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Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien

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Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien (syrisch: Idto Suryoyto Trißuth Shuvħo) ist eine altorientalische christliche Kirche. Nach Jakobos Baradaios, dem BegrĂŒnder der UnabhĂ€ngigkeit der Kirche, wird sie auch als Jakobitisch-Orthodoxe Kirche, ihre AnhĂ€nger als Jakobiten bezeichnet.

Zu weiteren teilweise mit dem gleichen Namen bezeichneten Kirchen siehe Patriarchat von Antiochia.

Inhaltsverzeichnis

UrsprĂŒnge bis zum 3. Jahrhundert

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche ging aus der aramĂ€isch-sprachigen Bevölkerung hervor, die um die Zeitenwende Mesopotamien mit seinen angrenzenden Gebieten besiedelte und sich damit auf die Herrschaftsgebiete zweier miteinander verfeindeter Großreiche verteilte: Der eine Teil lebte im Römischen (dann Byzantinischen) Reich, der andere in dem der Parther, die im 3. Jahrhundert von den persischen Sassaniden abgelöst wurden; und diese Aufteilung unter die verfeindeten MĂ€chte sollte dann fĂŒr die aramĂ€ische Christenheit auch bald weitreichende Konsequenzen haben.

3. Jahrhundert bis 4. Jahrhundert

FĂŒr die christliche Mission (wie fĂŒr die Handelswege, denen sie folgte) bedeutete die umkĂ€mpfte und immer wieder verschobene Reichsgrenze freilich kein Hindernis; und so hören wir sehr bald von Christen in beiden Bereichen des aramĂ€ischen Siedlungsgebietes. In der Stadt Edessa (dem heutigen tĂŒrkischen Sanliurfa), die bereits östlich des oberen Euphrat, aber noch auf römischem Boden lag, gab es Christen spĂ€testens seit dem 2. Jahrhundert, und ihre Zahl wuchs hier alsbald in solchem Maße an, dass im frĂŒhen 4. Jahrhundert (also noch in vor-konstantinischer Zeit) Edessa im gesamten Römischen Reich als die Stadt mit dem höchsten christlichen Bevölkerungsanteil gelten konnte. In derselben frĂŒhen Zeit hatte die christliche Mission aber auch das aramĂ€ische Siedlungsgebiet östlich der Reichsgrenze erreicht. Auch hier gab es Christen seit dem 2. Jahrhundert, vielleicht sogar schon (im nordirakischen Bergland) einige Zeit vorher um die Jahrhundertwende.

Syrische Sprache

FĂŒr das Christentum hier wie dort war die Stadt Edessa als altes Kulturzentrum von gleicher Bedeutung. Denn am ost-aramĂ€ischen Dialekt, der in ihr gesprochen und geschrieben wurde (und den wir meinen, wenn wir vom "Syrischen" sprechen) orientierten sich alle aramĂ€ischen Christen. In dieses "Syrische" wurde alsbald die Bibel ĂŒbersetzt, es wurde zur Sprache der Liturgie und nun auch der schnell aufblĂŒhenden christlich-theologischen Literatur, bis sich in dieser dann viel spĂ€ter (im hohen Mittelalter) das Arabische als die neue Volks- und Kultursprache des Nahen Ostens durchsetzte. Das Syrische der mesopotamischen Christenheit wurde so zum „Latein des Orients“. GlĂ€ubige, die die Mission unter Angehörigen anderer Völker gewann (wie etwa unter Iranern), wurden in diese syrische Sprache einbezogen, und aus der benachbarten Kirche der Armenier ist dann auch bald zu hören, dass man nicht Theologie treiben könne, ohne syrisch zu verstehen.

