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Studentenverbindung

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Eine Studentenverbindung oder auch Studentenkorporation ist ein Verband von derzeitigen und ehemaligen Studenten einer Universität, Hochschule, Fachhochschule oder ähnlichen Institutionen, der gewachsene Traditionen pflegt.

Überblick

Studentenverbindungen geben Studenten die Möglichkeit, ihre Studienzeit in einer relativ verbindlichen Gemeinschaft zu gestalten und gewähren ihnen Unterstützung auch für ihre Zukunft.

Ihre wichtigste Gemeinsamkeit ist das Lebensbundprinzip. Es bedeutet, dass aktive wie nichtaktive Mitglieder ihrer Verbindung lebenslang verbunden bleiben. Es ermöglicht auch die Vernetzung („Networking“), die der Karriereförderung dient. Dies wird von außen oft kritisch wahrgenommen.

Vor dem akademischen Abschluss sind studentische Mitglieder Teil der Aktivitas. Diese organisiert in der Regel im Rahmen ihres Semesterprogramms selbstverantwortlich mehrere Veranstaltungen: wissenschaftliche Weiterbildungen (Studium Generale), Feste und Feiern in der Freizeit, sportliches Kräftemessen, bei manchen Verbindungsarten in Form von traditionellem akademischem Fechten.

Die Mehrzahl der deutschen Verbindungen sind nichtschlagend. Die übrigen erwarten die sogenannte Mensur entweder von jedem Mitglied (pflichtschlagend) oder stellen sie ihm frei (fakultativ schlagend).

Nach dem Studium folgt die Philistrierung: Fortan ist man "Alter Herr" oder "Hohe Dame", bleibt seiner Verbindung als solcher treu und unterstützt sie finanziell und ideell.

Dahinter steht eine oft über 100-jährige Tradition, die Verbindungen bewusst pflegen. Dazu gehört bei vielen das Tragen von Farben, die sogenannte Couleur, in Form von Mützen oder Bändern. Andere tragen diese nicht, sondern führen bei Zusammenkünften nur ihre farbigen Wappen und Fahnen mit (farbenführend im Gegensatz zu farbentragend). Wieder andere verzichten selbst darauf (schwarze Verbindungen).

Die meisten Verbindungen nehmen traditionell nur Männer auf. Seit 1899 gibt es auch reine Damenverbindungen, die sich neuerdings wachsender Beliebtheit erfreuen. Seit etwa 1970 gibt es aber auch einige gemischte Verbindungen.

In Deutschland gehören etwa 2-3% aller Studenten einer Verbindung an. Obwohl genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind, kann man davon ausgehen, dass sich 170.000 bis 200.000 studierende oder berufstätige Personen in Deutschland und Österreich als „Verbindungsstudenten“ bezeichnen.

Die Geschichte der Studentenverbindungen wird ausführlich in einem eigenen Artikel dargestellt. Dort wird die Entstehung der wichtigsten Arten und Merkmale von Verbindungen, aber auch ihr politisches oder unpolitisches Engagement erläutert.

Inhaltsverzeichnis

Verbindungsarten

Vielfalt und Unterschiede sind bei dieser traditionellen studentischen Gemeinschaftsform außerordentlich groß. Am häufigsten findet man an Universitäten heute

sowie weitere Arten. Diese unterscheiden sich vor allem durch ihre Prinzipien, ihre Geschichte und spezifischen Gebräuche. Trotz aller Vielfalt treten bestimmte Formen besonders häufig auf, die in der folgenden Tabelle aufgeführt sind. Diese enthält jedoch nicht alle Dachverbände und keine dachverbandsfreien Verbindungen. In der Liste der Dachverbände von Studentenverbindungen findet man ferner die erloschenen und heute noch aktiven Dachverbände und ihre Merkmale.


Verbindungsform Dachverband / -verbände Anzahl der Verbindungen
Katholische Studentenverbindungen (farbentragend) CV, ÖCV, TCV 200
Corps KSCV, WSC 161
Burschenschaften DB, NDB 141
Katholische Studentenvereine (nicht farbentragend, farbenführend) KV, UV, ÖKV 126
Landsmannschaften CC, ÖLTC 73
Andere christliche Studentenverbindungen Schwarzburgbund, Wingolf, Wartburg-Kartell 61
Sängerschaften (fakultativ schlagend) und musische Verbindungen (nichtschlagend) Weimarer CC und SV 44
Akademische Turnvereine ATB, ATBÖ 41
Turnerschaften CC und MK 34
Akademisch-Technische Verbindungen MWR, Hütte 8


Aufbau

Die Aktivitas und das Conventsprinzip

Eine Verbindung gliedert sich in studierende und berufstätige Mitglieder. Die Aktivitas ist die Organisationsform der studierenden Mitglieder, meist ohne Rechtsform. Sie treffen ihre Entscheidungen demokratisch in „Conventen“, bei Corps etwa dem Corpsburschen-Convent (CC). Sie wählen dort in jedem Semester einen Vorstand - die Chargia, die sich meist aus drei „Chargierten“ zusammmensetzt - und den „Fuxmajor“, der für die Neulinge (Füxe) verantwortlich ist. Alle Amtsinhaber können abgewählt werden.

Aus historischen Gründen sehen die Convente für sich auch eine Art Aufsichtspflicht für ihre Mitglieder (siehe Comment), die bei Verstößen gegen gemeinsam und demokratisch festgesetzte Regeln Bestrafungen vorsieht. Dazu gehören geringfügige Geldstrafen in die Gemeinschaftskasse, aber auch „protokollarische Strafen“ („Verweise“ etc.) sowie den zeitweisen und endgültigen Ausschluss aus der Verbindung („Dimission“).

