Stummelaffen
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Einordnung: Primaten
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Die Stummelaffen sind eine Gattungsgruppe aus der Primatenfamilie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae). Ihren Namen haben sie von den „verstümmelten“ Daumen, was aus biologischer Sicht natürlich keine Verstümmelung, sondern eine Anpassung an ihre baumbewohnende Lebensweise ist. Die Gruppe teilt sich in zwei Gattungen, Colobus (die schwarz-weißen Stummelaffen, auch als Mantelaffen oder Guerezas bezeichnet) und Procolobus (rote und grüne Stummelaffen), mit insgesamt neun Arten. Der wissenschaftliche Name "Colobus" entstammt dem Griechischen ("kolobos" = "Der Verstümmelte").
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Verbreitung
Die Heimat der Stummelaffen ist West-, Zentral- und Ostafrika, ihr Verbreitungsgebiet reicht von Senegal bis Kenia und südlich bis Angola und Sambia.
Beschreibung
Stummelaffen sind relativ große, schlank gebaute Tiere mit einem langen Schwanz und dünnen, langen Gliedmaßen. Ihre Köpfe sind eher klein und rund und sie haben keine Backentaschen. Der Daumen der Stummelaffen ist rückgebildet, eine Anpassung an die baumbewohnende Lebensweise, die sich in ähnlicher Weise auch bei den nicht näher verwandten Klammerschwanzaffen Südamerikas findet. Die Fellfärbung variiert je nach Art: die Tiere der Gattung Colobus haben ein vorwiegend schwarz-weißes Fell, die Tiere der Gattung Procolobus weisen ein rotbraunes oder grünes Fell auf. Viele Arten haben Haarbüschel oder Quasten an Gesicht, Körper und Schwanz. Stummelaffen erreichen eine Kopfrumpflänge von 45 bis 72 cm; (der Schwanz wird 52 bis 100 cm lang) und ein Gewicht von 5 bis 14 kg.
Lebensweise
Der Lebensraum der Stummelaffen sind vorwiegend Wälder, es können Regen- und Mangrovenwälder ebenso sein wie Gebirgswälder bis über 3000 m Seehöhe; manchmal kommen sie auch in baumbestandenen Grasländern vor. Es sind tagaktive Tiere, die sich meistens in den Bäumen aufhalten, in spärlich bewaldeten Gebieten leben sie zeitweise am Boden. Sie schlafen abwechselnd in der Nacht, ein Tier der Gruppe bleibt wach, um Ausschau nach Feinden zu halten, beispielsweise Adler, Leoparden und Schimpansen.
Stummelaffen leben in Gruppen zusammen:
- Die schwarz-weißen Stummelaffen (Colobus) bilden Haremsgruppen von rund 8 bis 15 Tieren, die sich aus einem Männchen, zwei bis sechs Weibchen und deren Jungtieren zusammensetzen. Junge Männchen müssen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Männchen kämpfen untereinander um die Führung einer Haremsgruppe; kommt es zu einem Wechsel des Alphamännchens ist es üblich, dass das neue die Kinder des unterlegenen und vertriebenen Männchens tötet. Sie sind streng territorial und verteidigen ihr rund 15 ha großes Revier gegenüber anderen Gruppen durch Schreie, durch demonstratives Hüpfen auf den Ästen und nötigenfalls durch Gewalt.
- Die roten und grünen Stummelaffen (Procolobus) bilden größere Gruppen von 20 bis 80 (durchschnittlich 50) Tieren, die aus mehreren Männchen und rund zwei- bis dreimal sovielen Weibchen bestehen. Innerhalb der Gruppe etablieren sie eine ausgeprägte Rangordnung, die sich in bevorzugtem Zugang zu Nahrung und Schlafplätzen sowie Vorrang bei der Paarung widerspiegelt. Sie sind weniger territorial, haben aber in Anbetracht der größeren Gruppen auch größere Reviere (bis über 100 ha).