Askese

Von dem wenigen, das wir ĂŒber die Ă€lteste Zeit dieses syrischen Christentums wissen, ist vor allem seine asketische Grundstimmung zu nennen, der Grundsatz (der zumindest weithin galt), nur Ehelosen oder in geistlicher Ehe Lebenden die Taufe zu spenden. Daraus entwickelte sich das aramĂ€ische Mönchtum - ganz unabhĂ€ngig also vom Mönchtum in Ägypten und auch nicht weniger alt - mit seinen besonderen Eigenheiten. Denn das aramĂ€ische Asketentum, das die Lebensform des einzelnen Eremiten mehr als die klösterliche Gemeinschaft liebte, wurde durch die krassen Formen seiner leibfeindlichen Askese berĂŒhmt (Symeon Stylites, der "SĂ€ulenheilige", war AramĂ€er). Aber das aramĂ€ische Mönchtum wurde zugleich auch zum TrĂ€ger geistigen Lebens und erlangte auch darin BerĂŒhmtheit; denn die Klöster, an denen es ungeachtet der eremitischen Vorliebe nicht fehlte, waren zum großen Teil Zentren der Gelehrsamkeit mit beachtlichen Bibliotheken.

4. Jahrhundert bis 5. Jahrhundert

Trotz ihrer gemeinsamen ethnischen Herkunft und trotz ihrer gemeinsamen Sprache fand sich die aramĂ€ische Christenheit auf Dauer freilich nicht zu einer gemeinsamen Kirche zusammen. Was die AramĂ€er in ihrer weiteren Geschichte kirchlich trennte, hatte dogmatische, aber auch politische GrĂŒnde. Denn die kirchliche und zugleich konfessionelle Grenze, die die AramĂ€er bald spaltete, entsprach ziemlich genau der Reichsgrenze zwischen Römern und Persern, die im 4. Jahrhundert also auch kirchengeschichtliche Bedeutung gewann.

Es blieb nĂ€mlich auch fĂŒr die Christen unter persischer Herrschaft nicht ohne Konsequenzen, dass der römische Kaiser Christ und das Christentum auf römischem Boden zur Staatsreligion wurde. Musste doch nun der zoroastrische persische Großkönig in den Christen seines Reiches ParteigĂ€nger des Reichsfeindes sehen, um deren LoyalitĂ€t er zumal da fĂŒrchtete, wo sie im Grenzgebiet siedelten. In dieser Situation grenzten sich die Ostsyrer unter persischer Herrschaft also nun von der Kirche im Nachbarreich ab und schufen sich im 5. Jahrhundert ihre eigene Apostolische Kirche des Ostens, die in einem weiteren Schritt dann auch das nestorianische Christus-Bekenntnis annahm (mit seiner betonten Trennung der wahren göttlichen und der wahren menschlichen Natur in Christus ) und damit nun auch konfessionell ihren eigenen Weg ging.

6. Jahrhundert bis 7. Jahrhundert

Die WestaramĂ€er im christlichen Römerreich dagegen waren nun Glieder der römisch-byzantinischen Reichskirche geworden und bildeten einen nicht unwesentlichen Teil des Reichspatriarchats Antiochia. Aber es kam auch hier bald zum konfessionellen und kirchlichen Bruch unter den dogmatischen Auseinandersetzungen, die in der Reichskirche selbst aufbrachen: im Streit auch hier um die Frage nach dem rechten VerstĂ€ndnis der Person Christi (nach seiner göttlichen und seiner menschlichen Natur), die unterschiedlich beantwortet wurde und damit letztlich die Kirche spaltete. Nach jahrzehntelangem Streit und auch Verfolgungen durch die kaiserliche Staatsgewalt schuf der Bischof und Mönch Ya'qob Burd'ono (Jakobos Baradaios, gest. 578) den Seinen eine von der Reichskirche unabhĂ€ngige Kirchenorganisation. Damit stand nun eine „Syrisch-Orthodoxe Kirche“ selbstĂ€ndig neben der „Byzantinisch-Orthodoxen Kirche“: unter einem eigenen Patriarchen von Antiochia gegen den reichskirchlichen Patriarchen in dieser Stadt. In der ersten HĂ€lfte des 7. Jahrhunderts schloss sich der Syrisch-Orthodoxen Kirche dann auch eine kleinere Gruppe der OstaramĂ€er auf persischem Boden an, die sich dort der EinfĂŒhrung des Nestorianismus widersetzt hatte. Ihr Oberbischof, der im Rang unmittelbar dem Patriarchen folgte, erhielt den in der Christenheit singulĂ€ren Titel eines „Maphrian“ mit Sitz in Tagrit (Tikrit) am Tigris, spĂ€ter im Kloster Mor Mattai nördlich von Mossul.