Die Aktivitates der meisten Verbindungen besitzen ein eigenes Haus oder eine Wohnung (Korporationshaus) zum Treffen und Wohnen. Verbindungen, die nicht darüber verfügen, treffen sich regelmäßig in öffentlichen oder gemieteten Versammlungsräumen (in Deutschland Konstante, in Österreich Studentenbude genannt).

Fuchsenzeit und Burschenzeit

Beim Eintritt in eine Verbindung macht der Student eine Probezeit durch. Als „Fux“ oder „Fuchs“ bezeichnet (weibliche Studenten heißen meist ebenso, seltener „Fee“ oder „Fähe“), kann er/sie die Verbindung mit weniger Rechten, aber auch weniger Pflichten unverbindlich kennen lernen. Er wird mit den Traditionen und Werten seiner Verbindung vertraut gemacht und lernt befreundete Verbindungen kennen. Das dauert ein bis zwei Semester und endet mit der „Burschung“ (auch „Rezeption“ etc.), womit man „Bursche“ (Vollmitglied) wird.

Dieser übernimmt die Hauptverantwortung des Aktivenlebens: Ämter (Chargen), Gastgeberrolle bei Veranstaltungen, Leitung verschiedener Convente oder Repräsentationspflichten bei Besuchen. In dieser Zeit werden in „schlagenden“ Verbindungen die Mensuren gefochten (siehe unten).

Die restliche Zeit seines Studiums (beispielsweise in lernintensiven Phasen) ist der Verbindungsstudent jedoch Inaktiver und kann sich auf seinen Studienabschluss konzentrieren, ohne Ämter und weitere Pflichten übernehmen oder Mensuren schlagen zu müssen.

Alte Herren und der Lebensbund

Ehemalige Studenten heißen unabhängig von ihrem Lebensalter „Alter Herr“ oder „Hohe Dame“. Sie bilden gemeinsam die Altherrenschaft (Hohedamenschaft). Das sind meist eingetragene Vereine (e.V.). Für die Aufnahme ist eine gesicherte Lebensstellung Voraussetzung.

Alte Herren haben zwar aufgrund von Familie und Beruf am wenigsten Zeit, können den Bund aber finanziell unterstützen: durch Jahresbeitrag und Spenden, vor allem aber durch den Unterhalt des Korporationshauses. Besonders Engagierte können auch Ämter im Altherrenverband und im Dachverband übernehmen.

Alte Herren und aktive Studenten treffen sich auf Veranstaltungen des eigenen Bundes, etwa beim Stiftungsfest oder bei Tagungen des jeweiligen Dachverbandes wie dem Burschentag.

Das Lebensbund-Prinzip bedeutet eine lebenslange Verpflichtung, für alle Mitglieder der eigenen Verbindung einzustehen. Entgegen ursprünglichen Konzepten aus der Zeit um 1800 erlaubt es heute jedoch auch freiwillige Austritte oder - bei schwerwiegendem Fehlverhalten - den zeitweisen oder endgültigen Ausschluss aus der Verbindung.

Dachverbände

Die meisten Studentenverbindungen sind in Dachverbänden zusammengeschlossen, deren Zweck es ist, die vereinbarten Ziele und Prinzipien gemeinsam zu erreichen. Dazu gibt es verschiedene Arten: Manche Dachverbände sind lockere Zusammenschlüsse, die ihren Einzelverbindungen weitreichende Freiheiten lassen. Andere dienen hauptsächlich der Wahrung gemeinsamer, demokratisch festgelegter Prinzipien. Wieder andere verstehen sich als ein großer Bund mit Dependancen in verschiedenen Universitätsstädten. Daneben gibt es „freie Verbindungen“, die keinem Dachverband angehören.

Viele deutsche Dachverbände haben sich wiederum zu zwei übergeordneten Interessenvertretungen vereint: Der Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) umfasst die Aktivenverbände von 11 Korporationsverbänden und damit etwa 200 Studentenverbindungen mit etwa 4.000 Studenten.

Im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) finden sich die Altherrenschaften von 15 Korporationsverbänden, darunter auch die DB und der CC zusammen. Er vertritt etwa 500 Altherrenschaften mit etwa 50.000 Mitgliedern.

Zum römisch-katholischen Europäischen Kartellverband (EKV) gehören die katholischen Korporationsverbände CV, KV, RKDB, TCV, der UV sowie nicht-deutsche Korporationsverbände.

(Siehe auch: Liste der Dachverbände von Studentenverbindungen)


Geschichte der Verbindungen

Der folgende Abschnitt fasst den ausführlichen Hauptartikel "Geschichte der Studentenverbindungen" zusammen und berücksichtigt dabei besonders die Zeit von 1871 bis heute.

Vorläufer vor 1800

Mit den ersten Universitäten entstanden auch Zusammenschlüsse von Studenten. Diese entwickelten bestimmte Formen, die heute nicht mehr existieren, aber als frühe Vorläufer heutiger Verbindungstraditionen anzusehen sind:

1800 bis zur Reichsgründung 1871

Die Arten von Studentenverbindungen, die wir heute kennen, entwickelten sich an deutschsprachigen Universitäten seit etwa 1800. Sie übernahmen einzelne Elemente der älteren Formen studentischer Zusammenschlüsse und entwickelten sie weiter.

Eine erste neuere Form waren die Corps, die sich zu Senioren-Conventen zusammenschlossen. Sie verstanden sich als Zusammenschlüsse zur gemeinsamen Regelung des studentischen Lebens ohne politischen Gestaltungsanspruch. Nach den Befreiungskriegen kamen Bestrebungen auf, die überlieferte Einteilung der Studenten in "Landsmannschaften" abzuschaffen und alle Studenten („Burschen“) in einer einzigen Verbindung zusammenzuführen.

