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Talcott Parsons

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Talcott Parsons (* 13. Dezember 1902 in Colorado Springs; † 8. Mai 1979 in München) war ein US-amerikanischer Soziologe.

Parsons ist mit einer Handlungstheorie hervorgetreten, hat diese zum Strukturfunktionalismus weiterentwickelt und diesen schließlich zu einer Systemtheorie ausgebaut.

Inhaltsverzeichnis

Werk

Wichtige Monografien sind die vier nachfolgend genannten, wobei anzumerken ist, dass ebenso die zahlreichen u.a. Aufsatzsammlungen gelesen werden sollten.

"The Structure of Social Action" richtet sich gegen diverse Spielarten des Utilitarismus. Auf der Grundlage der Werke fünf europäischer Autoren (erklärtermaßen Alfred Marshalls, Vilfredo Paretos, Émile Durkheims und Max Webers; eher verschwiegen werden die Beiträge von Ferdinand Tönnies) entwickelt Parsons eine "voluntaristische Handlungstheorie", die aus den Dilemmata des "positivistischen" Schemas herausführen soll.

In "The Social System" werden die in der "Structure" herausgearbeiteten Grundelemente des Handelns dimensional erweitert und auf die Bildung komplexer Strukturzusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft bezogen. Parsons bedient sich dabei des empirisch-begrifflichen Instruments der Handlungsalternativen ("pattern variables"), die nicht nur die erschöpfende Analyse des Rollenhandelns ermöglichen, sondern sogar die Grundstrukturen ganzer Gesellschaften bestimmen helfen sollen.

Die Komplexität der Austauschverhältnisse zwischen Wirtschaftssystem, Persönlichkeitssystem, Gemeinschaftsstrukturen (Familienhaushalten), politischem und sozio-kulturellem System wird in "Economy and Society" analytisch entfaltet. Das Werk stellt den Übergang - oder den Bruch, wie Kritiker meinen - vom Struktur- hin zum Systemfunktionalismus dar.

Vor dem Hintergrund der studentischen Unruhen der 1960er Jahre analysieren Parsons und der Psychologe Platt in der Studie "The American University" das in die Krise geratene US-Universitätssystem. Den theoretischen Bezugsrahmen gibt dabei das systemtheoretisch-kybernetische "Vier-Funktionen-Schema" ("AGIL-Schema") ab, das über soziale Systeme hinaus auf die "Conditio Humana" angewendet wird. Die "Theorie der symbolisch generalisierten Kommunikations- und Austauschmedien" (Medientheorie) soll dabei dazu dienen, die vielfältigen sozialen Dynamiken zwischen z.B. Universität und Wirtschaftssystem, aber auch zwischen Bildung und Persönlichkeit transparent zu machen.

Bewertung

Gegenwärtig (2004) lassen sich außer Uta Gerhardt, Karl-Heinz Messelken und Richard Münch nur wenige glühende Verfechter von Talcott Parsons Soziologie ausmachen. Zu vernichtend wurde besonders der Strukturfunktionalismus in den 1950er und 1960 Jahren nicht nur von Marxisten und Vertretern der Kritischen Theorie, sondern auch von liberaler Seite (z.B. von Ralf Dahrendorf) kritisiert, so dass der soziologische Nachwuchs entweder die Chance aufgriff, einen schwierigen und mehrere Fachdisziplinen überblickenden Autor einfach nicht mehr zu lesen oder sich alternativen Theorieentwürfen zuzuwenden. Summarisch und stichwortartig lässt sich diese Generalattacke so darstellen:

1. Der Strukturfunktionalismus geht eine unheilvolle Allianz mit dem Freudschen Ödipalismus ein. Der zum "Persönlichkeitssystem" zusammengefaltete Mensch folgt, soweit er sich nicht "abweichend" (deviant) verhält, zwanglos den normativen Vorgaben ihm übergeordneter Systemstrukturen.

2. Orthodoxe Strukturfunktionalisten schematisieren Handlungsoptionen binär und lassen somit Ambivalenzen und hybride Formen des Handelns aus dem systemischen Ordnungsrahmen herausfallen.