Kirchenspaltung im Vorderen Orient

Die Kirchentrennung im Vorderen Orient, die zur Existenz einer selbstĂ€ndigen Syrisch-Orthodoxen Kirche gefĂŒhrt hatte, war theologisch unvermeidlich geworden, weil die Syrer den christologischen BeschlĂŒssen des Konzils von Chalcedon (451) nicht folgen konnten. Denn hier hatte man Christus als wahren Gott und wahren Menschen in zwei Naturen bekannt: eine den syrischen Theologen zu gefĂ€hrliche Definition, weil sie durch die Betonung von „zwei Naturen“ die Einheit der Person Christi verletzt sahen und ein Abgleiten in die schroffere nestorianische Zwei-Naturen-Lehre fĂŒrchteten. Gemeinsam mit den Kopten Ägyptens betonten sie vielmehr die wahre Gottheit und die wahre Menschheit Christi in nur einer Natur. „Monophysiten“ wurden sie deshalb von ihren Gegnern genannt; zutreffender freilich ist die Bezeichnung „Miaphysiten“ oder auch „Diplophysiten“, weil sie zwar die eine, aber die eine doppelte (göttliche und menschliche) Natur in Christus bekannten und bekennen. Dieser dogmatische Dissens also wirkte kirchentrennend, wobei freilich zugleich auch der ethnische Gegensatz zwischen AramĂ€ern und Griechen (wie in Ägypten zwischen Kopten und Griechen) wirkte und den aufgebrochenen Graben vertiefte.

Mit ihrem miaphysitischen Bekenntnis stand die Syrisch-Orthodoxe Kirche im krassen konfessionellen Gegensatz vor allem aber zur ostsyrischen Apostolischen Kirche des Ostens mit ihrem nestorianischen Christus-Bekenntnis. So braucht es kaum besonders betont zu werden, dass sich die beiden syrischen Kirchen, die in enger geographischer Nachbarschaft lebten, theologisch heftig befehdeten. ErwĂ€hnenswert ist es vielmehr, dass es lange Perioden in der Geschichte gab, die ein geradezu "ökumenisches" VerhĂ€ltnis zwischen beiden Kirchen erkennen lassen: ein Miteinander mit persönlichen Kontakten auch der höchsten KirchenfĂŒhrer, ohne dass dabei der konfessionelle Unterschied verschleiert worden wĂ€re. ErklĂ€ren lĂ€sst sich dieses freundliche Nebeneinander ĂŒber lange Zeiten hinweg aus der gemeinsamen Situation, in der man sich befand. Denn beide Kirchen waren keine Staatskirchen, und beide standen nun (mit den anderen Kirchen des Orients) unter islamischer Herrschaft, die in der ersten HĂ€lfte des 7. Jahrhunderts begonnen hatte.

