Tausch (Soziologie)
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Einordnung: Soziologie
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In der Soziologie werden unterschiedliche âTauschâ-Konzepte verwandt:
- (1) Akteurbezogene (individualistische, paarige, antagonistische) AnsÀtze, (mutual reciprocity)
- Die Akteure tauschen soziale Sanktionen miteinander aus (oft werden hier nur positive oder ambivalente Sanktionen unterstellt, radikalere AnsĂ€tze begreifen auch negative Sanktionen ein â z. B. den Krieg). â Die Akteure stehen einander kontradiktorisch gegenĂŒber: Ein jeder versucht, (a) möglichst wenig aufzuwenden und (b) vom GegenĂŒber möglichst viel zu erlangen (in der Volkswirtschaftslehre, wo es nur um positive Sanktionen â Waren in MĂ€rkten â geht, âMinimax-Prinzipâ genannt), bzw. versucht er (bei Einbezug negativer sozialer Sanktionen in den Tausch-Begriff, d. h. bei antagonistischem Tausch), (a) möglichst ertragreich wegzukommen und (b) den GegenĂŒber möglichst viel aufwenden zu lassen (vgl. Win-Win).
- (2) Kollektivbezogene (gemeinschaftliche, systembezogene, gruppenzentrierte) AnsÀtze (univocal reciprocity)
- Die Akteure tauschen mit RĂŒcksicht auf den Gruppenerhalt (zumeist positive) Sanktionen miteinander aus (Beispiele sind der Frauentausch zwischen mehreren Clans mit allen gemeinsamen Exogamieregeln, das Kula, Riesenhaushalte {FĂŒrstenhöfe, Sarails}, aber durchaus auch die Aktienbörse). â Die Akteure stehen einander teils antagonistisch, teils aber auch mit einem gemeinsamen Interesse am Wohlergehen des Kollektivs gegenĂŒber (auf Grund dieser ZwieschlĂ€chtigkeit: "amphibolischer Tausch"): Sie mĂŒssen also mit sich selbst und mit dem GegenĂŒber einen Kompromiss schlieĂen, der durch âallgemeinâ gĂŒltige Rituale (z. B. den Handschlag) oder Rechtsnormen (z. B. das Handelsrecht) stabiliert wird.
- (3) Biosoziologische (anthropologische, synagonistische) AnsÀtze
- Hier verhalten sich die Beteiligten eines Tausches so, dass beide möglichst viel davon haben, und dies fördert das Ăberdauern der Gattung Mensch. Es ist also eine anthropologisch zu untersuchende Gegebenheit. Das gelĂ€ufigste (nicht einzige) Beispiel dafĂŒr ist die Dyade zwischen SĂ€ugling und Dauerpflegeperson (z. B. Mutter, Amme).
Dass Tauschformen sozial anders wahrgenommen oder kommuniziert werden, als eine soziologische (auch anthropologische) Analyse ergĂ€be, ist anzunehmen. Wie auch die Frage nach der Gerechtigkeit (auch Ăquivalenz) eines Tausches, richtet dies sich nach herrschenden Werten, oder es wird bei Vertretern einander bekĂ€mpfender Werthaltungen unterschiedlich beurteilt.
Klassische soziologische Autoren im Bereich der Tauschtheorie waren z.B. Franz Oppenheimer, Claude Lévi-Strauss und Peter Blau.
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