Aus diesen Überlegungen heraus gründete sich am 12. Juni 1815 in Jena die sogenannte Urburschenschaft. Sie wollte auf universitärer Ebene die politische Überwindung der Kleinstaaterei zu Gunsten eines vereinten Deutschlands vorwegnehmen und vorbereiten. Ihre Ideen griffen rasch um sich. Bei einem Treffen von etwa 500 protestantischen Studenten auf der Wartburg am 18. Oktober 1817 gründete sich die Allgemeine Deutsche Burschenschaft. Sie fasste viele bestehende und neue Burschenschaften zusammen und verstand sich von Anfang an als politische Organisation mit politischen Forderungen: vor allem nach Demokratisierung und Einigung Deutschlands.

Die Ausbeitung eigenständiger Organisationen stieß auf das Misstrauen der restaurativen Fürstenregierungen, die damals zum "Deutschen Bund" gehörten. Nach dem politisch motivierten Mord eines Burschenschafters erließen sie 1819 die Karlsbader Beschlüsse. Damit setzte eine sogenannte "Demagogenverfolgung" an den Hochschulen ein. Bis 1848 blieben unterschiedslos alle Verbindungen verboten.

Unabhängig davon stieß die Burschenschaftsidee auch bei einigen älteren Studentenvereinigungen auf Vorbehalte. Der Zusammenschluss aller Studenten blieb aus. Allmählich ließen die Burschenschaften einige Reformforderungen bezüglich der studentischen Kultur fallen und passten sich teilweise der älteren Corpstradition an.

Andere gründeten die ersten betont christlichen Studentenverbindungen, da sie das christlich-religiöse Element vermissten und es zum Bestandteil ihres traditionellen Gemeinschaftslebens machen wollten. Diese waren auch die ersten, die das damals weit verbreitete studentische Fechten zur Austragung von "Ehrenhändeln" für sich ablehnten. Bereits 1836 verzichtete die Uttenruthia auf Duell und Mensur.

Schon vor 1848 bildete sich im Umfeld der politischen Emanzipation des Bürgertums die sogenannte "Progressbewegung" an den Hochschulen, die die studentischen Traditionen abschaffen oder an die bürgerliche Kultur der Zeit anpassen wollte. Aus ihnen bildeten sich Turnerschaften, Sängerschaften und eine neue Art von Landsmannschaften.

1848 wurden infolge der Märzrevolution die Karlsbader Beschlüsse aufgehoben. Die Demokratiebewegung erreichte in der Frankfurter Paulskirche einen ersten vorübergehenden Durchbruch. Aus den bis dahin verbotenen "Untergrundorganisationen" unbotsamer Jugendlicher wurden nun anerkannte Zusammenschlüsse des Nachwuchses der akademischen Elite der Nation. Die Burschenschafterfarben Schwarz-Rot-Gold wurden nun sogar zu den Farben des Deutschen Bundes erklärt. An Gymnasien und Oberrealschulen formierten sich Schülerverbindungen.

Bis 1871 setzten sich bereits eine Reihe der heute noch gültigen Merkmale der Verbindungen durch: u.a. das Lebensbundprinzip, Conventsprinzip, Fuchsen- und Burschenzeit.

Im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918

Die Gründung des Deutschen Reiches 1871 erfüllte wesentliche Forderungen des Bürgertums, die besonders die Burschenschaftsbewegung von Anfang an vertreten hatte: vor allem die territoriale Einigung Deutschlands und eine gemeinsame Reichsverfassung. Die Verbindungsstudenten gehörten nun zur etablierten Führungsschicht und stützten diese. Seitdem kam die ganze Vielfalt und Traditionspflege der deutschen und östereichischen Studentenverbindungsarten zur vollen Entfaltung, so dass diese Zeit heute noch als "alte Burschenherrlichkeit" gilt.

Eine Kehrseite dieser Entwicklung war der Antisemitismus. Eine Judenfeindlichkeit hatte sich in Teilen der akademischen Bildungsschicht schon seit der französischen Revolution 1789 verstärkt. Einige Antisemiten standen bei der Gründung der Urburschenschaft Pate. Die "Judenfrage" spielte auf den ersten Burschentagen eine wichtige Rolle. Der Ausschluss von Juden wurde seit 1817 in einigen Verbindungssatzungen festgelegt.

Eine einheitliche Ausgrenzung der Juden wurde damals aber nicht vollzogen. Die Aufnahmekriterien unterschieden sich von Verbindung zu Verbindung, Dachverband zu Dachverband und blieben auch nicht dauerhaft dieselben. Einige Verbindungen hielten die Prinzipien der Gleichheit und Glaubensfreiheit hoch und nahmen betont auch Juden auf.

Die neue Reichsverfassung gewährte Juden nun den Zugang an Hochschulen. Um ihre sozialen Aufstiegschancen zu verbessern, traten sie vielfach in Verbindungen ein. In ihnen fanden sich daher oft auch prominente Juden. Patriotismus, Christentum und politischer Gestaltungsanspruch vieler Verbindungen wirkten jedoch oft ausgrenzend für Juden und Andersgläubige. Infolge einer verstärkten antisemitischen Propaganda, die neue Rasse-Ideologien mit einer Politisierung von antijüdischem Sozialneid verband, verbreitete sich der Antisemitismus um 1880 immer mehr.