Christentum und Islam

Zur Situation der Christen im Herrschaftsgebiet des Islam sei nur ganz allgemein dieses gesagt: Sie wurden von den Muslimen geduldet, weil sie (wie diese selber) AnhĂ€nger einer „Buchreligion“ waren, was im ĂŒbrigen auch die Juden betraf. Die „Leute des Buches“ galten freilich als Untertanen minderen Rechts mit durchaus einschneidenden Bestimmungen, die das Leben des einzelnen wie das der Kirchen insgesamt prĂ€gten, und sie waren vor allem einer Sondersteuer unterworfen. Leicht war der Übertritt zum Islam, und der soziale Aufstieg machte ihn auch fĂŒr viele verlockend, wie umgekehrt jede christliche Werbung unter Muslimen natĂŒrlich bei Todesstrafe verboten war. Dennoch konnten sich die Kirchen unter islamischer Herrschaft entfalten; und zumal die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die zur byzantinischen Zeit als Gegenkirche blutig zu leiden gehabt hatte, erlebte jetzt (im 12./13. Jahrhundert) ihre BlĂŒte mit mehr als hundert BistĂŒmern von Tarsus, Zypern und Jerusalem im Westen bis nach Herat (im heutigen Afghanistan) im Osten.

Mittelalter

Diese Jahrhunderte des Mittelalters waren auch geistesgeschichtlich eine große Zeit: nicht nur fĂŒr die aramĂ€ische Christenheit selbst, sondern auch fĂŒr den Islam, der nun vom Geistesleben der Christen profitierte. Dabei war - ĂŒber die konfessionelle Grenze hinweg - die Gelehrsamkeit der beiden syrischen Kirchen, der Syrisch-Orthodoxen wie auch der Apostolischen Kirche des Ostens, von weitreichender Bedeutung. Dass die AramĂ€er theologisch Großes leisteten, klang schon an; sie trieben aber ihre Wissenschaft weit ĂŒber das im engeren Sinne Theologische hinaus. Sie hatten sich auch mit dem antiken Erbe der Griechen vertraut gemacht, kannten also den Philosophen Aristoteles ebenso wie den Mediziner Galen; sie hatten schon Vieles aus dem Griechischen in ihre syrische Sprache ĂŒbersetzt, und sie gaben nun dieses Wissen den muslimischen Arabern weiter. Die Kalifen in Bagdad förderten das, zogen christlich-aramĂ€ische Gelehrte an ihren Hof und ließen sie hier das alte griechische Erbe aus dem Syrischen, zum Teil auch aus dem Griechischen direkt, in das Arabische ĂŒbersetzen. So wurden die Christen zu den Lehrmeistern der Araber, schufen ihnen ihre arabisch-philosophische Terminologie, lehrten sie die medizinische Wissenschaft und dienten den Kalifen als LeibĂ€rzte. Diese Vermittlerrolle der christlichen Syrer wirkte indessen weit ĂŒber den Orient hinaus und sollte schließlich auch das Abendland erreichen. Denn als nach der Jahrtausendwende die Kreuzfahrer im Osten erschienen, stießen sie auf einen Islam, der das von den AramĂ€ern vermittelte Erbe inzwischen fortgefĂŒhrt hatte und damit dem Westen kulturell, zivilisatorisch und gerade auch medizinisch deutlich ĂŒberlegen war. Jetzt also gaben die Araber ihrerseits weiter, was sie empfangen und verarbeitet hatten: nicht nur ihre medizinische Wissenschaft, sondern auch ihre philosophische Tradition. Die geistesgeschichtlichen BrĂŒcken bildeten dabei Spanien (wo auch jĂŒdische Gelehrte an diesem Prozess beteiligt waren) und der Hof Kaiser Friedrichs II. in Palermo. Auf diesem lĂ€ngeren Weg erst (und nicht etwa aus Griechenland direkt) lernte das Abendland nun auch den ganzen Aristoteles kennen, der die Scholastik zu ihrer BlĂŒte fĂŒhrte. Aber wer wusste da noch und wem ist es gar noch heute bewusst, dass hinter den Arabern und ihrer mittelalterlichen Kultur letztlich christlich-aramĂ€ische Lehrmeister gestanden hatten ?

