michael Elias von Obentraut, der am 2. Oktober 1574 auf der Stromburg geboren wurde und hier auch seine Kinsheit verbrachte. Im Dreißigjährigen Krieg kämpfte er an der Spitze der kurpfälzischen Kavallerie für die Evangelische Union und brachte es dort bis zum General. Seine Kriegskunst brachte ihm bei den spanischen Söldnern des Marschall Tilly auf katholischer Seite schon bald den Ruf des gefürchteten "Miguel Aleman" ein. Stromberg feiert seinen berühmtesten Sohn jährlich am Wochenende nach Pfingsten mit einem mittelalterlichen Stadtfest.

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