Nun gründeten sich auch Studentenverbindungen, die die Ausgrenzung der Juden zum festen Satzungs- und Programmpunkt machten. Ein solcher betont antisemitisch gegründeter Dachverband war der "Kyffhäuserverband", der die Vereine Deutscher Studenten zusammenschloss. Auch in österreichischen Verbindungen, besonders Burschenschaften griff der Antisemitismus um sich. Daraufhin gründeten sich mehr und mehr jüdische Studentenverbindungen, die sich stets zum deutschen Vaterland, teilweise aber auch zum Zionismus bekannten.

Um 1900 wurden auch Frauen schrittweise zum regulären Universitätsstudium zugelassen. 1899 bildeten sich daher auch die ersten Damenverbindungen. Gemischte Verbindungen waren damals noch undenkbar.

Der Erste Weltkrieg beendete die "alte Burschenherrlichkeit". Alle gesunden jungen Männer mussten in den Krieg. Eher auf dem deutsch-national bis national-liberal und rechten politischen Spektrum angesiedelt, begeisterten sich die Verbindungen anfangs für den Kriegsausbruch. Die große Mehrheit der Korporierten bejahte den Krieg als Dienst "fürs Vaterland" und trug ihn mit. Der Anfangs als Spazierfahrt nach Paris bezeichnete Krieg wurde dann zur ersten mit industrieller Technik geführten weltweiten Auseinandersetzung zwischen Staaten mit Massenvernichtungswaffen der in verschiedenen Ländern in Hungernöten endete.

Das Universitätsleben in Deutschland war nun nur noch sehr eingeschränkt möglich. Viele Verbindungen mussten suspendieren, und manche erholten sich nach Kriegsende nicht mehr davon. Vor allem Damenverbindungen wurden nach 1918 nicht wieder aktiviert.

In der Weimarer Republik 1918-1933

Ab 1919 kehrten die meisten Studenten wieder an die Universitäten zurück, wo sie ihre Traditionen neu aufleben ließen. Die Verbindungen hatten einen Zulauf wie nie zuvor. Wie vor dem Krieg bekannten sich die - nach eigenem Selbstverständnis eher - unpolitischen Studentenverbindungen zu konservativen und nationalen Ideen. Sie bildeten keine Parteien, schlossen sich insgesamt auch keiner Parteilinie an und überließen parteipolitische Aktivitäten dem Einzelnen. Aufnahmen von Sozialdemokraten oder gar kommunistischen Studenten blieben seltene Ausnahmen. Die meisten Mitglieder vertraten eine weit verbreitete Republikfeindlichkeit und hielten an der Idee des Kaiserreichs fest.

Das zeigte sich auch daran, dass besonders die Burschenschaften die schwarz-rot-goldene Flagge, die vor 1848 Symbol der Demokratiebewegung gewesen und nun deutsche Staatsflagge geworden war, nicht mehr als gemeinsame Fahne anerkannten. Sie verknüpften das "Vaterland" nicht mit der ungeliebten Republik, sondern mit nationalistischen Gebiets- und Großmacht-Ansprüchen.

Etwa seit 1925 propagierte ein großer Teil aller Studenten und ihrer Organisationen die sogenannte "Konservative Revolution", die die Weimarer Demokratie ablösen sollte. Um diese Zeit trat auch die Hochschulorganisation der NSDAP, der neugegründete "Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) seinen Siegeszug an. Hier ließen viele Verbindungen eine Doppelmitgliedschaft ausdrücklich zu, um nicht zu viel Mitglieder an die braune Konkurrenz zu verlieren. Politische Ziele und Ideologie berührten sich vielfach.

Im "Dritten Reich" 1933-1945

Adolf Hitlers Machtergreifung wurde von vielen Studenten begeistert begrüßt, auch wenn sie nicht zur NSDAP gehörten. Viele Korporierte traten nun in diese Partei ein und begrüßten auch die ersten Gewaltmaßnahmen gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden.

Ab 1934 wurde unübersehbar, dass die Nazis Studentenorganisationen nicht von der Gleichschaltungspolitik ausnehmen würden. Nun gab es vereinzelt Widerstand gegen das "Führerprinzip" und den rassistischen Ausschluss aller Juden, auch unter den "Alten Herren". Zwischen 1934 und 1936 lösten sich die Studentenverbindungen entweder selbst auf oder wurden zwangsaufgelöst. Manche existierten nun als "Kameradschaften" innerhalb des NSDStB weiter.

Im Krieg seit 1939 konnten sich lokal einige Verbindungen heimlich neugründen, Veranstaltungen in Couleur abhalten und sogar Mensuren fechten.

Eine Reihe von Verbindungsstudenten machten Karriere in Hitlers Partei und Staat. Andere beteiligten sich an Widerstandsversuchen. Sie gehörten zum inneren Führungskreis der Attentäter des 20. Juli 1944, zum Kreisauer Kreis, zur Bekennenden Kirche. Viele von ihnen wurden hingerichtet oder starben in Gestapohaft.

Seit 1945

Bis 1950 verboten die alliierten Militärregierungen im Rahmen der Entnazifizierung und des allgemeinen Parteien- und Vereinsverbots alle Studentenverbindungen. Ab 1947 versuchten sich einige Bünde in der Westdeutschland und Österreich dennoch wiederzugründen. Bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland hatte sich das Korporationswesen unter kräftiger Mithilfe der so genannten Alten Herren schon sehr weit neu belebt.

1949 erklärte die Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK) in ihrem Tübinger Beschluß: "Im Bilde der kommenden studentischen Gemeinschaft wird kein Platz mehr sein für Veranstaltungen von Mensuren, die Behauptung eines besonderen Ehrbegriffs, die Abhaltung geistloser und lärmender Massengelage, die Ausübung einer unfreiheitlichen Vereinsdisziplin und das öffentliche Tragen von Farben." Daraufhin änderten die meisten westdeutschen Universitäten ihre Hochschulordnungen entsprechend und verweigerten besonders schlagenden Verbindungen die Registrierung als studentische Körperschaften. Vor allem die gegen die SED-Uniformität der Friedrich-Wilhelm-Universität neugegründete FU Berlin wehrte sich beharrlich gegen ihre Anerkennung.