14. Jahrhundert bis zur Neuzeit

Die Zeit kirchlicher wie geistiger BlĂŒte endete fĂŒr die Syrisch-Orthodoxe Kirche wie auch fĂŒr die anderen ostchristlichen Kirchen im 14. Jahrhundert, weil sich nun die religionspolitische Situation vollstĂ€ndig geĂ€ndert hatte. Kurz zuvor noch hatte die Syrisch-Orthodoxe Kirche ihren letzten großen Gelehrten hervorgebracht: den Maphrian Grigorios bar ‘Ebroyo (Gregorius BarhebrĂ€us, gest. 1286). Er hatte in zahlreichen Schriften, die zum grĂ¶ĂŸeren Teil noch syrisch, zum Teil aber schon arabisch abgefasst waren, die ganze theologische wie kirchenrechtliche Tradition seiner Kirche und das ganze philosophische wie naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit in enzyklopĂ€discher FĂŒlle zusammengetragen. So hatte er, als wenn er es geahnt hĂ€tte, mit seiner Bibliothek die Voraussetzung dazu geschaffen, dass auch ĂŒber die nun folgenden dunklen Jahrhunderte hindurch das Erbe seiner Syrisch-Orthodoxen Kirche erhalten blieb. Grigorios bar ‘Ebroyo hatte es noch erlebt, dass um die Mitte des 13. Jahrhunderts das arabische Kalifat von Bagdad unter dem Ansturm der Mongolen unterging. Das war fĂŒr die Christen zunĂ€chst keine ungĂŒnstige Wendung; denn die Mongolen, die weithin noch ihrem zentralasiatischen Schamanismus anhingen, sahen im Islam ihren Hauptfeind und begegneten dem Christentum, das sie in kleiner Zahl sogar selbst angenommen hatten, mit Sympathie. Doch eben dieses Ă€nderte sich noch in den letzten Jahren dieses selben 13. Jahrhunderts, weil sich die Mongolen nun doch fĂŒr den Islam entschieden und jetzt den Christen weniger duldsam begegneten, als es einst der arabische Islam getan hatte. Es kam zu blutigen Verfolgungen und drĂ€ngte auf den grausamen Höhepunkt zu, der sich mit dem Namen Timur Lenks, des Mongolenherrschers in Samarkand, verbindet. Als fanatischer Christenfeind - so verstand er sich selbst - dezimierte er im spĂ€ten 14. und frĂŒhen 15. Jahrhundert auf seinen verheerenden KriegszĂŒgen das Christentum im Orient (am meisten war die alte Kirche des Ostens betroffen, die die meisten ihrer Millionen GlĂ€ubigen in dieser Zeit verlor), das erst jetzt auf den kleinen Bevölkerungsanteil hinabsank, den es dann bis in das 20. Jahrhundert hinein hielt. Aus stattlichen Kirchen waren innerhalb nur weniger Jahrzehnte kleine Kirchen geworden, aber sie gingen nicht gĂ€nzlich unter.

Konvertierungsversuche durch die römisch-katholische Kirche

Inzwischen war (mit dem Fall Akkos 1291) auch die Episode der abendlĂ€ndischen Kreuzfahrerstaaten an der Mittelmeer-KĂŒste zuende gegangen. Aber in den zwei Jahrhunderten ihrer Geschichte hatte es zwischen den Papisten aus dem Westen und den unter ihnen lebenden Syrisch-Orthodoxen nicht immer freundliche Kontakte gegeben. Sie waren auf abendlĂ€ndischer Seite von dem Wunsch getragen, die Leute aus Syrisch-Orthodoxe Kirche zur Konvertierung zur römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Dass man dabei auf römisch-katholischer Seite von „Wieder“-Vereinigung redete, entsprach freilich nicht den geschichtlichen Voraussetzungen; denn die syrischen Christen des antiochenischen Patriarchats hatten niemals dem Papst in Rom unterstanden. Wie immer man aber auch die Dinge sah: Die Konvertierungsversuche Roms ĂŒberlebten den Untergang der Kreuzfahrerstaaten, wurden immer wieder aufs Neue unternommen, fĂŒhrten letztlich aber nicht zu dem erhofften Ziel.