3. Dem Systemfunktionalismus liegt ein teleologischer Evolutionismus zugrunde. Die amerikanische Gesellschaft erscheint als zivilisatorischer Gipfelpunkt der Entwicklung. Systemkrisen und Spannungen erscheinen stets rational behebbar.

So verheerend diese Kritik auch immer ausgefallen sein mag, hat sie doch eine Trümmerlandschaft hinterlassen, aus deren Ruinen sich Neuansätze rekonstruieren lassen. So bietet die Theorie des voluntaristischen Handelns des Parsonsschen Frühwerks, für sich betrachtet, ein durchaus radikales Potenzial. Sein Systemfunktionalismus des Spätwerks, einschließlich der Theorie der Interaktionsmedien, hat bereits Eingang in emanzipatorische Entwürfe gefunden. Louis Althussers Strukturalismus, aber auch die von Jürgen Habermas und seiner Schule formulierte Kritik des Spätkapitalismus haben von den Arbeiten des Systemtheoretikers Parsons produktiven Gebrauch machen können. Schließlich lässt sich seine Apologie der US-Gesellschaft als imperiale Denkarbeit begreifen, die jedwede Kritik globaler Produktionsverhältnisse zur Kenntnis nehmen sollte.

Doch bildete Parsons' Werk den Ausgangspunkt für unterschiedliche systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. So hat sich in Deutschland insbesondere Niklas Luhmann einerseits dekonstruktiv anregen lassen, anderseits hat Richard Münch es zum Anlass eines theoretischen Rekonstruktionsversuchs genommen.

Mit Alfred Schütz führte Parsons in den 1930er Jahren einen Briefwechsel, der in beiderseitiger Frustration endete, aber sehr gut die theoretische Orientierung Parsons' in Abgrenzung zur Phänomenologie zeigt. (Walter M. Sprondel, Hrsg. (1977). Zur Theorie sozialen Handelns: ein Briefwechsel Alfred Schütz - Talcott Parsons. Frankfurt am Main) Ein Autor, der versucht Brücken zu bauen zwischen Systemtheorie und Phänomenologie ist Richard Grathoff.

Sekundärliteratur

Jeffrey C. Alexander (1983). "The Modern Reconstruction of Classical Thought: Talcott Parsons. (Theoretical Logic in Sociology Volume Four)"
Louis Althusser & Étienne Balibar (1970). "Reading 'Capital'"
Jürgen Habermas (1981). "Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft"
Niklas Luhmann (1984). "Soziale Systeme"
Richard Münch (1982). "Theorie des Handelns"
Johannes Heinrichs (1980). "Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 1., Handlungstheorie"
Johannes Heinrichs (2005). "Logik des Sozialen, Woraus Gesellschaft entsteht"

Aufsatzsammlungen von Talcott Parsons

"Essays in Sociological Theory" (1954)
"Structure and Process in Modern Society" (1960)
"Social Structure and Personality" (1964)
"Sociological Theory and Modern Society" (1967)
"Politics and Social Structure" (1969)
"Social Systems and the Evolution of Action Theory" (1977)
"Action Theory and the Human Condition" (1978)

Zwei Aufsätze von Niklas Luhmann

Neben den vielen Stellen, an denen sich Luhmann in seinem Werk produktiv mit Parsons auseinander setzt, sind vor allem die beiden folgenden Aufsätze besonders empfehlenswert. Hier stellt Luhmann überaus präzise die theoretische Leistung und Grenze seines soziologischen Ahnherren dar. Von Parsons übernimmt Luhmann die Konzeption, Gesellschaftstheorie als Systemtheorie auszuarbeiten, aber er geht über diese hinaus mit der konsequenten grundbegrifflichen Umstellung von Handlung auf Kommunikation. Luhmann dekonstruiert den Theoretiker Parsons, dessen ideologische Orientierungen interessieren ihn dagegen überhaupt nicht.

ders. (1980). Talcott Parsons - Zur Zukunft eines Theorieprogramms, in: Zeitschrift für Soziologie, 9(1980), S.5-17
ders. (1988). Warum AGIL? In: Kölner Zeitschrift f. Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 40, 1988, S. 127-139








Info Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Ursprungsartikel Talcott Parsons aus der Wiki pedia und er steht unter der GNU-Lizenz link fuer freie Dokumentation, eine Autoren-Liste ist ebenfalls verfuegbar.

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