1953 wurde die Mensur nach einem Göttinger Musterprozess für straffrei erklärt, sofern sie nicht mehr zur Ausfechtung von Ehrenhändeln diene. Dieses versprachen die Verbandsvertreter schlagender Verbindungen dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. Damit verzichteten sie erstmals in ihrer Geschichte auf die Satisfaktion mit der Waffe, das studentische Fechten beschränkte sich seitdem auf die "Bestimmungsmensur".

Nach und nach gaben viele Dachverbände auch Schulderklärungen zu ihrem Verhalten im "Dritten Reich" ab: zunächst christlich orientierte Verbindungen wie der Schwarzburgbund, die sich dabei an die Kirchen anlehnten. - Jüdische Studentenverbindungen haben sich bis heute nicht wieder gegründet. Ein ausgewanderter jüdischer Dachverband existiert aber immer noch in New York.

Bereits 1961 wurden die Korporationsverbände in die Förderung des Bundesjugendplanes aufgenommen, also staatlich anerkannt. In weiteren Musterprozessen hoben Gerichte die Universitätsverbote seit den 60-ger Jahren nach und nach auf. 1963 zum Beispiel wurde das Corps Lusatia als erste Verbindung mit Mensurpflicht an der TU Berlin, 1968 auch an der FU zugelassen. 1985 entschied das Bundesverwaltungsgericht endgültig, dass Mitgliedern einer schlagenden Verbindung die Immatrikulation nicht verweigert werden dürfe. Verbote des Farbentragens und der Mensur blieben jedoch an einigen Universitäten in Kraft, werden aber nicht überall durchgesetzt.

Die Zeit der Studentenbewegung von 1968 wurde für viele Verbindungen zu einer existenzbedrohenden Krise: Viele ihrer Traditionen sahen sich nun scharfer Kritik ausgesetzt. Die Mitgliederzahlen gingen rapide zurück. Neue, politisch und sozial anders ausgerichtete Studentenorganisationen gewannen an Boden. Viele Verbindungen mussten sich vertagen. Einige, die bisher nur Männer aufnahmen, versuchten sich erfolgreich durch die Aufnahme von Studentinnen zu stabilisieren. Aus dieser Zeit stammen auch viele heutige Vorbehalte gegen eine Reihe von Verbindungen.

Die rückläufige Entwicklung kam ab 1980 zum Stillstand. Seit etwa 1985 ist wieder eine Zunahme an neuen Mitgliedern zu beobachten. Viele Verbindungen, die seit 1970 vertagt wurden, haben ihren Aktivenbetrieb wieder aufgenommen.

In der DDR blieben Studentenverbindungen verboten. Erst seit 1980 gründeten sich an einigen Universitätsstandorten Studentenverbindungen neu, meist unter dem Deckmantel historischer oder Fechtvereine und unter strenger Beobachtung durch das Ministerium für Staatssicherheit (siehe Rudelsburger Allianz).

Nach der Wende von 1989 wurde es auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wieder möglich, die Studentenverbindungen an den Universitäten neu zu beleben. Viele Verbindungen verlegten ihren Sitz wieder an alte Heimatuniversitäten in Ostdeutschland. Es kam dabei zu Wieder- und einigen Neugründungen. Teilweise wurden auch neue Universitätsstädte für Verbindungen erschlossen.

Seit der Unabhängigkeit der baltischen Staaten hat sich eine rege Zusammenarbeit zwischen den deutsch-baltischen Verbindungen in Deutschland und den nach deutschem Vorbild gegründeten estnischen und lettischen Verbindungen ergeben.

Die Gegenwart ist durch widersprüchliche Tendenzen gekennzeichnet. Einige Verbindungen (vorwiegend in der Deutschen Burschenschaft) betonen verstärkt ihre "Verbundenheit mit dem deutschen Volk" und nehmen darum nur nach Abstammung und Sprache als Deutsche definierte Mitglieder auf. Dabei hatten die meisten Verbindungen vor allem der Corps-Tradition teilweise schon im 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich auch ausländische Mitglieder.

Andere beginnen und verstärken die Zusammenarbeit mit anderen Ländern: zum Beispiel der römisch-katholische Europäische Kartellverband, der Verbindungen im europäischen Ausland umfasst. Demgegenüber strebte der erste Weltkorporationstag vom November 2002 in Würzburg eine internationale Begegnung ohne organisatorische Vereinheitlichung an. Dort trafen sich Studentenverbindungen aus aller Welt und einigten sich auf eine gemeinsame Entschließung (siehe

Äußere Kennzeichen und Feiern

Alle Studentenverbindungen haben einige der folgenden äußeren Erkennungszeichen. Diese sind historisch gewachsen: So stammen die Farben aus einer militärischen Tradition, die Zirkel aus dem mittelalterlichen Handwerk und die Feiern aus den Bräuchen der Freimaurer.

Farben

Hauptartikel: Couleur


Als farbentragend werden Studentenverbindungen bezeichnet, deren Mitglieder (zumindest bei offiziellen Veranstaltungen) ein Band und eine Kopfbedeckung (Studentenmütze auch Kopfcouleur genannt) in den Farben ihrer Verbindung (Couleur) tragen.