Es war eine in ihren Einzelheiten sehr wechselhafte Geschichte, in deren Verlauf wohl der eine oder andere Bischof und auch Patriarch gewonnen werden konnte, nicht aber die Syrisch-Orthodoxe Kirche als ganze. Aber auf die Dauer verlor sie doch einen kleineren Teil ihrer ca. 1.000 GlĂ€ubigen, fĂŒr die (endgĂŒltig am Ende des 18. Jahrhunderts) eine eigene zu Rom konvertierte Gemeinde begrĂŒndet wurde. Sie genoss zwar durch ihre enge Bindung an das Abendland einige Vorteile, die sich zumal in der besseren Ausbildung ihres Klerus in der abendlĂ€ndischen Tradition auswirkte, doch schwĂ€chte sie ganz in ihrer eigener syrischen Tradtion, so dass sie nicht mehr Syrisch in ihrer Liturgie verwenden konnte.

Weitere GlĂ€ubige verlor die Syrische Kirche in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, als auch anglikanische und amerikanische Missionare auftraten, die unter den Muslimen erfolglos geblieben waren und dafĂŒr jetzt unter den orientalischen Christen Proselyten machten. Immerhin hatte sich die Syrisch-Orthodoxe Kirche inzwischen auch eines großen Zugewinns von GlĂ€ubigen erfreuen können, denn in der zweiten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts war - jedenfalls offiziell - ein Teil der „Thomaschristen“ SĂŒdindiens zu ihr ĂŒbergewechselt.

Aktuelle Entwicklungen

Die Ostchristenheit, die sich nach dem kirchlichen Niedergang im spĂ€teren Mittelalter nun fĂŒr mehrere Jahrhunderte im kleineren Rahmen hatte einrichten können, kam noch einmal im 20. Jahrhundert in Bewegung; und diese Bewegung hĂ€lt (als Abwanderung in alle Teile der Welt) bis zum heutigen Tage an. Die zahlreichen und inzwischen auch stattlichen Gemeinden (as)syrischer Christen in unserem Land erinnern eindrĂŒcklich genug an dieses jĂŒngste Schicksal der Christen im Orient.

Im Völkermord von 1915, wurden mindestens 500.000 Syrisch-Orthodoxe Christen und mindestens 2.000.000 weitere Christen, u. a. Armenier und Griechen, auf grausame Weise durch tĂŒrkische und kurdische Truppen ermordet. So hat die Syrisch-Orthodoxe Kirche ihr altes Kernland im einst klosterreichen Tur Abdin und in der Mosul-Ebene inzwischen praktisch gĂ€nzlich verloren.

Das Patriarchat selber war schon im Jahre 1924 von seinem jahrhundertelangen Sitz im Tur ‘Abdin nach Homs verlegt worden und schließlich im Jahre 1959 in die Hauptstadt Damaskus. Dieses Patriarchat in Damaskus ist heute das geistliche Zentrum einer Kirche, zu der wohl insgesamt mehr als 3 Million GlĂ€ubige zĂ€hlen (von denen etwa 750.000 indische Christen sind); aber es ist auch das Patriarchat einer Kirche, deren Gewicht sich allmĂ€hlich nach Westen verschiebt, so dass die Syrisch-Orthodoxe Kirche nun weithin zu einer Kirche in vielen LĂ€ndern geworden ist.


Heutige Gliederung der Kirche

Kirchenoberhaupt seit 1980 ist Mor Ignatius Zakka I. Iwas.

Naher Osten

Restliche Welt

Indischer Zweig

Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche

Literatur

Mor Ignatius Zakka Iwas I., Die Syrisch-Orthodoxe Kirche durch die Jahrhunderte, Bar Hebraeus Verlag, 1995

Siehe auch: Liste der syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia, Michael der Syrer, EphrÀm der Syrer

Weblinks








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