Nahrung
Stummelaffen ernähren sich in erster Linie von Blättern, daneben nehmen sie auch Früchte und Blüten zu sich. Sie besitzen einen vierkammerigen Magen, wobei die oberen beiden Kammern als „Gärkammern“ mit speziellen Bakterien der Aufspaltung der Zellulose dienen; erst danach kommt die vorverdaute Nahrung in die unteren Mägen, wo sie weiter zersetzt wird, bevor sie in den Darm weiterwandert. Dieses Verdauungssystem ist eine Anpassung an die nährstoffarme Blääternahrung und findet sich in ähnlicher Form auch bei den Wiederkäuern.
Fortpflanzung
Stummelaffen kennen keine bestimmte Fortpflanzungssaison, es kann das ganze Jahr über zur Paarung kommen. Die Tragzeit beträgt rund fünf bis sechs Monate, danach kommt meist ein Jungtier zur Welt. Bei den Colobus-Arten kümmern sich die Weibchen gemeinsam um den Nachwuchs, es ist durchaus üblich, dass Kinder herumgereicht werden und auch andere Weibchen als die Mutter das Junge säugen; bei den Procolobus-Arten ist die Mutter allein für die Aufzucht der Jungen zuständig. Jungtiere werden nach drei bis vier Jahren (Weibchen) beziehungsweise vier bis sechs Jahren (Männchen) geschlechtsreif. Die Lebenserwartung beträgt rund 20 Jahre, in menschlicher Obhut bis zu 30 Jahre.
Bedrohung
Hauptbedrohung der Stummelaffen sind einerseits die Jagd auf ihr Fleisch und Fell, andererseits der Verlust ihres Lebensraums durch Rodung der Wälder. Erschwerend kommt hinzu, dass etliche Arten in krisengeschüttelten Ländern West- und Zentralafrikas leben, in denen der Tierschutz durch Kriege und humanitäre Tragödien völlig in den Hintergrund gedrängt wird. Fast alle Arten werden von der IUCN als gefährdet oder bedroht gelistet.
Gattungen und Arten
- Der Mantelaffe oder Guereza (Colobus guereza) zählt zweifelsohne zu den bekanntesten Stummelaffen. Sein Fell ist schwarz, das Gesicht ist von weißen Haaren umrahnt, lange weiße Haare finden sich ebenfalls an den Flanken und am Schwanz. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Nigeria bis Äthiopien und Tansania.
- Der Angola-Stummelaffe (C. angolensis) lebt im östlichen und südlichen Afrika, von Kenia bis in die Demokratische Republik Kongo und Angola. Er ist schwarz gefärbt und hat lange weiße Haare an den Schultern, auch die hintere Schwanzhälfte ist schwarz.
- Das Verbreitungsgebiet des Weißbart- oder Bärenstummelaffen (C. polykomos) reicht von Senegal bis Nigeria. Sein Fell ist vorwiegend schwarz, lediglich die Brust- und Barthaare sind weiß gefärbt.
- Der Schwarze Stummelaffe (C. satanas) ist durch ein völlig schwarzes Fell gekennzeichnet. Seine Heimat ist Kamerun, Äquatorialguinea und Gabun.
- Der Grüne Stummelaffe (Procolobus verus) lebt in Westafrika, von der Elfenbeinküste bis Nigeria. Typisch für ihn sind der olivgraue Körper und ein Schopf am Kopf, den allerdings nur die Männchen besitzen.
- Der Rote Stummelaffe (P. badius) kommt in Westafrika (von Senegal bis Ghana) vor. Sein Fell ist schwarzbraun mit rot gefärbten Armen, Beinen und Kopf. Die Unterart Miss Waldrons Roter Stummelaffe (P. b. waldronae) gilt seit 2000 als ausgestorben.
- Von Kamerun bis Tansania erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Pennantstummelaffen (P. pennanti). Eine Unterart, der Sansibarstummelaffe (P. p. kirkii) kommt nur auf der Insel Sansibar vor und gilt mit nur mehr rund 1000 lebenden Tieren als stark bedroht.
- Der Preuss-Stummelaffe (P. preussi), der dem roten Stummelaffen ähnelt, bewohnt nur mehr ein kleines Gebiet im westlichen Kamerun und gilt als bedroht.
- Der Rotkopfstummelaffe (P. rufomitratus) kommt nur mehr in einzelnen Gebieten im Tal des Tana in Kenia vor. Von dieser Art gibt es nur mehr weniger als 1000 Tiere und sie wird als stark bedroht gelistet.
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