Daneben existieren seit 1857 sogenannte farbenführende Verbindungen, deren Mitglieder keine Couleur tragen. Die Farben dieser Verbindungen finden sich dann häufig in dem Wichs und in Couleurgegenständen wie z.B. den so genannten Zipfeln. Manche nicht-farbentragende Verbindungen in Süddeutschland und in Österreicht tragen allerdings ein Band aber keine Studentenmütze.

Einige Studentenverbindungen tragen weder Farben, noch führen sie Farben. Diese Verbindungen werden als schwarze Verbindungen bezeichnet.

Zirkel

Hauptartikel: Zirkel (Studentenverbindung)

Der Zirkel ist eine monogrammartige Verschlingung von Buchstaben, gefolgt von einem Ausrufezeichen und enthält in der Regel die Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens und des Wahlspruches der Verbindung. Oft finden sich auch (alternativ oder zusätzlich) die Anfangsbuchstaben von „libertas vita carior“ (lvc), „vivat, crescat, floreat“ (vcf) bzw. „vivat circulus fratrum (Verbindungsname)“ im Zirkel.

Wappen

Hauptartikel: Studentenwappen

Das Studentenwappen ist eine nicht streng den heraldischen Regeln folgende Form der Wappen und kam um das Jahr 1800 in Gebrauch. Meist wird das Schild durch ein Kreuz in vier Felder geteilt. Beliebte Elemente sind die Farben der Verbindung, das Bundeszeichen, der Zirkel (Studentenverbindung), Hinweise auf die Universitätsstadt, regionale heraldische Elemente sowie weitere Symbole für Freundschaft und Ewigkeit, die teils aus dem Freimaurertum, teils direkt aus der Antike übernommen wurden.


Feiern

Verbindungen legen seit jeher großen Wert auf gesellschaftliche Veranstaltungen und Feiern aller Art für ihre Mitglieder. Diese lebten schon früher oft weit von ihren Familien entfernt und waren mit einer mehr oder weniger großen Geldmenge ausgestattet. So konnte der Student seine frei verfügbare Zeit selbstständiger gestalten und ohne elterliche Aufsicht mit seinen Vorlieben ausfüllen.

Ein wichtiger Erwerbszweig in Universitätsstädten war daher schon immer die Gastronomie. Der alltägliche Konsum alkoholischer Getränke war für die meisten Studenten üblich. Dazu bildeten sich allmählich spezielle studentische Veranstaltungsformen heraus.

Traditionelle Namen dafür sind etwa „Kneipe“ und „Kommers“, aber auch heute in Vergessenheit geratene Begriffe wie „Hospicium“ oder „Kränzchen“. Essen, Trinken und Rauchen waren darin bis zum frühen 19. Jahrhundert gleich wichtig. Sie verballhornten ursprünglich Riten der Freimaurer und der Universitäten: So entstand die Kneipe nach dem Bild der Vorlesung.

Mit der Zeit kamen so immer mehr Neuerungen in studentisches Brauchtum. Als einige Landesfürsten den Alkoholgenuss verboten, reagierten die (einige?) Studentenverbindungen mit Trinkzwang und „Biercomment“. Sie verballhornten nun zum Teil auch ihre eigenen Riten: So entstand der „Bierjunge“ als Persiflage des studentischen Duells und der Mensur.

Einige dieser Formen haben sich bis heute gehalten, fortentwickelt und werden in zeitgemäßer Form weiter gepflegt. So hat fast jede Verbindung alle oder mehrere der folgenden Veranstaltungen in ihrem Semesterprogramm:

Diese traditionellen Veranstaltungsformen finden ohne Partnerinnen („Damen“) statt. Sie sind heute jedoch in der Minderzahl gegenüber gemischten Veranstaltungen. Den Semesterverlauf füllen heutige Verbindungen überwiegend mit modernen Formen zwangloser Feste, die in der Regel mit Partnerinnen in kleinem Kreis stattfinden. Dazu gehört auch der Stiftungsfestball.

Inzwischen laden viele Verbindungen mindestens einmal im Jahr alle Studenten zu einer großen Party ein, die dann oft mit mehreren hundert Teilnehmern gefeiert wird. Dazu wird das Korporationshaus, über das heute praktisch alle deutsche Verbindungen verfügen, für Besucher geöffnet.

Weitere Veranstaltungen sind primär auf die jeweiligen Schwerpunkte der Studentenverbindung ausgerichtet. So veranstalten Burschenschaften und wissenschaftliche Studentenverbindungen eine Reihe von wissenschaftlichen Abenden, musische Verbindungen Gesangsabende oder Konzerte, sportlich orientierte Verbindungen (wie Akademische Segelvereine oder Ruderverbindungen) sportliche Aktivitäten und christliche Studentenverbindungen religiöse Feiern.

Verbindungen in anderen deutschsprachigen Ländern

Für Studentenverbindungen in nicht-deutschsprachigen Ländern siehe: Studentenverbindungen in nicht-deutschsprachigen Ländern

Auch wenn sich die Studentenverbindungen im deutschsprachigen Raum über die Landesgrenzen hinweg stark ähneln, so gibt es dennoch einige Besonderheiten, auf die im folgenden eingegangen wird.


Liechtenstein

In Liechtenstein gibt es zwar keine Universität, aber eine katholische Ferialverbindung, die LAV RheinmarkIn ihr finden sich liechtensteinische Studenten zusammen, wenn sie in den Ferien von ihrem Universitätsort in ihr Heimatland zurückkommen.

Österreich

Die Studentenverbindungen in Österreich sind im Großen und Ganzen mit den Verbindungen in Deutschland vergleichbar. Die gesellschaftspolitische Relevanz ist (war) allerdings größer. So entstammen fast alle Bundeskanzler der ersten Republik katholischen CV-Verbindungen. Engelbert Dollfuß, Begründer der austrofaschistischen Diktatur, war zum Zeitpunkt seiner Ermordung Philistersenior seiner Studentenverbindung KÖHV Franco Bavaria (Wien). Posthum wurde ihm von allen Verbindungen des Österreichischen Cartellverbands (ÖCV) die Ehrenmitgliedschaft (Bandphilister h.c.) verliehen.

Die Verbindungen Österreichs sind politisch insgesamt deutlich konservativer als jene in Deutschland. Außerdem sind sie untereinander tief in katholische und schlagende Verbindungen gespalten. Gemeinsame Auftritte bei universitären oder allgemein gesellschaftlichen Veranstaltungen sind dort nach wie vor undenkbar. Die aggressive Ablehnung fand ihren traurigen Höhepunkt in der Ermordung eines katholischen Grazer Studenten Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie hat sich heute in ein „nicht einmal ignorieren“ gewandelt.

Manche Korporationsverbände wie der Cartellverband oder der nicht-farbentragende Kartellverband koexistieren als deutsche und österreichische Verbände, weisen aber gemeinsame Wurzeln und teilweise sogar eine gemeinsame Geschichte auf. Partiell kann bei den schlagenden, nationalen österreichischen Verbindungen eine besondere Verbundenheit mit Deutschland festgestellt werden.

Ungewöhnlich ausgeprägt ist in Österreich das Schülerkorporationswesen. Der größte Verband von Mittelschulverbindungen ist der Mittelschüler Kartell Verband (MKV). Österreichische Mittelschulverbindungen bezeichnen sich größtenteils auch als „Studentenverbindung“.

Schweiz

Das Korporationswesen in der Schweiz ähnelt dem in Deutschland und Österreich, allerdings mit einem Unterschied: Die drei großen Dachverbände „Schweizerischer Zofingerverein (Zofingia)“, „Studentenverbindung Helvetia“ und der „Schweizerischer Studentenverein (StV)“, dem deutschen CV nahestehend, wurden von Anfang an als Dachverband gegründet und entstanden nicht aus Zusammenschlüssen einzelner Verbindungen. Daneben gehörten ihnen von Anfang an Verbindungen an Universitäten und Schülerverbindungen an. Letztere sind in der Schweiz weitaus häufiger anzutreffen als in Deutschland. Zudem waren alle drei Verbände ebenfalls von Anfang an politische Vereine (Siehe auch Schweizerischer Studentenverein

Kritik

Studentenverbindungen werden in der Gesellschaft verschieden wahrgenommen. Ihre Traditionen sind diverser Kritik ausgesetzt und treffen zum Teil auf Ablehnung, sei es wegen ihrer Herkunft, sei es wegen ihres heutigen Erscheinungsbildes. Dabei geht es oft um besonders augenfällige Merkmale, die immer wieder Anstoß erregen. Einige seien hier kritisch erörtert.

Das Verhältnis zu Frauen

Obwohl viele Verbindungen seit den 70er Jahren auch Frauen aufnehmen, sind Studentinnen in der korporierten Szene stark unterrepräsentiert. Der Anteil an reinen Damenverbindungen nimmt in letzter Zeit stetig zu. Dennoch ist der Frauenanteil in Verbindungen weiterhin sehr gering. Viele Korporierte sehen dies auch als Problem; deswegen bekommen Damenverbindungen in Gründung nicht selten tatkräftige Hilfe von männlichen Verbindungen.

Korporationen werden von Kritikern als ausgrenzend und frauenfeindlich bezeichnet. Dies gilt besonders für schlagende Verbindungen, weil die Mensur weiterhin „Männersache“ bleibt. Dort werden männliche Werte gepflegt, die - so die Außenwahrnehmung - auch traditionelle Geschlechterrollen zementieren.

Vernetzung oder „Seilschaft“?

Kritiker sehen das Lebensbund-Prinzip von Studentenverbindungen oft als ein System, mit dem gezielt Aufstiegschancen für Jungakademiker beeinflusst werden. Statt eigener Leistung seien die dort aufgebauten Beziehungen maßgeblich für die spätere Karriere eines Mitglieds.

Korporierte entgegnen, ohne erbrachte Leistung könne heute niemand mehr bestehen. Ohne von der Leistungsfähigkeit des Anderen überzeugt zu sein, könne es sich niemand erlauben, diesen in eine Position zu hieven. So diene die Gemeinschaft in Studentenverbindungen nur zum Kennenlernen und dem Aufbau von „Netzwerken“, auf die man später zugreifen könne.

Diese Funktion gebe es ebenso im nichtakademischen Bereich, etwa in Vereinen, Gewerkschaften, Parteien, da auch dort Kontakte geknüpft und langlebige Beziehungen zum gegenseitigen Vorteil aufgebaut werden können. So bilden sich heute zunehmend Studenteninitiativen, die das so genannte „Networking“ ausdrücklich zu ihrem Zweck erklären.


Die Ausrichtung von Studentenverbindungen auf Akademiker und damit der gewünschten Zielgruppe prädestiniert sie besonders für den Aufbau von Beziehungsnetzwerken.

Die hierarchische Struktur

Die eingeschränkten Rechte und Pflichten der „Füchse“ während ihrer Probezeit werden häufig als Zeichen einer hierarchischen, autoritären Struktur gesehen, die demokratischen Ansprüchen widerspreche. In ihr spiegele sich noch die frühere Form der Erniedrigung der Neulinge durch die bereits geformten Vollberechtigten.

Verbindungen verweisen dagegen auf das Zivilrecht und Vereinsrecht, das antidemokratische Strukturen nicht zuläßt. Zwar seien Neumitglieder im Burschenconvent (BC) noch nicht zugelassen, hätten aber im Allgemeinen Convent (AC) volles Stimmrecht und entschieden dort über die meisten internen Angelegenheiten mit. Sie stellen auch das Gleichheitsideal heraus, das etwa im Duzen der Bundesgeschwister zum Ausdruck komme.

Zudem übernehmen die Mitglieder oftmals direkt nach dieser Probezeit die Führungspositionen in der jeweiligen Verbindung.

Ideale

Viele politische Verbindungen und Burschenschaften vertreten seit ihren Anfängen einen bestimmten Wertekanon, der oft mit Dreiklängen wie „Ehre, Freiheit, Vaterland“ oder - je nach Gewichtung und Rangfolge - „Freiheit, Ehre, Vaterland“ umschrieben wird.

Einige dieser Werte werden heute weder als eindeutig empfunden noch allgemein geteilt. Sie sind seit dem ungeheuren Missbrauch des NS-Regimes für manche nicht mehr ungebrochen verwendbar. Gerade „Ehre“ erscheint vielen vor dem geschichtlichen Hintergrund überholt, da sie auf einer Abgrenzung von anderen und dem Zusammenhalt und dem Wirken einer fragwürdigen Elite basiere. Hier wirkt die historische Herkunft aus der voraufklärerischen, adelig-ritterlichen „Satisfaktion“ nach. Das betrifft vor allem schlagende Verbindungen.

Kritiker übersehen oft die Weiterentwicklung, die die Interpretation dieser Ideale bis heute erfahren hat. Zu Mißverständnissen führt besonders, daß das Bekenntnis zum „Vaterland“ von Seiten der Verbindungen heute das Eintreten für den Staat Bundesrepublik Deutschland mit seiner freiheitlichen und demokratischen Grundordnung oder das Bekenntnis zu einer „Vereinigung Europas in Freiheit“ (DB) bezeichnet. Daher ist für die Außenwahrnehmung nicht unerheblich, in welcher Weise Verbindungen ihre Werte aktiv vertreten.

Wahrgenommener Nationalismus

Der Begriff „Vaterland“ wird von einigen politisch aktiven Verbindungen völkisch, deutschnational, revisionistisch bis fremdenfeindlich aufgefasst. Dies sind oft Bünde der Deutschen Burschenschaft. Diese bietet gelegentlich auch Anhängern von großdeutschen Positionen und nationalistischen Ideen ein Forum. Zusammen mit anderen Institutionen aus dem rechtsradikalen Spektrum wurden Veranstaltungen zu politisch zweifelhaften Themen organisiert.

Kritiker nehmen deshalb manchmal alle Verbindungen als konservativ bis reaktionär und nationalistisch mit fließenden Übergängen zum Rechtsradikalismus wahr. Die große Mehrheit der Korporierten lehnt radikale Tendenzen jedoch ab. Das breite Spektrum von Studentenverbindungen sieht sich überwiegend politisch neutral und betont seine Treue zum Grundgesetz, die es aus dem Patria-Prinzip ableitet.

Die Kritiker werfen diesem Teil der Verbindungslandschaft aber vor, sich nicht ausreichend von verfassungswidrigen Tendenzen anderer Verbindungen abzugrenzen. Besonders werfen sie der Deutschen Burschenschaft vor, rechtsradikal eingestellte Verbindungen weiterhin im eigenen Dachverband zu dulden.


Die Traditionspflege

Viele Verbindungen passen ihre alten Strukturen, Rituale und Gepflogenheiten kaum der Aktualität an. Das sehen Kritiker oft als Bestätigung für das „ewiggestrige Gedankengut“ der Korporierten. Doch diese möchten bewusst die oft über 100 Jahre alten Traditionen behalten und auf diese Weise ihre Identität wahren und pflegen. So konnten sich Studentenverbindungen nach den Karlsbader Beschlüssen oder dem „Dritten Reich“ aus ihrer Tradition heraus wiedergründen. Selbst in der Zeit der DDR nahmen Studenten zu den alten akademischen Traditionen Zuflucht, um der kommunistischen Einheitskultur zu entfliehen.

Selbstbezogenheit

Studentenverbindungen sind oft sehr stark mit den eigenen Belangen befasst. Sie schotten sich gegenüber kritischen Einblicken von außen ab und stellen sich der Öffentlichkeit nicht genügend dar, so dass Außenstehende geradezu eingeladen werden, Vorurteile wie ein angebliches „Elite“-Denken zu bilden. Dies liegt auch an der relativ geringen Präsenz von Studentenverbindungen auf gesellschaftlich relevanten Kongressen, Aktionen und in den Medien außerhalb des eigenen Spektrums.

Alkoholmissbrauch

Als Alkoholgenuss in einigen deutschen Staaten verboten war, gaben sich Studentenverbindungen eigene „Trinkordnungen“, die teilweise bis heute fortbestehen. Das gemeinsame Trinken wird etwa auf Kneipen oftmals als selbstverständlich erachtet. Vor allem Bier wird dort oft in großen Mengen konsumiert.

Eine Trinkpflicht besteht jedoch im Prinzip nicht, wird von Beteiligten aber zuweilen als Gruppenzwang erfahren. Einige Verbindungen haben sich dem Mäßigkeitsprinzip verschrieben, das dem erzwungenen Alkoholmissbrauch einen Riegel vorschiebt.

Siehe auch

Literatur


Für studentengeschichtliche Literatur siehe Geschichte der Studentenverbindungen.

Verzeichnisse

Kritisches

Belletristik


Weblinks








Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Studentenverbindung aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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